Gesunde Pfleger*innen: 12 Tage Dauerschicht abschaffen!

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Es ist 5.00 Uhr morgens, Donnerstag. Ich stehe total geschafft auf. Es ist der elfte Tag in Folge, an dem ich arbeite. Gestern fragte eine Patientin: wie, Sie kommen immer noch- oder schon wieder, haben Sie nicht mal frei? Ein harter Arbeitstag mit geteiltem Dienst steht bevor. Mein Körper schmerzt.

In Gedanken gehe ich den Tag durch, sehe die Patient*innen vor mir und weiß schon, dass alles anders kommt als geplant: Kolleg*innen fallen aus, längere Anfahrtswege wegen Baustellen, zusätzliche Arztbesuche und anderes… Das schlimmste ist jedoch: das konstant schlechte Gewissen, das an mir nagt, weil ich weiß, dass ich viele der Patient*innen nicht so versorgen kann, wie ich es gut finde. Unter den derzeitigen Bedingungen ist das unmöglich. 

Ich heiße Sandra Lutz-Lang und arbeite seit 28 Jahren in der ambulanten Pflege.

Meinen Beruf erlebe ich als sinnvoll und abwechslungsreich. Hohe Fachlichkeit und gute Standards einerseits, Beziehungsarbeit andererseits. Ich bin Vertrauensperson für Patient*innen und Angehörige. Das macht Freude. Wären da nicht die Bedingungen, Zeitknappheit, Dauereinsatz und mangelnde Personalbemessung. Darüber wird viel geredet, aber wenig getan.

Meine Kolleg*innen und ich sind uns bewusst, welch wertvollen Beitrag wir für den Zusammenhalt der Gesellschaft leisten. Wir tun das engagiert und mit Überzeugung – aber nicht länger auf Kosten unserer Gesundheit.

12 Tage Hochleistung, zwei Tage frei und wieder 12 Tage Einsatz. Dieser Dauereinsatz gefährdet die Qualität der Arbeit und die Gesundheit der Kolleg*innen. Fehlerfreies Arbeiten, Präsenz und aufmerksame Zuwendung sind so nicht zu leisten. Da helfen auch gut gemeinte Boni wie Gutscheine für’s Fitnesszentrum nicht weiter, wie es viele Betriebe anbieten. Eine gute Balance zwischen Arbeit und Freizeit ist Voraussetzung für den Erhalt der Gesundheit. An den Basics ansetzen, statt hilflos Symptome bekämpfen. Studien zeigen, dass hunderte von Pflegekräften in ihren Beruf zurückkehren, sobald die Bedingungen stimmen!

Wirtschaftlich gilt die Pflege als gewinnbringender Sektor. Politisch wird sie als Kostenfaktor behandelt: beides wird auf dem Rücken des Pflegepersonals ausgetragen. Die erlaubte Regelung der Dauerschichten ist ein Beispiel dafür.

Das muss aufhören!

Darum fordere ich die Minister der Konzertierten Aktion Pflege Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey, Bundesarbeitsminister Hubertus Heil und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf:
Sorgen Sie für Gesundheitsschutz für Pfleger durch die Abschaffung der 12 Tage (10 Tage) Dauerschichten!

Weitere Informationen zu der Kampagne: www.kab-drs.de