Nachbarschaftshilfe als niederschwellige Betreuung anerkennen

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Problem
Die Pflegekassen stellen Menschen mit Pflegegrad einen Betrag von 125 € zur Verfügung, dieser dient zur Bezahlung von sogenannten „niederschwelligen Entlastungsleistungen“. Das läuft dann so ab, dass man bei einem anerkannten Leistungserbringer einen Helfer bucht, dieser leistet einem dann Gesellschaft, bügelt die Wäsche oder kümmert sich um etwas anderes, was man selbst nicht mehr alleine leisten kann. Die Pflegekasse zahlt dann direkt an den Leistungserbringer.
Nun ist es so, dass die Anforderungen an den Leistungserbringer sehr hoch geworden sind. Die Mitarbeiter müssen viele Stunden Fortbildung nachweisen, und das kann und will nicht jeder leisten. Deshalb sind Hilfsbedürftigen nun auf die Pflegedienste angewiesen, die sehr hohe Stundensätze haben.
Es kann nicht angehen, dass so hohe Ansprüche an die Helfer gestellt werden. Man braucht keine besondere Qualifikation, um jemanden mit körperlichen Einschränkungen im Haushalt zur Hand zu gehen. Die bisherige Anerkennung läuft aus, eine neue Beantragung scheiterte bislang an neu geforderten 30 Fortbildungsstunden für neue MitarbeiterInnen (Gesetzblatt Baden-Wüerttemberg zum §45a Sgb XI )
- Die Hilfesuchenden können durch die Nichtanerkennung das Entlastungsangebot der Kasse, nur noch durch einen Pflegedienst ambulant erbringen lassen, hier waren zuvor 15,5 Stunden/Monat möglich, durch die höheren Sätze der Pflegedienste sind das nur noch 2,5 Stunden im Monat, was mit den alltäglichen Anforderungen schnell verbraucht ist. Da viele Hilfesuchenden dieses Entlastungsangebot der Kasse auch weiter nutzen wollen, aber nicht einsehen, damit nicht über die Runden zu kommen, ist es notwendig die 30 geforderten Fortbildungsstunden zu reduzieren,da diese auch für eine erfolgreiche Betreuuung nicht ausschlaggebend sind, sondern Empathie und Engagement.
- Die langjährigen MitarbeiterInnen fühlen sich diskreditiert, da sie mit 5 Stunden im Jahr fortgebildet sind und langjährig erfahren.
- Es ist für Hilfesuchende jetzt schon mehr als schwer, jemanden zu finden, der ihnen hilft.

Lösung
Erstellung eines Fortbildungskonzepts mit sinnvollem Ausmaß und Inhalt, das von allen Beteiligten akzeptiert wird. Anerkennung auch von wenig geschulten Einzelpersonen als Helfer.

Persönliche Geschichte
Ich bin eine an ALS erkrankte Frau, die bisher Besuch von einer netten Dame erhielt, die für die Nachbarschaftshilfe tätig ist. Sie hat mir bei all den Kleinigkeiten geholfen, die weder zur Pflege noch zum Grundbedarf des Haushalts gehören. Das sind zum Beispiel kleine Bastelarbeiten, mal eine andere Frisur, endlich den Kleiderschrank aufräumen – also Dinge, die ein gesunder ganz alleine nebenbei machen kann. Ich habe mich immer auf den Tag gefreut, an dem diese Frau kam. Organisiert wurde das durch eine von der Kirche getragene Nachbarschaftshilfsorganisation.
Nun erreicht mich die Nachricht, dass dies zukünftig nicht mehr möglich ist. Die Mitarbeiter in den der Organisation müssten mindestens 30 Stunden Fortbildung im Jahr nachweisen. Die Dame, die mir hilft, braucht dafür aber keine weitere Fortbildung. Sie ist mitfühlend, freundlich, empathisch und in der Lage, mir etwas aus dem Regal zu holen. Ich brauche keinen ausgebildeten Pfleger für diese Dienste, ich brauche einen Menschen, der bereit ist, mir zu helfen.
Die 125 €, die die Pflegekasse uns zugesteht, sind eine gute Idee. Wenn jetzt unüberwindbare Hürden aufgestellt werden, haben wir keinen Nutzen davon.