Dr. Christian FelixAlemanha
2 de nov. de 2019

Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer,

vor zwei Jahren hatte ich Sie gebeten eine Kampagne zu unterstützen, die zum Ziel hatte, den berühmten Wüstenelefanten Vootrekker zu schützen, einen der letzten noch lebenden Bullen dieser besonderen Elefantenspezies im Nordwesten Namibias [1]. Kurz zuvor, am 18. bzw. 20. September 2017, waren die beiden männlichen Wüstenelefanten Kambonde und Tsaurab von ausländischen Jagdtouristen erschossen worden. Am 25. Juni diesen Jahres ist trotz aller verzweifelten Bemühungen vieler Tierschutzorganisationen, sein Leben zu retten, auch Voortrekker einem Trophäenjäger zum Opfer gefallen.

Wüstenelefanten haben sich über Generationen hinweg an das semiaride Klima der Namib angepasst. Sie unterscheiden sich in ihrer Morphologie und in ihren Verhaltensmerkmalen von den Savannenelefanten [2]. Mit dem gewaltsamen Tod der drei breeding bulls scheint nun auch das Schicksal der kleinen Herde von weniger als zwanzig Wüstenelefanten in der Ugab-Region besiegelt. Vor vier Jahren hatten dort noch 32 Elefanten existiert, wie die Organisation Elephant Human Relations Aid (EHRA) berichtet.

Dass es sich bei den Wüstenelefanten um besondere Elefanten handelt, wird von der Regierung von Namibia immer dann bestritten, wenn es darum geht, Abschusslizenzen zu rechtfertigen. Ihre Existenz wird dagegen anerkannt, wenn um Touristen geworben wird. Menschen aus aller Welt zahlten Millionen Dollar für die kleine Chance, diese seltenen, ikonischen Riesen in ihrer natürlichen Umgebung, der Wüste, zu beobachten.

Voortrekker war ein einzigartiges Tier. Er besuchte 1989 als erster Elefant die Region Kunene im Nordwesten Namibias, die während des Südafrikanischen Grenzkrieges leergeschossen worden war. Daher sein Name, der auf Afrikaans so viel bedeutet wie Pionier. Er spähte ein paar Wochen lang herum und untersuchte geduldig jeden möglichen Ort, um nach Wasserstellen, geheimen saftigen Nahrungsmitteln, Gefahren, Schutz- und Versteckmöglichkeiten Ausschau zu halten. Einige Wochen später kehrte Voortrekker zurück und brachte seine Familie in das Gebiet des Flusses Ugab. Die kleine Gruppe von Elefanten muss von den Aktionen ihres Anführers überrascht gewesen sein, vertraute ihm jedoch, da sich seine Instinkte offenbar schon immer als richtig erwiesen hatten. Voortrekker brachte ihnen bei, wie man mit Hilfe der Stoßzähne, des Rüssels und der Füße nach Wasser gräbt und welche Sträucher die weichsten, feuchtesten Nahrungsmittel enthielten. Er zeigte ihnen, wie man Wasser im Maul lagert, um es ein paar Stunden später zu verwenden, wenn kein Wasserloch in der Nähe war. Er führte die Familienmitglieder direkt zu den duftenden Commiphora-Pflanzen, um sie zu verwöhnen. Seine Weisheit und sein uraltes Wissen garantierte das Überleben der Familie in der harschen, neuen Heimat. [3]

Hobbyjäger haben es gerade auf die seltenen Wüstenelefanten abgesehen. 2008 verkaufte das namibische Ministry of Environment and Tourism (MET) sechs Abschusslizenzen, darunter für Voortrekker. Um sein Leben zu retten, sammelten engagierte Menschen der Desert Elephant Conservation noch im selben Jahr 12.000 US-Dollar, um Voortrekker als lebende Trophäe zu kaufen. Zu diesem Zeitpunkt hatten die anderen fünf Wüstenelefanten bereits ihr Leben verloren. Alle glaubten, wenigstens Voortrekker befände sich von jetzt an in Sicherheit, denn eine Abschussgenehmigung darf von den Behörden eigentlich nur einmal verkauft werden. Zudem wurden seit 2014 mehrere Petitionen an das MET mit dem dringenden Appell eingereicht, die Jagd auf die Wüstenelefanten einzustellen. Voortrekker wurde zur lebenden Legende, aber auch zur weltweit begehrtesten Trophäe.

In den letzten Jahren versuchten skrupellose Leute, dem berühmtesten Elefanten Afrikas Sachbeschädigungen anzulasten, um ihn als sogenannten Problemelefanten abzustempeln, damit er doch noch getötet werden dürfe. Demgegenüber beschrieben ihn die Einheimischen in den Dörfern am Ugab-Fluss als bescheiden, gutmütig, sanft und ruhig. Wann immer er gesehen wurde, war er willkommen, liebevoll wurde er mit „Old Man“ begrüßt. Noch am Montag, den 24. Juni diesen Jahres forderten die Gemeinden der Ugab-Region in einem Brandbrief an das MET, keine Elefanten jagen zu lassen. Sie argumentierten, dass sie das Geld der Touristen, die wegen der Wüstenelefanten kommen würden, dringend bräuchten [3]. Doch das schnelle Geld in wenige Hände war den Mitarbeitern des MET offenbar wichtiger. Einen Tag später, am Dienstag den 25. Juni, ist Voortrekker erschossen worden. Unbestätigten Recherchen zufolge von einem Südafrikaner, der eine Jagdlizenz gekauft hatte, ob für Voortrekker, ist nicht geklärt. Möglicherweise war er ein willkommenes Zufallsopfer, weil kein anderer Elefant in der Region zu sehen war. Jedenfalls erklärte das MET Voortrekker posthum zum Problemelefanten, obwohl auch nach namibischem Recht wegen Sachbeschädigung kein Tier getötet werden darf.

Die Organisationen, die die Wüstenelefanten schützen, wurden vorher nicht informiert. Es steht außer Zweifel, dass sie innerhalb von Stunden genügend Geld gesammelt hätten, um die illegal verkaufte, zweite Jagdlizenz erneut abzukaufen und die unterstellten Schäden, für die es bis heute keinerlei Nachweise gibt, finanziell zu kompensieren.

Die Reaktion des Ministerium-Sprechers und die später schriftlich nachgereichte Erklärung des MET zur Erschießung Vootrekkers sind ein Lehrstück an autoritär vorgetragenem Zynismus [4]. Das Ministerium wisse schon, wie man Artenschutz richtig betreibe. Das Geld für die Abschusslizenz würde den Gemeinden helfen (!). Außerdem liege das ganze Problem bei den Tierschützern, die Wildtieren Namen geben, wodurch Emotionen geweckt würden. Wäre Voortrekker namenlos geblieben, gäbe es die ganze Aufregung nicht.

Nun, diese Einlassung übersieht: es gibt nur noch so wenige Wüstenelefanten, dass man ihnen überhaupt Namen geben kann. Zum anderen ist es schlicht zweckmäßig, Individuen, die sich in ihrem Geschlecht, im Alter, in ihrem Aussehen, in ihrem Verhalten oder in ihrem Lebenslauf unterscheiden, zur leichteren Verständigung Namen zu geben. Die Namensgebung ist eine Errungenschaft der Sprache.

Ministerium und Trophäenjäger nahmen nicht nur Voortrekker das Leben, sie töteten auch die Hoffnung der Menschen auf ein friedliches und gewinnbringendes Zusammenleben von Wildtier und Mensch. Der Schaden ist nicht zu benennen. Wir erleben live die bewusste Ausrottung einer wunderbaren Tierart und die Desillusionierung aller Menschen, die sich verzweifelt dagegen stemmen.

Man könnte das Verhalten der namibischen Behörde als aggressive, weil hilflose Reaktion einer autokratisch geführten, defekten Demokratie abtun, aber sie kann sich auf mächtige Partnerländer stützen. Die deutsche Bundesregierung, namentlich das SPD-geführte Umweltministerium bekennt sich ausdrücklich zur Trophäenjagd und stellt gerade Namibia als vorbildlich hin [5].

Auch für den WWF ist Namibia ein Musterland des Artenschutzes, in dem die Trophäenjagd als sogenanntes nachhaltiges Wildtiermanagement in einigen Gemeindeschutzgebieten den Wildtierbestand schützen und regulieren würde [6,7]. Doch die von Namibia und WWF behaupteten Zahlen von 22.000 Elefanten im Land werden von Journalisten vor Ort wie John Grobler stark angezweifelt. Vermutlich existieren nur halb so viele Elefanten. Die viel zu großen Zahlen würden offiziell genannt, um die Jagdquoten hoch halten zu können [8].

Im letzten Jahr sind die Trophäen von u. a. 48 Elefanten, 31 Leoparden, 8 Geparden, 3 Breitmaulnashörner, 34 Flusspferde, 17 Löwen und 4 Eisbären mit freundlicher Genehmigung des Bundesamtes für Naturschutz nach Deutschland eingeführt worden [9]. Wenn Sie der Meinung sind, dass die Trophäenjagd nicht in Ordnung ist, fragen Sie die Bundesregierung, warum sie diese unterstützt.

Bitten Sie den WWF um eine Stellungnahme. Vermutlich wird man Ihnen mit vielen Worten erklären, dass das Thema Trophäenjagd schwierig sei und dass niemand gerne auf Elefanten schieße. Vermutlich wird man Sie auf dieses Papier verweisen: www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/Hintergrund-Trophaeenjagd.pdf

Nach meiner Überzeugung wird sich an der Trophäenjagd nichts ändern, solange der WWF an seiner Politik festhält.

Vom 28.1. bis 2.2.2020 öffnen die Westfalenhallen in Dortmund wieder ihre Tore für Europas größte Jagdmesse, die „Jagd und Hund“. Jeder kann dort Jagdreisen ganz legal buchen, bei denen auf alles geschossen werden darf, was vom Aussterben bedroht ist: Elefanten, Giraffen, Nashörner, Löwen, Leoparden, Geparden, Eisbären, Flusspferde – sogar zum Discountpreis. Wenn Sie damit nicht einverstanden sind, unterstützen Sie bitte diese Petition: www.change.org/p/an-den-ob-der-stadt-dortmund-ullrich-sierau-und-den-stadtrat-stoppen-sie-den-verkauf-von-spa%C3%9Fjagden-auf-vom-aussterben-bedrohte-tierarten

Die vermutlich letzten Filmaufnahmen Voortrekkers können Sie hier sehen: www.facebook.com/aschiwidmer/videos/10218807486569047/

Jetzt dürfte sein Kopf die Wand einer Jagdfarm zieren.

Als Schlusswort möchte ich CJ Carrington von Desert Elephants and Friends zitieren:

A life destroyed, a Legend lost, a Sentient being murdered, for the sake of the almighty dollar.
If there was one elephant that needed to be saved, this was him. He was truly unique and irreplaceable.
I have fought for these desert elephants, and especially for Voortrekker, for more than 6 years - at great personal cost. The only thing that I can say, is that we did manage to keep him alive for 5 and a half years, and shined a global spotlight on the shifty dealings happening in conservation in Namibia.
I do not know where to from here, as far as the remaining Desert Elephants are concerned. But personally, I am done. I have failed Voortrekker and his family, and I have to accept that fact as truth.
I remain deeply saddened and broken-hearted. My world is pretty much shattered right now. I respectfully ask that you let those of us who loved him, have the time to grieve.
Walk in Peace Old Man. May you drink from the sweet water that always flows, and snack on Ana tree pods forever, wherever you are. I will always love you, and I will never forgive. Please visit me in the lucid dream world, with your trunk draped over a tusk. In your world right now - you are perfect.
(CJ Carrington)

Werben Sie für: change.org/grosswildjagd
Wenn Sie Fragen haben: stopp.grosswildjagd@gmail.com

Herzliche Grüße

Christian Felix

Quellen:

[1] www.change.org/p/frau-schulze-stoppen-sie-den-import-von-jagdtroph%C3%A4en-gesch%C3%BCtzter-tierarten/u/21579640

[2] www.facebook.com/watch/?v=1544659448973094

[3]  www.facebook.com/VoortrekkerTheDesertElephant/photos/a.430223347829918/430534767798776/

[4] www.thedodo.com/living-legend-of-the-namib-voo-659043534.html

[5] www.bmu.de/download/hintergrundpapier-zum-thema-trophaeenjagd/

[6] wwf.panda.org/wwf_news/successes/?212897/namibia-recognised-for-pioneering-conservation

[7] www.nnf.org.na/images/Publications/books-pamphlets/savanna-elephant.pdf

[8] news.mongabay.com/2019/02/it-pays-but-does-it-stay-hunting-in-namibias-community-conservation-system/

[9] dipbt.bundestag.de/doc/btd/19/069/1906961.pdf (Seite 99)

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