Mehr Therapieplätze für Menschen mit psychischen Problemen

Das Problem

Kathrin Schallenberg: Als Psychologische Psychotherapeutin erlebe ich leider viel zu oft, dass Menschen sehr lange auf Therapieplätze warten müssen und nicht frühzeitig die erforderliche Unterstützung erhalten, die eine weitere Verschlimmerung der Symptomatik verhindern könnte. Oder aber, dass die Hürden, Psychotherapie in Anspruch zu nehmen, vor dem Hintergrund Lebenssituation sehr hoch – manchmal auch zu hoch – sind: beispielsweise da die eigene psychische Störung das Verlassen des Hauses derzeit massiv erschwert, aufgrund einer großen räumlichen Distanz zur Psychotherapiepraxis oder anderer psychosozialer Umstände. Ich setze mich daher sowohl für mehr Psychotherapieplätze als auch für eine Individualisierung von deren Gestaltung, beispielsweise durch Videotherapie, ein.

Joéva Lemieuvre: Als Psychologin und angehende Psychotherapeutin ist es meine Aufgabe, jeder Person, die das Bedürfnis danach verspürt, die bestmögliche Behandlung in einem angemessenen Umfeld zu bieten. Dabei ist es mir besonders wichtig, dass alle Menschen dieselbe Chance auf einen zeitnahen Therapieplatz bekommen.

Julia Darboven: Ich bin Psychologiestudentin und erfahre täglich aus erster Hand, wie stark Menschen leiden, die den Mut finden, sich Hilfe zu suchen und dann einfach hängengelassen werden müssen, weil die Kapazitäten fehlen.

Diana Ammann: Seit einigen Jahren engagiere ich mich im Besuchsdienst eines Altenheims. Viele der SeniorInnen leiden immer noch unter Traumatisierungen, die sie während des II. Weltkriegs erlitten haben. Dies zeigt, wie wichtig Aufklärung, Toleranz und passende Therapien tatsächlich sind. 

Durch unser Engagement sind wir auf einen schwerwiegenden Mangel aufmerksam geworden: Es fehlen in Deutschland ausreichend Psychotherapieplätze für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Nach Angaben der Bundespsychotherapeutenkammer werden jährlich 17,8 Millionen Menschen in Deutschland schwer psychisch krank und benötigen eine Behandlung. Geboten werden allerdings gerade mal 1,5 Millionen Behandlungsplätze! Quelle: https://www.aerzteblatt.de/archiv/81029/Psychotherapie-Bedarf-an-Therapieplaetzen-wird-unterschaetzt

Bei immer mehr Menschen in Deutschland wird eine psychische Erkrankung diagnostiziert. Doch bei der dringend notwendigen Behandlung gibt es große Probleme. Seit Jahren haben wir in Deutschland einen großen Mangel an Psychotherapieplätzen. Betroffen davon sind nicht nur Menschen mit leichten psychischen Erkrankungen, sondern auch die, die schwer krank sind. Die Wartezeit beträgt durchschnittlich 9 Monate. Während dieser Zeit sind die Betroffenen häufig auf sich alleine gestellt. Dadurch können sich die Erkrankungen verschlimmern, Folgeerkrankungen auftreten und die Erkrankten sogar in den Selbstmord treiben. Quelle: https://www.vice.com/de/article/xdkby3/ich-bin-psychisch-krank-und-es-war-fast-unmglich-einen-therapieplatz-zu-finden

Für die geflüchteten Menschen besteht eine weitere Benachteiligung, da sie erst nach 36 Monaten einen Anspruch auf eine Psychotherapie haben. Eine Ausnahme wurde nur für die Flüchtlinge aus der Ukraine geschaffen. Diese wurden seit dem 01. Juni 2022 in das Gesundheitssystem integriert und haben dadurch einen sofortigen Anspruch auf einen Psychotherapieplatz. https://innn.it/Psychotherapief%C3%BCrGefl%C3%BCchtete 

Besonders erwähnen möchten wir hierbei noch den Mangel an Psychotherapieplätzen für Sexualstraftäter, der das Risiko für sexuelle Übergriffe auf Kinder und Frauen erheblich erhöht. Quelle: https://rp-online.de/politik/fuer-paedophile-fehlen-therapieplaetze_aid-9594097

Einer der Hauptgründe für diesen schwerwiegenden Mangel ist, dass nicht genügend PsychotherapeutInnen eine Kassenzulassung erhalten, obwohl ausreichend ausgebildete PsychotherapeutInnen vorhanden sind. Die Ursache dafür ist eine Bedarfsplanung, die aus dem Jahr 1999 stammt und bisher nicht angepasst wurde. Quelle: https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/psychologie/psychotherapie-therapeuten-mangel-gefaehrdet-menschenleben_id_10064460.html

Statt weitere Kassenzulassungen zu schaffen, wurden den TherapeutInnen Erstgespräche vorgeschrieben, um die Notwendigkeit einer Psychotherapie einzuschätzen und Kurzzeittherapien unterstützt, um die Kosten zu senken. 

Die fehlenden Kassensitze beeinträchtigen aber nicht nur die PatientInnen, sondern auch die TherapeutInnen, die über eine Kassenzulassungen verfügen. Durch die Arbeitsüberlastung kann die Gesundheit der TherapeutInnen beeinträchtigt und die Versorgung der PatientInnen gefährdet werden. 

Deshalb fordern wir Nina Warken dazu auf, endlich zu handeln und die Bedarfsplanung für PsychotherapeutInnen dem tatsächlichen Bedarf anzupassen, damit auch Menschen mit psychischen Erkrankungen die Psychotherapie bekommen, die sie brauchen.


Helft bitte mit, unterzeichnet und verbreitet diese Petition!

Vielen herzlichen Dank für eure Unterstützung.

Euer Aktionsbündnis für mehr Psychotherapieplätze 

Alina, Lukas, Mareike, Charlotte, Merret, Kathrin, Joéva, Julia und Diana 

Links:

https://sites.google.com/view/mehrpsychotherapie/startseite

https://www.instagram.com/mehrpsychotherapieplaetze_de/

Veröffentlichungen:

https://www.kupferblau.de/2021/12/11/wenn-ich-den-notarzt-rufe/

https://taz.de/Petition-der-Woche/!5841106

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Aktionsbündnis Mehr Psychotherapieplätze für DeutschlandPetitionsstarter*inAlina Diem, Lukas Webers, Mareike Inhoff, Charlotte Appel, Merret Klos, Kathrin Schallenberg, Joéva Lemieuvre, Julia Darboven und Diana Ammann

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Das Problem

Kathrin Schallenberg: Als Psychologische Psychotherapeutin erlebe ich leider viel zu oft, dass Menschen sehr lange auf Therapieplätze warten müssen und nicht frühzeitig die erforderliche Unterstützung erhalten, die eine weitere Verschlimmerung der Symptomatik verhindern könnte. Oder aber, dass die Hürden, Psychotherapie in Anspruch zu nehmen, vor dem Hintergrund Lebenssituation sehr hoch – manchmal auch zu hoch – sind: beispielsweise da die eigene psychische Störung das Verlassen des Hauses derzeit massiv erschwert, aufgrund einer großen räumlichen Distanz zur Psychotherapiepraxis oder anderer psychosozialer Umstände. Ich setze mich daher sowohl für mehr Psychotherapieplätze als auch für eine Individualisierung von deren Gestaltung, beispielsweise durch Videotherapie, ein.

Joéva Lemieuvre: Als Psychologin und angehende Psychotherapeutin ist es meine Aufgabe, jeder Person, die das Bedürfnis danach verspürt, die bestmögliche Behandlung in einem angemessenen Umfeld zu bieten. Dabei ist es mir besonders wichtig, dass alle Menschen dieselbe Chance auf einen zeitnahen Therapieplatz bekommen.

Julia Darboven: Ich bin Psychologiestudentin und erfahre täglich aus erster Hand, wie stark Menschen leiden, die den Mut finden, sich Hilfe zu suchen und dann einfach hängengelassen werden müssen, weil die Kapazitäten fehlen.

Diana Ammann: Seit einigen Jahren engagiere ich mich im Besuchsdienst eines Altenheims. Viele der SeniorInnen leiden immer noch unter Traumatisierungen, die sie während des II. Weltkriegs erlitten haben. Dies zeigt, wie wichtig Aufklärung, Toleranz und passende Therapien tatsächlich sind. 

Durch unser Engagement sind wir auf einen schwerwiegenden Mangel aufmerksam geworden: Es fehlen in Deutschland ausreichend Psychotherapieplätze für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Nach Angaben der Bundespsychotherapeutenkammer werden jährlich 17,8 Millionen Menschen in Deutschland schwer psychisch krank und benötigen eine Behandlung. Geboten werden allerdings gerade mal 1,5 Millionen Behandlungsplätze! Quelle: https://www.aerzteblatt.de/archiv/81029/Psychotherapie-Bedarf-an-Therapieplaetzen-wird-unterschaetzt

Bei immer mehr Menschen in Deutschland wird eine psychische Erkrankung diagnostiziert. Doch bei der dringend notwendigen Behandlung gibt es große Probleme. Seit Jahren haben wir in Deutschland einen großen Mangel an Psychotherapieplätzen. Betroffen davon sind nicht nur Menschen mit leichten psychischen Erkrankungen, sondern auch die, die schwer krank sind. Die Wartezeit beträgt durchschnittlich 9 Monate. Während dieser Zeit sind die Betroffenen häufig auf sich alleine gestellt. Dadurch können sich die Erkrankungen verschlimmern, Folgeerkrankungen auftreten und die Erkrankten sogar in den Selbstmord treiben. Quelle: https://www.vice.com/de/article/xdkby3/ich-bin-psychisch-krank-und-es-war-fast-unmglich-einen-therapieplatz-zu-finden

Für die geflüchteten Menschen besteht eine weitere Benachteiligung, da sie erst nach 36 Monaten einen Anspruch auf eine Psychotherapie haben. Eine Ausnahme wurde nur für die Flüchtlinge aus der Ukraine geschaffen. Diese wurden seit dem 01. Juni 2022 in das Gesundheitssystem integriert und haben dadurch einen sofortigen Anspruch auf einen Psychotherapieplatz. https://innn.it/Psychotherapief%C3%BCrGefl%C3%BCchtete 

Besonders erwähnen möchten wir hierbei noch den Mangel an Psychotherapieplätzen für Sexualstraftäter, der das Risiko für sexuelle Übergriffe auf Kinder und Frauen erheblich erhöht. Quelle: https://rp-online.de/politik/fuer-paedophile-fehlen-therapieplaetze_aid-9594097

Einer der Hauptgründe für diesen schwerwiegenden Mangel ist, dass nicht genügend PsychotherapeutInnen eine Kassenzulassung erhalten, obwohl ausreichend ausgebildete PsychotherapeutInnen vorhanden sind. Die Ursache dafür ist eine Bedarfsplanung, die aus dem Jahr 1999 stammt und bisher nicht angepasst wurde. Quelle: https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/psychologie/psychotherapie-therapeuten-mangel-gefaehrdet-menschenleben_id_10064460.html

Statt weitere Kassenzulassungen zu schaffen, wurden den TherapeutInnen Erstgespräche vorgeschrieben, um die Notwendigkeit einer Psychotherapie einzuschätzen und Kurzzeittherapien unterstützt, um die Kosten zu senken. 

Die fehlenden Kassensitze beeinträchtigen aber nicht nur die PatientInnen, sondern auch die TherapeutInnen, die über eine Kassenzulassungen verfügen. Durch die Arbeitsüberlastung kann die Gesundheit der TherapeutInnen beeinträchtigt und die Versorgung der PatientInnen gefährdet werden. 

Deshalb fordern wir Nina Warken dazu auf, endlich zu handeln und die Bedarfsplanung für PsychotherapeutInnen dem tatsächlichen Bedarf anzupassen, damit auch Menschen mit psychischen Erkrankungen die Psychotherapie bekommen, die sie brauchen.


Helft bitte mit, unterzeichnet und verbreitet diese Petition!

Vielen herzlichen Dank für eure Unterstützung.

Euer Aktionsbündnis für mehr Psychotherapieplätze 

Alina, Lukas, Mareike, Charlotte, Merret, Kathrin, Joéva, Julia und Diana 

Links:

https://sites.google.com/view/mehrpsychotherapie/startseite

https://www.instagram.com/mehrpsychotherapieplaetze_de/

Veröffentlichungen:

https://www.kupferblau.de/2021/12/11/wenn-ich-den-notarzt-rufe/

https://taz.de/Petition-der-Woche/!5841106

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Die Entscheidungsträger*innen

Kirsten Kappert-Gonther
MdB, B90/GRÜNE, stellv. Vorsitzende des Gesundheitsausschusses
Beantwortet
Die Anzahl der heute zugelassenen Psychotherapeut*innen in Deutschland reicht bei Weitem nicht aus, um den tatsächlichen Bedarf zu decken. Vielerorts, insbesondere in ländlichen und einkommensschwachen Regionen, führt das zu unzumutbaren Wartezeiten auf eine Psychotherapie. Aufgrund der Corona-Pandemie gehen wir zudem von einem steigenden Bedarf an psychotherapeutischer und -sozialer Hilfe aus. Ohne eine Erweiterung der Kapazitäten kann dies auch die Versorgung von psychisch schwer und chronisch kranken Menschen gefährden. Gemeinsam mit unseren Koalitionspartnern haben wir uns vorgenommen, in dieser Legislaturperiode die psychotherapeutische Bedarfsplanung anzupassen. Das heißt, dass wir den Gemeinsamen Bundesausschuss damit beauftragen werden, weitere psychotherapeutische Kapazitäten in der Regelversorgung, sprich Kassensitze, zu schaffen. Ausreichende und gesicherte Versorgungsstrukturen für Pädophile sind notwendig. Hierfür braucht es besondere Angebote auch jenseits der ambulanten Versorgungsstruktur. Es ist daher gut und richtig, dass die Mitglieder des Präventionsnetzwerks „Kein Täter werden“ im Rahmen eines Modellvorhabens nach §65d SGB V durch den Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV-SV) gefördert werden. Eine dauerhafte Finanzierung dieser Vorhaben muss gewährleistet werden. Nicht zuletzt müssen die die psychotherapeutischen und -sozialen Hilfsangebote für traumatisierte Geflüchtete ausgebaut werden. Neben der Behebung der allgemeinen strukturellen Mangelsituation in der psychotherapeutischen Versorgung braucht es hier insbesondere mehr Psychotherapeut*innen, die für die Behandlung von Trauma-Folgestörungen adäquat ausgebildet sind. Ich setze mich daher für eine dauerhafte Finanzierung der psychosozialen Zentren über reine Projektfinanzierung hinaus ein. Foto: Thomas Trutschel
Katja Pähle
SPD, MdL, Fraktionsvorsitzende Sachsen-Anhalt, SPD-Präsidiumsmitglied
Beantwortet
Dem Text des Koalitionsvertrages sehen Sie schon an, dass wir in der Einschätzung der Lage und der notwendigen Maßnahmen nah beieinander sind: „Wir starten eine bundesweite Aufklärungskampagne zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen. Wir reformieren die psychotherapeutische Bedarfsplanung, um Wartezeiten auf einen Behandlungsplatz, insbesondere für Kinder- und Jugendliche, aber auch in ländlichen und strukturschwachen Gebieten deutlich zu reduzieren. Wir verbessern die ambulante psychotherapeutische Versorgung insbesondere für Patienten mit schweren und komplexen Erkrankungen und stellen den Zugang zu ambulanten Komplexleistungen sicher. Die Kapazitäten bauen wir bedarfsgerecht, passgenau und stärker koordiniert aus. Im stationären Bereich sorgen wir für eine leitliniengerechte psychotherapeutische Versorgung und eine bedarfsgerechte Personalausstattung. Die psychiatrische Notfall- und Krisenversorgung bauen wir flächendeckend aus.“ Auch hier in Sachsen-Anhalt müssen wir an vielen Stellen erfahren, wie stark die Auswirkungen der Corona-Pandemie und der Maßnahmen zu ihrer Eindämmung insbesondere auf Kinder und Jugendliche sind. Und es lässt sich schon jetzt sicher erwarten, dass der Krieg in der Ukraine, dass Kriegsgefahr und Kriegsangst ebenfalls ihre Spuren hinterlassen werden. Daher unterstütze ich aus Überzeugung Ihre Forderungen und werde auf der Bundesebene ein waches Auge darauf haben, dass die Vereinbarungen des Koalitionsvertrages auch umgesetzt werden. Abschließend noch ein Hinweis: Sie weisen zurecht auf die besondere Problematik fehlender Therapieplätze für Pädophile und die damit verbundene Gefahr für Kinder hin. Diese Gefahr ist real. Ich bin deshalb froh, dass das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt für diese Zielgruppe zumindest den Zugang zum Fernbehandlungsangebot des Netzwerks „Kein Täter werden“ sicherstellt. Foto: Susie Knoll
Nina Warken
Nina Warken
Bundesgesundheitsministerin
Gemeinsamer Bundesausschuss
Gemeinsamer Bundesausschuss

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Petition am 25. September 2020 erstellt