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Geschichte wird "gestaltet": Unglaubwürdige Politiker lassen NVA-Hinterlassenschaft verlustig gehen

www.denkmalprora.de

Mar 31, 2022 — 

Ein Akt, der einer Demokratie unwürdig ist. Ende März, also heute, ist Deadline für die Bewahrung der KdF- und vor allem der letzten NVA-Musealien des Erinnerungsortes Prora. Die Hoffnung, dass diese Musealien vor Ort  verbleiben, hat sich zerschlagen.

Was bleibt?  Ein Lehrstück  darüber, wie Politik Vertrauen verspielt und politikhörige Medien als demokratische Kontrollinstanz versagen. Und wie  Meinungsvielfalt (insbesondere die Wahrnehmung der Ostdeutschen) untergraben wird. Ausgerechnet im Rahmen eines zu errichtenden Zentrums der politischen Bildung!

Bis Mitte Februar hat man uns hoffen lassen, dass  es doch  noch zu einer Wertschätzung des betreffenden Bestandes kommt. Dann zeichnete sich ab, dass sich in puncto museale Bildungseinrichtung gar nichts bewegt hat. Wie ein roter Faden zieht sich seit Juli  2021 dieselbe Taktik durch die Auseinandersetzung: Monatelanges Hinhalten seitens der Politiker Dr. Kerth (Landrat Vorpommern-Rügen), Heiko Miraß (Parlam. Staatssekretär für Vorpommern) und Bildungsministerin Bettina Martin nebst dem Chef der Landeszentrale für politische Bildung, Schwerin, Jochen Schmidt.

Nach ca. zwei Dutzend Schreiben an Politik und Medien meinerseits erhielt der Verkäufer Anfang Februar eine erste amtliche Stellungnahme aus dem Bildungsministerium, das sich seit Juli ausgeschwiegen hatte -  entgegen der Darstellung des Direktors der Landeszentrale für politische Bildung, Schmidt, im NDR-Beitrag - siehe unten!

Mitte Februar kam es endlich zu einem Gespräch zwischen Vertretern des Bildungsministeriums sowie Herrn Miraß und dem Verkäufer, der zu einer 50%igen Schenkung bereit war (zur Entwicklung bis dahin siehe unten Rügenblitz 13.2.22). Obgleich Herr Miraß  monatelang signalisiert hatte, vermitteln zu wollen und die Finanzierung zu klären, beharrte man in diesem Gespräch  darauf, lediglich einzelne Teile übernehmen zu wollen.  Zur notwendigen Prüfung unter der Fragestellung, was sollte gerettet, was kann dem Schredder überantwortet werden, sah man sich auf die Schnelle jedoch gar nicht mehr in der Lage. Die von NDR begeitete Inaugenscheinnahme (siehe unten) ist eine Farce!

Dem Vorschlag einer kompletten Schenkung ging das Land nicht nach. Viele (für verblendete Außenstehende sogar einsichtige) Gründe, warum dies und das nicht geht, werden seither ins Feld geführt. Siehe dazu unten  "Katapult" vom 22.3.22.

Fakt ist: Wenn sich Kreis und Land zum Kauf nicht in der Lage sehen (was man Monate eher hätte kommunizieren können), hätten die maßgeblich geförderten beiden Prora-Vereine den Bestand übernehmen und sichten können – und müssen aufgrund kostbarer Originalien aus beiderlei Phasen der Geschichte. Das Desinteresse der Vereine an dieser Auseinandersetzung ist mehr als fragwürdig!

Mit den  konstruktiven Vorstellungen seitens DenkMALProra hat man sich zu keinem Zeitpunkt auseinandergesetzt; mit dem Vermittler wurde kein einziges Gespräch geführt; keinerlei Kompromisse wurden gesucht! Damit erlebte ich nun so etwas wie ein „Booster“ der Methoden der vorangegangenen Jahre.

Bis in die vergangene Woche hinein suchten nun zwei engagierte Bürger nach einer anderweitigen Unterbringungsmöglichkeit der letzten DDR-Utensilien von Prora. Das zerschlug sich aber leider ebenfalls.

Dies also ist der letzte große Knall in Prora, von dem ich die ehemalige Kanzlerin (Prora war ihr Wahlkreis) vor einem halben Jahr unterrichtet habe. Er zieht nach sich, dass auch ich meine Initiative nun nach 15 Jahren einstellen werde. DenkMALProra wurde 2008 mit dem Ziel ins Leben gerufen, beim Bau des geplanten Bildungszentrums tatkräftig mitwirken zu können – so lange schon wird das Zentrum ausgesessen! Die Federführung für die Bildungsarbeit obliegt der LpB, Schwerin (Schmidt). Sie ist es, die alle auf Kurs zu bringen scheint, und DenkMALProra, der, so gut es ging, den gesamten Ort dokumentiert hat, keinen Millimeter zum Zuge kommen lässt. Einiges Gegenständliche (Tribünen, KDL vor Block IV etc.) konnte dennoch mit viel Mühe bewahrt werden. Auch soll Block V in einem kleinen Teil den graubraunen Rauputz behalten dürfen.

Euer Insistieren hat auf jeden Fall erneut wach- und durchgerüttelt. Vielen Dank!

Ein Akt der ausgleichenden Gerechtigkeit: Ausgebaut werden soll hinsichtlich der DDR-Geschichte die Plattform www.DenkMALProra.de auf der auch über das ehemalige NVA-Museum unterrichtet werden kann. Mitwirkung von Zeitzeugen ist sehr wünschenswert, Unterstützung nötig, auch finanziell!  Wer etwas beitragen möchte - schon mal hier vielen Dank!

VR Bank Main-Kinzig-Büdingen (Empfänger Stefan Wolter, Stichwort: Prora)

IBAN: DE50 5066 1639 0001 7085 03

Anbei nun die Pressebeiträge: Die Massenmedien schwiegen. Die angeblich unabhängige Presseagentur dpa brachte nicht einen einzigen Beitrag, unterrichtet ansonsten jedoch deutschlandweit zuverlässig über Prora – nicht ohne das „KdF-Bad“ in Szene zu setzen. Falsch ist es, die reale  (nicht die geplante) Anlage mit dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg gleichzusetzen. Obwohl wissenschaftliche Begründungen vorliegen, wird die tendenziöse Berichterstattung in ständiger Berieselung fortgesetzt. Ein Beispiel dieser Medienkultur fand sich gestern: Mit den Geschichtszentren hat der erwähnte Einbruch nichts zu tun. Doch jeder Anlass ist recht, um das KdF-Bad ins Leuchten zu bringen – deutschlandweit. Wer sehen will, kann erkennen!

https://www.tag24.de/nachrichten/regionales/mecklenburg-vorpommern/einbruch-in-prora-raeuber-klauen-fuenfstellige-summe-aus-hitlers-protzbau-auf-ruegen-2391862

https://www.zeit.de/news/2022-03/30/wieder-einbruch-in-prora-fuenfstellige-summe-entwendet

https://www.sueddeutsche.de/panorama/kriminalitaet-binz-wieder-einbruch-in-prora-fuenfstellige-summe-entwendet-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-220330-99-725630

Es würde den Rahmen sprengen, all die Unrichtigkeiten und Halbwahrheiten der Pressebeiträge aufzuzeigen. Es ist für Außenstehende kaum zu überblicken, wie Meinungen manipuliert, Sichtweisen vorgegeben und Kritiker weithin mundtot gemacht werden. 

Zur Presse NVA-Musealien:

Rügenblitz 13.2.22

Seit Jahren geht das so: Nachdem ich eine Pressemitteilung bezüglich der DDR-Geschichte von Prora an ca. sechzig Medien geschickt habe, darf ich diese (immerhin) in einem eigenen Lesebrief im Rügenblitz zusammenfassen. Von anderer Seite werden die Themen allenfalls noch von der Lokal(!)-Seite der OZ, darüber hinaus jedoch fast nie transportiert!

http://www.denk-mal-prora.de/2022-02-13_RugenblitzFebruar22.pdf

Schweriner Volkszeitung, 17.2.22

Ein Interview mit mir wurde in letzter Minute abgesagt und stattdessen berichtet. Immerhin! Eine Ausnahme neben OZ-Lokal! Erstmals höre (lese) ich von Herrn Miraß, dass sich das Land nicht in der Aufgabe sieht, den Bestand zu erwerben. Da er in einem ersten Telefonat zugunsten eines musealen Bildungszentrums argumentierte, muss davon ausgegangen werden, dass er sich „auf Kurs“ bringen ließ.

http://www.denk-mal-prora.de/2022-02-17_SVZ.pdf

Katapult, 17.2.22

Interessant wie weit das seit 15 Jahren geplante Bildungszentrum neben der Jugendherberge "gediehen" ist. (Herr Schmidt, der hier seit Jahren lenkt (genauso lange wie DenkMALProra kämpft) muss dafür keine Rechenschaft ablegen).

https://katapult-mv.de/artikel/droht-prora-der-verlust-historischer-sammlungen

Katapult, 22.3.22

Enttäuschend stellt sich das Magazin als Sprachrohr der Politik zur Verfügung. Im Übrigen hatte der Verkäufer dem Landkreis einen kompletten maschinell erstellten Ordner mit den Inventarstücken zur Verfügung gestellt. Herr Miraß war darüber von Anfang an unterrichtet.

https://katapult-mv.de/artikel/nva-sammlung-in-prora-entscheidung-bis-ende-maerz

Beschwichtigender Beitrag des NDR ( 27.3.22)

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/nordmagazin/Koloss-von-Prora-soll-teilweise-zum-Museum-werden,nordmagazin94582.html

Zwar will der  NDR  nun von einem Baustart 2023 und einer "teilweise musealen Einrichtung" wissen.  Beides aber scheint  aus der Luft gegriffen, wie die Zeitungsbeiträge zu erkennen geben. Es existiert bis heute kein Konzept. Eröffnung soll in ca. sechs Jahren sein, heißt es. Es sollte bereits 2013 eröffnet werden!

Herr Miraß erklärt die Überforderung des Kreises mit Block V.  Dass dieser Block 2006 für einen Euro vom Bund  an den Landkreis ging, der ihn für einen höheren siebenstelligen Betrag privatisierte, erzählt er nicht. Damals forderte unsere Petition (16.000 Unterzeichner) einen Teilverbleib in öffentlicher Hand (was nun mit dem geplanten Bildungszentrum realisiert werden würde) und eine Investition in die Bildung aus dem Verkaufserlös. Keinen Cent gab der Kreis für die Sammlung, worum sich Miraß eigentlich zu kümmern versprach!

Unbeabsichtigt gut gelungen: Herr Schmidt steht vor dem Scherbenhaufen seiner Politik der politischen Bildung:  Ausgerechnet der  entkernte und inzwischen fast völlig zerstörte einstige Bausoldatenversorger Mukran wurde zu einem Teillager des Musealien-Bestandes. Bis vor  zehn Jahren gut erhalten, sollte er nach Willen von Zeitzeugen eigentlich zum Erinnerungsort zum Hafenbau Mukran werden. Das wurde ebenfalls verhindert, der originale Bestand auch hier vernichtet! Herr Schmidt steht nun vor seinem mitverursachten „Müllhaufen der Geschichte“.

Kein Wort seitens NDR, dass Schmidt für das Aussitzen des seit 15 Jahren geplanten Bildungszentrums eine Hauptverantwortung trägt!

Herr Meyerl, ehemaliger Angestellter des NVA-Museums, wird nur mit dem vermeintlich „Austauschbaren“ des Bestandes  in Szene gesetzt. Das soll wohl suggerieren: Um diese Dinge ist es nicht schade. Dabei lagern viele einzigartige wertvolle Dokumente, auch ganz speziell zu Prora, außerdem in Containern.

NDR zeigt kein einziges Bild der ursprünglichen Zimmer, zu denen dieses Lagersammelsurium wieder zusammengebaut werden müsste. Um mindestens ein Dutzend original ausgestattete Räume ging es!

Kritische Stimmen wurden ausgeschaltet und  der tendenziöse Hinweis auf eine geforderte viertel Million Euro soll vermutlich den Eindruck des maßlosen Überziehens der Forderung erwecken. Doch längst war eine 50prozentige Schenkung vereinbart.  Der Verkäufer ging sogar so weit, den gesamten Bestand zu verschenken und sich nur die Lagerungskosten der vergangenen drei Jahre erstatten zu lassen! Auch das teilte er dem Land im Februar mit.

Fazit: Die Politik verhindert einen musealen, die Geschichte nachvollziehbar emotional berührenden Ort. Angesichts der geplanten Summe für die Bauhülle steht sogar ein Teilabriss und Neubau in diesem Bereich zu befürchten – sofern das Zentrum wirklich kommen sollte! Auch das bleibt abzuwarten.

Im Bild: Relikte des aus hochwertigem Material gestalteten Südtores der ehemaligen NVA-Anlage Prora (Militärtechnische Schule), das zugunsten der einseitigen Seebadinterpretation vollständig entsorgt wurde (ehemaliger Bestand NVA-Museum, mit detaillierter Erläuterung darüber).

Ein vom Material her einfacherer, von DenkMALProra gesicherter Torflügel des Nordeinganges (darin Symbole des Pionierbaubataillons Mukran - mit Bausoldaten - und dem Armeeregiment Militärtransportwesen) wurde von der Vorsitzenden des Prora-Zentrums, Kerstin Kassner (damals Landrätin) vor zehn Jahren „sichergestellt“ und gilt seither als verschollen.

Beide in Prora agierenden Vereine (die in den vergangenen Jahren großzügig gefördert wurden) haben die Entsorgung der realen Geschichte jahrzehntelang geschehen lassen. Eine zögerliche Besinnung auf die DDR-Geschichte am Platz der heutigen Jugendherberge (sie selbst wirbt mit einer KdF-Gedenkstätte) führte DenkMALProra vor zehn Jahren herbei. Seit seinen Bemühungen um die gesamte Geschichte des Kolosses ab dessen Umwidmung zum größten Kasernenkomplex der DDR (um 1950) gilt der Initiator vor Ort weithin als persona non grata.

Eine Zusammenfassung dieser Ereignisse findet sich in meinem Ende des Jahres erscheinenden Buch: Prora – Kolossales am Nordstrand, 2022.


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