Freiwilliges Durchschnittsabitur

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Petition: freiwilliges Durchschnittsabitur


Sehr geehrte Kultusminister_innen,

angesichts der aktuellen Pandemie, verlangen wir, dass erneut darüber entschieden wird, ob die Durchführung von Prüfungen in diesem Jahr notwendig ist. In dieser Pandemie erweist es sich als besonders schwierig, Entscheidungen zu treffen. Umso wichtiger ist es, dass der betroffene Personenkreis ebenfalls ein Mitspracherecht hat. 
Nachdem der erste Vorschlag ein Durchschnittsabitur für den gesamten Abiturjahrgang 2020 zu vergeben, keinen Erfolg hatte, plädieren wir aus folgenden Gründen für das freiwillige Durchschnittsabitur, welches auch rückwirkend für diejenigen gelten sollte, die bereits ihre Prüfungen abgelegt haben. 

1. Gesundheitsrisiko:

- Der Beschluss Abiturprüfungen durchzuführen, sollte nicht bedeuten, mutwillig Menschenleben in Kauf zu nehmen. 

- Das Ansteckungsrisiko in Schulen ist final nicht geklärt, zumal Spätfolgen nicht voraussehbar und Hygienestandards in Schulen bekanntlich - aufgrund der vorzufindenden Ausstattung - nicht realisierbar sind. Die Lage ist extrem unsicher! 

- Kontinuierlich werden neue Erkenntnisse über das Virus publiziert. Allein die Gefahr des Virus ist bisher nicht genau definiert. So sind wir darum besorgt, dass der letzte Beschluss zu weit in der Vergangenheit liegt. Er sollte ein weiteres Mal mit Blick auf die neuesten Erkenntnisse kritisch infrage gestellt und diskutiert werden.

- Hinzu kommt, dass die dazu herangezogene Heinsberg-Studie kritisch zu betrachten ist, da die Methodik Bedenken weckt und sie nicht als repräsentativ für ganz Deutschland gesehen werden kann. Vor allem liefern die Ergebnisse der Heinsberg-Studie keine Ansätze dafür, derartige Lockerungen zu vollziehen. 

- Die Gefahr, Angehörige zu infizieren: Das Gesundheitssystem sollte nicht vor weiteren wohlmöglich verheerenderen Herausforderungen gestellt werden. Jedes Risiko, das Gesundheitssystem zu belasten, sollte auf ein Minimales reduziert werden! So ist es mit der Erkenntnis, dass junge Menschen oft keine Symptome zeigen, gleichwohl von ominöser Bedeutung, sie vor die Entscheidung zu stellen, zur Schule zu gehen, besser auf die Prüfungen vorbereitet zu sein und damit Risikopatienten im eigenen Angehörigenkreis anzustecken oder sich auf die Prüfungen ohne letzte Vorbereitung in Anwesenheit einer Lehrkraft vorzubereiten.  Solche können gar nicht erst zur Schule kommen. Ist das fair? 

- Die Gesundheit steht an erster Stelle. Nicht seinen gewünschten NC zu erreichen, ist zu verkraften. Einen Menschen aus seinem Leben zu verlieren hingegen nicht. 

- Mit dem Beschluss Abiturprüfungen zu schreiben, sollte das höchste Gut des Menschen nicht in Gefahr stehen. Der potenzielle Tod eines Menschen, wäre nicht mit dem gewünschten Abschluss einiger Menschen zu rechtfertigen. Nehmen wir an die Abiturprüfungen würden dieses Jahr freiwillig sein, so könnte man selbst, wenn es sich in einigen Jahren als falsch herausstellt begründen, dass die enorme Unsicherheit der Pandemie zu diesem Entschluss geführt habe.  Werden die Prüfungen nun zur Pflicht in diesem Jahr und es stellt sich als falsch heraus, so wäre die Gefährdung von Menschenleben beziehungsweise der Tod einiger Personen in keiner Weise recht zu fertigen

2. Die psychische Belastung:

- Kein vorheriger Abiturjahrgang musste unter solchen Bedingungen Abiturprüfungen schreiben. Neben der normalen psychischen Belastung des Abiturs (in Form von Stress), hat die Corona-Krise maßgebliche Auswirkungen auf das gesamte Leben jedes Individuums der Weltbevölkerung. Viele Schüler_innen werden beispielsweise mit Familienproblemen konfrontiert, die erst durch die Pandemie zustande kamen und werden in ihrer Vorbereitung auf die Prüfungen stark beeinträchtigt. Genauso intensivieren sich bereits bestehende familiäre Konflikte.

-wirtschaftliche Existenzen gehen zu Grunde

- Die Kluft der gesellschaftlichen Diskrepanzen weitet sich, wodurch familiäre Hintergründe in dieser Zeit einen enormen Einfluss auf das Abitur haben. 

- Extreme Zukunftsängste bauen sich auf. Auch Zukunftspläne für die Zeit nach dem Abitur stehen auf wackeligen Beinen. 

- Viele von uns helfen an anderer Stelle, da die Familie zu unterstützen sich in Zeiten der Pandemie als unerlässlich zeigt.

- Der Mangel an Lehrkräften und die damit einhergehende Überbelastung der verbliebenen Lehrkräfte, die einsatzfähig sind.

3. Die Vergleichbarkeit: 

- Abschlüsse sind generell nur bedingt vergleichbar. Zumal die Vorraussetzungen, um den Weg des Abiturs überhaupt begehen zu dürfen, nicht einheitlich sind.

- Wie erwähnt, haben vorherige Jahrgänge nicht mit dem Coronavirus umgehen müssen. Darüberhinaus absolvieren einige in zwölf Jahren ihr Abitur, während andere dreizehn Jahre dafür in Anspruch nehmen. Außerdem ist es so, dass einige die schriftlichen Abiturprüfungen in einem Zeitraum von wenigen Tagen ablegen, während andere über Wochen hinweg schreiben.

- Der Schnitt des Abiturs, wird größtenteils bereits in der Phase vor den Prüfungen determiniert. Die Abschlussprüfungen verändern den NC in den meisten Fällen ohnehin nicht nennenswert. Die Abweichungsprüfungen sorgen dafür, dass es keine drastischen Veränderungen gibt - dies wird dieses Jahr jedoch ohnehin nicht gewährleistet werden können.

- Auf die zentralen Abschlussprüfungen am Ende der Sekundarstufe 1 wird verzichtet, womit das Argument der Vergleichbarkeit von derselben Personengruppe, die dieses Argument heranziehen um Abiturprüfungen zu begründen, negiert wird.

- Universitäten akzeptieren Abschlüsse aus anderen Ländern, die kaum mit unseren zu vergleichen sind. Dort sind nämlich die Abschlussprüfungen abgesagt worden. Dafür gibt es eine rechtliche Grundlage, nämlich das Hamburger Abkommen. Somit würde auch ein Durchschnittsabitur in allen Bundesländern anerkannt werden müssen.

—> Auf der Grundlage der von uns schlüssig angeführten Argumenten, fordern wir einen erneuten Beschluss bezüglich der Abiturprüfungen. Wir sprechen uns klar für das Durchführen freiwilliger Abiturprüfungen aus. Denjenigen, die ihre Prüfungen bereits absolviert haben, sollte es freistehen, nachträglich stattdessen ein Durchschnittsabitur zu erhalten. Diejenigen, die ihren Schnitt verbessern möchten, sollten dies tun dürfen. Doch dem gesamten Abiturjahrgang 2020 abzuverlangen, sich angesichts der Pandemie in solch ein Risiko zu stürzen, betrachten wir äußerst fragwürdig und zweifeln hiermit offiziell an, dass dies letztlich gewinnbringend für uns und gesamt Deutschland ist.

Mit freundlichen Grüßen 
Der Abiturjahrgang 2020