Petition update

Unsere Antwort an das Kultusministerium

Teresa H. & Sam A.

Nov 5, 2020 — 

Liebe Unterstützer:innen, 

letzte Woche haben wir zu unserer großen Freude eine Reaktion der Kultusministerin erhalten! Wir freuen uns, dass sie unsere Sorgen teilt und genauso wie wir die Schule als Ort, der sich entschieden gegen Rassismus positioniert, in die Verantwortung nimmt. 

Uns ist bewusst, dass sich in den letzten Jahren einiges getan hat und freuen uns über die von Frau Eisenmann genannte Verpflichtung der Themen Kolonialisierung, Kolonialgeschichte, Dekolonisierung, Imperialismus, Migration und Rassismus über verschiedene Jahrgangsstufen und Schulformen hinweg – allerdings fragen wir uns auch, wo und wie diese Verpflichtungen genau umgesetzt werden.  

Wir lesen mit Freude, dass im Bildungsplan des Faches Englisch für Sek. I etwa der „struggle for racial equality“ mit Blick auf die USA und GB besprochen werden soll. Wir fragen uns aber: wo bleibt der Blick auf racial equality in Deutschland? Hier setzen unsere Forderungen an, um bereits bestehende Ansätze in den Bildungsplänen zu präzisieren. 

So ist es auch interessant, dass trotz der sogenannten Verpflichtung das Wort „Kolonialgeschichte“ weder in eben diesem Bildungsplan noch in dem des Faches Geschichte am Gymnasium auftaucht. Was hat das für die Vermittlung eines kritischen Bewusstseins auf die deutsche Kolonialgeschichte in den Schulen in BaWü zu bedeuten? 

Wir möchten Frau Eisenmann zustimmen, dass die von ihr genannten Fächer Religion und Ethik viel Raum zur Auseinandersetzung mit  Diskriminierungen jeder Art bieten – aber hier hängt es an den einzelnen Lehrkräften, ob und wie die Geschichte und Gegenwart von Rassismus in Deutschland thematisiert wird. Uns ist die fächerübergreifende Verantwortung wichtig: wir müssen sehen, dass etwa auch im Kunst-Unterricht nur dann sogenannte „afrikanische“ Skulpturen besprochen werden, wenn sie als Inspiration weißer Künstler dienten – im Falle von Picasso. Und auch dieser exotisierende Blick bleibt zu oft unkritisch stehen. 

Im Laufe unsere Arbeit bestätigt sich unsere Zielsetzung durch Gespräche mit Wissenschafter:innen. Dr. Elina Marmer kam in ihrer Studie zu dem Ergebnis, dass in den Geschichtsbüchern immer noch ein romantisches Narrativ die Kolonialgeschichte beherrscht – meist wird das Thema mit der Überschrift „Entdeckung“ eingeführt und darüber hinaus bleibt die Brutalität der deutschen Kolonialherren in den meisten Büchern verharmlost.

Wir sind beeindruckt von zahlreichen Initiativen, die sich der Arbeit gegen Rassismus verschreiben – so etwa die Schule ohne Rassismus, der Lions Quest und noch viele mehr. Aber sagt uns die Notwendigkeit einer Auszeichnung wie „Schule ohne Rassismus“ nicht auch, dass der Bildungsplan nicht genügend Struktur bietet, um jede Schule zu einer Schule gegen Rassismus zu machen? 

Und was sagt es uns, wenn unsere Arbeit vor allem Zuspruch seitens außerschulischer Initiativen – die das auffangen, was bisher noch nicht strukturell verankert ist – erhält?

Wir wünschen uns, dass es nicht mehr zu Lasten der Lehrkräfte fällt – in egal welchem Fach und welcher Schulform – sich um eine Positionierung gegen Rassismus zu bemühen, ob institutionell wie die Bewerbung um die Auszeichnung „SoR“ oder im Unterricht, wenn es um die kritische Thematisierung von der deutschen Kolonialgeschichte geht. 

Wir begrüßen, dass Sie derzeit eine Handreichung entwickeln, die zur diskriminierungskritischen Schul- und Unterrichtsentwicklung beauftragt – aber wir befürchten, dass auch weitere Handreichungen nicht ausreichen werden, solange diese Themen nicht auch strukturell im Bildungsplan verankert sind. 

Zuletzt richten sich unsere Forderungen nicht nur auf die deutsche Kolonial- und Migrationsgeschichte: ein wichtiger Punkt unserer Petition ist, die eurozentristische Wissensperspektiven in den Schulformen aufzubrechen. Wäre es nicht auch in Ihrem Sinne, Frau Eisenmann, in der Oberstufe auch mal Bücher von Toni Morrison zu lesen?  

Hinzu kommt, dass auch die Lehrkräfte hinsichtlich Anti-Diskriminierung verpflichtend während ihrer Ausbildung geschult werden müssen. 

Alle fünf Jahre kommt eine neue Überarbeitung der Bildungspläne auf den Tisch – wir und die 95.000 Stimmen wünschen uns, dass unsere Punkte im Bildungsplan 2021 berücksichtigt werden. Es ist uns wichtig, nochmals zu betonen: wir möchten kein radikales Neu-schreiben, sondern die Präzision dessen, was schon da ist – um tatsächlich die Schulen in BaWü zu Schulen ohne Rassismus zu machen. 

Wir sehen, dass es Gesprächsbedarf gibt und möchten Frau Eisenmann deshalb um einen Termin bitten, um die Petition zu überreichen und unsere einzelnen Punkte zu diskutieren. 


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