Tierärzten muss es erlaubt sein, verletzte und kranke Robben zu retten!

Tierärzten muss es erlaubt sein, verletzte und kranke Robben zu retten!

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Tierärzte sollten nicht an der Ausübung ihrer Arbeit und der damit verbundenen Hilfe für in Not geratene Seehunde und Kegelrobben gehindert werden dürfen. Deshalb fordern wir hier dringend eine Gesetzesänderung! 

Für viele von uns ist die Natur an den Küsten der Nordsee ein beliebtes Urlaubsziel und Rückzugsort.

Leider greifen wir hierdurch aber zunehmend in den Lebensraum von Seehunden und Kegelrobben ein. Indem wir beispielsweise durch einen Nationalpark spazieren, Schiffstouren unternehmen, Wassersport betreiben oder auch durch die Fischerei stören wir die Tiere erheblich, was nicht nur zu einem auffälligen Anstieg der gefunden Heuler führt, sondern auch erwachsene Robben bedroht. Außerdem werden durch die zunehmende Verschmutzung von Meeres- und Küstenabschnitten die Immunsysteme der Robben so stark angegriffen, dass besonders Tiere unter einem Jahr viel anfälliger für Krankheiten wie zum Beispiel Lungenwürmer sind. Eine erfolgreiche Behandlung von solchen kranken und hilfsbedürftigen Robben durch Tierärzte wäre in den meisten Fällen möglich, sodass diese wieder gesund in die Freiheit entlassen werden könnten. 

Allerdings liegt die Entscheidung, ob ein Tier Hilfe bekommt, allein bei den Seehundjägern. Diese dürfen eine Robbe einfach erschießen, ohne dass sie zuvor tierärztlich untersucht wurde. Leider werden dadurch sehr viele Tiere, denen man noch hätte helfen können, direkt getötet oder zurück ins Wasser getrieben, wo sie dann qualvoll verenden. Unten angehängt findet ihr einen Zeitungsartikel, in dem ein Seehundjäger von Sylt über seine Arbeit erzählt: Er gibt offen zu, dass Tiere mit Lungenwürmern erschossen werden, obwohl man diese hätte gut behandeln können. 

Wenn ein Tierarzt sich über die Seehundjäger hinwegsetzt und ein Tier in Not behandelt, droht ihm sogar eine strafrechtliche Verfolgung. Für uns ist es unbegreiflich, wie ein Tierarzt dafür bestraft werden kann, wenn er seinen Job macht und einem Tier das Leben rettet.

Deshalb fordern wir eine Gesetzesänderung in Schleswig-Holstein zur Behandlung von Seehunden und Kegelrobben, die es Tierärzten erlaubt den Gesundheitszustand der Tiere zu beurteilen, sie aufzunehmen und eine lebensrettende Behandlung einzuleiten. Kein Tier sollte getötet werden, bevor es nicht tierärztlich untersucht worden ist. 

Auch wenn es sich bei Robben um Wildtiere handelt, sehen wir es als unsere Pflicht, verletzten und kranken Tieren zu helfen, wenn wir dies können. Vor allem wenn man bedenkt, dass die hohe Anzahl der hilfsbedürftigen Tiere keineswegs natürlich ist, sondern durch uns Menschen verursacht wird. Nicht zuletzt verpflichtet uns dazu unser Tierschutzgesetz!

Wir bitten um eure Unterstützung und danken euch für jede Unterschrift!

Janine Bahr-van Gemmert (Tierärztin im Robbenzentrum Föhr) und Janina Fautz 


Über diesen Link gelangt ihr zu einem ganz aktuellen Bericht der Deutschen Stiftung für Meeresschutz, über die Rettung eines kleinen Heulers, den die Seehundjäger sterben lassen wollten. 

Deutsche Stiftung für Meeresschutz

Hier findet ihr noch ein kurzes Video von Janine und Andrè vom Robbenzentrum Föhr: 

https://www.youtube.com/watch?v=9ParLwwo2qw

Zeitungsartikel: 

SYLTER SEEHUNDJÄGER Tote und kranke Seehunde: Das Leid an Sylter Stränden
Fast 1250 Tiere wurden 2019 tot oder todkrank an den Strand gespült. Seehundjäger erwarten nach Stürmen mehr Einsätze.

von Anna Ernst 

17. Februar 2020, 18:16 Uhr


KAMPEN | Der kleine Seehund schnaubt. Blut tropft ihm aus Nase und Mund. Ein Mann in dunkelgrüner Jacke schiebt die Wanne mit der schwer verletzten Robbe auf seinen Pickup. Die Sturmfluten der vergangenen Tage haben nicht nur Strandgut, sondern auch verletzte und schwache Seehunde angespült.

Das kleine Tier in der Wanne wurde gestern von Touristen gemeldet. Normalerweise sind Seehunde scheue Raubtiere, die ins Wasser flüchten. Dieser Kleine aber hat es nicht mehr geschafft, sich aus eigener Kraft zurück ins Meer zu robben, als Thomas Diedrichsen ihn in Kampen aufgelesen hat. 

Der kurzhaarige Mann Anfang 50 ist einer von drei Ehrenamtlichen auf Sylt, die sich um jedes an den Strand gespülte Tier kümmern. Seehundjäger heißen sie. Der irreführende Name stammt aus alter Zeit – noch von vor 1974, als es in Deutschland tatsächlich Jagdzeiten für den Abschuss von Seehunden gab.

Immer in Bereitschaft

Heute sind die Seehundjäger eine staatlich geförderte Institution. Die Ehrenamtlichen sind für die Hege des Tierbestands verantwortlich und werden speziell für den Umgang mit den Wildtieren geschult. Sie jagen nicht, sondern helfen. Ihre Aufgabe ist es, zu entscheiden, welche Tiere es bis in die Seehundstation in Friedrichskoog schaffen und dort eine Chance haben, wieder aufgepäppelt zu werden. Rund um die Uhr haben die Männer Bereitschaft. Seehundmanagement wäre die modernere Bezeichnung für ihre Aufgabe. Ein Jagdschein ist trotzdem Pflicht.

Jedes Mal am Strand trifft Thomas Diedrichsen eine Entscheidung über Leben und Tod. In den meisten Fällen fährt er hinaus, um die Tiere nur noch zu erlösen. Er zeigt auf das rot verfärbte Fell der kleinen Robbe auf der Ladefläche seines Wagens: 

Wenn sie Blut husten, dann deutet das auf Lungenwürmer hin.Thomas Diedrichsen
Mit letzter Kraft reckt der Seehund in der Wanne den Kopf und versucht nach der Männerhand zu beißen. Routiniert zieht Thomas Diederichsen seine Finger zurück und legt ein hölzernes Gitter über die Wanne. „Höchstens zwei bis drei Tage hätte er noch“, sagt der 53-Jährige. Er wird den Seehund mit einer Kugel vom Leiden erlösen. Abseits vom Strand. Abseits von Spaziergängern und Feriengästen.

1150 Seehunde im vergangen Jahr

1250 Tiere haben Diedrichsen und seine beiden Kollegen im vergangenen Jahr am Strand aufgelesen, darunter etwa 80 Schweinswale und 20 Kegelrobben. Mit 1150 Fällen machen die Seehunde aber die meisten Einsätze aus. „In 40 Prozent der Fälle werden sie schon tot gefunden“, schätzt Diedrichsen. In 60 Prozent mussten er und seine Kollegen zur Waffe greifen.

45 Euro Aufwandsentschädigung bekommen die Seehundjäger, wenn sie mit dem eigenen Auto an den Strand hinausfahren und ein Tier einsammeln. Fast jedes Mal ziehen sie bei ihren Einsätzen die Blicke auf sich. „Eine Robbe auf Sylt zieht immer Menschen an“, sagt der Seehundjäger. Viele Touristen hätten die Seehunde gar derart ins Herz geschlossen, dass auch die verletzten Tiere noch beliebte Fotomotive seien.

Trotz Kulleraugen: Seehunde sind Wildtiere

Einmal, erzählt Diedrichsen, hätten Touristen eine Robbe, die schon sehr schwach war, in eine Decke gewickelt, auf den Arm genommen und in einen Strandkorb gelegt. In solchen Momenten muss der Seehundjäger eingreifen und vor den scharfen Zähnen der Seehunde und den auch für Menschen ansteckenden Krankheitserregern warnen. „Die Leute vergessen, dass es sich um ein Wildtier handelt“, sagt er. Sie daran zu erinnern, ist Teil seines Jobs.

Wildtier - dieses Wort betont der Seehundjäger besonders. Immer wieder muss er sich in der Öffentlichkeit dafür rechtfertigen, dass kranke Tiere direkt erlöst und nicht behandelt werden. Tierschützer argumentieren, dass einigen Seehunden mit Medikamenten und Pflege durchaus noch geholfen werden könne. „Aber das kann Monate dauern und wäre teuer“, sagt Thomas Diedrichsen. In der Seehundstation in Friedrichskoog aber gibt es keinen Platz für die vielen kranken Tiere. Dort werden nur kleine Heuler aufgenommen, die weitestgehend gesund sind und mit genügend Futter wieder aufgepäppelt werden können. Thomas Diedrichsen zuckt mit den Schultern. Am Ende führe er nur eine Entscheidung des Landes Schleswig-Holstein aus, sagt er. „Wir machen die Politik ja nicht.“ Als Ehrenamtliche könnten sie das Leiden der Tiere nur verringern.

Ein Fund mit Happy End

In der vergangenen Woche gab es allerdings auch einen Fall, von dem die Sylter Seehundjäger gern erzählen: Eine Kegelrobbe hatte sich in einem Netz verfangen. Mit wenigen Handgriffen konnte sie freigeschnitten werden. „Das ist mal eine gute Story“, sagt Diedrichsen. Eine mit Happy End.