

Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer,
liebe Freundinnen und Freunde,
die Weihnachtsfeiertage fallen in diesem Jahr ganz anders aus als sonst. Nur für die Menschen in den griechischen Elendslagern wird es der gleiche traurige Jahreswechsel wie letztes Jahr, und wie in den Jahren davor. Immer noch werden mehr als 17.000 Geflüchtete auf den griechischen Inseln unter schlimmen, unwürdigen Bedingungen festgehalten. Weiterhin warten wir mit ihnen darauf, dass die Lager endlich evakuiert werden. Und obwohl wir alle in diesem Jahr enormen Druck gemacht haben, geschieht nichts und insbesondere die europäische Verteilung der Schutzbedürftigen kommt kaum voran. Jetzt im Winter wird die Situation in den Lagern zum Überlebenskampf: Die Menschen leben im Schlamm unter Zeltplanen, sind schutzlos Nässe und Kälte ausgesetzt. Sie bekommen zu wenig zu Essen, werden nicht ordentlich medizinisch versorgt, fürchten zusätzlich die Ansteckung mit Corona.
Wir haben mit Samuel einem geflüchteten Menschen aus Vial, dem Hotspot-Lager in Chios, gesprochen. Er ist 20 Jahre alt und lebt seit einem Jahr auf Chios. Zu seinem Tagesablauf erzählt er:
“Ein Tag in Vial, das sind 24 Stunden, ist eine immergleiche Endlosschleife. Wenn wir morgens aufwachen, beginnt der Tag mit Anstehen. Wir bekommen meist Wasser, Fladenbrot und Erdnüsse als Frühstück. Nachmittags und abends müssen wir erneut anstehen, um einen Teller Essen zu ergattern. Das Anstellen dauert jedes Mal etwas länger als eine Stunde. Nach dem Frühstück kommt der schwierigste Moment des Tages – duschen, Zähne putzen, auf Toilette gehen. Die sanitären Anlagen sind unglaublich schlecht und völlig verdreckt, weil tausende Menschen sich wenige Wasserhähne und Toiletten teilen. [...]”
Als Christ wurde er in seiner Heimat verfolgt. Wie feiert er nun Weihnachten im Camp?
“Als Christen haben wir immer Weihnachten gefeiert, [...] Unter diesen Lebensbedingungen ist es nicht möglich, ich weiß nicht wie. Ich kann nicht feiern. Nicht, wenn die Zukunft bedrückend ungewiss ist und jeder Tag sich wie die Hölle anfühlt.”
Das komplette Interview findet ihr hier: www.equal-rights.og/post/weihnachten-in-vial
Lasst uns in diesen Tagen alle Menschen, die kein schützendes Zuhause haben, nicht vergessen. Wenn Ihr eine Krippe aufgestellt habt, dann schaut Ihr auf eine Familie, die ebenfalls auf der Flucht war. Und wenn Ihr in diesen Tagen die Weihnachtsgeschichte hört, dann ist es eine Geschichte, die heute nicht weniger aktuell ist als vor 2000 Jahren.
Wenn Ihr noch ein gutes Weihnachtsgeschenk sucht: Legt eure Solidarität unter den Weihnachtsbaum und verschenkt eine Spende! Jeder kleine Beitrag zählt und hilft. Es gibt viele Organisationen, die Menschen vor Ort unterstützen. Wir legen euch besonders Equal Rights Beyond Borders ans Herz, die mit rechtlichen Mitteln Menschen aus den Elendslagern herausholen und Familien zusammenführen. Hier findet Ihr mehr Informationen zu ihrer Arbeit: http://equal-rights.org/helfen
Wir wünschen Euch von Herzen frohe, fröhliche Weihnachten und einen guten Start in das Neue Jahr! Bleibt gesund und solidarisch!
Mit europäischen Grüßen
Ansgar Gilster, Clara Anne Bünger, Sven Giegold MdEP und Erik Marquardt MdEP
P.S.: Für die Feiertage haben wir noch einen Filmtipp: Schaut euch unbedingt den neuesten Film von Milo Rau! Mit den Onlinetickets unterstützt ihr auch ein Programmkino eurer Wahl! www.dasneueevangelium.de