Erhalt der Zusatzqualifikation „Sexualisierte Gewalt in pädagogischen Einrichtungen“


Erhalt der Zusatzqualifikation „Sexualisierte Gewalt in pädagogischen Einrichtungen“
Das Problem
Sehr geehrte Frau Professorin Pollmann, sehr geehrte Damen und Herren des Rektorats,
Wir, die Unterzeichnenden, richten diese Petition an die Verantwortlichen der Universität Tübingen mit dem dringenden Anliegen, die Zusatzqualifikation "Sexualisierte Gewalt in pädagogischen Einrichtungen" aufrechtzuerhalten und auszubauen. Die Zusatzqualifikation besteht aus drei Modulen: Modul 1 und 3 beinhalten ein vertiefendes Seminar sowie eine Hospitation in einer pädagogischen Einrichtung mit einem Begleitseminar. Die Zusatzqualifikation kann von 25 Studierenden aus insgesamt 11 Studiengängen aus der Erziehungswissenschaft und dem Lehramt besucht werden. Modul 2, die digitale Vorlesungsreihe, ist auch Teil dieser Zusatzqualifikation, kann allerdings von 120 Studierenden jeder Fachrichtung auch einzeln studiert werden und wird auch in dieser Form als überaus bereichernd empfunden. Alle Elemente tragen zu einer dringend notwendigen Qualifikation zur Intervention bei sexualisierter Gewalt sowie deren Prävention bei.
Es besteht ein erheblicher Mangel an aktuellen und vergleichbaren Zahlen zur Verbreitung und zu den Erscheinungsformen sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in Deutschland, da die meisten Straftaten nicht zur Anzeige gebracht werden. Dunkelfeldstudien in den letzten Jahren haben jedoch gezeigt, dass etwa ein bis zwei Schüler*innen in jeder Schulklasse von sexualisierter Gewalt betroffen waren oder sind (vgl. UBKSM Fact Sheet 2023). Es ist also zwangsläufig jede Lehrkraft und pädagogische Fachkraft mit Betroffenen sexualisierter Gewalt konfrontiert. Die Schule wird hierbei von betroffenen Kindern und Jugendlichen als zweithäufigster Ort genannt, an dem sie sexualisierte Gewalt erfahren (vgl. SPEAK-Studie 2018).
Prävention zum Schutz vor sexualisierter Gewalt stellt daher eine der wichtigsten pädagogischen Aufgaben dar, die unbedingt grundlegender Bestandteil der pädagogischen Ausbildung sein muss. Jede Lehrkraft, jede pädagogische Fachkraft und jede*r Sozialpädagog*in sollte dazu in der Lage sein, Anzeichen für sexualisierte Gewalt an Kindern zu erkennen, mit betroffenen Kindern adäquat umzugehen und nötige Schritte einzuleiten. Jede Schule, jede KiTa und jede sozialpädagogische Einrichtung, in der mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet wird, sollte über ein Schutzkonzept verfügen. Um dies für die Zukunft gewährleisten zu können, bedarf es einer Qualifizierung der Fachkräfte in diesem Bereich, die bislang nicht gegeben ist.
Von studentischer Seite besteht ein sehr großes Interesse an einer Auseinandersetzung mit dem Thema. Da dieses im Lehrbetrieb bislang nicht implementiert ist, weder im Lehramt noch in der Erziehungswissenschaft, haben Studierende nicht die Möglichkeit, die für die Berufspraxis nötigen Kompetenzen in diesem Bereich zu erwerben. Die Zusatzqualifikation ist ein wichtiger und erster Schritt in die Richtung, diese wertvollen Inhalte an Studierende zu vermitteln, die sich hier vertieftes Wissen in den Bereichen Entstehungsbedingungen und Risikostrukturen für sexualisierte Gewalt, Betroffenenperspektiven, Täter*innenstrategien, Sexualpädagogik, Machtverhältnisse in pädagogischen Institutionen, mediatisierte Gewalt und Intervention und Prävention aneignen und dieses als Multiplikator*innen in die Praxis tragen können. Letzteres sehen wir auch als wichtige Perspektive zur Etablierung einer Einrichtungskultur an der Universität Tübingen, die bei sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch im universitären Kontext nicht wegsieht.
Die Lehrinhalte der Zusatzqualifikation wurden bislang von uns Studierenden als sehr bereichernd, praxisnah und zukunftsorientiert wahrgenommen und die Qualität der Lehrveranstaltungen als sehr hoch eingeschätzt. Die Lehrenden verfügen nicht nur über eine hohes Maß an Expert*innenwissen, es gelingt ihnen auch, ein Forum für einen offenen Dialog und interdisziplinären Austausch über die Herausforderungen, mit denen Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte konfrontiert sind, zu schaffen, und unterstützten somit die Entwicklung einer (geschlechter)sensiblen und verantwortungsbewussten Pädagogik. Durch die angegliederte Hospitation wird den Studierenden ermöglicht, ihr Wissen durch eine weitere Praxisphase im Studium direkt anzuwenden. Zudem werden auch wissenschaftliche Grundlagen zu den genannten Themengebieten vermittelt, auf welchen in Abschlussarbeiten und Promotionen aufgebaut werden kann und somit Interessierte für ein junges und nicht abgesichertes Forschungsfeld mit weiterhin hohem Bedarf gewonnen werden könnten (siehe auch Offener Brief).
Nachdem die beiden Initiatorinnen Frau Dr. Laura Böckmann und Frau Dr. Eva-Maria Lohner sowie mehrere Hilfskräfte erhebliche Ressourcen in die Entwicklung der Zusatzqualifikation investiert haben, wäre ein Abbruch des Projektes aufgrund auslaufender Finanzierung absolut nicht nachvollziehbar für uns. Denn dies erscheint uns weder nachhaltig noch verhältnismäßig zu dem breiten gezeigten Interesse und dem dringenden Bedarf an einer Qualifizierung der Fachkräfte in diesem Bereich. Wir finden es wichtig, dass dieses Engagement nachhaltig gefördert wird und die Anliegen und das Interesse von uns als Studierenden weiterhin unterstützt werden. Dadurch kann die Universität Tübingen zu einem Vorreiter in der Entwicklung von Fachkräften im Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt werden.
Mit der Weiterfinanzierung könnten Sie einen wertvollen Beitrag zur Professionalisierung pädagogischer Fachkräfte und Lehrkräfte leisten, die Kompetenzen in der Intervention, Aufarbeitung und Prävention sexualisierter Gewalt erwerben und weitergeben können. Auf einer gesamtgesellschaftlichen Ebene könnten Sie einen wertvollen Beitrag zur Stärkung der Gelingensbedingungen gewaltfreien Aufwachsens von Kindern und Jugendlichen leisten.
Alle Informationen zur Zusatzqualifikation
Danke für Ihre Zeit und freundliche Grüße
Die Studierenden der Zusatzqualifikation, der Vorlesungsreihe und die Fachschaften der Erziehungswissenschaft, Biologie, Germanistik, Philosophie, Molekulare Medizin, Psychologie, katholische Theologie, Skandinavistik, Sport, Biochemie, Rhetorik, Chemie, Informatik, Kognitionswissenschaft, Politikwissenschaft, Musikwissenschaft, Medienwissenschaft, Empirische Kulturwissenschaft, Soziologie, Altphilologie und der Geoökologie
Das Problem
Sehr geehrte Frau Professorin Pollmann, sehr geehrte Damen und Herren des Rektorats,
Wir, die Unterzeichnenden, richten diese Petition an die Verantwortlichen der Universität Tübingen mit dem dringenden Anliegen, die Zusatzqualifikation "Sexualisierte Gewalt in pädagogischen Einrichtungen" aufrechtzuerhalten und auszubauen. Die Zusatzqualifikation besteht aus drei Modulen: Modul 1 und 3 beinhalten ein vertiefendes Seminar sowie eine Hospitation in einer pädagogischen Einrichtung mit einem Begleitseminar. Die Zusatzqualifikation kann von 25 Studierenden aus insgesamt 11 Studiengängen aus der Erziehungswissenschaft und dem Lehramt besucht werden. Modul 2, die digitale Vorlesungsreihe, ist auch Teil dieser Zusatzqualifikation, kann allerdings von 120 Studierenden jeder Fachrichtung auch einzeln studiert werden und wird auch in dieser Form als überaus bereichernd empfunden. Alle Elemente tragen zu einer dringend notwendigen Qualifikation zur Intervention bei sexualisierter Gewalt sowie deren Prävention bei.
Es besteht ein erheblicher Mangel an aktuellen und vergleichbaren Zahlen zur Verbreitung und zu den Erscheinungsformen sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in Deutschland, da die meisten Straftaten nicht zur Anzeige gebracht werden. Dunkelfeldstudien in den letzten Jahren haben jedoch gezeigt, dass etwa ein bis zwei Schüler*innen in jeder Schulklasse von sexualisierter Gewalt betroffen waren oder sind (vgl. UBKSM Fact Sheet 2023). Es ist also zwangsläufig jede Lehrkraft und pädagogische Fachkraft mit Betroffenen sexualisierter Gewalt konfrontiert. Die Schule wird hierbei von betroffenen Kindern und Jugendlichen als zweithäufigster Ort genannt, an dem sie sexualisierte Gewalt erfahren (vgl. SPEAK-Studie 2018).
Prävention zum Schutz vor sexualisierter Gewalt stellt daher eine der wichtigsten pädagogischen Aufgaben dar, die unbedingt grundlegender Bestandteil der pädagogischen Ausbildung sein muss. Jede Lehrkraft, jede pädagogische Fachkraft und jede*r Sozialpädagog*in sollte dazu in der Lage sein, Anzeichen für sexualisierte Gewalt an Kindern zu erkennen, mit betroffenen Kindern adäquat umzugehen und nötige Schritte einzuleiten. Jede Schule, jede KiTa und jede sozialpädagogische Einrichtung, in der mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet wird, sollte über ein Schutzkonzept verfügen. Um dies für die Zukunft gewährleisten zu können, bedarf es einer Qualifizierung der Fachkräfte in diesem Bereich, die bislang nicht gegeben ist.
Von studentischer Seite besteht ein sehr großes Interesse an einer Auseinandersetzung mit dem Thema. Da dieses im Lehrbetrieb bislang nicht implementiert ist, weder im Lehramt noch in der Erziehungswissenschaft, haben Studierende nicht die Möglichkeit, die für die Berufspraxis nötigen Kompetenzen in diesem Bereich zu erwerben. Die Zusatzqualifikation ist ein wichtiger und erster Schritt in die Richtung, diese wertvollen Inhalte an Studierende zu vermitteln, die sich hier vertieftes Wissen in den Bereichen Entstehungsbedingungen und Risikostrukturen für sexualisierte Gewalt, Betroffenenperspektiven, Täter*innenstrategien, Sexualpädagogik, Machtverhältnisse in pädagogischen Institutionen, mediatisierte Gewalt und Intervention und Prävention aneignen und dieses als Multiplikator*innen in die Praxis tragen können. Letzteres sehen wir auch als wichtige Perspektive zur Etablierung einer Einrichtungskultur an der Universität Tübingen, die bei sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch im universitären Kontext nicht wegsieht.
Die Lehrinhalte der Zusatzqualifikation wurden bislang von uns Studierenden als sehr bereichernd, praxisnah und zukunftsorientiert wahrgenommen und die Qualität der Lehrveranstaltungen als sehr hoch eingeschätzt. Die Lehrenden verfügen nicht nur über eine hohes Maß an Expert*innenwissen, es gelingt ihnen auch, ein Forum für einen offenen Dialog und interdisziplinären Austausch über die Herausforderungen, mit denen Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte konfrontiert sind, zu schaffen, und unterstützten somit die Entwicklung einer (geschlechter)sensiblen und verantwortungsbewussten Pädagogik. Durch die angegliederte Hospitation wird den Studierenden ermöglicht, ihr Wissen durch eine weitere Praxisphase im Studium direkt anzuwenden. Zudem werden auch wissenschaftliche Grundlagen zu den genannten Themengebieten vermittelt, auf welchen in Abschlussarbeiten und Promotionen aufgebaut werden kann und somit Interessierte für ein junges und nicht abgesichertes Forschungsfeld mit weiterhin hohem Bedarf gewonnen werden könnten (siehe auch Offener Brief).
Nachdem die beiden Initiatorinnen Frau Dr. Laura Böckmann und Frau Dr. Eva-Maria Lohner sowie mehrere Hilfskräfte erhebliche Ressourcen in die Entwicklung der Zusatzqualifikation investiert haben, wäre ein Abbruch des Projektes aufgrund auslaufender Finanzierung absolut nicht nachvollziehbar für uns. Denn dies erscheint uns weder nachhaltig noch verhältnismäßig zu dem breiten gezeigten Interesse und dem dringenden Bedarf an einer Qualifizierung der Fachkräfte in diesem Bereich. Wir finden es wichtig, dass dieses Engagement nachhaltig gefördert wird und die Anliegen und das Interesse von uns als Studierenden weiterhin unterstützt werden. Dadurch kann die Universität Tübingen zu einem Vorreiter in der Entwicklung von Fachkräften im Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt werden.
Mit der Weiterfinanzierung könnten Sie einen wertvollen Beitrag zur Professionalisierung pädagogischer Fachkräfte und Lehrkräfte leisten, die Kompetenzen in der Intervention, Aufarbeitung und Prävention sexualisierter Gewalt erwerben und weitergeben können. Auf einer gesamtgesellschaftlichen Ebene könnten Sie einen wertvollen Beitrag zur Stärkung der Gelingensbedingungen gewaltfreien Aufwachsens von Kindern und Jugendlichen leisten.
Alle Informationen zur Zusatzqualifikation
Danke für Ihre Zeit und freundliche Grüße
Die Studierenden der Zusatzqualifikation, der Vorlesungsreihe und die Fachschaften der Erziehungswissenschaft, Biologie, Germanistik, Philosophie, Molekulare Medizin, Psychologie, katholische Theologie, Skandinavistik, Sport, Biochemie, Rhetorik, Chemie, Informatik, Kognitionswissenschaft, Politikwissenschaft, Musikwissenschaft, Medienwissenschaft, Empirische Kulturwissenschaft, Soziologie, Altphilologie und der Geoökologie
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Petition am 18. Januar 2024 erstellt