Petition updateDas SEZ sanieren und als Sport- und Freizeitfläche für alle wiederöffnen!Buch und Zeitung zu Bau, Eröffnung und Ausstattung des SEZ
Susanne LorenzBerlin, Germany
May 20, 2024

Liebe UnterstützerInnen für den Erhalt des SEZ,

heute möchte ich auf zwei wunderbare Schätze hinweisen, die man in Antiquariaten finden kann, und zwar

  • die Wochenend-Ausgabe der Zeitung ND (Neues Deutschland) vom 21./22. März 1981 und
  • das Buch "Sport- und Erholungszentrum Berlin; Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik; 1978 - 1981" vom Herausgeber Aufbauleitung Sondervorhaben Berlin (Untertitel: Bauakademie der Deutschen Demokratischen Republik; Bauinformation * DDR * Berlin 1981)

Insbesondere letztgenanntes Buch enthält sehr viele Details zum Bau und zur Ausstattung des SEZ und dazu viele wunderschöne Fotos. Einige wichtige Informationen daraus habe ich zusammengetragen und möchte sie hier wiedergeben.

Das SEZ wurde zwischen Mai 1978 und März 1981 erbaut und am 20.03.1981 feierlich eröffnet. Es umfasst eine Gesamtfläche von ca. 8 ha und eine bebaute Grundfläche aller Geschosse von ca. 35.000 qm. Es wurde auf die tägliche Nutzung von bis zu 18.000 Menschen ausgelegt und umfasste vielfältige Nutzungsbereiche, u.a.

  • Schwimmbad mit ca. 1.800 qm Wasserfläche, verteilt auf 25-m-Schwimmbecken mit 6 Bahnen, Sprungbecken (mit 1- und 3-m-Sprungbrett), Kaskadenbecken, Wellenbad, Strahlenbecken mit Massageeffekten, Kinderplanschbecken, Mehrzweckbecken für Menschen mit körperlichen Behinderungen sowie einem 400 qm großen Außenbecken mit einer Rutsche
  • Solarium
  • Saunen (für Männer, Frauen, Familien)
  • Rollschuh- und Eislaufanlage "Polarium" (davon ca. 1.000 qm überdacht und einseitig offen, etwa gleichgroße Fläche im Freien, Nutzung auch für Wettkämpfe, Eisstockschießen, Eisfasching)
  • Sport- und Spielhallen für Mannschaftsspiele (u.a. Volleyball, Tischtennis, Basketball, Handball, Federball/Badminton)
  • Turnhalle
  • Gymnastik- und Ballettsaal
  • Kraft- und Konditionsraum (Fitnessstudio)
  • medizinische und sportmedizinische Beratung
  • Bowlinganlage mit 16 Bahnen
  • 2 Mehrzwecksäle für Vorträge/Vorführungen
  • Konferenzraum für 150 Personen
  • 5 Zirkelräume
  • Kindersportgarten zur Betreuung von Kleinkindern im Alter von 3-7 Jahren (bis zu 3 Stunden, während Eltern das Angebot des SEZ nutzten)
  • Freizeitpromenade mit Billiardraum, Spiel- und Lesebereich
  • gastronomische Einrichtungen (Hallenbar, Parkrestaurant "Kristall", Café "Kaskade", Biergaststätte "Zur Molle", Bowlingrestaurant "Bowling 16", Imbissgaststätte und Eis-Milchbar "Wellentreff") mit insgesamt 675 Sitzplätzen für 8.000 bis 10.000 Gäste pro Tag, 3 Kioske, 1 Personalkantine
  • Friseursalon
  • ca. 50.000 qm Außenanlagen

Prof. Dr. Ehrhardt Gißke, Direktor der Aufbauleitung Sondervorhaben Berlin, wies darauf hin, dass für den Bau des SEZ ein Gelände gesucht wurde, das den Menschen in den dichtbesiedelten Bezirken Friedrichshain und Prenzlauer Berg Möglichkeiten für Sport und Erholung bietet, das verkehrstechnisch gut erschlossen und schnell erreichbar ist und wo sich die einprägsame Architektur gut ins Umfeld einfügt. Mit seinen 170 m Länge in der Leninallee (heute Landsberger Allee), 110 m Länge in der Dimitroffstraße (heute Danziger Straße) und 10 m Bauhöhe sowie der Transparenz durch die vielen Glasflächen passte sich das SEZ-Gebäude gut ins Grün des Volksparks Friedrichshain ein, der mit seinen Sport- und Spielstätten (u.a. früheres Schwimmstadion K. F. Friesen) gut das Angebot des SEZ ergänzte. Im SEZ-Gebäude dienten die Flächen im Erdgeschoss und darüber komplett der Erholung, technische Einrichtungen, Küchen, Garderoben und Werkstätten waren dagegen in 3 Untergeschossen untergebracht.

Erich Honecker würdigte auf dem Richtfest neben den Leistungen der beteiligten Bauarbeiter, Monteure, Meister, Ingenieure und Architekten aus der gesamten DDR auch die gute Zusammenarbeit mit den Baufirmen ABV Stockholm (Schweden) und Hochtief AG Essen (BRD) beim Bau des SEZ.

Oberingenieur Eugen Schröter, Oberbauleiter des Bauvorhabens, schrieb, dass die kurze Bauzeit eine parallele Projektierung und Bauausführung erforderte und dass daran Betriebe aus der gesamten DDR beteiligt waren, die überwiegend schon beim Bau des Palastes der Republik und des Pionierpalastes "Ernst Thälmann" (heute FEZ in der Wuhlheide) mitwirkten.

Architekt Dr. Otto Patzeld beschreibt das Gebäude als aufgelockert und reich gegliedert. Er weist auf die Besonderheiten des Farbkonzepts hin, also das beschwingte Aussehen der Fassade mit kräftigen Rot-, Gelb- und Blauakzenten sowie die Farbgebung der den vier Jahreszeiten zugeordneten Gebäudeteilen (Herbst und Winter im Bereich der Eislaufanlagen in der heutigen Langsberger Allee, Sommer im zentralen Bereich der Schwimmhalle, Frühling im Bereich der Bowling- und Sportanlage an der heutigen Danziger Straße). Es wurden Materialien mit haltbaren, leicht zu pflegenden Oberflächen gewählt, dazu wärmegedämmte Verglasungen.

Bauingenieur Siegfried Affeldt und Dipl.-Gärtner Günter Mertel berichten über die Außenanlagen rund ums SEZ-Gebäude. Im Volkspark Friedrichshain wurden auf einer Fläche von ca. 5 ha diverse Sport- und Freizeitspielanlagen gestaltet. Neben dem Außenschwimmbecken mit Rutsche, der Rollschuh- und Eislaufbahn sowie einer Außenbühne am Ballettsaal inkl. Zuschauertribüne entstanden eine große Liegewiese, ein Kinderspielplatz, ein Bereich für Brettspiele wie Bodenschach, Dame und Mühle, vier Kegelbahnen, Shuffleboard, Stockschießen, Boccia, eine Anlage zum Ablegen von Sportabzeichen inkl. eines Luftgewehrschießstandes, Plätze für Fußball, Volleyball, Basketball, Federball, Minigolf und Tischtennis. Daneben gab es Sitzflächen sowie öffentliche Toiletten, Dusch- und Waschmöglichkeiten in den Funktionsgebäuden der Parkanlagen.

TKO-Leiter Dipl.-Ing. Siegfried Böhm erwähnt u.a., dass bei allen Konstruktionen auch auf bequeme Nutzbarkeit durch Kinder, Ältere und Menschen mit Behinderungen geachtet wurde.

Bauleiter Dipl.-Ing. Heiner Biedermann verweist darauf, dass die Stahlkonstruktion, welche die Schwimm-, Eis- und Sporthalle überspannt, durch Vollverzinkung und Korrosionsschutz eine hohe Langlebigkeit sicherstellt. Die weit gespannte Stahlkonstruktion, welche eine Stützenfreiheit der großen Hallen ermöglicht, war gleichzeitig auch gestalterisches Element. Die sattelförmigen Oberlichtbänder nutzten das Tageslicht zur blendfreien Ausleuchtung der Hallen. In der Schwimmhalle wurde ein spezielles Wärmeschutzglas verwendet. Durch Sonnenschutzjalousien wurde einem Wärmeverlust im Winter und einem Aufheizen im Sommer entgegengewirkt. Auch die Stahlbetonfertigteile der Fassade erfüllten die damaligen Anforderungen an Wärme- und Schallschutz.

Bauleiter Dipl.-Ing. Arno Schnorrenberg berichtet, dass die Wellen im Wellenbecken alle 30 Minuten für die Dauer von 10 Minuten durch Wechsel des Luftdrucks auf die Wasseroberfläche erzeugt wurden. Die Schwimmhalle war über einen Kanal mit dem Außenbecken verbunden. Alle Bereiche um die Schwimmbecken, Imbissbereich, Tribüne und Böden der Umkleidebereiche (insgesamt ca. 3.000 qm) wurden mit einer Fußbodenheizung ausgestattet. Neben der Verwendung von Chlor, wurde das Wasser in den Schwimmbecken mit Ozonierung keimfrei gehalten. Als Frostschutz wurde unter der Eisfläche unterhalb einer Schutzschicht eine Heizung verlegt, die mit Wasser aus dem Wärmerückgewinnungssystem versorgt wurde. Die im Winter genutzte Kälteanlage zur Vereisung der Kunsteisbahnen diente im Sommer der Klimatisierung des Rollschuhbereichs. Die bei Kunsteisbetrieb und Klimakühlung anfallende Verflüssigungswärme wurde zum Erwärmen des Wassers in den Schwimmbecken und den Duschen genutzt. Während der nächtlichen Nichtnutzung wurde die Abwärme durch eine Wärmepumpe in die Fußbodenheizung übertragen. Mit einer weiteren Wärmepumpenanlage wurde das Duschabwasser zur Wärmerückgewinnung verwendet.

Der Direktor des SEZ, Dipl.-Ges.-Wiss. Willi Boldt, berichtet, dass im großen Schwimmbadbereich auch Schwimmkurse, volkssportliche Wettkämpfe, Meilenschwimmen und Veranstaltungen wie Neptunfeste angeboten wurden. In den Veranstaltungsräumen wurden u.a. künstlerische Zirkel und Kurse, musikalisch-literarische Veranstaltungen und Ausstellungen angeboten.

Die Bauleiter und Architekten Dipl.-Ing. Andreas Mänicke, Dipl.-Ing. Hans Christian Brümmer und Dipl.-Ing. Wilfried Jürgens berichten zum Funktionsgebäude des Parks, dass dort Werkstätten, Aufenthaltsräume für MitarbeiterInnen der Verkehrsbetriebe, eine Sportgeräteausleihe und öffentliche Toiletten untergebracht waren.

Weitere Informationen und sehr viele schöne Fotos finden sich insbesondere im vorgenannten Buch, aber auch in der Zeitungsausgabe. Diese lassen sich vereinzelt noch in Antiquariaten erwerben.

Wenn auch Sie möchten, dass dieses wunderbare Gebäude und Gelände wieder für alle nutzbar wird, unterstützen Sie bitte weiter die Initiativen zum Erhalt des SEZ durch Teilen der Petitionen, durch Ideen, Hinweise und aktive Teilnahme an den Treffen. Die Bürgerinitiative plant eine eigene Website und weitere Aktionen, zu denen ich zu gegebener Zeit berichte. Vielen Dank.

Herzlichst, Susanne Lorenz

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