

Herr Minister Pistorius beschwichtigt bei der Rechtfertigung der vereinbarten Stationierung neuer US-Raketen in Deutschland. Er muss es als Verantwortlicher besser wissen – er begründet die mit den USA vereinbarte Aufstellung offensiver Mittelstreckenraketen, die russische Ziele nach kurzer Flugzeit ausschalten können, als „Abschreckung“ - doch die Unsicherheit infolge des Wegschmelzens von Vorwarn- und mögl. Reaktionszeit macht das Leben vor allem in Spannungszeiten gefährdeter.
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete am 31.7.2024 unter der Überschrift „Amerikanische Waffen nötig für »echte Abschreckung«" : „Während seines Besuchs in den USA stimmt Verteidigungsminister Boris Pistorius auf eine größere Rolle beim Schutz von Recht und Freiheit ein. Er verteidigt auch die Stationierung amerikanischer Waffen in Deutschland.“ (Die "große Rolle" bezieht Herr Pistorius auf die geplante Stationierung v. Tomahawk-Marschflugkörpern, SM-6-Raketen und ... Hyperschallwaffen von 2026 an)
Doch das Gegenteil von Schutz, Abschreckung und Sicherheit wäre nach Experten-Einschätzung die Folge der mit den USA vereinbarten Stationierung dieser Waffen in Deutschland, wie u.a. diese Studie des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik in Hamburg deutlich macht:
IFSH Research Report #009
Hyperschallwaffen in Europa: Wie die Rüstungskontrolle Schritt halten kann
„Die in Hyperschallwaffen erreichte Kombination aus Schnelligkeit und Manövrier-fähigkeit schließt für Militärstrateg:innen eine bisherige Fähigkeitslücke zwischen herkömmlichen Marschflugkörpern und ballistischen Raketen. Mit Unterstützung durch Sensoren und Navigationssysteme können Gleitflugraketen und aeroballistische Raketen z. B. feindlichen Flugabwehrraketen ausweichen und ihre Ziele mit hoher Präzision zu erreichen. Überdies fliegen hypersonische Gleitflugkörper und Marschflugkörper zu niedrig für Raketenabwehrsysteme, die Objekte in mehreren hundert Kilometern über der Erdoberfläche treffen können (...). Hyperschallgleiter bleiben länger vor Radarsystemen hinter dem Horizont verborgen als höher fliegende ballistische Raketen. Im Falle eines Angriffs verkürzen sie daher die Reaktionszeit für Staaten, dessen Frühwarnsysteme auf bodengestützte Radare angewiesen sind.“
https://ifsh.de/file/publication/Research_Report/009/Research_Report_009_DE_V4_web.pdf
Herr Pistorius beschwichtigt: "Der Minister sagte ..., es gehe bei der Stationierung um konventionelle Waffen, die nicht als Waffen mit nuklearen Sprengköpfen vorgesehen seien." Damit geht der Minister, darüber hinweg, dass der Plan sehr wohl rein technisch gesehen nuklearfähige Systeme umfasst. Nach den vielen Wortbrüchen der Militärs aller Seiten ist klar, wie wenig Beruhigung solche Worte für Strategen aller Seiten bewirken - In Krisen kommt ganz oft vieles anders, als einst gesagt - siehe nur z.B. die Worte westlicher Verhandlungspartner dem sowjetischen Präsidenten Gorbatschow gegenüber bei den Verhandlungen zur Vereinigung der zwei deutschen Staaten, die Nato werde sich 'not an ichch' nach Osten hin ausdehnen. So lassen sich Herrn Pistorius' Worte so verstehen, dass er die Öffentlichkeit beschwichtigen will. Er möchte vermutlich eine Friedensbewegung wie vor 4 Jahrzehnten gegen ähnliche Offensivsysteme der USA in Westeuropa vermeiden. So sind seine Worte aus dem FAZ-Artikel zu verstehen: "Es ist auch nicht vergleichbar mit dem NATO-Doppelbeschluss aus den Achtzigerjahren. Von daher sollten wir hier die Dinge sorgfältig auseinanderhalten.“ Wir haben die Verantwortung, zu warnen und »Nein!« zu sagen, ehe es zu spät ist.
=> Aktuell hat unser Appell mehr als 10100 UnterstützerInnen durch Unterschrift!
Dieser Erfolg ist hoffentlich ein Anfang für mehr – für die maximale Unterstützung, um diese brandgefährliche Planung der Bundes- und US-Regierung doch noch abzuwenden - dafür sind Friedensaktionen wie u.a. die am 6.8. zum mahnenden Gedenken an die Atombombenangriffe der US-Armee auf Hiroshima und Nagasaki, der Antikiegstag (1.9.) und die Berliner Friedensdemonstration am Tag der Vereinigung der deutschen Staaten mit dem 2+4-Vertrag (3.10.) ebenfalls wichtge Anlässe.
+ Hier unsere Presseerklärung* zum Stand der Unterstützung und zu den Gründen für unseren Appell, *gerne auch zur Weiterverbreitung:
https://fwes.info/Pressemitteilung_2024-08-02_atomare-Bedrohung.pdf