Petition updateSofortige Beendigung der Tierkinderquälereien im Erlebniszoo Hannover
Stellungnahme - Pressemitteilung

Detlef HantelmannWilhelmshaven, Germany

Apr 8, 2017
Elefanten-Schutz Europa e.V - European Elefant Group
Elefantentraining im Erlebniszoo Hannover − Videoaufnahmen und Äußerungen der Zooleitung Stellungnahme von Elefanten-Schutz Europa Am 04.04.2017 beschäftigte sich die Reportagereihe "Report Mainz" der ARD kritisch mit den Trainingsmethoden des Erlebniszoos Hannover, die dort bei den Asiatischen Elefanten angewendet werden. Die Aufnahmen zeigen verschiedenen Situationen, in denen jeweils eines von drei der zu diesem Zeitpunkt ca. 3 Jahre alten Jungtiere von der Mutter separiert unter massivem Hakeneinsatz trainiert wurde. Die Elefantenjungtiere werden durch Pfleger in dem Video zur Ausführung von Circuskunststücken aufgefordert. Den Tieren wird dabei keine Zeit gelassen, die Kommandos auszuführen; noch während der Ausführung treiben die Pfleger das Kalb zu schnellerem Arbeiten an, minimales Fehlverhalten wird sofort bestraft. Das erfolgt hauptsächlich durch den Elefantenhaken, der selbst für die im Haltungssystem des Direkten Kontakts üblichen Verhältnisse überaus brutal eingesetzt wird. Die Gewalteinwirkung erfolgt neben Schlägen insbesondere durch Stiche mit der Spitze und Reißen mit der Hakenspitze am Körper. Ein Tier zeigt starke Schmerz- und Angstzeichen, brüllt mehrmals, wird auch dafür bestraft. Als ein anderes Jungtier versucht, sich dem Druck durch Flucht zu entziehen, wird es von anderen Pflegern mit Elefantenhaken daran gehindert. Die Leitung des Zoos weist alle Vorwürfe zurück und verweist auf die Erforderlichkeit des Trainings für medizinische Behandlungen. An der Echtheit der Aufnahmen und des Aufnahmeortes bestehen keinerlei Zweifel. Der Zoo Hannover bestreitet die Echtheit der Bilder auch nicht. Die Elefantenanlagen des Zoos Hannover sowie die handelnden Pfleger sind eindeutig zu identifizieren. Die gezeigten Jungtiere sind dem Verein individuell bekannt und aus der Größe der Tiere ergibt sich, dass die Aufnahmen nur wenige Monate alt sind. Seit Abschaffung der Elefantenshow vor einigen Jahren müssen die Elefanten im Rahmen der stattdessen eingeführten „Kommentierten Fütterung“ Circustricks vorführen. Zeigen die Szenen nun Tierquälerei in einem wissenschaftlich geleiteten Zoo oder werden hier unverzichtbare Routinemaßnahmen von emotionalen Tierschützern falsch bzw. überinterpretiert? Hierzu sind zwei Fragen zu klären: 1. Die grundsätzliche Frage ist, in welchem Haltungssystem ein Halter mehr Vorteile sieht - im Direkten oder Geschützten Kontakt. Pro Direktem Kontakt wird meist der unmittelbare Zugriff bei Behandlungsmaßnahmen betont. Der Erlebniszoo Hannover setzt auf eine circusgleiche Präsentation von Elefanten. Dieses Konzept wird von der Leitung vorgegeben, denn Shows sind nur im Direkten Kontakt möglich. Die Pfleger in Hannover ihrerseits sind überzeugte Verfechter dieser Haltungsphilosophie und behaupten, dass bestmögliche Pflege nur im Direkten Kontakt möglich sei, wofür brutales Training der Tiere zur Aufrechterhaltung der Unterordnung billigend in Kauf genommen wird. Auch in der Kindererziehung galt lange "Wer sein Kind liebt, der züchtigt es". Heute ist das Schlagen von Kindern aus gutem Grund geächtet, und auch in der Elefantenhaltung ist es durch Wissenschaft und Haltungserfahrung zu einem Paradigmenwechsel gekommen. Man weiß nach 35 Jahren Praxis, dass Elefanten sich ganz ohne Elefantenhaken und Schläge bestens pflegen lassen, sofern der Mensch auf seine Leittierstellung verzichtet und die Tiere durch ein Gitter betreut. Auf Belohnungsbasis kooperieren Elefanten freiwillig, die medizinische Versorgung funktioniert einwandfrei. Der Preis ist lediglich der Verzicht auf Shows − für das Zookonzept ebenso wie für die vorführenden Pfleger. Dass der Zoo Hannover eine Umstellung auf Geschützten Kontakt seit Jahren ankündigt, aber bisher nicht umsetzt, zeigt für Elefanten-Schutz Europa, dass man sich des Potenzials des neuen Haltungssystems sehr wohl bewusst ist, aber offenbar aus anderen Gründen nicht auf die althergebrachte Methode verzichten möchte. Dabei wäre die Einführung wesentlicher Elemente des Geschützten Kontakts – Verzicht auf jegliche Form von Circustraining, Durchführung von pflegerischen Maßnahmen und tierärztlichen Behandlungen ohne Einsatz des Elefantenhakens – sofort ohne massive Umbauarbeiten möglich. 2. Die Ausübung des Direkten Kontakts wird von Zoo zu Zoo sehr unterschiedlich praktiziert. In manchen Zoos betreten Pfleger die Anlagen oft ohne Haken, zum Führen der Elefanten verwenden sie die Hand. Den Haken mit Wucht an schmerzempfindlichen Stellen wie Kopf, Rückgrat oder Hals stechend oder reißend einzusetzen ist entgegen der Behauptungen der Hannoveraner Zooleitung nicht nötig. Solche Anwendungen fügen einem Elefanten definitiv Schmerzen zu. Der Zoo Hannover zählt unter den Haltern, die Direkten Kontakt anwenden, seit Langem zu den "Hardlinern". Ein solches System funktioniert nur, wenn es von allen Mitarbeitern mit getragen wird. Aus der Reaktion der Zooleitung wird deutlich, dass auch sie über die brutalen Disziplinierungsmaßnahmen als Teil der Routine informiert ist. Die gezeigten Trainingseinheiten galten nicht dem Einüben der Tricks − diese beherrschen die Jungelefanten längst perfekt. Ziel solchen Einzeltrainings ist es, dass der Elefant seinen Pflegern bedingungslos gehorcht. Alle im Video gezeigten Übungen helfen bei Pflege und Behandlung in keiner Weise. Dass Fachtierärzte Showelemente wie Hinterbeinstände oder Hochsitzen als gesundheitsschädlich einstufen, wird in Hannover nicht zur Kenntnis genommen. Nahezu gleichlautende Berichte über circusgleiche Trainingsmethoden und brutalen Hakeneinsatz in Hannover erreichen Elefanten-Schutz Europa seit Jahren. 2005 berichteten wir darüber bereits in der Vereinszeitschrift. Werden Aufnahmen wie nun von "Report Mainz" publik, ist der öffentliche Aufschrei groß. Doch war der „raue Umgangston“ der Hannoveraner Elefantenpfleger für aufmerksame Beobachter seit langem offensichtlich. Den meisten Zoobesuchern fällt allerdings nichts auf, denn der kasernenartige Gehorsam wird hauptsächlich abseits des Publikums antrainiert. Vor Besuchern genügt dann ein Drohen oder leichter Stoß, um die Elefanten einzuschüchtern. Der Großteil des Publikums nimmt diese minimalen Gesten nicht wahr und freut sich stattdessen über die "niedlichen" Kunststückchen, die der Elefant scheinbar freiwillig ausführt. "Elefanten-Schutz Europa fordert die Leitung des Zoo Hannover auf, sofort zu handeln. Auf Gewalt basierende Trainingsmethoden haben in einem wissenschaftlich geleiteten Zoo, der seine Daseinsberechtigung in Naturschutz und Umweltbildung sieht, nichts zu suchen! Es ist dringend erforderlich, das Haltungssystem kurzfristig auf Geschützten Kontakt umzustellen und personelle Konsequenzen zu ziehen", so Jürgen Schilfarth, Vorsitzender des Vereins. Kontakt und Hintergrundinformationen: http://www.european-elephant-group.com/news.htm Email: pc@elefanten-schutz-europa.de Tel.: 0162-2379276 - Julia Arndt, M.Sc. Biol.
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