Petition updateHumanitäre Krise in Griechenland: Deutschland & Europa müssen Flüchtlingen Schutz bietenDank Eurer Unterstützung: Neue Anwältin berichtet über die Situation in Griechenland
Sven Giegold MdEP, Erik Marquardt MdEP, Clara Anne Bünger und Ansgar Gilster
Dec 21, 2021

Vor über einem Jahr habt ihr geholfen, mit Spenden eine zusätzliche Anwältin für Equal Rights Beyond Borders zu ermöglichen – um die unwürdigen Zustände in den griechischen Flüchtlingslagern mit Rechtsstaatlichkeit zu bekämpfen. Wir haben mit der Anwältin Anastasia gesprochen! Lest das Interview unten & unterstützt ERBB weiter: https://equal-rights.org/en/helfen/

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Interview mit Anwältin Anastasia von Rechtshilfeorganisation Equal Rights Beyond Borders

Wie ist die Situation aktuell auf den griechischen Inseln?

Seit dem großen Brand im Lager Moria auf Lesbos im Herbst 2020 ist die Situation auf den Inseln aus dem Blick geraten. Zwar wurden viele Menschen auf das Festland gebracht, doch immer noch harren  tausende Schutzsuchende in den Lagern unter menschenunwürdigen Lebensbedingungen aus. Das fehlende öffentliche Interesse trägt dazu bei, dass sich die griechischen und europäischen Behörden unbeobachtet fühlen – und denken, sie können machen, was sie wollen. Ich arbeite unter anderem auf der Insel Kos, wo Equal Rights Beyond Borders seit Januar 2021 ein Büro eröffnet hat.

Wie könnt ihr den Geflüchteten auf Kos helfen? 

Der Großteil aller Menschen, die hier auf der Insel ankommen, wird direkt nach Ankunft inhaftiert. Wir haben hier auf Kos das letzte Abschiebegefängnis in der Ägäis. Wenn man im Gefängnis ankommt, werden als erstes die Handys eingesammelt. Man bekommt sie nur zurück, wenn man zustimmt, dass die Handykamera von der Polizei zerstört wird. So soll verhindert werden, dass es keine Bilder von den schlimmen Zuständen gibt.

Die meisten Menschen erwartet dann ein Asylverfahren, das eine Farce ist. Die Menschen werden einem halbstündigen immergleichen Interview oberflächlich befragt. Dabei geht es nur darum, Gründe für eine Abschiebung in die Türkei zu finden. Meist ist der für die Behörden schnell gefunden, doch dann beginnt das Elend erst richtig…

Weshalb?

Weil Griechenland die Menschen loswerden will, aber de facto nicht los wird. Denn die Türkei nimmt seit März 2020 keine Schutzsuchenden mehr zurück. Die Betroffenen finden sich dann zwischen der Türkei und der Europäischen Union in einem politischen Konflikt gefangen. Sie können nicht vor, nicht zurück. Es ist eine absolute Sackgasse, die monate- oder jahrelange Haft bedeutet. Dank eurer Spenden konnte ich als Anwältin zahlreichen dieser Menschen helfen. In Gerichtsverfahren haben wir erwirkt, dass sie aus dem Gefängnis entlassen werden mussten und wieder die Chance auf eine Lebensperspektive bekommen. 

Wie wird sich die Situation auf den ägäischen Inseln in der kommenden Zeit entwickeln?

Ich erwarte nichts Gutes, soviel ist sicher. Die Verhältnisse sind schlimm und rechtlich absolut unhaltbar. Alle wissen das – es wird trotzdem gemacht. Weil sich die Politik in Griechenland, in ganz Europa weitgehend unbeobachtet fühlt und auch darauf setzt, dass diese menschenverachtende Politik von der Bevölkerung akzeptiert wird oder sogar Zustimmung bekommt. 

Ylva Johansson, die Kommissarin für Inneres der EU-Kommission, hatte 2020 noch versprochen, „geschlossene Lager“ werde es nicht geben. Was für eine Lüge! Auf Kos ist das längst die Realität, seit langem schon. Jetzt wurde sogar ein neues riesiges Lager eröffnet, umzäunt von Stacheldraht. Auf dem Schild am Eingang steht „Geschlossenes Zentrum mit kontrolliertem Zugang“. Margaritis Schinas, Vizepräsident der EU-Kommission, hat das Lager selbst eingeweiht. 

Was gibt Dir trotz allem Hoffnung?

Dass unsere juristischen Kämpfe weiterhin erfolgreich sind! Die erwähnten Haftbeschwerden sind ja nur ein Beispiel. Auch vor deutschen Verwaltungsgerichten und dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gewinnen wir in den allermeisten Fällen. Das motiviert mich und unser ganzes Team die Menschenrechte weiter zu verteidigen! 

Danke, Anastasia, für Deine wichtige Arbeit!

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Wir dürfen uns an diese Zustände nicht gewöhnen. Lasst uns gerade jetzt zu Weihnachten humanitären Widerstand leisten und Menschen auf dem Rechtsweg aus diesen Lagern befreien! Wir bitten Euch daher: Unterstützt Equal Rights Beyond Borders mit eurer Spende!

Tragt zu dieser wichtigen Arbeit bei – oder verschenkt Heiligabend eine Spende an Familie und Freunde!

Hier könnt ihr helfen und direkt online spenden: 

https://equal-rights.org/en/helfen/

Wir danken Euch für Eure Unterstützung und wünschen euch gesegnete Weihnachtstage! Bleibt gesund und solidarisch!

Mit europäischen Grüßen

Ansgar Gilster, Clara Anne Bünger, Erik Marquardt MdEP, Sven Giegold

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