Petition updateGerechte Behandlung für Lipödem-Patientinnen – Menschenrechte und Grundgesetz achten!Das Lipödem: Eine jahrtausendealte Krankheit abgetan als Modeerkrankung
Ruth SchumacherBerlin, Germany
Jan 16, 2025

Das Lipödem, eine chronische Fettverteilungsstörung, ist für viele Betroffene ein täglicher Kampf – nicht nur gegen die Symptome, sondern auch gegen Vorurteile und Ignoranz. Trotz wissenschaftlicher Studien und jahrzehntelanger Forschung wird die Krankheit immer wieder als Modeerscheinung abgetan. Viele Ärzte weigern sich, die Diagnose zu stellen oder anzuerkennen, wenn sie von einem Kollegen gestellt wurde. Einige sprechen sogar von einer „Modediagnose“, die nur als Ausrede für Übergewicht herhalten soll. Für die Betroffenen hat diese Haltung verheerende Folgen: Sie werden nicht ernst genommen und bleiben oft ohne die dringend benötigte Hilfe.

Doch die Ablehnung geht noch weiter. Es gibt erschreckende Berichte über Ärztinnen und Ärzte, die Patientinnen mit der Diagnose Lipödem nicht mehr betreuen wollen. In einem Interview mit der YouTube-Serie „Leroy will’s wissen!“ erzählte die Betroffene Kirsten, wie ihre eigene Ärztin sich weigerte, sie weiterhin zu behandeln (das Video kannst du hier sehen). Diese Ärztin war der Überzeugung, dass man mit Ernährung und Sport abnehmen könne, auch bei einem Lipödem – eine Annahme, die wissenschaftlich widerlegt ist. Der Stoffwechsel von Lipödem-Zellen reagiert nicht wie normales Fettgewebe, weshalb gängige Abnehmmethoden hier keine Wirkung zeigen. Doch diese Tatsache wird von vielen in der medizinischen Gemeinschaft weiterhin ignoriert, was für Patientinnen verheerende Konsequenzen hat.

Ein Blick in die Vergangenheit

Die Behauptung, das Lipödem sei eine neue Erscheinung, wird durch die Geschichte widerlegt. Bereits vor Tausenden von Jahren existieren Darstellungen, die typische Merkmale der Krankheit zeigen. Die Fruchtbarkeitsgöttin von Malta (3000 v. Chr.) und die Königin von Punt im alten Ägypten sind nur zwei Beispiele dafür, dass diese Erkrankung seit jeher ein Teil der Menschheitsgeschichte ist. Es ist keine Krankheit, die plötzlich „in Mode“ gekommen ist – sie wurde vielmehr willentlich ignoriert, obwohl ihre sichtbaren Symptome kaum übersehen werden konnten.

Warum aber wurde das Lipödem so lange ignoriert? Ein Grund liegt in der systematischen Abwertung frauenspezifischer Gesundheitsprobleme. Über Jahrtausende hinweg wurde der weibliche Körper in der Medizin und Gesellschaft vernachlässigt. Symptome wurden abgetan, Leiden als nebensächlich betrachtet, und Frauen blieben mit ihren Beschwerden auf sich allein gestellt. Die Tatsache, dass es bis 1940 dauerte, bis das Lipödem überhaupt wissenschaftlich beschrieben wurde, zeigt, wie gering der Stellenwert von frauenspezifischen Krankheiten in der Medizingeschichte war – und oft noch ist.

Das Lipödem und der strukturelle Frauenhass

Das Lipödem steht nicht allein. Auch Endometriose, eine chronische Erkrankung, bei der gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst, wurde jahrhundertelang ignoriert, obwohl sie schon in antiken medizinischen Texten beschrieben wurde. Bis heute dauert es oft Jahre, bis eine Diagnose gestellt wird, und viele Frauen leiden im Stillen. Beide Krankheiten sind nicht nur Beispiele für medizinisches Versagen, sondern auch Symbole für einen strukturellen Frauenhass, der sich seit Jahrhunderten durch Gesellschaft und Medizin zieht.

Frauen wird beigebracht, ihre Beschwerden zu bagatellisieren und die Schuld bei sich selbst zu suchen. Wenn ihr Körper nicht der Norm entspricht, wird ihnen oft vermittelt, dass es an ihrem Lebensstil liegt, an mangelnder Disziplin oder persönlichem Versagen. Diese Haltung ist tief in der Gesellschaft verankert und wird von der Medizin verstärkt, die das Lipödem und andere frauenspezifische Krankheiten bis heute in der Grundausbildung kaum behandelt.

Warum Betroffene sich selbst zweifeln

Die fehlende Aufklärung führt dazu, dass viele Frauen ihre eigene Erkrankung nicht verstehen. Sie glauben, sie seien einfach „zu schwach“, um ihr Gewicht unter Kontrolle zu halten, und suchen die Schuld bei sich selbst. Dabei liegt die Ursache des Lipödems in einer Veränderung des Fettstoffwechsels, die die Betroffenen nicht beeinflussen können. Es handelt sich um eine Stoffwechselerkrankung, die nichts mit Ernährung oder Bewegung zu tun hat. Doch diese grundlegenden Fakten sind vielen Betroffenen unbekannt, weil sie niemand gelehrt hat. Stattdessen kämpfen sie gegen ihren eigenen Körper, anstatt Unterstützung zu erhalten.

Eines der erschreckendsten Phänomene ist, dass selbst einige Betroffene die Existenz des Lipödems leugnen. Frauen, die selbst unter den Symptomen leiden, weigern sich, die Krankheit anzuerkennen. Es gibt Berichte von Patientinnen, deren erkrankte Verwandte – teils sogar im medizinischen Bereich – das Lipödem als Einbildung oder „Hysterie“ abtun. Diese Haltung ist das Ergebnis einer tiefen gesellschaftlichen Konditionierung. Frauen wurde über Jahrhunderte hinweg eingeredet, dass ihr Leiden unwichtig sei, dass sie stark sein und sich selbst ändern müssten. Das führt dazu, dass viele ihre Schmerzen und Beschwerden nicht nur ignorieren, sondern aktiv leugnen.

Diese Frauen sind keine „Versagerinnen“. Sie sind Opfer eines Systems, das sie von klein auf gelehrt hat, ihre eigenen Bedürfnisse zu ignorieren und die Schuld immer bei sich zu suchen.

Ein notwendiger Wandel

Es ist an der Zeit, dass sich etwas ändert. Das Lipödem ist keine Modekrankheit, keine Ausrede und keine Einbildung. Es ist eine wissenschaftlich bewiesene, chronische Erkrankung, die Millionen von Frauen betrifft. Die Medizin muss ihre Verantwortung übernehmen und das Lipödem sowie andere Krankheiten wie Endometriose als das behandeln, was sie sind: reale, belastende Krankheiten, die eine ernsthafte und zeitnahe Behandlung erfordern.

Betroffene Frauen verdienen Respekt, Verständnis und Zugang zu einer angemessenen medizinischen Versorgung. Es muss Schluss sein mit der Ignoranz und der Stigmatisierung. Diese Krankheiten sind nicht nur medizinische Probleme – sie sind ein Symbol dafür, wie tief Frauenfeindlichkeit in unsere Gesellschaft und unser Gesundheitssystem eingebettet ist. Nur wenn wir das anerkennen, können wir beginnen, diese Strukturen zu verändern und den Betroffenen die Hilfe zu geben, die sie dringend brauchen.

Danke für eure Unterstützung!

Zum Abschluss möchten wir allen danken, die diese Petition bereits unterschrieben haben. Eure Unterstützung ist ein wichtiger Schritt, um die Ignoranz gegenüber dem Lipödem und anderen frauenspezifischen Erkrankungen zu bekämpfen. Gemeinsam können wir die Aufmerksamkeit auf diese oft übersehene Krankheit lenken und Betroffenen eine Stimme geben.

Doch wir sind noch lange nicht am Ziel. Damit sich wirklich etwas ändert, brauchen wir weiterhin eure Hilfe. Bitte teilt diese Petition, informiert euch und andere über das Lipödem und die Herausforderungen, mit denen Betroffene täglich konfrontiert sind. Jede Unterschrift zählt, jede Weiterleitung macht einen Unterschied, und jedes Gespräch kann Menschen helfen, die Bedeutung dieser Krankheit zu verstehen.

Gemeinsam können wir ein Zeichen setzen – für Respekt, Anerkennung und die medizinische Versorgung, die alle Betroffenen verdienen. Lasst uns nicht aufgeben, bis jede Patientin die Hilfe bekommt, die sie braucht. Vielen Dank für euren Einsatz!

HINWEIS: Ich bin keine Fachperson, sondern eine Mutter, die seit Jahren miterlebt, was das Gesundheitssystem mit Betroffenen macht. Dieses Update spiegelt meine persönlichen Erfahrungen und Eindrücke wider und ersetzt keine fachliche Beratung. Ich ermutige alle Leserinnen und Leser, sich zusätzlich selbst zu informieren, medizinischen Rat einzuholen und verschiedene Quellen kritisch zu prüfen.
 

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