
Text und Bild: Paul Kieras, Generalanzeiger Bonn (GA)
NIEDERKASSEL. · Gerfried Ferchau ist die treibende Kraft hinter einer Petition. Er leitet seit 2022 Integrations- und Sprachkurse für Geflüchtete an der Volkshochschule Rhein- Sieg (VHS). Als Honorarkraft im Rentenalter muss er auf seine Vergütung Steuern und Sozialabgaben in Höhe von fast 50 Prozent entrichten.
Deswegen hat er jetzt eine Petition gestartet und fordert die Einführung des neuen Steuerfreibetrags auch für Honorarkräfte, speziell für Kräfte an Bildungseinrichtungen. „Um diese engagierten Lehrkräfte zu entlasten und ihre wertvolle Arbeit zu würdigen, fordere ich die Einführung eines neuen Steuerfreibetrags in Höhe von bis zu 2000 Euro pro Monat“, so der 72-Jährige. Dieser Freibetrag solle zusätzlich zum bestehenden Grundfreibetrag gelten und sicherstellen, dass diejenigen, die die Regel-Altersgrenze erreicht haben, in größerem Umfang steuerlich begünstigt werden, so Ferchau weiter.
Hintergrund dieser Petition ist ein Beschluss des Bundeskabinetts : Beschäftigte im Rentenalter sollen ab dem 1. Januar 2026 mit einem steuerfreien Zuverdienst bis zu 2000 Euro im Monat weiterarbeiten können. Dafür beschloss das Bundeskabinett die Aktivrente. Allerdings gilt das nur für Arbeitnehmer im regulären sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis, Selbstständige, Freiberufler sowie Gewerbetreibende sind von der Regelung ausgeschlossen.
Honorarkräfte, die sich für die Integration und Sprachförderung engagierten, verdienten es, steuerlich entlastet zu werden, so Ferchaus Meinung. Der studierte Lehrer, der aller- dings über 30 Jahre bei VW in Wolfsburg, zuletzt in der Qualitätssicherung, gearbeitet hat, ist selbst weniger betro!en, wie er sagt. Ihm reiche die Rente für ein sorgenfreies Leben aus. Er weist allerdings darauf hin, dass sich seine Tätigkeit als Honorarkraft aufgrund der Abzüge finanziell kaum lohne. Ferchau selbst geht es nicht ums Geld. Seine Motivation ist es, „Menschen in Bildung zu helfen.“
„Ich gebe den Menschen etwas, und die geben mir etwas zurück“
Gerfried Ferchau Leitet Integrations- und Sprachkurse für Geflüchtete an der Volkshochschule Rhein-Sieg
Seit seinem 14. Lebensjahr engagiert er sich im sozialen Bereich, hat in der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit begonnen. Heute ist es ihm ein Anliegen, Geflüchtete bei der Integration zu unterstützen. „Ich gebe den Menschen etwas und die geben mir etwas zurück“, sagt er. Zum Beispiel, wenn sie ihm von ihrer Kultur erzählten. Und er weist ein wenig stolz auf das gute Gefühl hin, einen positiven Werdegang bei den Menschen zu beobachten. Für ihn bedeutet die steuerliche Entlastung, die er vor allem für Rentner in gleicher Position fordert, Anerkennung für ihre Arbeit. „Es muss für sie einen Anreiz geben, sich gesellschaftlich zu engagieren“, sagt Ferchau überzeugt. Nur so könne die wichtige Bildungsarbeit erfolgreich sein. Außerdem würden Leiterinnen und Leiter von Integrations- und Sprachkursen dringend gesucht.
Seine Petition hat der 72-Jährige an die für den Rhein-SiegKreis zuständigen Bundestagsabgeordneten Lisa Winkelmeier-Becker (CDU) und Sebastian Hartmann (SPD) gerichtet und ho!t nun auf deren Unterstützung. In der Petition heißt es: „Bitte unterstützen Sie diese wichtige Initiative, um den Honorarkräften in Bildungseinrichtungen eine gerechte steuerliche Behandlung zu ermöglichen. Jede Unterschrift trägt dazu bei, diesen Berufsstand zu stärken und den Fortbestand dieser essenziellen Bildungsangebote zu sichern.“ Wer unterschreiben möchte, findet die Petition bei change.org unter dem Titel „Honorarkräfte im Rentenalter steuerlich entlasten“.
Quelle:
Generalanzeiger Bonn: https://epaper.ga.de