

Zu den drei Raketensystemen, die ab 2026 für die Stationierung in Deutschland vorgesehen sind, berichtet der Rüstungsexperte Lühr Henken vom Bundesausschuss Friedensratschlag:
- „Die Boden-Boden-Rakete SM-6 ist eine präzise ballistische Rakete mit einer maximalen Reichweite von 1.600 km.
- Der Marschflugkörper Tomahawk fliegt maximal 2.500 km weit, ist äußerst schwer abzufangen, weil er den russischen Radarschirm unterfliegt. Von diesen Waffentypen könnten 80 bis 120 Flugkörper insgesamt nach Deutschland kommen.
- Die gefährlichste Waffe ist die Dritte, die Hyperschallrakete Dark Eagle, die 3.700 km weit fliegt. Wie funktioniert sie? Während der Startphase, die eine bis 1,5 Minuten dauert, lösen sich die beiden Stufen der Rakete nacheinander und bringen den übrig gebliebenen Gleitkörper, einen Gefechtskopf mit herkömmlichem Sprengstoff, auf 17-fache Schallgeschwindigkeit. Dieser reitet gleichsam in nur schätzungsweise 60 bis 80 km Höhe in unberechenbaren Wellen. Er ist von russischen Frühwarnradaren und Satelliten nicht zu orten, sondern kann erst zwei bis drei Minuten vor dem präzisen Einschlag vom russischen Bodenradar erfasst werden - wenn überhaupt. Also, diese abzufangen, ist quasi unmöglich. Die Flugzeit von Süddeutschland, wo sie stationiert werden sollen, nach Moskau beträgt etwa 10 Minuten. EINE Dark-Eagle kostet 41 Millionen Dollar.
Die USA sehen Dark Eagle als strategische Angriffswaffe, die direkt ihrem 'Strategischen Kommando' unterstellt ist, um mobile Kommandozentralen und mobile Raketenträger auszuschalten. Das gegenüber dem US-Kongress angegebene Ziel, damit auch so genannte zeitkritische Hochwertziele angreifen zu können, interpretieren Russland und China folgerichtig so: Sowohl der russische als auch der chinesische Präsident sehen in Dark Eagle eine, wie sie sagen, Enthauptungsschlagwaffe. …
Ex-Kanzler Scholz und der damalige US-Präsident Biden behaupten, mit der Stationierung in Deutschland Russland von einem Angriff auf die NATO abzuschrecken, um dem Frieden näher zu kommen. …. In Wirklichkeit wird das Gegenteil erreicht. Sie schrauben die Rüstungsspirale weiter in die Höhe und eskalieren die Aufrüstung.“
Sie eskalieren damit auch die Kriegsgefahr, etwa wenn in Spannungssituationen ein Fehlalarm in der Radaraufklärung stattfindet und das Personal nervös reagiert und eine Fehlreaktion einen Atomkrieg auslöst. Dieses Risiko geht die Nato bewusst ein.
Zum Argument, eine vergleichbare Gefahr gehe von den russischen Raketen für die Nato aus, lohnt sich ein Blick auf die Kritik aus der Friedensbewegung an der US-Raketenrüstung in Europa vor vier Jahrzehnten – hier Prof. Gerhard Kade 1983 (Blätter f. deutsche u. internat. Politik 9/1983): „Die ›Pershing II‹, die ausschließlich in der Bundesrepublik stationiert werden soll, hat Anflugzeiten, die maximal zwischen 4 und 6 Minuten liegen. Dieses Waffensystem zwingt dem Land, zu dessen Bedrohung es installiert wird, eine sozusagen automatische Reaktion auf. Im Klartext bedeutet das: Wird auf dem Entsprechenden Radarschirm der Start einer ›Pershing II‹ sichtbar, zwingt dies die verantwortlichen Militärs der Gegenseite dazu, unverzüglich den Startbefehl zum Vergeltungsschlag zu geben.“ …„Pershing II‹ und Cruise Missile sind… Waffensystem, die Ziele tief im Innern der UdSSR erreichen können, während die (sowjetische, B.T.) SS 20 von der Sowjetunion aus die USA überhaupt nicht erreichen kann.“
Die Raktetenrüstung der USA generiert hier in der Tat ein Risiko, das einzugehen niemand das Recht hat. Es geht um das Überleben der Zivilisation.