Petition updateStoppt die Zersiedelung des Außenbereiches des Ostseebades Göhren auf der Insel Rügen!Toller Leserbrief des BILG Sprechers zu den Monsterbauten am Göhrener Südstrand
BI Lebenswertes Göhren
May 10, 2019

„Mit vier Geschossen könnte man leben, aber...“
Keine Monsterbauten am Südstrand

Zum Beitrag in der Ostsee Zeitung: „Ein Traum wird wahr – In Göhren entsteht für 20 Millionen Euro ein Gesundheitsresort mit 125 Zimmern und Suiten“ (OZ 27./28. April): Das, was da am letzten Sonnabend in der OZ stand, kann einem schon den Angstschweiß ins Gesicht treiben: Wenn eine uns allen bekannte Politikerin auf hrer Facebook-Seite schreibt „in Göhren tut sich was“, so muss ich als Sprecher der BILG (Bürgerinitiative für ein Lebenswertes Göhren, Anm. d. Red.) leider dazu Stellung nehmen. Frau Kassner: Die BILG und ich persönlich sind sehr enttäuscht von Ihrer Aussage!

Wir als BILG haben uns die Erhaltung der Außenbereiche unseres Ostseebades auf die Fahnen geschrieben. Mit diesen Monsterbauten am Südstrand des Ostessebades Göhren können wir uns nicht einverstanden erklären! Wir Göhrener haben es mit der Kurklinik Sachsenanhalt am Südstrand vor über 20 Jahren verstanden, ein mustergültiges Gebäude in die Landschaft zu setzen, mit dem alle Bewohner Mönchguts sehr zufrieden sein können! Jetzt wurde der Grundstein für ein „Gesundheitsresort“ der Luxusqualität am Göhrener Südstrand gelegt. Hier soll mit Hilfe von 2,5 Millionen Euro Steuermitteln ein viergeschossiges Luxus-Gesundheitszentrum errichtet werden. Mit diesen vier Geschossen könnte man ja noch leben, aber was nun auf dem Standort des ehemaligen Kinderferienlagers „Edgar André‘“ folgt, ist nicht mehr so ganz erfreulich und ist eines genaueren Hinschauens wert: Auf dem Grundstück der Waldhotel GmbH soll durch einen Investor ein Gebäude mit vier plus zwei Staffelgeschossen (in der Summe also sechs Geschosse) errichtet werden. Dieses Gebäude soll als „Gesundheitsresort“ (?) mit voraussichtlich ca. 300 Betten errichtet werden. Damit ist das Gebäude mit ca. 18 Meter Höhe höher als die es umgebenden Bäume und ist von ganz Mönchgut aus zu sehen. Weiterhin soll auf dem gleichen Standort durch Investoren eine sehr begrüßenswerte Augenklinik errichtet werden.

Aber der große Schlag ist auf der letzten Gemeindevertretersitzung am 8. April erfolgt. Hier wurde der Aufstellungsbeschluss einer vereinfachten Änderung des B-Plans Nr. 5 Nordstrand gem. § 3 Abs. 1 Baugesetzbuch beschlossen. Nach dem Willen des jetzigen Bürgermeisters Wolfgang Pester und einiger Gemeindevertreter ist über die 4. Änderung des B- Planes Nr. 5 „Nordstrand“ Göhren, ein Aufstellungsbeschluss zur Errichtung eines „Luxushotels“ an der Stelle des alten Strandcafés der jetzigen „Ostseeresidenz“, abgestimmt worden. Zu den befürwortenden Gemeindevertretern dieses immensen Einschnitts am Göhrener Nordstrand gehört unter anderem der Vorsitzende des Fremdenverkehrs- und Gewerbevereins Markus Pigard (Einzelbürgermeisterkandidat zur Kommunalwahl in Göhren am 26. Mai dieses Jahres). Andere Gemeinden wie Sellin, siehe OZ vom 13./ 14. April, Seite 11, sagen mit Recht einen B-Plan betreffend: „Die Gemeindevertretung wolle die Entscheidung nicht mehr vor der Kommunalwahl durchpeitschen.“ Ich möchte dies als gelebte Demokratie bezeichnen – anders als im Ostseebad Göhren.

An der Stelle der „Ostseeresidenz“ soll als Ersatz für die tatsächlich marode Bausubstanz ein kompletter Neubau erfolgen. An diesem Standort ist ein Luxushotel der Spitzenklasse vorgesehen. Wenn dieses Hotel nicht in westlicher Richtung einen viergeschossigen Wohnturm und in östlicher Richtung einen fünfgeschossigen Wohnturm hätte, wäre das sicher auch in Ordnung. Diese beiden Wohntürme würden nach den Plänen der Architekten einen acht Meter betragenden Abstand voneinander haben und man könnte im direkten Blick aus der „Rinne“ nur noch das Wasser der Ostsee sehen. Allerdings auch nur noch das Wasser der Ostsee und nicht mehr die umgebende Landschaft. Es bleibt nur der Blick auf vier beziehungsweise fünf Geschosse des neuen Hotels übrig. Den heute noch tollen Blick, wenn man als Gast oder Einwohner die „Rinne“ zum Göhrener Nordstrand herunterkommt, bis nach Stubbenkammer zu den Kreidefelsen und zur Stadt Sassnitz, haben dann nur noch die Gäste der Luxusherberge am Nordstrand.

Wem all diese Ausführungen nichts sagen, sehe sich einmal die Zahlen an, die sich aus diesen vielen Großbauprojekten in Göhren ergeben: In den nächsten zwei bis drei Jahren könnte sich damit die Bettenzahl im Ostseebad Göhren um ca. 800 bis 900 Betten erhöhen, aber ohne, dass die verkehrliche Infrastruktur auf der Halbinsel Mönchgut aufgebessert wird. Die Folgen sind jedem Einwohner und den Ämtern hoffentlich klar. Denn ca. 800 Betten mehr bedeutet auch eine Zunahme des Straßenverkehrs um ca. 350 Fahrzeuge, ohne die dazu gehörigen Ver- und Entsorgungsfahrzeuge – und das bei einer Straßeninfrastruktur auf Mönchgut aus dem Jahre 1932. Die Anwohner der Göhrener Chaussee in Baabe können einem nur leid tun.

Ich möchte noch einige Zahlen zu der Erhöhung der Gästebetten hinzufügen. In Göhren gibt es einige andere B-Pläne, die mit der Bebauung von möglichem Wohnraum und Eigentumswohnungen zu tun haben. So unter anderem den B- Plan Nr. 16 Hövtstraße mit ca. 80 Wohneinheiten, Preis unbekannt; B-Plan Nr. 27 ehemaliger Schweinestall mit ca. 31 Eigentumswohnungen, Preis von ca. 3500 bis ca. 4500 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche; B-Plan Nr. 23 Stabenweg mit ca. 29 Ein- oder Mehrfamilienhäusern, ca. vier größeren mehrgeschossigen Wohnhäusern, der Quadratmeter-Preis Bauland soll laut Exposé um die 200 Euro betragen.

Diese Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen. In nur wenigen Jahren wird das Ostseebad Göhren dann eine Urlauberbettenzahl von ca. 8300 Betten erreichen. Bereits jetzt sind laut Kurverwaltung Göhren nur 0,9 Prozent der Betten in Göhren bei kleinen Privatvermietern, die derzeit mit einem Rückgang der Belegung von fast 30 Prozent – so die Zahlen der Kurverwaltung Göhren vom März/April dieses Jahres – zu kämpfen haben. Von den restlichen ca. 99 Prozent der Vermieter sind die wenigsten steuerlich in Göhren ansässig. Die hier erarbeiteten Steuern fließen in andere Regionen ab. Aber gerade diese 99 Prozent nutzen unsere Infrastruktur zu 100 Prozent, ohne selbst einen Beitrag zum Erhalt des Gemeinwesens durch ihre Steuern in Göhren zu leisten.

Man muss sich einfach die Frage stellen, wo will Göhren bei diesem ungebremsten Wachstum hin und wo bleiben dabei die kleinen privaten Vermieter? Bleiben diese Einwohner Göhrens in Zukunft zu Gunsten weiterer Eigentumswohnungen und Hotels auf der Strecke?
Bernd Elgeti, Sprecher BILG Göhren

Quelle: Ostsee-Zeitung, Insel Rügen, 10. Mai 2019, Seite 13

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