Wir müssen JETZT ein Statement FÜR die Pflege setzen!

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Gemeinsam sind wir stark! Jede Unterschrift zählt!


Sehr geehrter Herr Spahn,

sehr geehrte Frau Merkel,

sehr geehrte Damen und Herren im Bundesministerium für Gesundheit,

ich arbeite auf einer interdisziplinären Intensivstation. Hiervon soll ein kleiner Teil den IMC Bereich des Hauses darstellen, wobei von diesen Betten nur zwei belegt werden können, da es hier, auch ohne Coronavirus, nicht möglich ist eine adäquate Patientenversorgung zu gewährleisten. Wie bekannt, haben natürlich auch wir einen Pflegenotstand. Abgesehen von dem sowieso bestehenden Notstand sind einige auf dem Stellenplan gezählte Kollegen langzeit krank oder für die Arbeit auf einer Intensivstation nicht qualifiziert genug. Warum sie trotzdem dort sind? Weil lediglich examinierte „Köpfe“ gezählt werden, sodass am Ende des Tages die Quantität grenzwertig stimmt, die Qualität jedoch eher fragwürdig ist. Auch wir beschäftigen viele Pflegekräfte aus der Leiharbeit, wobei auch dies meist nicht ausreichend ist und auch hier die Qualität und der Bildungsstand des Kollegen/ der Kollegin eher einem Lotteriespiel gleicht. Nicht selten kommt es vor, dass Leiharbeiter ohne jegliche Intensiverfahrung bei uns arbeiten sollen. Ich bin frustriert über diese desolaten Zustände. Dabei liebe ich meinen Job doch eigentlich. Die Dienstpläne sind fragwürdig. Es gibt kein geregeltes Schichtsystem, häufig arbeite ich 12 Tage am Stück und absolviere in diesen 12 Tagen mehrfache Schichtwechsel des Drei-Schicht-Systems. Den 13. Tag arbeite ich nicht, jedoch nur, weil es rechtlich/ tariflich nicht zulässig ist. Es wurde ein „Einspringdienst“ aus der Not heraus geschaffen. Muss ich nicht kommen, bekomme ich eine Stunde gut geschrieben und der Rest wird als freier Tag gewertet. Das ich jedoch trotzdem früh aufgestanden bin um meine Tiere zu versorgen, den Haushalt zu regeln und mich selbst fertig zu machen (da es ja sein könnte das ich „einspringen“ muss) wird nicht bedacht.

Die Dienste sind oft kaum zu bewältigen und man ist froh, wenn am Ende des Dienstes alle Patienten leben und keine schlimmeren Katastrophen vorgefallen sind. Nicht selten betreue ich, trotz Pflegeuntergrenze, 3 Patienten tagsüber. Dies wird jedoch nicht gewertet, da es anschließend im Durchschnitt trotzdem passt, da der unerfahrene und sich selbst überschätzende Kollege nur einen Patienten betreute. Drei Sterne Alarme klingeln meist mehr als 60 Sekunden, Perfusoren und Infusomaten alarmieren gefühlte Ewigkeiten. Teils sind die dazugehörigen Perfusorspritzen und Infusionen mit Lebenserhaltenden Medikamenten wie Katecholaminen befüllt. Erst wenn es fast zu spät ist können die Spritze oder Infusion erneuert werden, da vorher keiner auf den Alarm reagieren konnte. Teils aus Überlastung und teils aus Überforderung. Aktuell befinde ich mich in einer Festanstellung. Ich arbeite bereits seit ein paar Jahren auf einer Intensivstation, mehr Gehalt bekomme ich jedoch nicht, da ich keine Fachweiterbildung habe. Diese soll ich dann in naher Zukunft beginnen, zu meinen sowieso mit Überstunden GEPLANTEN Dienstplänen. Aktuell überlege ich auch in die Leiharbeit zu gehen. Warum? Mehr Zulagen, mehr frei, geregeltere Dienstpläne, teilweise 2000€ mehr Bruttogehalt und das OHNE Fachweiterbildung. Die Firmen werben sogar mit Firmenwagen und Weiterbildungen.

All diese Problematiken sind auf beinahe allen Intensivstationen aufzufinden, immer wieder klagen mir Kollegen, auch aus der Leiharbeit, in was für einer problematischen Situation wir uns im Bezug auf den Pflegenotstand befinden. 


Das Team reibt sich zunehmend gegeneinander auf, weil alle überlastet sind. Prioritäten werden an falscher Stelle gesetzt. Uns dürfen keine Fehler passieren, denn das kostet im schlimmsten Fall Menschenleben, aber sie passieren und sie passieren zunehmend. Zeit für Angehörige oder wache und ansprechbare Patienten bleibt kaum. Ich frage mich immer wieder, welche Ängste diese Menschen wohl ausstehen müssen wenn ständig ein Alarm klingelt, keiner reagiert, keiner redet mit einem, alle haben Stress und sind nur kurz angebunden. Wie würde es mir gehen? Ich bin traurig und frustriert über diese Situation.

Und nun? Corona! Die Medien verbreiten Panik, die Menschen werden zunehmend egoistisch. Desinfektionsmittel werden aus den Spendern geklaut. Und die Krankenhäuser? Wir sind gerüstet und gut vorbereitet? Wenn doch vorher schon alles schief lief und nun auch noch die Personaluntergrenze außer Kraft gesetzt wurde? Wie sollen wir die Hygienemaßnahmen, die zwingend Notwendig sind so einhalten können? Ist es nicht eigentlich sinnvoller Personal aufzustocken um eine Keimverbreitung zu  vermeiden? Sollte ein Patient mit dem Coronavirus nicht sogar eine 1:1 Betreuung erhalten und dies möglichst von konstanten Pflegekräften? Wie soll ein Patient mit dem Coronavirus und zeitgleich ein anderer Intensivpatient (z.B. mit CVVHD, Coolguard, Katecholaminen, Beatmung usw.) von EIN und DER SELBEN Pflegekraft betreut werden? Dies ist auch ohne Coronavirus kaum zu schaffen, denn auch ohne dieses Virus gibt es Isolationen und bereits diese zeigen immer wieder Kontaktkontaminationen bei anderen Patienten durch medizinisches Personal. Ist das eine gute Vorbereitung?

 


Ich bin erschöpft, müde, meine Beine sind schwer, mein Rücken schmerzt und wenn der Feierabend naht und ich endlich zu Hause in meinem Bett liege, dann kann ich nicht schlafen. Warum?! Ich frage mich was ich ändern könnte, wie könnte ich die Situation verbessern? Habe ich etwas vergessen? Habe ich etwas falsch gemacht? 
Und „zack“ klingelt der Wecker, 4:45 Uhr, 2,5 Std Schlaf bekommen. Ja, so ist das mit den Schichtwechseln!


So gerne wäre ich aktiv um etwas zu Verändern und Teil eines sich fortschrittlich entwickelnden Gesundheitssystems. Doch aktuell sind meine Hände gebunden. Die Führenden Positionen werden häufig nicht zukunftsorientiert besetzt. Lieber hält man an alten Strukturen fest, denn „DAS HABEN WIR IMMER SCHON SO GEMACHT“. Bei diesem Satz bekomme ich Gänsehaut, doch viel zu oft höre ich ihn.

 


Update: 20.03.2020

Nun ist das Covid19 eingeschlagen. Beatmungen werden aufgestockt. Nur wer soll diese bedienen, wenn viele doch nichtmal im Umgang mit unseren eigenen Beatmungen geübt sind und selbst erfahrenere Pflegekräfte die Geräte nicht kennen?

Jeden Tag findet eine Teambesprechung statt. Wir bereiten uns auf das schlimmste vor.

Nun heißt es nur noch Überleben und noch schärfere Prioritäten setzen.

Vielleicht ist es an der Zeit, dass auch SIE schärfere Prioritäten setzen!

Wie wir uns das vorstellen?!:

  1. Ausgangssperre!
  2. Gefahrenzulagen,
  3. Bruttolohn statt Nettolohn!
  4. Schüler und Studenten an die Front, nicht die berenteten Kollegen, die der Hochrisikogruppe angehören.

 

Und für die Zukunft?!:

  1. schärfere Pflegeuntergrenzen, welche klarer definiert sind!
  2. Mindestens 4000€ Einstiegsgehalt in der Pflege!
  3. Geregelte Schichtsysteme!
  4. Mehr Förderung für Fort- und Weiterbildung!

 

Sie müssen JETZT handeln und klarere Statements setzen! BITTE!

 


Vermutlich hören Sie all dies viel zu oft. Ich habe jedoch NOCH nicht ganz aufgegeben!

 


Bitte helfen Sie uns das System zu Bessern! Viele andere europäische Länder zeigen wie es sein könnte, sie Förden den Pflegeberuf jedoch und machen ihn auch für junge Leute attraktiv.

Danke!