Die Stadt Heidelberg hat die Evaluation zur Parkraumbewirtschaftung in der Bahnstadt gestartet. Laut Ankündigung sollen die Auswirkungen der seit August 2025 geltenden Parkraumbewirtschaftung untersucht werden.
Es gibt dafür zwei unterschiedliche Fragebögen, die wir transparent zur Verfügung stellen:
- Fragebogen für Anwohnerinnen und Anwohner
- Fragebogen für Besucherinnen und Besucher, Beschäftigte und Gewerbetreibende
Der Anwohnerfragebogen wurde zufällig ausgewählten Haushalten zugeschickt und ist durch einen individuellen Zugangscode geschützt. Auch der Fragebogen für Besucherinnen und Besucher, Beschäftigte und Gewerbetreibende ist über individuelle Zugangscodes erreichbar. Entsprechende Flyer liegen in Geschäften in der Bahnstadt (z.B. Laib & Leben) aus.
Unsere Kritik am Anwohnerfragebogen
Nach Durchsicht des Anwohnerfragebogens haben wir erhebliche Zweifel, ob dieser eine ausreichend ausgewogene Grundlage bietet, um die tatsächliche Akzeptanz und die Belastungen der Anwohnerinnen und Anwohner fair auszuwerten.
Mehrere Fragen sind aus unserer Sicht nicht ergebnisoffen formuliert. Besonders deutlich wird das bei den Fragen zum kostenlosen oder günstigeren Parken am Sonntag sowie am Abend und in der Nacht. Dort werden günstigere Varianten direkt mit negativen Folgen verbunden, etwa mit höherem Verkehrsaufkommen, wenigen freien Parkplätzen, geringerer Verkehrssicherheit und geringerer Aufenthaltsqualität.
Beispiel:
Welche der folgenden Möglichkeiten zum Parken abends/nachts im öffentlichen Parkraum würden Sie in der Bahnstadt begrüßen?
- Abends/nachts kostenfrei parken, bei höherem Verkehrsaufkommen, wenig freien Parkplätzen, geringerer Verkehrssicherheit und Aufenthaltsqualität.
- ...
Eine neutrale Frage würde die verschiedenen Tarifmodelle ohne vorweggenommene Bewertung ihrer angeblichen Folgen gegenüberstellen.
Kostenfreies Parken an Sonntagen sowie abends und nachts ist in vielen Städten und Gemeinden in Deutschland völlig normal. Trotzdem wird im Fragebogen suggeriert, dass kostenloses Parken automatisch zu schlechteren Zuständen führt. Dass es Anwohnerinnen und Anwohnern dadurch leichter gemacht würde, Besuch von Familie, Großeltern, Freundinnen und Freunden zu empfangen, wird dagegen nicht gleichwertig dargestellt.
Ähnlich kritisch sehen wir die Frage zum 30-Tageticket. Dort wird ein niedrigerer Preis mit der Formulierung „zu billig, die Bahnstadt wäre zugeparkt“ verknüpft. Auch das ist keine neutrale Abfrage. Ein günstigeres Ticket könnte auch als Entlastung für Anwohnerinnen und Anwohner oder deren Besuch gesehen werden. Diese Perspektive kommt im Fragebogen zu kurz.
Verdrängung ist nicht automatisch ein Erfolg
Hohe Gebühren können dazu führen, dass weniger Menschen im öffentlichen Straßenraum parken. Aber daraus folgt nicht automatisch, dass die Maßnahme von den Betroffenen akzeptiert wird oder insgesamt verhältnismäßig und sozial ausgewogen ist.
Wenn Besuch seltener kommt, kürzer bleibt, weiter entfernt parkt oder wenn finanzielle Belastungen auf Anwohnerinnen, Anwohner und deren Gäste verlagert werden, ist das zunächst ein Verdrängungseffekt. Ob dieser Effekt politisch gewünscht und angemessen ist, muss offen bewertet werden.
Genau hier sehen wir die Schwäche des Fragebogens: Er fragt stark nach den gewünschten Zielen wie Verkehrssicherheit, Aufenthaltsqualität und Parkplatzverfügbarkeit. Die Nachteile für Anwohnerinnen und Anwohner, deren Besuch, Familien und soziale Teilhabe werden dagegen nicht gleichwertig abgefragt.
Viele Fragen sind so formuliert, dass Verdrängungseffekte später als Erfolg erscheinen können, ohne ausreichend zu erfassen, welche sozialen, finanziellen und praktischen Nachteile dadurch entstehen.
Entscheidend ist die Gesamtbewertung
Für die spätere Auswertung wird aus unserer Sicht vor allem eine Frage entscheidend sein:
„Wie bewerten Sie die in 2025 eingeführte Parkraumbewirtschaftung insgesamt?“
Diese Antwortverteilung wird aus unserer Sicht der wichtigste Gradmesser dafür sein, wie die Maßnahme von den direkt betroffenen Anwohnerinnen und Anwohnern tatsächlich angenommen wird.
Wir erwarten deshalb eine vollständige und transparente Veröffentlichung der Ergebnisse. Dazu gehören die Antwortverteilungen zu allen Fragen, die Zahl der Teilnehmenden sowie eine getrennte Auswertung nach Anwohnerinnen und Anwohnern, Besucherinnen und Besuchern, Beschäftigten und Gewerbetreibenden.
Die Evaluation darf am Ende nicht selektiv so gelesen werden, dass einzelne Verbesserungen hervorgehoben werden, während Belastungen für Alltag, Besuch, Familien und soziale Teilhabe in den Hintergrund geraten.
Nach aktuellem Stand ist mit der politischen Beratung der Evaluation im September 2026 zu rechnen: Am 16.09.2026 sollen die Ergebnisse in einer Sondersitzung des Bezirksbeirats Bahnstadt vorberaten werden, bevor das Thema am 23.09.2026 im Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt und Mobilität behandelt wird. Frühestens in diesem Rahmen können auch mögliche Anpassungen an der Parkraumbewirtschaftung beraten und beschlossen werden.