

Im folgenden gebe ich den vollständigen Wortlaut eines Tagesspiegel-Artikels wieder, der vor einigen Tagen online erschien. Ich möchte aber keine Werbung für den Tagesspiegel machen, der sich in bezug auf den Ukraine-Konflikt übelster Kriegstreiberei schuldig gemacht - so wie andere Mainstream-Medien auch. Saluschnyj ist, soviel ich weiß, zur Zeit ukrainischer Botschafter in Großbritannien.
FRÜHERER UKRAINISCHER ARMEECHEF: SALUSCHNYI ÄUSSERT SICH ZU DIFFERENZEN MIT SELENSKYJ
Walerij Saluschnyj war jahrelang Selenskyjs Oberbefehlshaber. Gerüchte über eine Kluft zwischen beiden gibt es schon länger. Saluschnyj sagt nun, schon im September 2022 sei der Tiefpunkt erreicht gewesen.
[ Foto von W. Saluschnyj aus seiner Zeit als Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee ]
Dieses vom ukrainischen Präsidialamt zur Verfügung gestellte Foto zeigt den ehemaligen Oberkommandierenden der ukrainischen Streitkräfte, Walerij Saluschnyj.
© Foto: dpa/Uncredited
Der frühere ukrainische Oberbefehlshaber und heutige Botschafter in London, Walerij Saluschnyj, gilt seit seiner Absetzung 2024 als einer der wichtigsten politischen Konkurrenten von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Schon länger gibt es Gerüchte über eine Kluft zwischen den beiden Männern. Jetzt äußerte sich Saluschnyj dazu in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Associated Press (AP).
SALUSCHNYJS [ sic!, Desh Ol Linador ] SPRICHT VON DURCHSUCHUNG SEINES DAMALIGEN BÜROS
Der Tiefpunkt in der Beziehung der beiden sei bereits Mitte September 2022 erreicht worden. Damals hätten Saluschnyj zufolge Dutzende Agenten des ukrainischen Inlandsgeheimdiensts (SBU) das Büro des damaligen Armeechefs durchsucht.
Daraufhin habe er Andrij Jermak, den damaligen Leiter des ukrainischen Präsidialamts, angerufen. „Ich habe Jermak gesagt, dass ich diesen Angriff abwehren werde, weil ich weiß, wie man kämpft“, zitiert AP Saluschnyj. Dieser habe wiederum Wassyl Maljuk, den damaligen Leiter des Geheimdienstes, angerufen, der seinerseits nichts von der Durchsuchung gewusst haben soll, sagte Saluschnyj weiter.
Später habe Saluschnyj nach eigenen Worten erfahren, dass der Geheimdienst SBU zwei Tage zuvor bei einem Kiewer Gericht einen Durchsuchungsbeschluss beantragt hatte – für die Adresse, an der sich sein Büro befindet. Offiziell sollte dort ein Stripclub durchsucht werden, der angeblich von einer kriminellen Gruppe betrieben wurde. Mitarbeiter des Clubs hätten jedoch AP gesagt, dass dieser schon vor Beginn der russischen Invasion nicht mehr an diesem Ort existierte.
Der SBU erklärte laut der Nachrichtenagentur, man habe mehrere Adressen im Zusammenhang mit organisierter Kriminalität überprüft, ohne Bezug zu Saluschnyj. Demnach habe bei der Adresse keine Durchsuchung stattgefunden, und die Situation sei geklärt worden, nachdem Maljuk und Saluschnyj gesprochen hätten.
Saluschnyj vermute, dass der Durchsuchungsbeschluss nur ein Vorwand war – und der SBU kaum den Standort des zentralen Kriegsführungszentrums des Landes versehentlich hätte verwechseln können, heißt es in dem Bericht weiter. Zudem habe er die Durchsuchung als eine klare Drohung wahrgenommen.
Das Büro von Selenskyj lehnte es laut AP ab, Stellung zu den Vorwürfen zu beziehen. Die Nachrichtenagentur selbst konnte Saluschnyjs Darstellung der Durchsuchung nicht unabhängig verifizieren.
STREITPUNKT KRIEGSFÜHRUNG
Ein weiterer Streitpunkt zwischen den beiden sei zudem die Frage gewesen, wie man das angegriffene Land am besten vor Russland verteidigen könne, sagte Saluschnyj. Bereits kurz nach der russischen Invasion im Februar 2022 seien sie sich darüber uneinig gewesen.
So macht beispielsweise Saluschnyj den ukrainischen Präsidenten für die gescheiterte Gegenoffensive 2023 verantwortlich. Ihm zufolge sei der Plan, den er mithilfe von Nato-Partnern entworfen hätte, gescheitert, weil Selenskyj und andere Zuständige nicht die erforderlichen Ressourcen bereitgestellt hätten.
Geplant gewesen sei Saluschnyj zufolge ein konzertierter Vorstoß zur Rückgewinnung der teilweise besetzten Region Saporischschja, um dann Fortschritte in den Süden zu machen. Erfolgsentscheidend wären dabei ein großes Aufgebot und der Überraschungseffekt gewesen, erklärte Saluschnyj in dem Interview. Stattdessen seien die ukrainischen Truppen über ein zu großes Gebiet verteilt worden, was ihre Wirkung geschwächt habe.
Diese Darstellung wurde AP von zwei westlichen Verteidigungsbeamten, die anonym bleiben wollten, bestätigt, berichtet das Nachrichtenportal.
SALUSCHNYJ IST AKTUELL BELIEBTER ALS SELENSKYJ
In der ukrainischen Bevölkerung genießt Saluschnyj noch immer eine große Beliebtheit. Eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens Ipsos sah Saluschnyj Ende Januar vorn. Damals gaben 23 Prozent der Befragten an, Saluschnyj wählen zu wollen, wenn am kommenden Sonntag Präsidentschaftswahlen wären. Damit lag er drei Prozentpunkte vor Selenskyj.
Saluschnyj verweigert es aktuell, über seine politischen Ambitionen zu sprechen, da er die ukrainische Einheit nicht spalten wolle. „Bis der Krieg vorbei ist oder das Kriegsrecht aufgehoben wird, werde ich darüber nicht sprechen und habe auch nichts in dieser Richtung unternommen“, sagte er der AP.
Trotzdem könne seine Positionierung in dem Interview als Zeichen für einen möglichen Wunsch einer Präsidentschaftskandidatur nach Ende des Kriegs interpretiert werden, ordnet die Nachrichtenagentur ein. (sk)