
Felix BrunBurgdorf, Switzerland
Jan 31, 2018
Medienmitteilung
Liebe HobbyjournalistInnen von den Zeitungen 20Minuten und der BernerZeitung BZ
Gestern sind - ich habe das erst heute morgen über Umwege erfahren, das ist echt bravo-Journalismus so etwas - in den Zeitungen 20Minuten und BernerZeitung BZ weitere Berichte zu meiner Onlinepetition „Flughafen Bern-Belp schliessen“ erschienen. Ihr habt euch wahrscheinlich nicht getraut, mir ein paar Fragen zu stellen, weil ich, das gebe ich ja zu, ein echt übler Zeitgenosse bin. Gerne beantworte ich euch daher eure mutmasslichen Fragen:
Nein, es handelt sich beim Petitionsstarter nicht nur um einen Einzelgänger, einen Freak oder wie man mich auch immer nennen möchte (es gibt Leute, die in den Kommentarspalten vermuten, ich hätte wohl mit dem Gleitschirm bei einer falsch eingeteilten Landung einen Crash gemacht und eine Hirnerschütterung davon getragen), der hier seine eigenen Interessen über die Interessen aller anderen stellt. Nein, es sind auch nicht nur Mitglieder der Gleitschirmsszene, die mein Anliegen teilen. Nein, es sind auch nicht nur Aviatikinteressierte, die mein Anliegen teilen. Nein, es sind auch nicht nur OutdoorsportlerInnen die mein Anliegen teilen. Es geht hier, und das beweisen die mediale Berichterstattung und die Kommentare dazu, um etwas viel breiteres, generelleres: Es gibt offenbar einen gewissen Unmut gegenüber dem Regionalflugplatz Belp. Die Unterzeichnenden meiner Petition fragen sich, ob es sinnvoll ist, mit der Anbindung an Zürich, Basel und Genf einen Flugplatz zu subventionieren, dessen Fluggesellschaften immer wieder kriseln oder nahe am Bankrott vorbeischrammen. Sie fragen sich, ob Bern nicht andere Möglichkeiten der Innovation und damit der Beschäftigungsmöglichkeiten hat, als einen Tower zu bedienen und ein paar wenige handverlesene, allzu bequeme Fluggäste von Bern in die nächste grössere Stadt für den Weiterflug nach New York zu fliegen. Sie fragen sich, ob der Tourismus in Bern tatsächlich vom Flugplatz abhängt, wie dies so viele immer wieder behaupten, oder ob Bern nicht mit anderen Gegebenheiten, etwa der Natur, der Ruhe, der Aare bei den TouristInnen punkten kann. Sie fragen sich, ob der Regionalflugplatz ein neuer Ort der Kultur, der Begegnung, der Freizeitaktivitäten werden könnte, sollte er denn einmal geschlossen werden. Sie fragen sich auch, wer denn tatsächlich von diesem Flugplatz heute noch profitiert? Sind es vielleicht die Uhren- und Schmuckhersteller, die von den in Privatfliegern angeflogenen Gästen einen Mehrwert haben? Sind es vielleicht die PolitikerInnen und DiplomatInnen mit dem Landgut Lohn in Kehrsatz, die sich der Weltpolitik als grossstädtische, herrschaftliche Doyens präsentieren können? Sind es vielleicht einfach nur die Berner LokalpatriotInnen, die sich nach Ruhm und Ehre der Hauptstadt Bern sehnen (man kann es ihnen nicht vergelten, wartet doch YB seit..., ach lassen wir das...)?
Heute sind die Flugeinschränkungen für GleitschirmpilotInnen bei einem Südanflug weiterhin unklar und ich betone hier, dass ich immer nur von Befürchtungen, nicht von Wahrheiten, gesprochen habe. In den Medien werden die möglichen Einschränkungen als gegebene Sache widergegeben. Das stimmt so nicht, das kann ich ganz klar sagen. Es gibt Kompromissvorschläge des Schweizerischen Hängegleiterverbands, die sich sehen lassen. Hoffen wir, das der SHV damit durchkommt. Meine Statements zu den Flugeinschränkungen werden nun als meine einzigen Bedenken dargestellt. Das stimmt so nicht. Ich habe bezüglich des Flugplatzes BernBelp: 1) Bedenken bezüglich des zukünftigen Luftraumes. 2) Bedenken bezüglich der zukünftigen Lärmbelastung im Aaretal. 3) Finanzielle Bedenken, weil der Kanton mit der öffentlichen Hand den Ausbau des Flugplatzes BernBelp unterstützen muss und wird. 4) Umweltpolitische Bedenken: Machen Passagierflüge von Bern aus wirklich Sinn in einer Welt, die vom Klimaschock bedroht ist? 5) Demokratiepolitische Bedenken: Das Vorgehen des Bazl und der Flughafenbetreiber ist demokratiepolitisch fragwürdig. Warum wurden die 300 Einsprachen nicht berücksichtigt, sondern werden erst in einem zukünftigen Verfahren (vielleicht) berücksichtigt?
Liebe Medienschaffende, es wäre schön, wenn ihr mich in Zukunft um meine Meinung zu meiner eigenen Petition fragen würdet. Ganz so, wie dies der Journalist Anders Marti vom „Bund“ auch getan hat.
Ich grüsse Sie freundlich!
Felix Brun
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