Actualización de la peticiónGrenzen setzen gegen misogyne Gewalt: Jérôme Boateng darf nicht zurück zum FC BayernStimmen der Fans: "Hat sich irgendein Führungstier inhaltlich mit dem Thema auseinandergesetzt?"
Bayern FansMünchen, Alemania
21 oct 2025

Diese Petition soll den vielfältigen Perspektiven aus der Fanszene des FC Bayern eine Plattform geben. Wir sprechen nicht für alle Fans, jede*r ist eingeladen, in der Kurve mit uns über unsere Standpunkte und Perspektiven zu diskutieren, damit wir am Ende alle schlauer aus dem Gespräch kommen. Diese Stimmen aus der Kurve bekamen bei uns besonders viel Resonanz und gehen auf die zentralen Probleme ein:

Warum habt ihr die Petition ins Leben gerufen und was erhofft ihr euch davon?

folkfriend: "Alle Anzeichen, Recherchen, Berichte und Aussagen zeigen, das ist ein Mann, der (wiederholt) die Beherrschung gegenüber einer Frau verliert… und auch danach alles tut, um sich über das Opfer lustig zu machen (siehe Foto mit Lindemann - was wohl eindeutig zeigt, dass da null Komma null Einsicht herrscht!)… der Mann gehört irgendwo hin - aber sicher nicht in die Öffentlichkeit oder zum FCB!"

cheffe: "Es finden sich zahlreiche Beispiele für und Bemerkungen über strukturelle Gewaltausübung, mein Eindruck ist sogar, dass kaum mehr jemand diese in Frage stellt. Meines Erachtens geht es hier nicht nur um Jerome Boateng als Individuum. Sondern man kann, finde ich, die systemische Problematik dieses Themas, häusliche Gewalt, nicht außer Acht lassen. Wünschenswert wäre, dass sowohl Boateng als Individuum einen Reifeprozess durchläuft (der wiederum natürlich auch weiterhin ein potentiell öffentliches Leben ermöglicht), als auch, dass die Gesellschaft anerkennt, dass es hier nicht um ein individuelles, seltenes Fehlverhalten in einer Ausnahmesituation geht, sondern um eine unfassbare, durch reichliche Studien belegtes patriarchalische Gewalt-Ausübung mit einer hohen Dunkelziffer."

Gratschifter: "Weil es in unseren Augen nicht miteinander vereinbar ist, wenn ein verurteilter Gewalttäter gegen Frauen im selben Stadium beim Training hospitiert. welches vom Verein am 25. November orange erleuchtet wird, um pressewirksam am „Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ teilzunehmen."

patricksaint: "Für mich ist diese Petition erfolgreich, wenn sie weiterhin diese Diskussion am Leben hält. Ob es am Ende tatsächlich dazu führt dass Jérôme Boateng nicht hospitieren darf ist finde ich gar nicht so entscheidend, sondern viel mehr die Konditionen unter denen er es darf oder eben nicht."

Was sind die Gründe dafür, dass Boateng aus eurer Sicht nicht bei Kompany hospitieren sollte?

Lukenwolf1970: "Es geht nicht darum, Menschen grundsätzlich von einer Hospitanz beim FCB abzuhalten, es geht nicht darum, Menschen eine zweite Chance zu verwehren: es geht darum, dass jemandem, der als Täter vor Gericht verurteilt ist und (zumindest für mich) öffentlich keinerlei Einsicht zeigt, eine Hospitanz beim FCB gewährt wird, der als Verein nach außen andere Werte vertritt."

gerhard: "Häusliche Gewalt ist definitiv ein No-Go und gehört immer strafrechtlich verfolgt. Nur, und das zeigt auch der Fall Boateng, weiß außer den beiden Betroffenen selbst niemand, wie sich die wiederholt gerichtlich behandelten Vorfälle wirklich zugetragen haben. Unabhängig davon enthält mein Menschenbild die Möglichkeit, Fehlverhalten einzusehen, zu bereuen, und daraus zu lernen. Insofern würde ich auch einem Jerome Boateng zubilligen, dass er seine Taten (wo auch immer auf der Schuldskala sie lagen) als falsch erkannt hat, sie bereut und zukünftig nie mehr gewalttätig wird. Und, um den Gedanken weiterzuspinnen, wäre es für die Sache nicht weit besser, wenn ein geläuterter Boateng irgendwann mal öffentlich zugibt, dass er Mist gebaut hat, in einer Therapie gelernt hat, Konflikte ohne Gewalt zu lösen und von da ab auf der anderen Seite gegen häusliche Gewalt kämpft?"

UncleCrassiusCurio: "Ich mache mir Sorgen darüber, welche Botschaft es an junge männliche Fans und Nachwuchsspieler sendet, wenn man sein Verhalten einfach so akzeptiert, insbesondere in einer Zeit, in der es bereits so viele frauenfeindliche Influencer und Unsinn aus der Manosphere gibt. Ist die Unterstützung für reuelose häusliche Gewalttäter wirklich die Botschaft, die wir vermitteln wollen? Ich mache mir Sorgen darüber, welche Botschaft es an junge weibliche Fans und Spielerinnen sendet. Funktioniert der Verein als Ort, an dem jeder willkommen ist, und der „Mia san mia”-Geist, der gerade jetzt besonders die Frauenmannschaft des Vereins betont, wirklich, wenn wir Menschen als Trainer ausbilden, die wegen einer Reihe von häuslichen Gewalttaten verurteilt und öffentlich beschuldigt wurden, eine Frau in den Tod gehetzt zu haben?"

Wie reagiert ihr auf die Forderung von Jan-Christian Dreesen, dass Boateng ein „Recht auf Rehabilitation“ habe?

jonathan: "Sein Weiterbestehen (es ist keine Rückkehr, er war nie weg) im Fußball ist auch deshalb problematisch, weil es genau das System Profifußball war, das ihm große Teile seines Fehlverhaltens erst ermöglicht hat. Konkret rede ich hier von einseitigen Verschwiegenheitserklärungen und Machtmissbrauch, die im Fußball üblich sind. Ein verurteilter Täter darf also unter den gleichen Umständen im gleichen System weiter walten – ohne Einsicht zu zeigen. Das ist nicht nur keine ‚Resozialisierung‘ – das ist das Gegenteil. Damit wird verhindert, dass der Täter wieder ein funktionierender Teil der Gesellschaft wird."

Lukenwolf1970: "Jeder hat aus meiner Sicht uneingeschränkt ein Recht auf Rehabilitation, aber ein nicht unwichtiger Teil für eine gelungene Rehabilitation ist „Reue“ oder „Einsicht“ - die kann ich bei Boateng beim besten Willen nicht erkennen."

September91: "Dem ist unbedingt zuzustimmen! Boateng darf nach Kräften versuchen, den von ihm verursachten Schaden auszugleichen. Rehabilitieren muss sich nämlich er, nachdem er gegen die Normen unserer Gesellschaft grob verstoßen hat. Wie als Profi müsste er mit Leistung überzeugen statt eine Erwartungshaltung zu pflegen, ungeachtet frauenfeindlicher Gewalt Privilegien genießen zu wollen, von denen normalsterbliche Bayernfans gar nicht erst zu träumen brauchen. Würde Boateng endlich mit seiner Rehabilitierung beginnen, hätte er genug zu tun, als dass Zeit für eine Hospitanz bliebe."

sumptuous-drizzle: "Der Begriff der Rehabilitation ist hier ja eine reine Nebelkerze. Entweder Boateng meint, er sei den Vorwürfen unschuldig – dann wäre Rehabilitation ein Aufarbeitungsverfahren, das das glasklar zeigt. Wenn er aber schuldig ist, dann haben wir als Gesellschaft doch ein klares Modell, unter welchen Umständen man rehabilitiert werden kann: Man zeigt Reue. Man beweist, dass man diese ernst meint, indem man entweder durch Strafe oder Entschädigung den Schaden mehr als aufwiegt. Man beweist daraufhin durch lang anhaltendes Verhalten, dass man sich tatsächlich geändert hat. Trainingseinheiten zu beobachten ist dem Prozess der Rehabilitation so fremd, dass man kaum verstehen kann, wie diese in Verbindung gebracht werden. Das, was hier geschieht, ist die Geschichte zu vergraben und zu hoffen, dass durch den zukünftigen sportlichen Erfolg die Gewalt überstrahlt wird. Das als Rehabilitation darzustellen ist reines Blendwerk."

Fühlt ihr euch von Bayerns Führungsetage ernst genommen mit eurem Protest?

Gratschifter: "Ich habe absolut nicht den Eindruck, dass irgendein Führungstier sich inhaltlich mit dem Thema auseinandergesetzt oder die Details der Boateng-Gewaltstory wirklich wahrgenommen hat (zum Beispiel den Spiegel - Podcast NDA: Die Akte Kasia Lenhardt oder die Correctiv-Recherchen."

Welche Forderungen habt ihr an den Verein?

ChrisCullen: "Der FC Bayern müsste ein Statement wie folgt abgeben: Wir wissen, dass Jérôme Fehler gemacht hat. Und wir verschweigen das nicht. Jérôme hat die Verantwortung vor Gericht übernommen, er hat Strafen akzeptiert und er hat uns gegenüber klar signalisiert, dass er aus diesen Erfahrungen gelernt hat. Deshalb wollen wir ihm eine Chance geben, bei uns hospitieren zu dürfen. Nicht als Freifahrtschein, nicht als Verdrängung, sondern als bewusste Entscheidung: Wir glauben an Verantwortung und an zweite Chancen. Wer hier arbeitet, repräsentiert den FC Bayern – und damit auch Werte. Jérôme weiß, dass das nur funktioniert, wenn er sich diesen Werten verpflichtet fühlt. Wir stehen zu dieser Entscheidung, weil wir sie in voller Klarheit getroffen haben.

Boateng wiederum müsste sich wie folgt äußern: Ich habe in meinem Leben Fehler gemacht. Ich habe in einer Situation Gewalt angewendet, und dafür trage ich die Verantwortung. Es gibt keine Entschuldigungen, keine Ausreden. Diese Entscheidung war meine – und ich weiß, dass ich damit nicht nur mir, sondern auch anderen geschadet habe. Ich weiß, dass viele Menschen von mir als Fußballer ein Vorbild erwartet haben. In diesem Moment habe ich dieses Vertrauen enttäuscht. Das schmerzt mich, aber ich muss es anerkennen. Ich will diese Verantwortung nicht wegschieben. Ich will sie tragen. Und ich will zeigen, dass ein Mensch sich ändern kann. Mein Ziel ist nicht, so zu tun, als sei nichts passiert, sondern aus dem, was geschehen ist, einen anderen Weg zu gehen. Wenn ich heute beim FC Bayern hospitieren darf, dann nicht, weil ich ein verdienter Spieler war, sondern weil ich zeigen will: Ich nehme meine Freiheit ernst – und mit ihr meine Verantwortung. Ich kann nicht ungeschehen machen, was geschehen ist, aber ich kann versuchen, aus meinen Fehlern eine Verpflichtung zu machen: für Respekt, für Verantwortung und für ein anderes Handeln in der Zukunft."

patricksaint: "Boateng war zur Zeit seiner Gewalttaten Spieler des FC Bayern. Kasia Lenhardt sah sich in ihrer Situation damals so hilflos, dass ihr einzig möglicher Ansprechpartner nach Boatengs Gewalttaten der persönliche Berater des Fußballstars war. Das wurde in den detaillierten Recherchen von Correctiv deutlich aufgearbeitet, aber fand weder bei den Vereinen, noch beim Verband Gehör. Was macht der FC Bayern als Verein mit Verantwortungsbewusstsein und klar definierten Werten, um in Zukunft mit solchen Fällen aktiv besser umgehen zu können und sie nicht unter den Teppich zu kehren? Begrenzt sich die Kooperation mit Zonta International rein auf das orangene Anleuchten der Allianz Arena und warmen Worten oder sind auch strukturelle Maßnahmen und Anlaufstellen für häusliche Gewalt im Verein geplant?

Gratschifter: "Im Bundestag werden Untersuchungsausschüsse eingesetzt, wenn die öffentliche Blamage zu politischen Themen nicht mehr zu vermeiden ist. Sowas derart fände ich fein. (ein Arbeitskreis/Gremium, das sich mit der Thematik Fußball(er) und Gewalt gegen Frauen auseinandersetzt und dazu öffentlich Berichte erstellt). Der FCB hat auch seine Nazi-Geschichte aufgearbeitet - und das war durchaus achtbar. Das hier wäre ein neuer Bereich, um mit Engagement vorwegzugehen."

Sind weitere Aktionen geplant?

Der FC Bayern ist ein Verein geführt von seinen Fans. Die Fans haben die Macht, wichtige Entscheidungen des Vereins mitzubestimmen. Der höchste Vertreter der Fans im Verein ist der Präsident Herbert Hainer. Er kann im Namen der Fans in solch wichtige Entscheidungen eingreifen, wenn die Fans ihm das glaubhaft vermitteln, dass es im besten Interesse des Vereins und unserer Gemeinschaft ist. Am 2. November steht die Jahreshauptversammlung des FC Bayern an. Wenn der Präsident an diesem Tag von seinen Mitgliedern wiedergewählt werden will, muss er sich auch für deren Belange in seiner Arbeit im Verein einsetzen. Und als Vertreter des größten deutschen Fußballvereins nicht nur für den FC Bayern, sondern auch für nachhaltige, unabhängige Strukturen im Umgang mit misogyner Gewalt in der Bundesliga.

Die Fangemeinschaft des FC Bayern ist riesig und viele Gruppen organisieren sich unabhängig voneinander und organisieren die Initiativen, die in ihrem eigenen Spielraum liegen. Alle Fans sind hier gefragt und Willkommen, ihren Beitrag zu leisten. Jeder Beitrag ist wertvoll und wichtig, nur gemeinsam können wir für unsere Werte einstehen und damit erfolgreich sein. Die Stimme jedes Fans, jede Aktion und jede Initiative zählt! 

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