

Mallorca gilt nach wie vor als 17. Bundesland Deutschlands. Millionen Müllers und Schmidts verbringen auf einer der Inseln die schönste Zeit des Jahres, nämlich den Urlaub! Wie aber nun passt das Eine mit dem Anderen zusammen? Unter den 11.600 Menschen, die im letzten Jahr dem ersten "Corrida de Toros" seit zwei Jahren beiwohnten, dort waren auch viele deutsche Urlauber. Einige wenige jedoch nur bei den rund 400 protestierenden Tierschützer vor dem "Coliseo Balear". Die Karten gingen weg wie warme Semmeln - zum Preis von 30 bis 150 Euro.
Vor drei Jahren wurde das blutige Schauspiel auf der Urlauberinsel stark eingeschränkt. Der Kampf dauerte maximal zehn Minuten - der Stier durfte weder verletzt noch getötet werden. Für die wahren Fans nurmehr eine Farce. Die Veranstalter befürchteten ein großes Minus und nahmen Abstand von solchen Events. 2019 jedoch hat der spanische Verfassungsgerichtshof diese Einschränkungen aufgehoben. Schließlich zählt der Stierkampf seit 2013 zum "immateriellen Kulturgut" des Landes. Deshalb gelten auch allerorts dieselben Regeln: Der Kampf dauert mindestens 20 Minuten und endet mit dem Tod des Tieres. Acht Tiere 2019 an diesem Abend. Einige auch durch die Hand von Morante de la Puebla oder Julian Lopez Escobar ("El Juli"), den derzeitigen Stars der Szene. Beide waren eigens von Festland angereist. Der Matador darf sich, sofern es dem Publikum gefallen hat, die Ohren oder den Schwanz des Tieres mitnehmen. El Juli besaß bis zum Kampf auf Mallorca bereits 2.668 abgeschnittene Ohren und 92 Stierschwänze.
Beobachter des Spektakels auf Mallorca sprachen von durchmischter Stimmung. Nicht bei jedem Kampf konnte der Torero die Ohren seines Opfers mit nach Hause nehmen, da das Publikum nicht mit der "Show" zufrieden war. Nach wie vor gehört es zum Traum vieler kleiner Jungen in Spanien, einst Torero zu werden. In Deutschland werden unterdessen humanere Schlachtmethoden diskutiert.
Wir sprechen von blutiger Tierquälerei zur Belustigung des Publikums und Geldmacherei auf dem Rücken der Tiere. Rund 50 Prozent der Spanier sprechen sich inzwischen für ein landesweites Verbot der Corridas aus. Im Jahr 2016 fiel das Verbot in Katalonien, nun auch auf den Balearen - nur auf den Kanaren wird diese Art der Volksbelustigung nicht abgehalten.