Petition update

Entscheidung über #Schwedeneck: Offener Brief an DEA-Chef Thomas Rappuhn

Prof. Dr. Linda Maria Koldau
Schwedeneck, Germany

Sep 22, 2016 — Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer,

heute, zum Herbstbeginn, habe ich als Sprecherin der Bürgerinitiative „Hände weg von Schwedeneck“ folgenden Offenen Brief an DEA-Chef Thomas Rappuhn geschickt.
Die DEA will diesen Herbst entscheiden, ob sie einen Betriebsstättenantrag für das Feld Schwedeneck-See stellt. Damit wäre sie der einzige Konzern, der in Schleswig-Holstein Öl fördern darf – im Weltnaturerbe Wattenmeer (Mittelplate) und dann auch im europäischen Natura 2000-Schutzgebiet Schwedeneck. Die zuständigen Politiker haben auf unsere Proteste gegen diesen Skandal bislang mit tauben Ohren reagiert. Darum wenden wir uns nun mit einem öffentlichen Appell an den DEA-Chef selbst.

Der Brief ist außer an DEA-Vorstandsvorsitzenden Thomas Rappuhn auch an folgende Personen gegangen:
- Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig
- Schleswig-Holsteins Umweltminister Dr. Robert Habeck
- Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks
- den Bundesvorstand der Grünen (die Partei, der Umweltminister Habeck angehört)
- diverse Pressevertreter und die dpa

Sehr gerne können Sie den Brief weiter verbreiten – danke!

Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung und beste Grüße von der Küste Schwedenecks,

Ihre Linda Maria Koldau


Fotonachweis:
DEA-Bohrstation Mittelplate im Weltnaturerbe Wattenmeer, Foto von Ralf Roletschek



Offener Brief der Bürgerinitiative „Hände weg von Schwedeneck“ an DEA-Vorstandsvorsitzenden Dipl.-Ing. Thomas Rappuhn

22. September 2016

Sehr geehrter Herr Vorstandsvorsitzender Rappuhn,

die DEA hat laut Kieler Nachrichten vom 10.7.2016 angekündigt, dass sie in diesem Herbst entscheiden wird, ob sie für die Ölförderung im Feld Schwedeneck-See einen Betriebsstättenantrag stellt.

Wir, die betroffenen Bürger in der Region, bitten Sie, sich vor dieser Entscheidung öffentlich zu folgenden Fragen zu äußern:

1. Wirtschaftlichkeit des gesamten Projekts
Nach eigener Aussage will die DEA im Feld Schwedeneck-See ein Restvorkommen von 400.000 Tonnen Erdöl fördern. Das ist die Ladung eines einzigen Supertankers. Bitte legen Sie dar, inwiefern die DEA gegenüber einer so geringen Ausbeute die großen Risiken rechtfertigt, die eine Ölförderung für das europäische Natura 2000-Schutzgebiet „Südküste der Eckernförder Bucht“ und für die Bürger der gesamten Region bedeutet.

2. Anwendung von Fracking
Die DEA hat dem schleswig-holsteinischen Umweltministerum (MELUR) schriftlich zugesagt, dass sie in Schwedeneck-See nicht Fracking anwenden wird – wobei uns Bürgern ebenso wie dem MELUR bekannt ist, dass eine solche schriftliche Zusage rechtlich nicht bindend ist. Ebenso ist bekannt, dass die DEA bereits bei ihrer früheren Ölförderung in Schwedeneck mindestens 26 Mal gefrackt hat.
Bitte legen Sie – in Verbindung mit Frage 1 – dar, inwiefern das Projekt Schwedeneck-See für die DEA lohnend sein kann, wenn die DEA kein Fracking anwendet, sondern lediglich die 400.000 Tonnen Öl des Restvorkommens auf konventionellem Wege fördert.

3. Finanzielle Sicherung des Projekts
Angesichts des Skandals im Feld Sterup – die monatelange Verheimlichung des Konzerns Central Anglia, dass sie für ihr bereits genehmigtes Förderungsprojekt keinen Investor mehr hat, und die darauf folgende Entziehung der Bewilligung durch das MELUR – wünschen wir Bürger zu wissen:
a) Welchen Investor haben Sie für das Projekt Schwedeneck-See?
b) Bitte legen Sie uns einen verbindlichen Finanzierungsplan vor, der plötzliche Änderungen wie bei der Central Anglia ausschließt.
Da eine gesicherte Finanzierung die gesetzlich vorgeschriebene Voraussetzung für eine Förderungsgenehmigung ist, wird es der DEA zweifelsohne keine Problem bereiten, eine solche Finanzierung öffentlich vorlegen zu können.

4. Sicherung gegen Schäden durch Altlasten
Wie sich diesen Sommer herausgestellt hat, gibt es in Schwedeneck mindestens zwei Bohrschlammgruben mit Altlasten aus der früheren Ölförderung. Das MELUR hat bislang nicht untersucht, inwiefern diese Altlasten sicher gelagert sind und ob es weitere Bohrschlammgruben gibt.
Freilich muss sich auch die DEA mit dieser Problematik beschäftigen. Bitte legen Sie uns dar, wie die DEA sicherstellen will,
a) dass sämtliche Bohrschlammgruben in Schwedeneck identifiziert werden und
b) dass durch eine neuerliche Ölförderung nicht schädliche Stoffe aus den alten Gruben freigesetzt werden können.

5. Sicherung vor neuen Schäden
Die DEA hat bereits durch mehrere Lecks in Lagerstättenwasserleitungen ihrer Bohrstätten für negative Schlagzeilen gesorgt. Es ist bekannt und belegt, dass die DEA für ihre Leitungen die ungeeigneten (aber günstigeren) PE 100-Rohre benutzt hat.
Unsere Frage: Können Sie rechtsverbindlich bestätigen, dass die DEA zum aktuellen Zeitpunkt keine Rohre ohne Permeationsschutz mehr verwendet und solche Rohre auch nicht bei einer eventuellen Förderung in Schwedeneck-See verwenden wird?

6. Integrität des Grundwassers
Wird die DEA der Bevölkerung in der Großregion Kiel – Dänischer Wohld juristisch bindend zusichern, dass kein Salzwasser nach oben dringen kann und dass durch die Bohrungen keinerlei Keime oder verunreinigende Substanzen in das Grundwasser dringen können?

7. Haftung für Folgeschäden
Wird die DEA der Gemeinde Schwedeneck und der betroffenen Bevölkerung juristisch bindend zusichern, dass
a) sie die Haftung für sämtliche Schäden übernimmt, sollten im erdbebenfreien Gebiet Dänischer Wohld während der Zeit der Ölförderung hydraulische Kurzschlüsse, Erdbeben oder Erdrutsche entstehen,
b) sie auch die Haftung für langfristige Folgeschäden nach Abschluss der Förderung übernimmt?
Wir – die betroffenen Bürger der Region – erwarten von einem Konzern, der durch die Förderung von Rohstoffen in dieser Region Gewinne macht, eine vollständige Haftung für sämtliche Schäden, die im Rahmen der Förderung entstehen. Dies betrifft nicht nur Schäden an unserem Eigentum, sondern auch eine Verunreinigung von Grund-, Trink- und Oberflächenwasser oder des Erdbodens sowie Schäden an den Bio- und Geotopen der hiesigen Steilküste sowie an den landwirtschaftlichen Nutzflächen der Region.
Wir wissen natürlich, dass es juristisch genügend Wege gibt, eine solche Haftung auszuschließen. Da der DEA aber bekanntlich daran gelegen ist, international ihr Image als sauber und umweltverträglich arbeitender Konzern aufrechtzuerhalten, gehen wir davon aus, dass Sie eine solche Haftung zusichern werden.
Bitte legen Sie darum dar, in welcher Form die DEA eine Haftung für Schäden
a) während der Förderperiode
b) langfristig nach Abschluss der Förderung
vorsieht.


Wir senden Ihnen unsere Anfrage als Offenen Brief, der an die insgesamt 120.000 Unterzeichner unserer beiden Petitionen www.change.org/schwedeneck und www.change.org/dea geht.
Wir bitten Sie, auch Ihrerseits unsere Fragen öffentlich, vor allem aber rechtsverbindlich zu beantworten – bevor die DEA ihre Entscheidung darüber trifft, ob sie einen Betriebsstättenantrag für Schwedeneck-See stellt.

Bitte nennen Sie uns darüber hinaus einen Termin, an dem wir Ihnen persönlich unsere Petition „Keine Ölförderung in Schwedeneck!“ überreichen können.

Vielen Dank und freundliche Grüße

im Namen der Bürgerinitiative „Hände weg von Schwedeneck“

Prof. Dr. Linda Maria Koldau


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