Adlershofer MieterBerlin, Germany
Feb 26, 2023

Den Artikel finden Sie unter: https://www.tagesspiegel.de/berlin/berliner-wirtschaft/frust-uber-hohe-nebenkosten-firmen-sehen-standort-im-technologiepark-in-berlin-adlershof-in-gefahr-9349931.html

Hier der Text:

Frust über hohe Nebenkosten: Firmen sehen Standort im Technologiepark in Berlin-Adlershof in Gefahr
 
Gewerbemieter der Wista Adlershof klagen über zu hohe Betriebskosten. Eine Firma hat bereits Konsequenzen gezogen.

Von Thomas Loy
22.02.2023, 08:46 Uhr
Steigende Miet-Nebenkosten machen derzeit vielen Berlinern zu schaffen – ob es um die Wohnung geht oder den eigenen Betrieb. Als Preistreiber gelten Ukraine-Krieg, Energiekrise und Inflation. Im Technologiepark Adlershof währt der Frust über hohe Betriebskosten für Gewerberäume aber schon deutlich länger.

„Bereits von 2018 bis 2021 haben sich in bei der vom Senat beauftragten Wista und in Adlershof die Nebenkosten um teilweise bis zu 80 Prozent erhöht“, erklärt Benjamin Herzog, Geschäftsführer des Start-ups Solaga, das „Algenwände“ für ein besseres Raumklima entwickelt.

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Für das Jahr 2022 befürchtet Herzog einen weiteren Anstieg um 100 Prozent, allerdings muss ihn das persönlich nicht mehr kümmern. Solaga ist Anfang 2022 nach Marzahn umgezogen, auch wegen der Betriebskosten.

Benjamin Herzog wendet sich in einer Online-Petition an die Öffentlichkeit und fordert indirekt die Ablösung von Wista-Chef Roland Sillmann. 29 Unterstützer hat die Petition bislang. Herzog wirft der Wista Service GmbH, die sich um die Gebäude kümmert, unwirtschaftliches Handeln vor. „Die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Berlin steht auf dem Spiel“, heißt es in der Petition.

Herzog hatte im März 2022 die Nebenkostenabrechnung für 2020 moniert. Trotz Pandemie und Homeoffice seien die Betriebskosten für das Gebäude, in dem Solaga Mieter war, innerhalb von zwei Jahren um 66.000 Euro gestiegen.

Für 2021 ergäben sich sogar Nebenkosten pro Quadratmeter von 10,41 Euro. „Das Zentrum für Photovoltaik und Erneuerbare Energien müsste sich umbenennen in Zentrum für Verschwendung von Energien“, schrieb Herzog an die Wista.

10,41
Euro pro Quadratmeter betragen die Betriebskosten, die Solaga nach eigenen Angaben pro Quadratmeter zahlen musste.
Die Wista reagierte auf den achtseitigen Brief von Herzog mit einem sechsseitigen Klärungsversuch. Die Mietfläche von Solaga habe sich im besagten Zeitraum mehr als verdoppelt, außerdem handele es sich um Laborräume mit spezifischen Anforderungen. Solaga kontert, man habe nur einen großen fensterlosen Kellerraum ohne Heizung hinzugemietet.

Laut Wista beliefen sich die Nebenkosten für 2021 auf 7,96 Euro pro Quadratmeter für Solaga, das entspreche einer Steigerung um 20 Prozent. „Wobei ein signifikanter Anteil der Energie- und Medienkosten durch individuellen Verbrauch und nicht durch Allgemeinkosten zustande kam“. Solaga kontert, die Beheizung durch die „Betonkernaktivierung“ – eine spezielle Methode der Fußbodenheizung – habe zeitweise zu einer deutlichen Überheizung der Räume geführt.

Roland Sillmann, Geschäftsführer der Wista Management GmbH, findet die Vorwürfe unbegründet. 
Die einzelnen Posten und Kalkulationen der Betriebskostenabrechnung im Fall Solaga sind nur noch von Spezialisten zu durchdringen, könnten aber deshalb symptomatisch sein für das komplizierte Umlageverfahren und den daraus resultierenden Frust vieler Unternehmer.

Laut Wista haben von 430 Mietern in den Gründungs- und Technologiezentren der landeseigenen Gesellschaft 39 „Rückfragen zu ihren Abrechnungen“ gestellt. Formelle Widersprüche oder gar Klagen seien aber nicht eingereicht worden. Das wird von Herzog bestritten.

„Uns ist bewusst, dass sowohl die Inflation als auch steigende Kosten durch die Energiekrise die Unternehmen belasten und belasten werden – einige stärker, andere weniger stark. Die Form, in der Solaga seine Kritik an uns äußert, empfinden wir jedoch als unsachlich und nicht zielgerichtet“, erklärt Sillmann auf Anfrage. Bei der jährlichen Umfrage würden die Mieter angeben, mit der Wista als Vermieterin „insgesamt zufrieden“ zu sein.

Nebenkosten sind gestiegen, weil die Firmen mehr Platz brauchten
Die Betriebs- und Nebenkosten sind nach Wista-Angaben im Zeitraum von 2018 bis 2021 insgesamt um rund ein Viertel gestiegen. Dieser Anstieg sei aber nur „begrenzt deutbar“. Die Nebenkosten hingen stark von „Faktoren wie Wetter, Prüfzyklen, aber auch dem geschäftlichen Erfolg der Firmen ab“. Die Adlershofer Unternehmen seien im Zeitraum 2018 bis 2021 durchschnittlich um rund 38 Prozent gewachsen. 

Als eine Ursache führt die Wista auch die Pandemie an. Obwohl sich viele Beschäftigte dauerhaft im Homeoffice einrichteten, sei in den Gebäuden ein „erhöhter Betriebsaufwand“ nötig geworden. Für das Krisenjahr 2022 rechnet die Wista mit weiter steigenden Betriebskosten, „die Erhöhung können wir noch nicht absehen, da die dafür benötigten Schlussabrechnungen von unseren Versorgern und Dienstleistern noch nicht vorliegen“.

In Marzahn ist die Solaga in einem Gewerbehof der ehemals städtischen Gewerbesiedlungs-Gesellschaft untergekommen. Dort fielen derzeit nur zwei Euro pro Quadratmeter Nebenkosten an, erklärt Herzog. Er glaubt, dass die Wista noch weitere Mieter verlieren wird, weil sich der Gewerbeflächen-Markt in der Stadt inzwischen entspannt habe.

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