Grundschullehrkräfte in BW

Das Problem

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir, die unterzeichnenden Lehramtsanwärter:innen und lehrbefähigten Lehrkräfte für Grundschulen in Baden-Württemberg, wenden uns nun ebenfalls an Sie, um auf die nicht weniger schwierige Einstellungssituation an den Grundschulen aufmerksam zu machen. Ähnlich wie beim offenen Brief der Gymnasiallehrkräfte sehen wir dringenden Handlungsbedarf, um die Rahmenbedingungen transparent, zukunftsorientiert und sozial gerecht zu verbessern.

Die Situation an den Grundschulen in Baden-Württemberg hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert: Aus einem vielerorts beklagten Lehrkräftemangel ist ein akuter Stellenmangel geworden. Zahlreiche voll ausgebildete, motivierte Lehramtsanwärter:innen und lehrbefähigte Grundschullehrkräfte stehen derzeit ohne Perspektive auf eine feste Anstellung da – trotz erfolgreich absolvierter Ausbildung und hoher Einsatzbereitschaft.

Im landesweiten Stelleninformationsverfahren der Regierungspräsidien, dem letzten offiziellen Ausschreibungsverfahren für eine Verbeamtung, das am 09.07.2025 gestartet wurde, wurden landesweit lediglich 27 Stellenausschreibungen für Grundschulen aufgelistet. Gleichzeitig berichten viele Absolvent:innen davon, bis zuletzt kein einziges Stellenangebot erhalten zu haben. Dieses Missverhältnis zwischen qualifizierten Bewerber:innen und ausgeschriebenen Stellen sorgt für große Verunsicherung, Enttäuschung und Zukunftsängste. Nach jahrelanger Ausbildung fehlen berufliche Perspektiven, Planungssicherheit und soziale Absicherung – für viele steht die Entscheidung im Raum, das Bundesland zu verlassen oder den Beruf ganz aufzugeben.

Die derzeitige Lage trifft nicht nur Berufseinsteiger:innen. Auch zahlreiche Grundschullehrkräfte in befristeten Beschäftigungsverhältnissen (KVs) sind seit Jahren von prekären Arbeitsbedingungen betroffen: kurzfristige Vertragszusagen, finanzielle Nachteile gegenüber verbeamteten Kolleg:innen, fehlende Anerkennung von Berufserfahrung und kaum Berücksichtigung persönlicher Lebensumstände erschweren eine langfristige Lebens- und Berufsplanung massiv.

Vor diesem Hintergrund erscheint es paradox, dass derzeit Gymnasiallehrkräften empfohlen wird, sich an Grundschulen zu bewerben. Die häufig öffentlich diskutierte Umverteilung zwischen den Schularten kann keine nachhaltige Lösung darstellen – sie berücksichtigt weder die spezifischen Anforderungen der Grundschulpädagogik noch schafft sie zusätzliche personelle Kapazitäten. Stattdessen verlagert sich der Druck lediglich von einer Schulform auf die andere. Die Grundschulen selbst befinden sich längst in einer angespannten Personalsituation – nicht aus Mangel an Lehrkräften, sondern aufgrund fehlender Planstellen und struktureller Probleme im Einstellungsverfahren.

Diese Entwicklung lässt viele von uns den Eindruck gewinnen, dass gut ausgebildete, engagierte Lehrkräfte im Grundschulbereich trotz gegenteiliger öffentlicher Kampagnen – wie etwa #lieberlehramt – nicht ausreichend wertgeschätzt werden. Die Kluft zwischen politischen Versprechen und gelebter Realität wächst.

Auch wir möchten mit diesem Schreiben keine Schuldzuweisungen aussprechen, sondern unsere Erfahrungen bündeln, um einen offenen Dialog anzustoßen. Wir sind überzeugt, dass eine lösungsorientierte Auseinandersetzung im Interesse aller Beteiligten ist – nicht zuletzt im Sinne der Bildung unserer Schüler:innen.

Mit freundlichen Grüßen
Die Unterzeichnenden

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Grundschule BWPetitionsstarter*in

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Das Problem

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir, die unterzeichnenden Lehramtsanwärter:innen und lehrbefähigten Lehrkräfte für Grundschulen in Baden-Württemberg, wenden uns nun ebenfalls an Sie, um auf die nicht weniger schwierige Einstellungssituation an den Grundschulen aufmerksam zu machen. Ähnlich wie beim offenen Brief der Gymnasiallehrkräfte sehen wir dringenden Handlungsbedarf, um die Rahmenbedingungen transparent, zukunftsorientiert und sozial gerecht zu verbessern.

Die Situation an den Grundschulen in Baden-Württemberg hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert: Aus einem vielerorts beklagten Lehrkräftemangel ist ein akuter Stellenmangel geworden. Zahlreiche voll ausgebildete, motivierte Lehramtsanwärter:innen und lehrbefähigte Grundschullehrkräfte stehen derzeit ohne Perspektive auf eine feste Anstellung da – trotz erfolgreich absolvierter Ausbildung und hoher Einsatzbereitschaft.

Im landesweiten Stelleninformationsverfahren der Regierungspräsidien, dem letzten offiziellen Ausschreibungsverfahren für eine Verbeamtung, das am 09.07.2025 gestartet wurde, wurden landesweit lediglich 27 Stellenausschreibungen für Grundschulen aufgelistet. Gleichzeitig berichten viele Absolvent:innen davon, bis zuletzt kein einziges Stellenangebot erhalten zu haben. Dieses Missverhältnis zwischen qualifizierten Bewerber:innen und ausgeschriebenen Stellen sorgt für große Verunsicherung, Enttäuschung und Zukunftsängste. Nach jahrelanger Ausbildung fehlen berufliche Perspektiven, Planungssicherheit und soziale Absicherung – für viele steht die Entscheidung im Raum, das Bundesland zu verlassen oder den Beruf ganz aufzugeben.

Die derzeitige Lage trifft nicht nur Berufseinsteiger:innen. Auch zahlreiche Grundschullehrkräfte in befristeten Beschäftigungsverhältnissen (KVs) sind seit Jahren von prekären Arbeitsbedingungen betroffen: kurzfristige Vertragszusagen, finanzielle Nachteile gegenüber verbeamteten Kolleg:innen, fehlende Anerkennung von Berufserfahrung und kaum Berücksichtigung persönlicher Lebensumstände erschweren eine langfristige Lebens- und Berufsplanung massiv.

Vor diesem Hintergrund erscheint es paradox, dass derzeit Gymnasiallehrkräften empfohlen wird, sich an Grundschulen zu bewerben. Die häufig öffentlich diskutierte Umverteilung zwischen den Schularten kann keine nachhaltige Lösung darstellen – sie berücksichtigt weder die spezifischen Anforderungen der Grundschulpädagogik noch schafft sie zusätzliche personelle Kapazitäten. Stattdessen verlagert sich der Druck lediglich von einer Schulform auf die andere. Die Grundschulen selbst befinden sich längst in einer angespannten Personalsituation – nicht aus Mangel an Lehrkräften, sondern aufgrund fehlender Planstellen und struktureller Probleme im Einstellungsverfahren.

Diese Entwicklung lässt viele von uns den Eindruck gewinnen, dass gut ausgebildete, engagierte Lehrkräfte im Grundschulbereich trotz gegenteiliger öffentlicher Kampagnen – wie etwa #lieberlehramt – nicht ausreichend wertgeschätzt werden. Die Kluft zwischen politischen Versprechen und gelebter Realität wächst.

Auch wir möchten mit diesem Schreiben keine Schuldzuweisungen aussprechen, sondern unsere Erfahrungen bündeln, um einen offenen Dialog anzustoßen. Wir sind überzeugt, dass eine lösungsorientierte Auseinandersetzung im Interesse aller Beteiligten ist – nicht zuletzt im Sinne der Bildung unserer Schüler:innen.

Mit freundlichen Grüßen
Die Unterzeichnenden

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Grundschule BWPetitionsstarter*in

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Petition am 9. Juli 2025 erstellt