Ein Manifest zur Rettung der Kultur in Zürich

Recent signers:
Jérémy Schletti and 13 others have signed recently.

The Issue

OFFENER BRIEF

 

An:

-Den Stadtrat der Stadt Zürich
-Die Stiftung Limmathaus als Besitzerin des Limmathauses
-Die Pensionskasse Coop als Verantwortliche des Komplex 457
-Die Verantwortlichen des Maag-Areals/SPS
-Die zuständigen Stellen für Stadtentwicklung und Kultur

 

Datum: 13. Mai 2026

 

Betreff: Ein Manifest gegen den Ausverkauf unserer Identität und den Kahlschlag bei

X-TRA, Komplex 457, Maag-Areal und Kino Corso

 

Sehr geehrte Damen und Herren

 

Das Fass ist endgültig voll. Ein entsetztes Raunen geht durch bestimmte Kreise, besonders seit den letzten Tagen und dies aus gutem und berechtigtem Grund. Zürich rühmt sich gerne als Weltstadt. Doch eine Weltstadt definiert sich nicht über die Dichte ihrer Family-Offices oder die Höhe ihrer Mietzinsen, sondern über ihren Puls, ihre Reibungsflächen und ihre kulturelle Resonanz. Während Sie in glänzenden Broschüren die „Smart City“ zelebrieren, vollziehen Sie hinter den Kulissen eine systematische kulturelle Entkernung.

 

Mit der drohenden oder bereits beschlossenen Schliessung (ohne offensichtlich den Dialog zu suchen) des X-TRA im Limmathaus, des Komplex 457, des Maag-Areals und des Kino Corso begehen Sie einen unwiderruflichen Fehler. Sie opfern das soziale Kapital dieser Stadt auf dem Altar kurzfristiger Verwertungsinteressen und bürokratischer Kurzsichtigkeit, dies zum Teil mit lausigen Argumenten und ohne echte Hilfestellung für eine Ersatzlösung. Sie schaufeln sich ein eigenes Grab: Ohne Kultur und echte Freizeitwerte wird selbst die teuerste, von Stararchitekten designte Wohnung unverkäuflich, weil die Stadt ihre Seele verliert.

 

1. Die Zerstörung des kulturellen Ökosystems

 

Ein internationaler Kulturstandort bemisst sich nicht an der Anzahl der Bankfilialen, sondern an der Vielfalt seiner Bühnen. Das X-TRA, der Komplex 457 und das Maag-Areal sind die Lungenflügel der Zürcher Live-Kultur. Während die Hochkultur staatlich hochgradig subventioniert wird, entziehen Sie der Pop-, Rock- und Alternativkultur den Boden.
-Internationaler Ausschluss: Ohne diese mittelgrossen Bühnen werden internationale Acts Zürich künftig grossräumig umfahren.
-Vernichtung der Nachwuchsförderung: Lokale Künstler verlieren die Plattformen, die den Sprung vom Proberaum auf die grosse Bühne ermöglichen.
-Provinzialisierung: Sie degradieren Zürich zu einer kulturellen Wüste – einer Stadt, die man nur noch zum Arbeiten besucht, aber nicht mehr zum Erleben.


2. Angriff auf Lebensqualität und soziale Durchmischung


Lebenswertigkeit bedeutet Reibung, Lärm und Begegnung. Die Verdrängung gewachsener Institutionen durch Luxus-Lofts, sterile Büroflächen oder sogenannte „Impact Hubs“ ist ein Akt aggressiver Gentrifizierung, der Zürich für Normalverdienende, Junge und Kreative unbewohnbar macht. Das Maag-Areal und das Limmathaus waren über Jahrzehnte Orte, an denen sich unterschiedliche soziale Schichten und Lebensentwürfe kreuzten. Durch die forcierte Gentrifizierung und die Priorisierung von Renditeobjekten gegenüber Kulturräumen zerstören Sie den sozialen Kitt der Stadt. Sie verwandeln Zürich in ein museales Schaufenster für eine wohlhabende Elite, während das echte Leben an die Peripherie abwandert. Eine Stadt, in der jede Freifläche kommerziell glattgebügelt wird, wird schlussendlich leblos.

 

3. Marginalisierung und Identitätsverlust

 

Besonders fatal ist der Impact auf marginalisierte Randgruppen. Orte wie das X-TRA waren stets Schutzräume für Subkulturen, die LGBTQ+-Community und alternative Lebensformen. Diese Räume sind keine „Nutzflächen“, sie sind Heimat. Wer sie schliesst, drängt Menschen an den Rand, die im glatten Mainstream keinen Platz finden. Man betreibt effektiv eine Politik der Exklusion und dies unter dem Deckmantel der Modernisierung. Ich selber durfte als Teil einer Subkultur erst vor kurzem eine Heimat im X-TRA finden, es fühlt sich an wie eine Familie und ist etwas was ich nicht verlieren will. Das Kino Corso wiederum ist ein Denkmal der Kinokultur, dessen Verlust das historische Gedächtnis der Stadt beschädigt.

 

4. Ein historisches Versagen der Verantwortungsträger

 

-An die Stiftung Limmathaus: Ihr Stiftungszweck sollte dem Gemeinwohl und der Volkskultur dienen, nicht der Maximierung von Quadratmeterpreisen. Und Gemeinwohl heisst nicht nur für ein Quartier, es kommen Leute aus der ganzen Schweiz und über die Landesgrenzen hinaus an die verschiedenen Events im X-TRA. Zudem stösst es bei uns auf immenses Unverständnis, dass Sie eine Institution wie das X-TRA, welches schon viel länger in Zürich ist, einfach ersetzen wollen mit einer Institution, die zum einen schon einen Platz in Zürich hat und weniger Probleme hätte einen neuen Ort zu finden und zum anderen sehr darauf orientiert ist, neue Geldmöglichkeiten zu schaffen. Es ist sehr einfach, einen Space für Start-Ups zu finden, diese Plätze schiessen förmlich aus dem Boden. Aber es ist verdammt schwer, einen Ort für ein Veranstaltungslokal zu finden, denn niemand will Konzerte und Fans als Nachbar haben, nur schon aus Prinzip nicht, weil wer möchte sich schon solidarisch mit dieser Form der Kunst zeigen, es sei denn man ist der Konsument.


-An die Pensionskasse Coop: Rendite auf Kosten der gesellschaftlichen Gesundheit ist eine kurzsichtige Strategie. Wer die Kultur einer Stadt vernichtet, zerstört die Attraktivität des Standorts, in den er investiert. Sie tragen eine ethische Mitverantwortung für das Stadtbild, in dem Ihre Versicherten leben. Der Komplex 457 ist seit nunmehr 15 Jahren als mittelgrosse Bühne ein fester Bestandteil der Zürcher Kulturszene. Genreübergreifend durften über die Jahre hier schon die verschiedensten Künstler auftreten. Der Verlust dieser Location würde Auftritte kleinerer Künstler in Zürich verunmöglichen und die Stadt somit in ein kulturelles Ödland verwandeln. Das Argument, dass Ihr tolles Hochhaus (in welchem sich der Normalverdiener dann doch wieder keine Wohnung leisten kann), welches auch schön die Sonne verdecken könnte, von einem Stararchitekten designt wurde, hält diesem Fakt nicht viel entgegen. Der Fakt, dass viele Angestellte des Komplex 457 durch einen Wegfall dieser Institution ihre Arbeit verlieren würden, trägt dem Sozialgedanken, den Coop normalerweise innehat, nicht viel Rechnung.

 

-An die Verantwortlichen des Maag-Areals/SPS: Mein Grossvater, welcher mittlerweile über 95 Jahre alt ist, kam im Jahr 1968 als Folge des Prager Frühlings mit meiner Grossmutter und meiner Mutter in die Schweiz. Er arbeitete bereits in der Tschechoslowakei als Ingenieur, dies unter anderem in der Automobilindustrie. Bei der Maag Zahnräder AG fand er damals einen guten Arbeitgeber, er erzählt mir manchmal davon. Jetzt wollen Sie dieses Denkmal der Schweizer Industriegeschichte dem Erdboden gleichmachen, dies um abermals verdichtet zu bauen und den Gewinn steigern zu können. Trotz zweier rechtlicher Niederlagen halten Sie weiter am Abriss fest. Selbst wenn Sie vor Bundesgericht unterliegen sollten wollen Sie weiter daran festhalten, obwohl ein toller anderer Projektvorschlag vorliegt, denn viele Experten favorisieren würden und die Hallen erhalten will. Da drängt sich mir die Frage auf, wieso? Eine Verdichtung ohne genügend Grünflächen fördert die Klimaerwärmung, eine Skyline nur aus Hochhäusern ist nicht wirklich ästhetisch und Wohnungen, welche nur von prestigeträchtigen Architekten designt wurden, wird sich kaum ein Normalverdiener leisten können (ironischerweise z.B. jene, die in diesen Hallen gearbeitet hätten.) Wir fordern den Erhalt des Geländes bzw. eine Nutzung mit Erhalt aller Gebäude als Industriedenkmal.


-An die Stadt Zürich: Kulturpolitik darf sich nicht in der Subventionierung von Oper und Schauspielhaus erschöpfen (obwohl ich selber Oper und Schauspiel auch mag und schätze). Wenn Sie die freie Szene und die populärkulturellen Ankerpunkte sterben lassen, verlieren Sie die Jugend und die Dynamik Ihrer Stadt. Das Kino Corso zu schliessen, unter dem Vorwand, es brauche einen Ort für verschiedene Arten der Darbietung und Kultur ist für mich eine scheinheilige Doppelmoral, besonders wenn im gleichen Atemzug nichts gegen die Schliessung von drei (!) weiteren Kulturinstitutionen unternommen wird. Auch das Argument, man könne das neue Eventhaus als Ersatz für den Pfauensaal des Schauspielhauses während der Renovierung desselben nutzen, halten wir für unzulässig, vor allem auch wenn das Limmathaus perfekt für sowas geeignet wäre, da es genug Platz bietet, eine Empore besitzt und zudem weitere Einrichtungen wie Kulinarikbereich, Garderobe und weitere Räume (z.B. für Proben) bietet. Sogar der Komplex 457 wäre für so eine Nutzung geeignet. Dazu ist das Kino Corso auch aus cinematographischer Sicht sehr wichtig, da es für das Zurich Film Festival eine wichtige Stätte bietet und auch schon einige prominente Gäste beherbergen durfte. Auch ich durfte bereits einige Filme dort sehen und als Filmschaffender ist es für mich ein Ort, der mit der kulturellen Entwicklung der Stadt Zürich fest verbunden ist.

 

Wir fordern Sie auf: Stoppen Sie das Sterben dieser Institutionen. Suchen Sie nach Lösungen, die den Erhalt dieser Kulturräume garantieren. Zürich braucht keine
weiteren Luxus-Lofts, keine weiteren austauschbaren Büroflächen oder sogenannte Impact Hubs und keine weiteren verlorenen Kulturstätten.

 

Zürich braucht Lärm, Zürich braucht Reibung, Zürich braucht Kultur. Wenn Sie heute nicht handeln, wird die Geschichte Sie als jene Akteure in Erinnerung behalten, die das Licht in dieser Stadt gelöscht haben.

 

Mit drängenden Grüssen,

 

Ein Bündnis besorgter Bürger*innen, Künstler*innen und Kulturinteressierter der Stadt Zürich

avatar of the starter
Mike JossPetition Starter

22

Recent signers:
Jérémy Schletti and 13 others have signed recently.

The Issue

OFFENER BRIEF

 

An:

-Den Stadtrat der Stadt Zürich
-Die Stiftung Limmathaus als Besitzerin des Limmathauses
-Die Pensionskasse Coop als Verantwortliche des Komplex 457
-Die Verantwortlichen des Maag-Areals/SPS
-Die zuständigen Stellen für Stadtentwicklung und Kultur

 

Datum: 13. Mai 2026

 

Betreff: Ein Manifest gegen den Ausverkauf unserer Identität und den Kahlschlag bei

X-TRA, Komplex 457, Maag-Areal und Kino Corso

 

Sehr geehrte Damen und Herren

 

Das Fass ist endgültig voll. Ein entsetztes Raunen geht durch bestimmte Kreise, besonders seit den letzten Tagen und dies aus gutem und berechtigtem Grund. Zürich rühmt sich gerne als Weltstadt. Doch eine Weltstadt definiert sich nicht über die Dichte ihrer Family-Offices oder die Höhe ihrer Mietzinsen, sondern über ihren Puls, ihre Reibungsflächen und ihre kulturelle Resonanz. Während Sie in glänzenden Broschüren die „Smart City“ zelebrieren, vollziehen Sie hinter den Kulissen eine systematische kulturelle Entkernung.

 

Mit der drohenden oder bereits beschlossenen Schliessung (ohne offensichtlich den Dialog zu suchen) des X-TRA im Limmathaus, des Komplex 457, des Maag-Areals und des Kino Corso begehen Sie einen unwiderruflichen Fehler. Sie opfern das soziale Kapital dieser Stadt auf dem Altar kurzfristiger Verwertungsinteressen und bürokratischer Kurzsichtigkeit, dies zum Teil mit lausigen Argumenten und ohne echte Hilfestellung für eine Ersatzlösung. Sie schaufeln sich ein eigenes Grab: Ohne Kultur und echte Freizeitwerte wird selbst die teuerste, von Stararchitekten designte Wohnung unverkäuflich, weil die Stadt ihre Seele verliert.

 

1. Die Zerstörung des kulturellen Ökosystems

 

Ein internationaler Kulturstandort bemisst sich nicht an der Anzahl der Bankfilialen, sondern an der Vielfalt seiner Bühnen. Das X-TRA, der Komplex 457 und das Maag-Areal sind die Lungenflügel der Zürcher Live-Kultur. Während die Hochkultur staatlich hochgradig subventioniert wird, entziehen Sie der Pop-, Rock- und Alternativkultur den Boden.
-Internationaler Ausschluss: Ohne diese mittelgrossen Bühnen werden internationale Acts Zürich künftig grossräumig umfahren.
-Vernichtung der Nachwuchsförderung: Lokale Künstler verlieren die Plattformen, die den Sprung vom Proberaum auf die grosse Bühne ermöglichen.
-Provinzialisierung: Sie degradieren Zürich zu einer kulturellen Wüste – einer Stadt, die man nur noch zum Arbeiten besucht, aber nicht mehr zum Erleben.


2. Angriff auf Lebensqualität und soziale Durchmischung


Lebenswertigkeit bedeutet Reibung, Lärm und Begegnung. Die Verdrängung gewachsener Institutionen durch Luxus-Lofts, sterile Büroflächen oder sogenannte „Impact Hubs“ ist ein Akt aggressiver Gentrifizierung, der Zürich für Normalverdienende, Junge und Kreative unbewohnbar macht. Das Maag-Areal und das Limmathaus waren über Jahrzehnte Orte, an denen sich unterschiedliche soziale Schichten und Lebensentwürfe kreuzten. Durch die forcierte Gentrifizierung und die Priorisierung von Renditeobjekten gegenüber Kulturräumen zerstören Sie den sozialen Kitt der Stadt. Sie verwandeln Zürich in ein museales Schaufenster für eine wohlhabende Elite, während das echte Leben an die Peripherie abwandert. Eine Stadt, in der jede Freifläche kommerziell glattgebügelt wird, wird schlussendlich leblos.

 

3. Marginalisierung und Identitätsverlust

 

Besonders fatal ist der Impact auf marginalisierte Randgruppen. Orte wie das X-TRA waren stets Schutzräume für Subkulturen, die LGBTQ+-Community und alternative Lebensformen. Diese Räume sind keine „Nutzflächen“, sie sind Heimat. Wer sie schliesst, drängt Menschen an den Rand, die im glatten Mainstream keinen Platz finden. Man betreibt effektiv eine Politik der Exklusion und dies unter dem Deckmantel der Modernisierung. Ich selber durfte als Teil einer Subkultur erst vor kurzem eine Heimat im X-TRA finden, es fühlt sich an wie eine Familie und ist etwas was ich nicht verlieren will. Das Kino Corso wiederum ist ein Denkmal der Kinokultur, dessen Verlust das historische Gedächtnis der Stadt beschädigt.

 

4. Ein historisches Versagen der Verantwortungsträger

 

-An die Stiftung Limmathaus: Ihr Stiftungszweck sollte dem Gemeinwohl und der Volkskultur dienen, nicht der Maximierung von Quadratmeterpreisen. Und Gemeinwohl heisst nicht nur für ein Quartier, es kommen Leute aus der ganzen Schweiz und über die Landesgrenzen hinaus an die verschiedenen Events im X-TRA. Zudem stösst es bei uns auf immenses Unverständnis, dass Sie eine Institution wie das X-TRA, welches schon viel länger in Zürich ist, einfach ersetzen wollen mit einer Institution, die zum einen schon einen Platz in Zürich hat und weniger Probleme hätte einen neuen Ort zu finden und zum anderen sehr darauf orientiert ist, neue Geldmöglichkeiten zu schaffen. Es ist sehr einfach, einen Space für Start-Ups zu finden, diese Plätze schiessen förmlich aus dem Boden. Aber es ist verdammt schwer, einen Ort für ein Veranstaltungslokal zu finden, denn niemand will Konzerte und Fans als Nachbar haben, nur schon aus Prinzip nicht, weil wer möchte sich schon solidarisch mit dieser Form der Kunst zeigen, es sei denn man ist der Konsument.


-An die Pensionskasse Coop: Rendite auf Kosten der gesellschaftlichen Gesundheit ist eine kurzsichtige Strategie. Wer die Kultur einer Stadt vernichtet, zerstört die Attraktivität des Standorts, in den er investiert. Sie tragen eine ethische Mitverantwortung für das Stadtbild, in dem Ihre Versicherten leben. Der Komplex 457 ist seit nunmehr 15 Jahren als mittelgrosse Bühne ein fester Bestandteil der Zürcher Kulturszene. Genreübergreifend durften über die Jahre hier schon die verschiedensten Künstler auftreten. Der Verlust dieser Location würde Auftritte kleinerer Künstler in Zürich verunmöglichen und die Stadt somit in ein kulturelles Ödland verwandeln. Das Argument, dass Ihr tolles Hochhaus (in welchem sich der Normalverdiener dann doch wieder keine Wohnung leisten kann), welches auch schön die Sonne verdecken könnte, von einem Stararchitekten designt wurde, hält diesem Fakt nicht viel entgegen. Der Fakt, dass viele Angestellte des Komplex 457 durch einen Wegfall dieser Institution ihre Arbeit verlieren würden, trägt dem Sozialgedanken, den Coop normalerweise innehat, nicht viel Rechnung.

 

-An die Verantwortlichen des Maag-Areals/SPS: Mein Grossvater, welcher mittlerweile über 95 Jahre alt ist, kam im Jahr 1968 als Folge des Prager Frühlings mit meiner Grossmutter und meiner Mutter in die Schweiz. Er arbeitete bereits in der Tschechoslowakei als Ingenieur, dies unter anderem in der Automobilindustrie. Bei der Maag Zahnräder AG fand er damals einen guten Arbeitgeber, er erzählt mir manchmal davon. Jetzt wollen Sie dieses Denkmal der Schweizer Industriegeschichte dem Erdboden gleichmachen, dies um abermals verdichtet zu bauen und den Gewinn steigern zu können. Trotz zweier rechtlicher Niederlagen halten Sie weiter am Abriss fest. Selbst wenn Sie vor Bundesgericht unterliegen sollten wollen Sie weiter daran festhalten, obwohl ein toller anderer Projektvorschlag vorliegt, denn viele Experten favorisieren würden und die Hallen erhalten will. Da drängt sich mir die Frage auf, wieso? Eine Verdichtung ohne genügend Grünflächen fördert die Klimaerwärmung, eine Skyline nur aus Hochhäusern ist nicht wirklich ästhetisch und Wohnungen, welche nur von prestigeträchtigen Architekten designt wurden, wird sich kaum ein Normalverdiener leisten können (ironischerweise z.B. jene, die in diesen Hallen gearbeitet hätten.) Wir fordern den Erhalt des Geländes bzw. eine Nutzung mit Erhalt aller Gebäude als Industriedenkmal.


-An die Stadt Zürich: Kulturpolitik darf sich nicht in der Subventionierung von Oper und Schauspielhaus erschöpfen (obwohl ich selber Oper und Schauspiel auch mag und schätze). Wenn Sie die freie Szene und die populärkulturellen Ankerpunkte sterben lassen, verlieren Sie die Jugend und die Dynamik Ihrer Stadt. Das Kino Corso zu schliessen, unter dem Vorwand, es brauche einen Ort für verschiedene Arten der Darbietung und Kultur ist für mich eine scheinheilige Doppelmoral, besonders wenn im gleichen Atemzug nichts gegen die Schliessung von drei (!) weiteren Kulturinstitutionen unternommen wird. Auch das Argument, man könne das neue Eventhaus als Ersatz für den Pfauensaal des Schauspielhauses während der Renovierung desselben nutzen, halten wir für unzulässig, vor allem auch wenn das Limmathaus perfekt für sowas geeignet wäre, da es genug Platz bietet, eine Empore besitzt und zudem weitere Einrichtungen wie Kulinarikbereich, Garderobe und weitere Räume (z.B. für Proben) bietet. Sogar der Komplex 457 wäre für so eine Nutzung geeignet. Dazu ist das Kino Corso auch aus cinematographischer Sicht sehr wichtig, da es für das Zurich Film Festival eine wichtige Stätte bietet und auch schon einige prominente Gäste beherbergen durfte. Auch ich durfte bereits einige Filme dort sehen und als Filmschaffender ist es für mich ein Ort, der mit der kulturellen Entwicklung der Stadt Zürich fest verbunden ist.

 

Wir fordern Sie auf: Stoppen Sie das Sterben dieser Institutionen. Suchen Sie nach Lösungen, die den Erhalt dieser Kulturräume garantieren. Zürich braucht keine
weiteren Luxus-Lofts, keine weiteren austauschbaren Büroflächen oder sogenannte Impact Hubs und keine weiteren verlorenen Kulturstätten.

 

Zürich braucht Lärm, Zürich braucht Reibung, Zürich braucht Kultur. Wenn Sie heute nicht handeln, wird die Geschichte Sie als jene Akteure in Erinnerung behalten, die das Licht in dieser Stadt gelöscht haben.

 

Mit drängenden Grüssen,

 

Ein Bündnis besorgter Bürger*innen, Künstler*innen und Kulturinteressierter der Stadt Zürich

avatar of the starter
Mike JossPetition Starter

Petition Updates

Share this petition

Petition created on May 14, 2026