Actualización de la peticiónGrenzen setzen gegen misogyne Gewalt: Jérôme Boateng darf nicht zurück zum FC BayernFans protestieren - FC Bayern weicht aus, ohne jedes Zeichen von Verantwortungsbewusstsein
Bayern FansMünchen, Alemania
19 oct 2025

Danke an alle Unterstützenden der Petition, alle die ihre eigenen Kanäle und Möglichkeiten genutzt haben und weiterhin nutzen werden, um die nötige Aufmerksamkeit auf das Thema Gewalt gegen Frauen insbesondere beim Fall von Jérôme Boateng zu lenken und die Verantwortlichen des Vereins zwingen, ihre stillschweigenden Vereinbarungen aussprechen zu müssen und tatsächlich Verantwortung zu übernehmen. 

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Diverse Berichte aus der Presse machten in den letzten Tagen aufmerksam auf die fehlende Aufarbeitung zu den Gewalttaten. Nora Hespers schreibt für die SportschauFreitagmorgen, 10 Uhr. Pressekonferenz bei den Bayern vor dem Spitzenspiel gegen Dortmund. Die anwesenden Kollegen haben Fragen zum Spiel - nur eine Frage wird nicht gestellt: Wird Jérôme Boateng tatsächlich eine Trainer-Hospitanz beim FC Bayern machen?

Und natürlich sollte niemand vorverurteilt werden und jeder die Chance haben, sich zu rehabilitieren. Diese Chance hat Jérôme Boateng aber nicht genutzt. Stattdessen hat er noch im April gemeinsam mit Rammstein-Sänger Till Lindemann für ein Foto posiert und dieses auf Instagram geteilt.

Sabrina Schäfer lässt für web.de die Stimmen aus der Fanszene sichtbar werden: Ich habe schon viel mit dem Verein durchgemacht, aber das werde ich nicht mitmachen oder akzeptieren. Wenn das passiert, werde ich jedes Spiel boykottieren, und meine Dauerkarte verfallen lassen", schreibt @Speedy_1900 zur Causa Boateng.

Ein namentlich anonymer Pressesprecher des Vereins antwortet: "Wenn der Trainer ihm das in Aussicht stellt und es terminlich passt, haben wir nichts dagegen."

Max Eberl sagt: „Das Thema ist halt gerade sehr groß aus dem Nichts für mich. Jérôme hat Vinnie, die sich sehr, sehr gut kennen, gefragt, ob er mal bei ihm hospitieren kann, also ob er einige Tage mal einfach über die Schulter schauen kann und das Training gucken kann“

Dass für den Sportvorstand des FC Bayern das Thema aus dem Nichts kommt spricht Bände. Es gibt weder im Verein noch in der Liga nachhaltige Anlaufstellen oder Institutionen für Betroffene von misogynen Gewalttaten. Kasia Lenhardt sah sich in ihrer Situation damals so hilflos, dass ihr einzig möglicher Ansprechpartner nach Boatengs Gewalttaten der persönliche Berater des Fußballstars war. Das wurde in den detailierten Recherchen von Correctiv deutlich aufgearbeitet, aber fand weder bei den Vereinen, noch beim Verband Gehör.

Vorstandschef Jan-Christian Dreesen sagt: „Es ist ein komplizierter Fall. Ich denke, dass jedem Menschen auch eine Resozialisierung zusteht. Im Übrigen sollte man sich das Urteil mal in Gänze anschauen.“

Eines der Verfahren wurde nach dem Suizid von Lenhardt eingestellt zusammengefasst mit der Begründung: dass die Geschädigte selbst als Zeugin nicht mehr zur Verfügung steht und die auf Fotos und im Obduktionsbericht der Staatsanwaltschaft Berlin dokumentierten Verletzungen für sich genommen für einen Tatnachweis nicht ausreichen, weil sie keinen Beleg für die Entstehung der Verletzungen darstellen.

In einem weiteren Prozess lautete das Urteil: vorsätzliche Körperverletzung, aber die Begründung wirkt milde: "Wir haben hier einen Menschen, der einmal in einer Beziehung über Gebühr ausgerastet ist." Aber Dreesen bat uns einen tieferen Blick in den Fall zu werfen, deswegen tun wir das hier erneut:

Er ist frontal auf mich zu und wollte mit beiden Händen an meinen Kopf greifen.

Was wollte er mit beiden Händen?

An meinen Haaren ziehen.

Ihrer Meinung nach.

Ich kannte den Angriff schon. 

Sherin S. war elf Jahre lang mit dem Fußball-Weltstar Jérôme Boateng zusammen, 2007 bis 2018, eine On-Off-Beziehung, nennt sie das, „toxisch“: „Geprägt von Streit, Untreue und Gewalt.“ Dann kam der 29. Juli 2018, beide machten mit Freunden Urlaub in einem Luxus-Ressort in der Karibik, und über einem Kartenspiel eskalierte ein Streit, Boateng soll Sherin S. geschlagen und beleidigt haben. Das ist der Grund, warum beide jetzt vor dem Münchner Landgericht wieder aufeinander trafen.

Sie sagt, er habe nach vorne an ihren Kopf gegriffen und ihr dabei den Ballen des Daumens ins Auge gedrückt. „Welches Auge?“ – „Linkes Auge“. Dann soll er ihren Kopf an den Haaren nach vorne gerissen und ihr von oben in den Kopf gebissen haben. 

Die detailierten Berichte aus dem Prozess lassen tief blicken und sind jedem Menschen ans Herz zu legen, der selbst noch unsicher in der Wahrnehmung des Falls ist. Aber nicht nur im Gerichtssaal sind erschreckende Geschehnisse zu beobachten, das ganze Leben einer Frau ändert sich durch einen solchen Prozess.

Jérôme Boatengs Ex-Freundin sollte ihre Aussagen gegen ihn zurückziehen – und bekam dafür offenbar Geld angeboten. Darauf deuten Chatnachrichten, die CORRECTIV und SZ vorliegen.

Am 18. Oktober 2020 gehen auf Sherin S.’ Handy eine Reihe von Nachrichten ein, in denen aufgelistet ist, was sie alles haben könnte: Ein Haus. Geld. Reisen mit ihren Kindern. „Ein gutes Auto“, vielleicht: „einen netten Audi.“ Allerdings steht dort auch, was dafür von ihr offenbar erwartet wird: „Sag ihm einfach, ok, kauf mir ein Haus und bezahle meine Anwälte aus, und sag ihnen, ich bin nicht mehr interessiert.“ Mit einem Vertrag ließe sich das regeln – außerhalb des Gerichts: „Sherin, hol einfach etwas für dich raus, und versuche zu sagen, dass du nicht mehr interessiert bist, die Sache noch weiter zu treiben.“

„Nimm einfach Geld von ihm“, heißt es in einer Nachricht, „und hör auf, dich rächen zu wollen.“ Die Frau, die ihr schrieb, heißt Rebecca S. und soll inzwischen mit Jérôme Boateng verlobt sein. Auf Anfrage der SZ teilte Rebecca S. mit, sie habe versucht, Boateng zu überzeugen, Sherin S. zu finanziell helfen und ihr Treffen mit ihren Kindern zu ermöglichen. Die gemeinsamen Zwillingstöchter leben bei Boateng. Agierte Rebecca S. also in Boatengs Auftrag? Die Influencerin bestreitet das. Boateng habe sie sogar versucht, davon abzuhalten, mit S. zu sprechen. Allerdings lesen sich ihre Nachrichten so, als habe sie sich zuvor mit Boateng besprochen: „Er hat allem zugestimmt, was ich dir gesagt habe.“ „Das Haus, die Rechnungen deiner Anwälte, Urlaub mit den Kindern, er hat zu allem Ja gesagt.“ In den Chats mit Sherin S. vom Herbst 2020 scheint Rebecca S. sehr viele große Versprechen zu machen, solange sie nicht mehr aussagt. Es könne aber auch anders laufen. Boateng habe ihr gesagt, dass er „Krieg führen würde“, wenn S. Krieg gegen ihn führe.

Nora Hespers schrieb für die Sportschau schon 2024 zum Urteil:

Gewalt gegen Frauen, etwas, das "im Eifer des Gefechts" schon mal passieren kann, das der Dynamik der Paarbeziehung entspringe. [Rechtsanwältin mit dem Arbeitsschwerpunkt häuslicher Gewalt] Christina Clemm kommentiert das Urteil mit den Worten: "Man hätte in der Urteilsbegründung zeigen können, dass häusliche Gewalt ein NoGo ist und zwar egal, von wem sie ausgeübt wird, stattdessen wird sie relativiert und der Verletzten eine Mitschuld gegeben."

Kein Wort über das Machtverhältnis
Das bestehende Machtverhältnis zwischen einem prominenten, gut verdienenden Fußballspieler mit großer Öffentlichkeit und einer auch durch die gemeinsamen Kinder wirtschaftlich abhängigen Frau kommt in dem Urteil nicht zur Sprache. Und: Jérôme Boateng entschuldigt sich in seinem finalen Plädoyer zwar bei seinen Kindern und gibt zu, "auch Fehler gemacht" zu haben. Nach einer klaren Absage an Gewalt gegenüber seiner Ex-Partnerin klingt das nicht.

Haben die Verantwortlichen des Vereins sich das Urteil und die detailierten Berichte darüber denn in Gänze angeschaut? Kann eine Resozialisierung eines Gewalttäters vor einer Verantwortungsübernahme kommen? Wir alle würden uns sicherlich auch den Weg dorthin wünschen. Aber kann eine Resozialisierung erfolgreich sein, bevor klar gemacht wurde, dass der gewalttätige Mensch in einer Gemeinschaft mit anderen Menschen die Grenzen seiner Mitmenschen respektiert und besonders der Umgang mit Schwächeren verantwortungsbewusst wahrgenommen wird? Wenn der eine Schritt vor dem anderen kommt, haben wir als Gemeinschaft keine Regeln mehr für unser Zusammenleben. Dann gilt nur noch das Recht des Stärkeren und das Recht des Menschen mit der größeren Handlungsmacht. 

Die Fans in der Südkurve stellen mit eindrucksvollen Bannern beim Spiel gegen den BVB klar: Beschwichtigungsversuche sind hier vollkommen unangebracht. Auf den 3 Bannern ist in Großbuchstaben zu lesen: 

Der FC Bayern profitiert von Jérôme Boateng als Hospitant von einer kostenlosen Expertise eines erfahrenen Profis, eines Weltmeisters und zweimaligen Championsleague Siegers. Boateng profitiert von den Einblicken hinter die Kulissen des Trainerteams eines der größten und erfolgreichsten Vereine der Welt. Nur die Stärksten und Mächtigsten profitieren davon, wenn wir die Regeln des Zusammenlebens in unserer Gesellschaft aufgeben. 

Aber der FC Bayern ist ein Verein geführt von seinen Fans. Die Fans haben die Macht, wichtige Entscheidungen des Vereins mitzubestimmen. Der höchste Vertreter der Fans im Verein ist der Präsident Herbert Hainer. Er kann im Namen der Fans in solch wichtige Entscheidungen eingreifen, wenn die Fans ihm das glaubhaft vermitteln, dass es im besten Interesse des Vereins und unserer Gemeinschaft ist. Jede Stimme, jede Aktion und jede Initiative zählt!

Am 2. November steht die Jahreshauptversammlung des FC Bayern an. Wenn der Präsident an diesem Tag von seinen Mitgliedern wiedergewählt werden will, muss er sich auch für deren Belange in seiner Arbeit im Verein einsätzen. Und als Vertreter des größten deutschen Fußballvereins nicht nur für den FC Bayern, sondern auch für nachhaltige, unabhängige Strukturen im Umgang mit misogyner Gewalt in der Bundesliga.

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