
Hallo werte Mitstreiter,
seit dem 24. Mai 2022 hat die Warenpost International Petition 10.000 Unterzeichner überschritten.
Danke dafür!
Am 17. Mai strahlte außerdem der WDR in der Lokalzeit (Köln, Bonn, Düsseldorf) einen Beitrag über unser Thema aus, der eine nennenswerte Anzahl von Zuschauern erreichte und schlagartig die Menge an Unterzeichnern in die Höhe trieb.
Am 23. Mai erschien außerdem ein entsprechender Artikel im Stern (inkl. Statements der Post und Bundesnetzagentur).
Am selben Tag erhielt ich auch einen Anruf eines höheren Angestellten der Post.
Auf die Argumente, die sowohl die Deutsche Post AG/DHL als auch die Bundesnetzagentur vorbringen, möchte ich genauer eingehen.
Eine Kern-Aussage lautete: „Wir bedauern, dass einige Schallplattenhändler von diesen Kostensteigerungen in besonderem Maß betroffen sind, denken aber, dass wir unser Portfolio unter den derzeitigen Rahmenbedingungen auch im Sinn der allermeisten unserer Kunden bedürfnisgerecht weiterentwickelt haben" (Zitat der Post zur WDR-Anfrage)
Hierbei ist es noch einmal notwendig klar darauf zu verweisen, daß es erstens um eine wesentlich weitere Produktpalette, als nur Schallplatten geht und zweitens selbst der Markt für Tonträger aus Vinyl, in seinen tatsächlichen Ausmaßen, vollkommen herunter gespielt wird. Das folgt a) den nicht wirklich exakt ermittelbaren Zahlen des Gebrauchtmarktes – der den absoluten Löwenanteil des Verkaufs und Versandes ausmacht - und b) der Wahrnehmung der Allgemeinheit und der Zuständigen bei der Post/DHL im digitalen Zeitalter.
Daß die Petition vornehmlich der Schallplattenhändler-Branche (nur weil sie von einem Plattenhändler gestartet wurde) zugeordnet wird, macht es natürlich leichter, von einer Minderheit Betroffener sprechen zu können.
Dazu sollte man auch erwähnen, daß es um Schallplatten und Musiklibehaber herum, so etwas wie eine kulturelle „Szene“ gibt – ein Umstand auf den Andy Vaz (vom Yore Record-Label) richtigerweise mir gegenüber kürzlich nochmal hin wies. Über die meisten anderen Handelsbereiche, die ebenfalls betroffen sind, läßt sich das so nicht sagen. Deswegen mag eine gewisse Form der Interessen-Bündelung dort klarer wahrnehmbar sein, das heißt allerdings in keiner Weise, daß es nur um Tonträger-Warenversand geht.
In den vergangenen Monaten habe ich mit betroffenen Kollegen aus der Schallplatten-Verkaufs-Branche, genauso wie mit Antiquaren, Buchhändlern u. Kleinverlagen, Labelbetreibern, Designern, Künstlern, als auch Verkäufern von Pflege- oder anderen Produkten gesprochen und geschrieben.
Die Art, in der der Markt-Anteil unserer Sendungen herunter gespielt wird, ist beschämend.
Bereits mehrfach war seitens der Post zu hören, der Mehrheit der Kunden wäre mit der Formatänderung gedient – nur ein sehr kleiner Teil wäre negativ betroffen. Wortwörtlich wurde seitens der Post z.B. geäußert, daß einige Händler davon betroffen wären, „täten Ihnen leid“.
Viele dieser Betroffenen erzählten mir, sie seien seit vielen Jahren nahezu täglich Kunden und würden sich schlicht (in ihren Worten) verarscht fühlen. Die Vielzahl an Kommentaren auf der Petitionsseite dürfte einigen Aufschluß darüber geben.
Im Buchhandel fürchten Kleinverlage als auch antiquarische bzw. Gebrauchtware Händler ab 1. Juli nur noch den Binnenmarkt übrig zu haben und quasi vom internationalen Versandgeschäft abgeschnitten zu werden. Nochmal mehr als in der Schallplatten-Branche sorgen Gebrauchtwert bzw. Preisgestaltung und Margen dort für einen besonders hohen Anteil an eher unterpreisiger Ware und geringere Gewinnspannen (die jedoch in der Menge für einige Umsätze eine beträchtliche Rolle spielen).
Im Versandgeschäft von Pflegeartikeln ist man ebenso betroffen – hier geht es bei den zukünftigen Begrenzungen in den Maßen der Warenpost z.B. (anders als bei Schallplatten) eher um die max. 10 cm Höhe. Auch hier fürchten gewerbliche Händler um ihre Umsätze.
Insgesamt geht es um Unternehmen, die Artikel für Katzen verkaufen, Poster/Plakate/Kunstdrucke, Reiseführer, Pflegeartikel, Tonträger und noch vieles andere.
Die Petition und ihre Unterzeichner, die Kommentare unter ihr oder auch die zahllosen Beschwerden bei der Post/DHL u. Bundesnetzagentur oder anderen Stellen stellen so oder so nur einen kleinen Ausschnitt des Gesamtausmaßes der Betroffenen dar. Es wird genug Betroffene geben, die zu vereinzelt sind, sich nicht trauen, annehmen, es wäre sowieso zwecklos sich mit einem Großkonzern anzulegen... oder auch das Problem erst realisieren, wenn es da ist.
Es ist Zeit klarzustellen, daß wir – bei weiteren Umsatzeinbrüchen - einer Existenzbedrohung Tausender Selbstständiger, Kleingewerbetreibender, Einzelpersonengewerbe und auch Unternehmen mit einigen Angestellten entegegenblicken könnten.
Die stetig steigende Preisschraube z.Zt. (ob Lebensmittel, Sprit oder anderes) und auch die mangelnde Kontrolle bei massiven Preiserhöhungen, besonders gewerblicher Mieten ist bereits schwer zu verdauen, wenn es binnen der vergangenen zwei Jahre schon finanzielle Hürden reichlich gab (kulminierend in oft mindestens teilweiser Rückerstattung von Coronahilfen und einem halbjährigen Lockdown von Januar bis Juni 2021).
Diesen Sommer treffen unheimlich viele Faktoren aufeinander. Das Thema der Coronahilfen ist dann erstmal erledigt, obwohl die Nachwirkungen nun tweilweise richtig zum Tragen kommen.
Dazu gibt es dann außerdem noch (ebenfalls ab 1.7.) zusätzliche Kosten durch die endgültige Durchsetzung der, bereits vor beträchtlicher Zeit gestarteten, neuen Verpackungsverordnung. In diesem Zusammenhang wird auch eine neue Abmahnwelle befürchtet. Diesen Punkt scheinen Viele auch noch gar nicht mitbekommen zu haben.
(Als Stilblüte in diesem Zusammenhang sei auch darauf verwiesen, daß bisher – insbesondere für den Schallplattenversand – offenbar noch gar keine gültig vorab lizensierten Verpackungen erhältlich zu sein scheinen.)
Unter genannten Rahmenbedingungen das Risiko eingehen zu müssen, auch nur kleine Einbußen – aufgrund deutlich schlechter konkurrenzfähigen internationalen Versandpreisen – hinzunehmen, wird spürbare Auswirkungen haben.
Wer zweifelt, wie arg der Einzelhandel bereits von der Krise betroffen ist, sollte sich mal die Zeit nehmen, durch verschiedene Städte zu laufen. Die Beispiele sind zahllos, aber mir persönlich gerade lebendig im Gedächtnis ist z.B. die Duisburger Innenstadt oder etwa die Gegend in Köln um den Friesen- u. den Rudolfplatz. Die Zahl geschlossener und teilweise verwahrlosender Ladenlokale und die Veränderungen der Umgegend, sind überdeutlich wahrnehmbar und lassen sicherlich nicht frohlocken.
Mein Gespräch mit jenem Postangestellten vor Kurzem lief – in letzter Konsquenz - abermals auf ein „ich persönlich habe viel Verständnis“ hinaus, bei gleichzeitig unbeirrten Verweisen darauf, daß die Post eine gewinnorientierte Aktiengesellschaft ist und uns bzw. mir gegenüber keine Rechenschaft abzulegen hätte. Nachdem ich – auf die Feststellung hin, die Kosten für internationale Fracht seien deutlich gestiegen – um konkrete Zahlen bat (die natürlich nicht folgten).
Stattdessen, wurde angefügt, im Notfall müsse sich Unsereins, in dieser Lage (wenn man oder die Kunden des Business sich die Versandkostenerhöhung nicht leisten könnten), halt nach „neuen Märkten“ umschauen.
Nachdem die Welt scheinbar in vergangenen Jahren zeitweise, zumindest auf logistischer Ebene, näher aneinander gerückt schien, sollen wir nun ggfs. wieder auf den internationalen Markt verzichten. Was de facto dem Gegenteil des Erschließen eines neuen Marktes gleich kommt, sondern stattdessen die Schließung des Zugangs zu einem solchen bedeutet.
Der regelrechte Zwang zu positiv klingenden Formulierungen, wie er im Verlauf der neoliberalen Ära Standard wurde, kann tatsächlich so weit gehen, daß jede Form von Satire nahezu überflüssig wird...
Nun gut; die Kosten für Fracht – insbesondere in ferne Länder – sind gestiegen; das steht außer Zweifel. Allerdings verdoppeln bis verdreifachen sich die Kosten für uns, wenn es um Waren-Versand geht, der vorher für Warenpost int geeignet war und ab 1.7. nicht mehr.
Schiffs- u. Luftfrachtfracht-Kosten z.B. sind gestiegen, haben allerdings ihren High Peak im Sommer 2021 gehabt – mit mittlerweile wieder langsam sinkender Tendenz. Dabei ist auch nicht zu vergessen, daß ein Unternehmen der Größe von der Post/DHL durchaus nochmal dem Volumen entsprechende Preise bekommt.
Die Aussage, man würde beim Versand in manche Regionen (USA z.B.) „kostenunterdeckend“, in andere (CH, NL) „überdeckend“ arbeiten, wurde nicht durch Beträge untermauert.
Ohne hier klare Zahlen zu sehen, läßt sich dazu so oder so nur mutmaßen. Das Gesamtergebnis der Deutschen Post/DHL spricht absolut nicht die Sprache eines Unternehmens, daß so „kostenunterdeckend“ zu arbeiten gezwungen ist, daß man ausgerechnet jetzt eine deutliche Preiserhöhung einführen müßte.
Ferner führte mein telefonischer Gesprächspartner der Post aus, die Trennung von Brief- u. Postgeschäft sehe kein Scannen bei Ersterem, nur bei Zweiterem vor – deswegen rate er dann auch zu DHL Paketen.
Beim Umstieg auf DHL-Paketversand würden wir nochmal von einer Kostensteigerung sprechen, die geradezu astronomische Dimensionen erreicht.
Ich erinnere mich zudem gut, im Sommer 2019 eine Sendung mit Schallplatten – als DHL Paket mit Service Premium - in die USA verschickt zu haben. Die Sendung kostete 36,99 plus 16,-. Dabei wurde damals versprochen, die zusätzlichen 16 Euro sollten eine für eine Zustellung innerhalb von 10 Tagen sorgen. Die Sendung kam nach 18 Tagen an – das Geld für die Zusatzleistung, die nicht erfüllt wurde, wieder zurückzubekommen, war zur Gänze aussichtslos. Die Sendungsverfolgung hing zudem lange unbeweglich fest (über die DHL-Seite, als auch über die USPS Site).
Gerade während ich dieses Update verfasse, gibt es ein DHL-Paket (innerhalb D) auf das ein Kunde wartet, welches „fest hängt“ also nicht ausgeliefert wird und einen unveränderlichen Tracking Status hat. Als besondere Note hat man dem Empfänger auch noch einen zusätzlichen Vornamen angedeihen lassen (den es gar nicht gibt und der auch nicht auf dem Etikett stand, als ich die Sendung aufgab).
Was die Nachverfolgung angeht, so gibt es schier unendlich viele Berichte von Kollegen, die bestätigen, daß das Tracking auch bei DHL Paketen mitunter alles andere als angemessen funktioniert.
Der ausschlaggebende Punkt bleibt hier allerdings, daß Paketversand für den Verkauf und Versand eines durchschnittlichen bzw. günstigeren Artikels einfach bei Weitem zu teuer ausfallen.
Geringere Gewichte werden auch preislich in keiner Weise berücksichtigt – man kann einfach nicht fast EUR 40,- für eine Sendung hin blättern, die einen unter 500g wiegenden Inhalt für unter 20,- enthält (gleichzeitig bei – je nach Region - wochenlangen Laufzeiten).
Ansonsten verweist man auf das Päckchen M International.
Hier jedoch bleibt festzustellen, daß dieses Päckchen, genau wie die Warenpost International, einen „L“-Code auf dem Versandetikett hat – diese Codes werden bei Abgabe in Filialen nicht mehr gescannt (was ein Scannen bei späterer Bearbeitung angeht, so klangen die Aussagen, die mir entgegengebracht wurden, alles andere als nach einer Erfüllung der angebotenen Dienstleistung bzw. des Zusatzangebotes).
Im Falle eines paypal-Konfliktes (falls z.B. eine Sendung eine extrem lange Laufzeit aufweist oder gar verloren ginge), gilt der Einlieferungsbeleg als rechtsgültiger Nachweis.
Jenseits der Fragwürdigkeit der Nichtaushändigung eines Belegs (seit Jahresanfang), bleibt festzustellen, daß ein Service zur Sendungsverfolgung zwar kassiert wird, jedoch offenbar nicht unbedingt tatsächlich gewährleistet werden kann. Wie rechtsverbindlich eine solche Dienstleistung ist, fragt sich.
Das gilt allerdings für das Angebot von Sendungsverfolgung im Allgemeinen, da dies zwar in alle Länder, die das Postnetz abdeckt, hinzu buchbar ist, faktisch allerdings in einigen Ländern gar nicht verfügbar ist.
Kommt es zu Verlusten, so kann dies entsprechend problematisch werden. Ein Kollege (der mit Pflegeprodukten handelt), erzählte, er habe 2020 u. 21 über 70 Beschwerden für verloren gegangene Sendungen bei der Post bzw. Bundesnetzagentur eingereicht (von denen nur ein Teil erstattet wurde).
Zudem erzählte man mir seitens DHL am Telefon, die Formatänderungen hätten mit Normen zu tun, die bereits an den gelben Transportkisten der Deutschen Post erkennbar wären – ein Schallplattenversandkarton würde da ja nur einer diagonal hinein passen und dann kaum mehr irgendetwas anderes.
De facto gehen in eine der genannten Post-Kisten mehr als zehn der besagten, üblichen Schallplattenversandkartons hinein... (bestenfalls ineinander stapelbar sind die Kisten dann nicht mehr wie vorher).
Die durchschnittlichen LP-Kartons haben Maße von 33,2 x 33,5 x2 cm (m. minimalen Abweichungen, je nach Hersteller) – der Innenraum einer Postkiste beträgt 41 x 26,5 x 27,3 cm.
Einen MaxiBrief Plus (der als Deutsche Post AG Produkt ausgewiesen ist) mit Schallplatten im 12 Zoll-Format innerhalb Deutschlands zu versenden, ist ja kein Problem und – im Gegensatz zur internationalen Post – durchaus erlaubt. Dabei stellt sich die Frage nach der Größe eines LP-Versandkartons im Verhältnis zu den Postkisten ja offenbar auch nicht als Problem. Davon abgesehen, stand das Sendungs-Format des MaxiBrief Plus (mit entsprechenden Maßen) lange Zeit (mehr als 10 Jahre) auch international zur Verfügung und der Transport stellte offenbar kein massives Problem dar.
Wahrscheinlich lautet die Frage weniger, wie die Post es über Jahrzehnte geschafft hat, mit diesem gravierenden 'Problem' Schallplatten zu befördern, als daß sich hier erklärt, daß man gedenkt, den Versand von Waren – zu entsprechenden Preisen – möglichst zu DHL zu verlagern und zum Paket-Thema zu machen.
Das Sendungsformat der Warenpost International scheint durchaus kein Verlustgeschäft zu sein, aber es wirft (natürlich) nicht annähernd den Profit ab, den das DHL-Paket (geschweige denn Express-) Geschäft beinhaltet. Und die Kapazitäten der Post sind ausgelastet. Also will man aussieben – wer sich die 'Exklusivität' von internationalem Warenversand noch leisten will, muß zu zu den verlangten Konditionen bereit sein. Was das insgesamt für eine Folgebelastung für den Handel bzw. deren Kunden bedeutet und wie deutlich die Gefahr von weiteren Umsatzrückgängen dabei ist, scheint als nicht relevant angesehen zu werden.
Verschiedene Großanbieter hatten seit Beginn der Pandemie Rekorde zu verzeichnen; wen interessieren da schon die vielen kleineren Anbieter für die es eng wurde?
Im Zweifelsfall können wir ja alle einfach dicht machen und vom neuen Bürgergeld leben. (Das spricht natürlich keiner so aus, aber es wäre die Konsequenz.) Fantastische Aussichten.
Die „Mehrheit der Kunden“ (denen durch die geplanten Änderungen gedient sein soll) von der die Post spricht, scheint nicht unbedingt tatsächlich die Mehrheit zu sein, sondern schlicht Großversender.
Zusätzlich wurde mir und auch zwei Kollegen gegenüber von zuständigen Angestellten der Post wiederholt der Internationale Postverein erwähnt. Beschlüsse dort würden kein anderes Handeln, als die anstehenden Änderungen durchzusetzen, zulassen.
Dazu kontaktierte wiederum einer unserer Kollegen mehrere europäische (offizielle, der UPU angehörige) postalische Dienste und bekam bestätigt, daß bei diesen das Sendungsformat der Warenpost weiterhin in entsprechender Größe von LxBxH ges. 90 cm (so daß also der Versand von 12“ Schallplatten möglich ist) existiere. Dieser Umstand wird auch an anderer Stelle bestätigt. Nicht umsonst kommen, bei momentanen Disukussion um mögliche Alternativen zur Deutschen Post AG/DHL, auch immer häufiger genau jene Postdienste anderer, angrenzender euopäischer Länder ins Gespräch.
Bei genauerer Betrachtung ist der Weltpostverein (UPU) ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen (UN) – somit hat er eine, als völkerrechtlichen Vertrag ausgestaltete Satzung.
In der Dokumentation des 27. Kongreß der UPU im vergangenen Jahr, wurde u.a. Folgendes formuliert:
„(Die UPU) ...fordert ihre Mitgliederstaaten und zugehörigen Post-Dienstleister auf, Maßnahmen einzuleiten, um sicherzustellen, daß qualitative Produkte Teil des allgemeinen Angebot sind, um die Ökonomie zu fördern und sozialen Zusammenhalt zu stärken... die Qualität des Angebots für Bürger und Unternehmen, besonders kleine und mittlere, zu verbessern... und daß die jeweiligen Post-Dienstleister ihre Beziehungen zu Kunden verbessern, um wirtschaftlich effektiv, wettbewerbsfähig und effizient zu werden.“
Aus den Angaben der UPU-Kongresse der letzten Jahre läßt sich unzweideutig heraus lesen, daß man erkennt, vielen Aufgaben nicht unbedingt ganz gerecht zu werden und auf notwendige Veränderungen des Versandmarktes (Schwinden traditioneller Briefpost, Ansteigen von Frachtpost bzw. Paketen) noch nicht angemessen und schnell genug zu reagieren.
Der Weltpostverein ist ein Zusammenschluß der offiziellen, entweder noch immer oder einstmals staatlichen Postgesellschaften der Mitgliederländer. Die weltweite Liberalisierung des Marktes hat dafür gesorgt, daß die meisten dieser Post-Gesellschaften mittlerweile in Form von AG's geführt werden - jedoch ist noch immer bei einem großen Teil der wichtigsten Mitgliedsländer (wie etwa Frankreich, Schweden, Dänemark, Griechenland, Indien, Polen, Irland, Italien, Norwegen, Island, Finnland, Kanada, China, USA u.a.) der Staat meist einziger oder zumindest größter Anteilseigner.
Nur ein verhälntnismäßig kleiner Teil der Postgesellschaften einiger Mitgliederländer ist vollständig privatisiert (darunter z.B. Großbritannien, Japan, Portugal, Niederlande und Deutschland).
Feststeht; die Deutsche Post/DHL rangiert unter den ersten drei der wirtschaftlich erfolgreichsten Anbieter von Versanddienstleistungen innerhalb der Internationalen Post Union und hat im vergangenen Jahr den Rekordgewinn der bisherigen Firmengeschichte erwirtschaftet. Dabei sprechen wir von einer Steigerung von EUR 4,8 Milliarden (EBIT – also vor Steuerabzug) bzw. 3 Milliarden Überschuß 2020, auf 8 Milliarden (EBIT) 2021 (bei 5,1 Milliarden Gewinn und einem Umsatz von 81,7 Milliarden). Die Ausschüttung an Aktionäre war entsprechend ebenso Rekord-verdächtig – in Krisen-Zeiten, die für Viele das Gegenteil von immensen Gewinnen bedeuten, eine umso auffallendere Entwicklung.
Dieser Rekordgewinn soll, laut Aussage während meines Telefonates mit jenem Post-Angestellten, im Wesentlichen auf dem (internationalen) DHL Express-Geschäft beruhen.
Die Zahl von Bestellungen innerhalb Deutschlands – explizit während der Lockdowns – stieg sehr deutlich an (was auch für einen nennenswerten Teil des Umsatzes gesorgt haben wird). Inwiefern nun welche Bereiche, welchen Anteil gehabt haben, läßt sich sicherlich – ohne konkrete Zahlen – nicht sagen. Nach Verlustgeschäft klingt es allgemein sicherlich nicht.
Fakt ist jedoch, daß die Konzernleitung davon ausgeht, daß der Gewinn – aufgrund der veränderten Situation bezüglich Corona (und der, in den vergangenen zwei Jahren, damit verbundenen Flut von Online-Bestellungen), sowie den gestiegenen Sprit- u. Frachtkosten und Einschränkungen durch den Krieg in der Ukraine – 2022 moderater ausfallen wird.
Bisher (im ersten Quartal) hat sich der Steigerungskurs allerdings fortgesetzt. Im ersten Quartal 2021 gab es einen EBIT von 1,9 und nun 2022 2,2 Milliarden.
Der Post/DHL-Vorstand wird natürlich – insbesondere angesichts Rekord-Gewinnen im vergangenen Jahr – versuchen, diesen wirtschaftlichen Erfolgskurs fortzusetzen. Da die Situation der Lockdowns keine gängige und vor allem schon gar nicht wiederholungsbedürftige darstellt, werden Versandrekorde und entsprechende Ausnahme-Ergebnisse wohl nicht ohne Weiteres dauerhaft zu erreichen sein.
Und da kommen wir wieder zum bereits angeschnittenen Thema: eine vollständig privatisierte Post kann sich Aktionären verpflichteter fühlen als der Allgemeinheit oder auch ihren tatsächlichen Kunden in der Breite.
Als das Telefonat – nach Widerspruch meinerseits – Ende zu ging, wurde mir unmißverständlich mitgeteilt, daß die Deutsche Post eine Aktiengesellschaft ist und sich mir gegenüber nicht zu rechtfertigen hätte.
Wie sehr das Ganze ein politische Thema größeren Ausmaßes beinhaltet, wird immer klarer.
Wir haben – markieren wir den Zeitpunkt mal etwa um 1991 herum (mit dem Wegfall der Börsentransaktionssteuer und dem deutlichen Beginn der neoliberalen Ära in Deutschland) - einen Ausverkauf sondergleichen erlebt.
Im Vergleich haben selbst die Vereinigten Staaten von Amerika haben noch eine staatliche Post (die Ausland-Sendungen an Privatpersonen ohne Zollgebühren oder Handling Fee, bis zur Haustür, liefert) – die Anteile der Deutsche Post wurden bereits vollständig in privatwirtschaftliche Händen gegeben.
Die Relevanz, die der Bundesnetzagentur noch zukommt, wenn es um das Durchwinken direkter oder indirekter Preiserhöhungen geht, scheint – in diesem Zusammenhang – fragwürdig.
(Die durchschnittlichen 2,5 Sterne Google-Bewertungen geben dabei sicherlich kein präzises, aber sicherlich auch kein positives Abbild über die Ernsthaftigkeit der Aufgabenerfüllung der Behörde.)
Die Bundesnetzagentur argumentiert, sie würde nur einschreiten, wenn es "ausbeuterischen, missbräuchlich wettbewerbsbeeinträchtigenden oder diskriminierenden" Entgelte eines marktbeherrschenden Anbieters ginge. Das darf man sich auf der Zunge zergehen lassen und über alle Punkte kurz nachdenken.
Wir reden von einer Kostensteigerung, die für die Betroffenen mehr als einer Verdopplung (auf einen Schlag) entspricht und wir reden vom größten weltweiten Fracht-/Logistik-/Post-Dienstleister.
Es wird Zeit, daß die gewählten Vertreter unserer Regierung, sich hier involvieren.
Es geht zum Einen um die Beziehung, die die Deutsche Post AG zu ihren Kunden generell überhaupt noch hat – bei einem Besuch in einer durchschnittlichen Filiale mag sich dazu Einiges offenbaren – und zum Anderen um jene spezifischen Änderungen im Port(o)folio.
Die Art und Weise wie, in unserem Fall, einem nicht unerheblichen Teil der (meist Firmen-) Kunden seitens der Post klar gemacht wird, daß man in keinster Weise in Erwägung ziehe, irgendetwas zu überdenken und wir zudem als Kunden keine wesentliche Rolle spielen, ist für Viele mehr als enttäuschend. Entsprechend hoch scheint auch die Abwanderung vom Angebot der Deutsche Post/DHL-Dienstleistungen für die Zukunft. Daß dabei wiederum einzelnen Kollegen (mit höherem Versandaufkommen) durchaus länger hinterher telefoniert und gemailt wird, spricht nicht dafür, daß das Unternehmen demnächst gerne auf Kunden dieser Art verzichten wird.
Wir reden hier von Einzelpersonen und auch Unternehmen, die meist täglich oder zumindest an meheren Tagen pro Woche versenden (mit Mengen von etwa 200 bis 8.000 Sendungen im Jahr).
Die Zahl der Unterzeichner dieser Petition – auch wenn nicht jeder Einzelne davon Unternehmer ist - gibt bereits ansatzweise Aufschluß darüber, daß wir von einem durchaus nicht zu ignorierenden Wirtschaftsfaktor reden.
Einer unserer bisherigen Ansprechpartner in der Politik schrieb, daß besagte Preissteigerung bei den Versandkosten durchaus geeignet sein könnte, „auch den Erfolg der Schallplatten am Gesamtumsatz der Musikwirtschaft wieder abzubremsen“.
Aber noch einmmal; es geht um weit mehr als „nur“ deutsche Schallplattenhändler.
Mir offenbart sich, seit Start der Petition mehr und mehr, um welches Ausmaß es eigentlich geht.
Wir brauchen eindeutig Untertstüzung von Oben und gleichzeitig sollte Jeder von Euch sich nicht entmutigen lassen und weiter Krach schlagen. Es ist angemessen.
Sollte es zu keinem Eingehen auf unsere Forderung vor dem 1. Juli kommen, werden wir keineswegs aufgeben. Eher ist damit zu rechnen, daß dann in aller Deutlichkeit zu spüren sein wird, was die Änderung bedeutet.
Bleibt tapfer und laßt Euch nichts vormachen.