Petition updateRettet Bonobo Bili aus dem Zoo WuppertalGroße Demo für Bili /Bili bleibt vorerst in Wuppertal
Petra BenteDresden, Germany
Feb 10, 2019

Sehr geehrte Unterstützer,

heute ein umfassendes Update und einige Eindrücke von mir vom Bili.

Gestern fand, unter großer Beteiligung der Medien die dritte dritte Demo vor dem Wuppertaler Zoo statt.Anwesend waren u.a. das britische Fernsehen sowie der bekannte Menschenaffen Experte Dr. Goldner vom Great Ape Projekt und Mr. Graham Garen vom WAMS, der den weiten Weg aus Wales für Bili auf sich nahm um mit der Zooleitung zu reden.

Bedauerlicherweise hielt es der Herr Zoodirektor Dr. Arne Lawrenz nicht für nötig, die beiden Herren zu empfangen.Der Sprecher für Öffenlichkeits Arbeit des Zoos übernahm den Termin. !!!! Die Gespräche gehen heute morgen weiter.

Der Zoo verteilte an Zoobesucher Freikarten und einen Flyer, indem dem WAMS praktisch fehlende Kompetenz unterstellt wird.Es wurde in der Vergangenheit ausführlich dargelegt, wie Bili, wenn er in dieses Therapiezentrum für traumatisierte Affen käme, leben würde.In Isolation, wird er keinesfalls leben und man ist sogar bereit, Bili einen Gefährten zur Seite zu setzen.

Die Verhandlungen ergaben natürlich nichts.In einem Interview wurde von Seiten der Zooleitung folgendes geäußert:"Eine Verlegung wäre todlich für Bili".Nun, man muss sich ehrlicherweise fragen, wie denn ein weiterer Aufenthalt in Wuppertal ausgehen könnte wenn das Mobbing so weiter geht.

Der Zoo ist nicht gewillt oder nicht in der Lage, Sequenzen der Video Überwachung, wo auch positive Anzeichen zu sehen sein sollen, zu veröffentlichen.

Meine persönlichen Eindrücke von Bili gestern waren wie folgt.

Bili war separiert mit Mato,Matriarchin Eja, Ajubu, einem der Terror Twins und ihrem Jüngsten.Kurze Zeit war Bili zusammen mit Mato auf dem Boden und aß etwas.Sobald sich Eja jedoch bewegt oder Laute von sich gibt, flüchtet Bili sofort oben in seine Ecke.Dort liegt er dann mit seinem bisschen Holzwolle vor dem Körper wie ein Kind mit seinem Lieblings Teddy.Bili ist und bleibt ein Außenseiter.Ein Leben ist das jedenfalls nicht.Er hatte und hat es nicht leicht in seinem Leben.Die Schieber sind nachts geöffnet und es kann keinesfalls über eine 24 Stunden Überwachung die Rede sein.

In den Berichten der Medien hatte man den Eindruck, als stehen die Morddrohungen gegen die Zooleitung im Vordergrund.Natürlich sind Morddrohungen nicht ok.Das viele Strafanzeigen gegen den Zoo erstattet wurden, fiel ebenfalls unter den Tisch.Außerdem wurde die englische, statt dieser Petition gezeigt, was aber ok ist, denn nur gemeinsam erreichen wir etwas.

Nun trifft die Entscheidung über Bili's Schicksal das EEP,EAZA und WAZA.Wir können helfen, indem wir die Entscheidungsträger auch anschreiben.Sie sind auch Entscheidungsträger dieser Petition.

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Ein Statement möchte ich Ihnen nicht vorenthalten.Es stammt von dem bekannten Antropologen Dr. Professor Sommer, die MICH am Freitag erreichte.

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"Stellungnahme von Prof. Volker Sommer zur Situation des schwer verletzten Bonobomannes Bili im Wuppertaler Zoo, Anfang 2019.

Unsere stammesgeschichtlich nächsten Verwandten sind die Mitglieder der Gattung Pan: Schimpansen und Bonobos. Die Entwicklungswege der beiden afrikanischen Menschenaffenformen teilten sich vor etwa einer Million Jahre. Beide Spezies formen sogenannte polygynandrische Gruppen, in denen mehrere erwachsene Weibchen mit mehreren erwachsenen Männchen zusammenleben. Allerdings lassen sich die Grundzüge des Verhaltens innerhalb der eigenen Gruppe für Schimpansen unter dem Stichwort "Patriarchat" zusammenfassen (Männchen dominieren Weibchen, bis hin zur Gewaltanwendung), während umgekehrt für Bonobos das Stichwort "Matriarchat" zutrifft (Weibchen dominieren Männchen, bis hin zur Gewaltanwendung). Diese Asymmetrien reflektieren Konkurrenzstile, die vermutlich durch unterschiedliche Ernährung geformt wurden.

Im Freiland ist es durchaus nicht unüblich, dass Bonobo-Männchen von Gruppenmitgliedern angegriffen werden, speziell von weiblichen Koalitionen und von älteren Männchen (s.u.*). Schlimme Verletzungen kommen vor, sehr vermutlich bis hin zum Töten von Männchen. Das gleiche trifft auf die Haltung in Gefangenschaft zu, wo Männchen regelmäßig Opfer vor allem weiblicher Aggressionen werden; typische Verletzungen sind Verstümmelungen der Körperanhänge wie Finger oder Zehen oder Ohren und Genitalien.

Gleichwohl ist die Behauptung der Zoolobby irreführend, der Fall des im Wuppertaler Zoo von Artgenossen schwer verletzten Bonobomannes Bili sei „arttypisch“. Würden Zoos es ernst meinen mit "arttypisch", müssten lebende Zebras an Löwen verfüttert werden und müssten es Gorillamännern erlaubt werden, den Nachwuchs fremder Gorillamänner zu töten. Der Begriff "arttypisch" wird deshalb von der Zoolobby nur verwendet, wenn es ideologisch genehm ist oder wenn wieder etwas schiefgegangen ist – wie beim Bonobomann Bili.

Denn die Verletzungsgefahr für Bonobomänner, die auch im Freiland besteht, wird in Gefangenschaft durch mehrere Faktoren verschärft.

– Erstens. Im Unterschied zum Freiland ist es nicht selten, dass gefangen gehaltene Männchen in eine andere Gruppe umgesetzt werden. Das aber ist das genaue Gegenteil der natürlichen Situation. Denn im Freiland sind Männchen "philopatrisch", d.h., sie verbleiben mit ihren Geschlechtsgenossen in ihrer Geburtsgruppe, während die Weibchen auswandern. Mit den anderen Männchen ihrer eigenen Gruppe sind Bonobomänner daher mehr oder weniger nahe verwandt – genetische Bande, die dem einzelnen Bonobomann zumindest einen gewissen Schutz vor Aggressionen verschaffen. Wichtiger ist allerdings, dass Söhne oft von ihren mächtigen Müttern abgeschirmt werden.

– Zweitens. Bis in die jüngste Vergangenheit hinein war es gängige Zoopraxis, ein einzelnes Bonobomännchen mit einer Gruppe von Weibchen einzusperren – eine prekäre und gefährliche Situation für den isolierten Mann. Das künstliche Bilden solcher "Haremsgruppen" ist ebenfalls das Gegenteil der Freilandsituation, denn hier leben die Menschenaffen in Viel-Männchen-Viel-Weibchen Gesellschaften. Dass Tiergartenbiologen und -biologinnen dieses lange bekannte Faktum gerne ignorieren, spiegelt eine machohafte mentale Einstellung wider – Zooleute denken eben gerne im traditionellen Schema vom "Alphaaffen", der der Chef mehrerer Weibchen ist, und sich schon irgendwie durchbeißen wird... Stattdessen kommt es umgekehrt – und der angeblich starke Mann wird von den angeblich schwachen Frauen böse zugerichtet.

– Drittens. Im Freiland können angegriffene Tiere fliehen bis sie außer Sicht sind, über den Boden und durchs Geäst, eine Option, die sie in der Tat oft verwirklichen, bis die Situation sich entspannt hat. Eingesperrte Tiere haben die Möglichkeit nicht, sondern sind auf Gedeih und Verderb mit den Aggressoren konfrontiert.

Diese Umstände reflektieren die grausame Wirklichkeit des Zooalltags, bei dem hochsensible Kreaturen lebenslang hinter Gittern gehalten werden, nur damit wir uns an ihnen ergötzen können. Mit Natur- oder Artenschutz hat dies übrigens nichts zu tun; niemals wurde oder wird ein Bonobo aus einem deutschen Zoo in die Wildnis entlassen werden. Das wäre schon deshalb Unsinn, weil Hunderte von entwurzelten Bonobos, die ihrer Waldheimat beraubt wurden, in Afrika in Auffangstationen sitzen. Wenn also "Auswilderung" in Frage kommt, dann wären dies die ersten Kandidaten. Und nicht die Gefangenen von Wuppertal.

Der Zoo Wuppertal hat bereits in der Vergangenheit bezüglich der Menschenaffenhaltung negative Schlagzeilen gemacht. Das Management war weder damals noch heute dazu bereit, auf Kritik einzugehen – man ist sich seiner "guten Sache" eben sicher.

Dem Bonobomann Bili hilft das nicht. Der flüchtet sich, wie es Menschen auch tun würden, angesichts seiner aussichtlosen und verzweifelten Situation in Depression und Selbstaufgabe.

*Vgl. den Fall des unglücklichen Bonobomannes "Volker" (übrigens benannt nach dem Verfasser dieser Zeilen...), den das Freilandforscherpaar Barbara Fruth und Gottfried Hohmann beschreiben: Hohmann G & Fruth B (2011) Is blood thicker than water? In: Robbins MM & Boesch C (eds.). Among African Apes: Stories and Photos from the Field. Berkeley: University of California Press. p 61-76. - Deutsch: Menschenaffen. Begegnung mit unseren nächsten Verwandten. Stuttgart: Hirzel, 2012

Verfasser: Volker Sommer ist Professor für Evolutionäre Anthropologie am University College London und erforscht seit Jahrzehnten die Ökologie und das Verhalten wilder Primaten in Asien und Afrika. Als Experte für Menschenaffen berät er die IUCN (International Union for the Conservation

Dieses Statemnt wiederspricht den Aussagen des Zoos und denen des Jane Goodall Instituts.

Danke an alle Unterstützer

Danke im Namen von Bili

 

 

 

 

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