Petition update#KöniginKatharinaStift in Gefahr - Stimme gegen abstruse Pläne des "Aufbruch Stuttgart""Aufbruch" will "Katzenstift" doch abreißen und hat eine einfach zu beantwortende Frage

Barbara MüllerStuttgart, Germany
May 16, 2018
Stuttgart, Hospitalhof, am Abend des 15.05.: Eindrücke von der Podiumsdiskussion des "Aufbruch".
Ein surrealer Eindruck drängt sich den neugierigen Besuchern der Veranstaltung auf: Menschen gehobenen Alters und gediegenen Auftretens dominieren zu 98% im Publikum klar die Szene. Einzig ein etwas jünger wirkendes Häuflein von "Katharinatreuen" weit oben auf der Empore (vermutlich Lehrkräfte der Schule) und ein paar Einzelpersonen im Saal klatschen, wenn der Standort des Katharina-Stiftes in einigen wenigen Kommentaren einzelner mutiger Protagonisten auf der Bühne als erhaltenswert beschrieben wird. Es ist viel von Zukunft die Rede, paradoxerweise aber von den "Aufbruch"-Vorständen der Generation Ü70 auf der Bühne formuliert, die eine Schule im "Kulturquartier" schlicht für verschenkten Raum in interessanter Lage halten.
Drei Politiker, die - sofern man der StZ Glauben schenken darf - am Abend teilweise ganz anders klingen als im technischen Ausschuss der Stadt am gleichen Tag in der Frühe. Einzig der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Herr Winter, traut sich, der Mehrheit dieses Publikums gegenüber missliebige Botschaften zum Erhalt der Schule und zum grundsätzlichen Wert von Entscheidungswegen in unserer Demokratie auszusprechen.
Schade, dass manche Politiker offensichtlich - je nach Publikum - anders agieren! Schaffen wir damit Vertrauen von jungen Menschen in die (Kommunal-)Politik?!?
Interessant auch, dass die Vorstände des "Aufbruch" auf der Bühne zuerst die Unterscheidung zwischen Schule und Schulgebäude deutlich machen, letzteres (natürlich ohne die das Gebäude bevölkernde Schulgemeinschaft) für "integrationsfähig" in ein neues Kulturareal halten, um dann zum Schluss die Möglichkeiten zur Umgehung des Denkmalschutzes zu skizzieren. Sie wollen die Schule umsiedeln und dann abreißen, es kam einfach ganz klar heraus!
Übrigens, um einen Boulevard mit Triumphbogen auf der gleichen Höhe zu errichten - ja, richtig gelesen: ein Triumphbogen á la Lederer nach französischem Vorbild als Eingangstor des "artreinen" Kulturquartiers, welches einfach keine Schule beinhalten darf!
Ich bekomme das Bild einfach nicht mehr aus dem Kopf: Ein steinernes Zentrum der Stadt, Ein- und Ausgang durch Triumphbögen markiert, ein Straßenzug ganz "aus einem Guss", ein Stadtpark ohne die Kinder und Jugendlichen auf der Wiese, vormittags fast menschenleer ... Wo bleibt das urbane Leben? Wo die Durchmischung und Sichtbarkeit der Stadtbevölkerung? Mir wird es auf meinem Sitzplatz im Publikum plötzlich etwas unheimlich ...
Zu guter Letzt verwendet der Architekt Lederer ein Zitat, welches er nicht mehr zweifelsfrei einem Autor zuordnen kann, und fordert - in leichter Abwandlung des Zitats -, die Schule möge nicht fragen, was die Stadt für sie tun kann, sondern, was sie für die Stadt tun kann. Seine implizite Antwort auf diese Frage - nämlich: Die Schule kann und muss weichen! - ist aber nicht die auf der Hand liegende, die logische. Was eine Stuttgarter Innenstadtschule für die Stadt tun kann? Na klar, Kinder und Jugendliche an Bildung heranführen, ihnen verdeutlichen, dass man sie als zukünftige mündige Bürger, als Wissenschaftler und als Stadtplaner, als Visionäre und Menschen braucht, die idealistisch, kreativ, wagemutig, frohgemut, gut gebildet und tatkräftig in die Zukunft (auch der Stadt Stuttgart) blicken, und sie mitten im Zentrum der Stadt in einem historischen Gebäude willkommen heißt. Denn niemand sonst ist das pulsierende Herz dieser Stadt!
Schade, dass die kommende Generation der Stadt dies gestern nicht selbst zum Ausdruck bringen durfte.
Schade auch, dass der vermeintlich "offene Rahmen" des auszulobenden Architektenwettbewerbs des "Aufbruch" eben - entgegen anders lautenden Aussagen des Vereins - sehr stark gelenkt und gesetzt wirkt. Offenheit könnte beinhalten, dass Ideen von Stadtplanung auch in Richtung "autofreie" Innenstadt, ein familienfreundliches oder generationsgerechtes Zentrum gehen könnten, wie dies auch von den anwesenden Politikern (teilweise sehr leise und zaghaft) geäußert wurde. Die Vision des steinernen Stadt-Herzen lässt dies jedoch nicht zu und engt immens ein! Offener Diskurs sieht anders aus!
Antoine de Saint-Exupéry, ein anderes französisches Vorbild, formuliert es treffend aus der Perspektive des Kindes, das er einmal war: "So habe ich im Laufe meines Lebens mit einer Menge ernsthafter Leute zu tun gehabt. Ich bin viel mit Erwachsenen umgegangen und habe Gelegenheit gehabt, sie ganz aus der Nähe zu betrachten. Das hat meiner Meinung über sie nicht besonders gut getan."
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