
Offener Brief an die Ministerin für Justiz, Europa, Verbraucherschutz und Gleichstellung des Landes Schleswig-Holstein, Frau Dr. Sabine Sütterlin-Waack:
Sehr geehrte Frau Ministerin Dr. Sütterlin-Waack,
Jennys Mutter und ich möchten uns auch auf diesem Wege nochmals für Ihre Bereitschaft bedanken, die nahezu 140.000 Unterschriften unserer Online-Petition change.org/jenny in Empfang zu nehmen, und im Termin ein persönliches Gespräch mit uns zu führen. Wir haben dieses Gespräch sehr vertrauensvoll, offen und empathisch empfunden und danken Ihnen auch an dieser Stelle dafür. Wir hatten den Eindruck, dass Sie wirklich versucht haben, sich in unsere Situation hineinzudenken, auch wenn dies, wie Sie ja auch selbst zum Ausdruck gebracht haben, niemals ganz gelingen kann.
Es war Ihnen wichtig zu betonen, dass Sie sich inhaltlich zum Stand des Verfahrens nicht äußern konnten. Das war uns klar, das hatten wir auch nicht erwartet. Darüber hinaus haben Sie zum Ausdruck gebracht, dass in Ihrem Bundesland seit mehr als 30 Jahren keinerlei Weisungen mehr an die Staatsanwaltschaften ergangen sind. Davon ausgehend, dass hier an den Fall des damaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel erinnert wurde, haben meine Ex-Frau und ich auf der Heimfahrt über diesen Punkt noch ausgiebig gesprochen.
Nach unserer Auffassung ist es in höchstem Maße schädlich, wenn die Aufsicht von ihrem Weisungsrecht Gebrauch macht, um Akten zu schließen, wie es im angesprochenen Fall Barschel der Fall war, da jegliche Transparenz konterkariert wird, die aber gerade in einer offenen und pluralistischen Gesellschaft von sehr großer Wichtigkeit ist, wenn man Populisten nicht Tür und Tor öffnen will. Dies wäre sicherlich ein Missbrauch des Weisungsrechts. Eine Weisung, Akten zu öffnen, ist aber das genaue Gegenteil. Hier wird bzw. würde nämlich aktiv dazu beigetragen, Transparenz zu schaffen, wenn diese, aus welchen gegebenenfalls nicht bekannten Gründen auch immer, an anderer Stelle verhindert werden soll.
Sehr große Bedeutung hatte in unserem Gespräch Ihre Aussage, dass die von Ihnen symbolisch in Empfang genommenen Aktenordner mit den gesammelten Unterschriften und Kommentaren Ihrerseits an die Generalstaatsanwaltschaft Schleswig weitergeleitet werden.
Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis, dass wir als Eltern nicht aufgeben werden, alles zu tun, um den Tod unserer Tochter aufzuklären sowie für Ihre am vergangenen Dienstag zum Ausdruck gebrachte Empathie.
Mit freundlichen Grüßen nach Kiel
Uwe und Maria Elisabeth Uwe Böken