Stoppen Sie Abschiebungen aus Handwerksbetrieben!

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Als Handwerkerin möchte ich mich heute an die Seite eines kleinen Handwerksbetriebes stellen, der seit über einem Jahr um seinen Lehrling bangt.

Es geht um die Heizungs- und Sanitär - Firma Alexander Meile in Kulmbach. Sie haben bis vor einem Jahr einen jungen Mann aus Afghanistan mit dem Vornamen Saheel ausgebildet. Seine Geschichte wurde in der Presse beschrieben, unter anderem in der Frankenpost.
Ich möchte die Geschichte gerne aus meinem Blickwinkel als Handwerksmeisterin schildern.

Ich selbst leite zusammen mit meinem Mann eine kleine Bildhauerei. Auch wir haben einen Lehrling, der aus der Gegend um Afghanistan stammt, und wir wissen, welche Herausforderungen es mit sich bringt, so einen jungen Menschen durch das erste Lehrjahr zu bringen. Wir wissen aber auch, wie schwierig, aber auch lohnend es ist, ein Team zusammenzufinden, das zusammen passt. Für einen kleinen Betrieb wie dem unseren ist das existenziell.

Im Frühjahr vergangenen Jahres erfuhr ich von dem Azubi, der aus seiner Lehre heraus in Abschiebehaft gesteckt wurde. Damals hatte unser jetziger Lehrling gerade in einem Praktikum in unserem Betrieb sein außergewöhnliches Talent gezeigt. Der Fall hat mich persönlich sehr verunsichert. War ich doch der Meinung, dass eine Ausbildung die Betriebe vor der Abschiebung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schützt.
Spontan nahm ich Kontakt zu dem betroffenen Unternehmen auf. Der junge Mann war wegen einer Kneipenschlägerei vorbestraft. Er hatte kurz vor Beginn der Ausbildung seinen Eintritt ins Berufsleben gefeiert und dabei mehr Alkohol getrunken als gut war. Er hat sich mit einem anderen jungen Mann, der auch zu viel getrunken hatte, in die Wolle gekriegt ... wie auch immer - es war richtig, dass er zu einer angemessenen Anzahl an Sozialstunden verdonnert wurde. Und es war nicht mehr wie richtig, dass er hat diese auch geleistet hat. 

Der Betrieb hat sich davon nicht abschrecken lassen. Das erste Lehrjahr ist die Zeit, in der sich alles erst einmal einpendeln muss. Die Sprache ist da eine Sache, das System Ausbildung eine weitere, und dann gibt es noch die Schule … Im Prinzip ist das erste Lehrjahr immer ein Abenteuer für den Betrieb, immer mit der Frage im Hintergrund, wie sich dieser junge Mensch wohl entwickelt. Früher hat man dafür Lehrgeld verlangt - und irgendwie kann das wohl jede und jeder Auszubildende insgeheim verstehen.

Im zweiten Lehrjahr fangen gute Azubis irgendwann an, dem Betrieb Geld einzubringen. Im Laufe des dritten Lehrjahres sieht man dann, ob sich die Investition für den Betrieb gelohnt hat.

Saheel kam am Ende des zweiten Lehrjahres in Abschiebehaft.
Für den Betrieb ist das die komplette Zerstörung der Ausbildungsarbeit von zwei Jahren. Dazu kommt die psychische Belastung - der Schock, der durch den Betrieb fährt, wenn der Junge morgens nicht zur Arbeit erscheint, und man dann hört, dass er nach Kabul gebracht werden soll, nachdem man ihm alle seine Sachen abgenommen hat. Dann kommt der Aufwand, den man als Handwerksmeister so bringt, um seinen Mitarbeitern im Notfall zu helfen: Kontakt mit dem Anwalt, schauen, ob man noch was mit der Presse machen kann, und so weiter. Der Betrieb befindet sich plötzlich im Ausnahmezustand - verursacht von einem Staat, der doch gerade von solchen Betrieben finanziert wird: von den kleinen, den ehrlichen, die ihr Geld mit ihrer Hände Arbeit verdienen.
Der Schock geht noch weiter, fährt Berufsschulklassen in die Glieder und verunsichert andere Betriebe, die ebenfalls  Geflüchtete ausbilden - während sich Leute, die sich auf Stadtplätzen versammeln und “Absaufen” grölen, hämisch darüber freuen, dass ihre Politik so erfolgreich ist.

Saheels Abschiebeflug wurde letztes Jahr in letzter Minute abgesagt, weil die deutsche Botschaft in Kabul durch einen Bombenanschlag der Taliban nahezu zerstört wurde - im sichersten Teil der Stadt. Danach wurde die Sicherheitseinstufung des von Bürgerkrieg und Klimawandel geschundenen Landes neu überarbeitet. Die Bundeswehr gibt im März bekannt, dass sie in Afghanistan “besiegt” wurde. Die Bundesregierung bewertet den neuen Lagebericht, der sich wie ein apokalyptischer Horror-Roman lesen lässt, in einer mir unbegreiflichen Weise: Es dürfen fortan auch wieder Frauen und Kinder dorthin abgeschoben werden.

Der Firma Meile ist die Fortführung der Ausbildung untersagt worden, weil der Lehrling sobald wie möglich abgeschoben werden sollte. Der Lehrmeister Herr Meile aber hat die ganze Zeit über gehofft, seinen Lehrling, der erfreuliche Ausbildungserfolge vorzuweisen hatte, wieder einstellen zu können.

In der vergangenen Woche kam Saheel erneut in Abschiebehaft. Herr Meile hat mir gestern die Nachricht geschickt, dass er in Eichstätt sitzt für den Abschiebeflug, der für nächste Woche geplant ist. Dieses Vorgehen ist gerade für kleine Betriebe auch wirtschaftlich unzumutbar.

Ich wende mich nun an das bayrische Wirtschaftsministerium, weil der Schaden, der durch die Abschiebung von Auszubildenden kleiner Betriebe entsteht, meiner Meinung nach viel zu wenig berücksichtigt wird.
Gerade heutzutage, wo es so schwer ist, überhaupt Auszubildende zu finden - Sie wissen wovon ich rede: rund 17.000 freie Lehrstellen allein in Bayern.

In den letzten Wochen haben einige CSU-Politiker verlauten lassen, dass man bei gut integrierten Menschen in Zukunft Abschiebungen vermeiden wolle. Lasst uns ihnen ans Herz legen, dass sie Alexander Meiles Auszubildenden wieder in den Betrieb zurück lassen.


Herr Meile ist ein Mensch mit Herz und Verstand. So einer gehört doch unterstützt, und nicht durch die Abschiebung seiner Leute belastet.

Mit hoffnungsvollem Gruß
Astrid Hilt

 



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