Wir fühlen uns im Stich gelassen! Faire Abiturbedingungen NRW 2021

Das Problem

Seit März letzten Jahres waren wir, die Schüler*innen des Abiturjahrgangs 2021
immer wieder im Distanzunterricht. Aus unserer Sicht ist ein Zentralabitur, wie es zur Zeit geplant ist nicht nur unfair, sondern faktisch nicht möglich. Wir fordern ein dezentralisiertes Abitur, da die fortschreitende Ausnahmesituation uns Schüler*innen sehr stark belastet und wir aufgrund unseres fehlenden Unterrichts nicht ausreichend vorbereitet sind, um die Abiturprüfungen zu schreiben. Wir wünschen uns, dass die Missstände in der Schule besonders bezüglich der Abschlussklassen anerkannt werden.
Wir möchten Ihnen nun einmal schildern, welche Erfahrungen wir in der jetzigen
Situation machen, wie wir damit umgehen und welche Forderungen daraus
resultieren. Dabei gehen wir auf die unfaire Benotung und Bewertung ein, das
Lernen und Lehren im Unterricht der Corona-Zeit, die sich von Haushalt zu
Haushalt unterscheidende technische Ausstattung, die psychosoziale Situation, die bisherigen Missstände im Präsenzunterricht und unsere Forderungen.

1. unfaire Benotung und Bewertung
Auch jetzt in der Pandemie bestimmt die Leistungsbewertung, wie bei jedem
anderen Abiturjahrgang unsere Zukunft. Sie bestimmt, welche Möglichkeiten wir
haben werden uns bilden zu können, welches Studium wir wählen können. Diese
Leistungsbewertung findet normalerweise auf der Grundlage von Unterrichtsstunden
statt. Diese fallen seit März 2020 vermehrt aus. Stattdessen befinden wir uns immer wieder im „Distanzunterricht“. Bei uns ist es nun aber so, dass wir uns seit Monaten die Unterrichtsinhalte selbst beibringen und uns die Themen autodidaktisch erarbeiten müssen. Darüber hinaus sind Online-Unterrichtsstunden bei uns nicht die
Regel. Dies wird scheinbar auch nicht zentral geregelt, sondern ist den Schulen
selbst überlassen. Das Distanzlernen ist in keinster Weise mit dem Präsenzunterricht gleichzusetzen.
Es sollte nicht der Willkür der Lehrkräfte unterliegen, wann und wie
Unterrichtsstunden stattfinden. Wenn wir auf ein Zentralabitur hinarbeiten kann es
nicht sein, dass der Online-Unterricht dezentral so unregelmäßig und von Schule zu Schule unterschiedlich stattfindet, dass in manchen Fächern keine richtige Grundlage zum Lernen existiert. Auch die Bewertungsgrundlage unterscheidet sich
bei uns in jedem Fach: Das Feedback ist sehr lückenhaft und wir wissen nicht, wie unsere erarbeiteten Ergebnisse bewertet werden, da jede Lehrkraft dies anders handhabt.
So heißt es nur: "Die beteiligten Lehrkräfte gewährleisten die Organisation des
Distanzunterrichts und die regelmäßige, dem Präsenzunterricht gleichwertige
pädagogisch-didaktische Begleitung ihrer Schülerinnen und Schüler." (Zweite
Verordnung zur befristeten Änderung der Ausbildungs- und Prüfungsordnungen
gemäß § 52 SchulG, Paragraph 5). Dies ist auch für die Lehrkräfte eine Zumutung.
Distanzlernen kann pädagogisch-didaktisch nicht mit dem Präsenzunterricht
gleichgesetzt werden.
Wir haben unsere Stufe befragt, wie sie mit dem Distanzlernen umgehen und welche Sorgen sie haben. Dabei hat unser Mitschüler Felix folgendes geschildert:
"Also bei mir verhält es sich wie beim ersten Lockdown, ich kann mich nicht an das Homeschooling gewöhnen und meine Noten verschlechtern sich dadurch drastisch. Ich flüchte mich automatisch in andere Dinge. Ich fühle mich diesbezüglich irgendwie handlungsunfähig, denn wenn ich mich mit Schule auseinandersetze werde ich extrem nervös und unkonzentriert. Als wieder Präsenzunterricht stattfand, kam ich wieder besser zurecht, trotz Pandemie. Ich verstehe, dass diese Art von Unterricht die einzige momentan mögliche ist, aber ich kann nicht verstehen, wie man das mit normaler Schule gleichsetzen und ebenso bewerten kann. Ich denke, das ist ein unfairer Nachteil gegenüber den Jahrgängen zuvor."
Bei manchen Schüler*innen haben sich die Noten drastisch verschlechtert. Es wird
davon ausgegangen, dass die Aufgaben im Distanzlernen genauso gut zu
bewältigen sind, wie im Präsenzunterricht. Die Menge der zu bearbeitenden
Materialien ist sehr unterschiedlich und es gibt keine Vorgaben, wie viel gemacht werden muss u.o. kann. Dabei bleibt uns nicht ausreichend Zeit, um für das anstehende (Vor-)Abitur zu lernen.
Ebenfalls ist nicht zentral geregelt, wie die Lehrkräfte uns hier unterstützen sollen.
Daher mangelt es bei einigen an notwendiger Hilfestellung.
Wir brauchen also ein anderes Bewertungssystem.

2. Lernen und Lehren im Unterricht der Corona-Zeit
Aufgrund des Distanzunterrichts und dem damit verbundenen autodidaktischen
Lernen können Unterrichtsinhalte nicht in dem Umfang erarbeitet werden, wie es im
Präsenzunterricht erwartet wird. Dabei bleibt kaum Zeit um für die
(Vor-)Abiturprüfungen zu lernen. Uns fehlt das Vergleichen und Austauschen von
Lösungswegen. Das Lernen findet im Regelunterricht durch direkte Kommunikation, Dialoge und spontanes Beantworten von Fragen statt. Im Distanzlernen kommt es nur indirekt zu einem solchen Austausch. Nur auf Wunsch kann ein mündlicher Austausch stattfinden. Wenn es dann zu einer Videokonferenz kommt, werden dort meistens nur Fragen beantwortet. Das setzt voraus sich auf diese Konferenz vorzubereiten und die Inhalte bereits bearbeitet zu haben. So wird eine Videokonferenz nicht zu einem Element des Lernprozesses, sondern vergrößert zusätzlich das Aufgabenpensum. Zudem belastet uns die Tatsache, dass wir eben nicht genau wissen, ob wir die Inhalte richtig verstanden haben, da Videokonferenzen und Feedback nicht in jedem Fach angeboten werden. Es fällt uns schwer diese Ungewissheit zu bewältigen, da wir keine Zeit finden diese Probleme zu lösen. In vielen Unterrichtsfächern werden die Themen überflogen, da wir schon hinterher hängen, was die Folge hat, dass viele Schüler*innen nicht mehr mitkommen. So heißt es "Distanzunterricht ist dem Präsenzunterricht im Hinblick auf die Zahl der wöchentlichen Unterrichtsstunden der Schülerinnen und Schüler wie die Unterrichtsverpflichtung der Lehrkräfte gleichwertig." (Zweite Verordnung zur befristeten Änderung der Ausbildungs- und Prüfungsordnungen gemäß § 52 SchulG Paragraph 2, Absatz 3)
In der gleichen Stundenzahl an Distanzunterrichtsstunden können jedoch lange nicht so viele Inhalte vermittelt werden wie im Präsenzunterricht. Gleichwertig sind sie in Hinsicht auf die Inhalte also nicht. Trotzdem wird von uns gefordert, die Inhalte so zu können, wie es in einem regulären Abiturjahr gefordert ist.
Zusätzlich fehlt uns an dieser Stelle die Übung für das mündliche Abiturfach. Im
Unterricht wird eigentlich geübt, an der Tafel zu stehen und dort die Fragestellung
durch Erläutern zu beantworten. Dieser Aspekt der mangelnden Vorbereitung lässt
ebenfalls nicht zu, die Prüfungen wie vorgesehen zu absolvieren.
Die vorgesehenen zusätzlichen neun Tage intensiver Unterricht stehen in keinem Verhältnis zu dem Unterrichtsausfall und dem irregulären Unterricht.

3. Technische Ausstattung
Obwohl Ihnen das Problem bewusst ist, dass in vielen Haushalten die technische
Ausstattung nicht ausreicht, wird nicht genügend Rücksicht darauf genommen.
Die technische Ausstattung entscheidet über den Zugang zu Unterrichtsinhalten.
Voraussetzung ist eine stabile Internetverbindung, die Geld kostet. Zusätzlich
benötigt jede*r Schüler*in ein eigenes Endgerät. Dabei herrscht eine
Chancenungleichheit, auf der ein Zentralabitur nicht aufbauen kann. Finanziell
schwache Familien sind hier definitiv vernachlässigt. Es wird auch hier den Schulen überlassen, sich um die technische Ausstattung der Schüler*innen zu kümmern. Das handhabt jede Schule anders. Das kann keine Voraussetzung für ein Zentralabitur sein.
Unsere Mitschülerin Mia schildert: "Ich habe über Moodle eine Datei nicht öffnen können, dann wurde mir gesagt, dass ich es einfach nochmal versuchen soll. Als ich mein Problem konkretisiert habe und beschrieben habe, dass mein Handy so reagiert als hätte es keine Internetverbindung mehr und mir eine Fehlermeldung anzeigt, wurde mir gesagt ich solle doch einfach auf meinen Laptop ausweichen. Ich wohne aber mit neun anderen Leuten zusammen und wir haben nur einen Laptop. Ich finde es ehrlich gesagt nicht ok und fast schon unfair, dass davon ausgegangen wird, dass wir alle technisch super ausgestattet sind, obwohl das viele gar nicht sind. Bei mir im Haushalt ist es so, dass fast alle von uns gleichzeitig um 8 Uhr am Montag in eine Konferenz müssen oder zumindest mit dem Internet arbeiten müssen. Dem hält unser Wlan meistens gar nicht stand."
An dieser Stelle ist anzumerken, dass die Lernplattform Moodle und die KIKS-Chat
App oft nicht zuverlässig funktionieren und wir so zu Stoßzeiten oft nicht auf unsere
Lernmaterialien zugreifen können.

4. Psychosoziale Situation
Auch die psychosoziale Situation der Abiturienten*innen bekommt nicht die benötigte Aufmerksamkeit. Eine zentrale Ursache für psychische Belastung ist, dass durch das Distanzlernen Schüler*innen gezwungen sind viel Zeit zu Hause zu verbringen. Daraus resultiert, dass Ausweichmöglichkeiten und die Schule als Zufluchtsort wegfallen. Diese Situation verstärkt Konflikte innerhalb des Haushaltes u.o. der Familie enorm. Der weggebrochene Kontakt zu Mitschüler*innen und Lehrer*innen führt zu Unsicherheit und erzeugt Angst, Panik und Verzweiflung. Durch den langanhaltenden Lockdown und den andauernden Winter, wird die Anzahl der möglichen Zufluchtsorte massiv geschmälert. Dies verschärft die psychische Belastung und raubt die Kraft zur selbstständigen Bearbeitung der Aufgaben. Seit Beginn des Distanzlernens kämpfen wir mit der Erwartung uns selber Strukturen zu schaffen, wobei wir diese Erwartung teilweise nicht umsetzen können. Wir befinden uns in einer außergewöhnlich belastenden Situation für alle Betroffenen und der Mangel an Verständnis und Unterstützung ist bedauerlich und hindert uns am Lernerfolg.
Der unstrukturierte Alltag führt dazu, dass sich manche Schüler*innen gedanklich ununterbrochen in der Schule befinden. Das vorgegebene Konzept beinhaltet die Bearbeitung der Aufgaben nach Stundenplan. Jedoch werden die Abgaben dabei bis tief in die Nacht gelegt, wobei sich die Schüler*innen selbstverständlich nach den Abgabezeiten richten und über die normale Unterrichtszeit arbeiten, um die Aufgaben vollständig abzugeben.
Es darf nicht der Anschein erweckt werden, wir würden das Distanzlernen mit Ferien verwechseln. Im Gegenteil, wir sind überlastet, blockiert und gelähmt, wenn das Aufgabenpensum nicht zu bewältigen ist. Die individuellen Fähigkeiten der Psyche und der Aufgabenbewältigung werden nicht berücksichtigt. Zu diesen individuellen Voraussetzungen gehören unter anderem die Fähigkeit zur selbstständigen Motivation und Art der Aufgabenbewältigung. Auch hier fehlt eine zentrale Regelung, wie psychisch überlastete Jugendliche unterstützt werden sollen.
Die verschiedenen Voraussetzungen (Familienkonflikte, Zugang zu eigenem
digitalen Endgerät, Unterstützung der Eltern etc.) der Schüler*innen, die im geregelten Schulalltag oft ausgeglichen werden können, sind nun außer acht
gelassen, trotz der andauernden Situation, die gerade diese unterschiedlichen
Voraussetzungen extrem verstärkt.
Nicht zu vergessen ist natürlich auch die emotionale Ebene der Psyche, die durch
Todesfälle oder Erkrankungen an Covid-19 zusätzlich drastisch belastet wird. Es sterben immerhin Menschen, teilweise unmittelbar in unserem Umfeld.

5. Bisherige Missstände im Präsenzunterricht
Unsere reguläre Schulzeit der Qualifikationsphase würde normalerweise ca. 288 Schultage umfassen, doch durch den Lockdown im März und November hatten wir nur ca. 211 Schultage. Das bedeutet wir hatten insgesamt ca. 77 Tage lang keinen Präsenzunterricht (Stand Februar 2021). Um das in eine besser vorstellbare Perspektive zu bringen: Das gesamte erste Halbjahr aus 2019 (Q1) hatte nur um die 73 Schultage. Das bedeutet die Schüler*innen haben praktisch ein gesamtes Halbjahr im Distanzlernen verbracht.
Nicht berücksichtigt sind hier die individuellen Quarantänezeiten der Schüler*innen.
Bis jetzt wurde davon ausgegangen, dass für die Abiturient*innen des
Abiturjahrgangs 2021 vom 18. Mai 2020 bis zum 26. Juni 2020, sowie vom 11.
August 2020 bis zum 11. Dezember 2020 regulärer Präsenzunterricht stattgefunden
hat. Dies ist eine falsche Annahme.
Zum einen bestand der kurze Abschnitt vom 18. Mai bis zum 26. Juni aus
irregulärem Präsenzunterricht, wobei die Schüler*innen der Oberstufe einen
Stundenplan hatten, der aus maximal 3 Stunden täglich bestand und teilweise freie Wochentage beinhaltete.
Zum anderen wurden sehr viele unserer Mitschüler*innen von den Sommerferien
2020 bis zu den Winterferien 2020 immer wieder teilweise mehrmals in Quarantäne geschickt, wobei die Organisation katastrophal war und nicht zentral geregelt wurde. Es hat bei uns immer wieder Unklarheiten und Missverständnisse gegeben, wie mit Schüler*innen in der Quarantäne umgegangen werden soll. Ob nun die Lehrkraft oder der*die Sitznachbar*in sich darum kümmern muss, dass der*die betroffene Schüler*in über im Unterricht besprochenes informiert wird. Mehrere Schüler*innen unseres Jahrgangs wurden vor lauter Verwirrung in der Organisation, trotz mehrfach versuchter Kontaktaufnahme mit Lehrkräften, wochenlang vernachlässigt bis komplett vergessen.
Die Benotung war ebenfalls sehr problematisch, da die Schüler*innen im
Präsenzunterricht einen Vorteil durch die mündliche Mitarbeit hatten und generell viel mehr mitbekommen haben. Dadurch entstand ein großer Nachteil. Trotzdem wurde in Klausuren der Unterrichtsstoff ohne Rücksicht erwartet. Dies gilt auch für die kommenden (Vor-)Abiturklausuren.
Unsere Mitschülerin Paula schildert:
"Ich war die zwei Wochen vor der Klausurenphase aus dem zweiten Quartal in der
13 in angeordneter Quarantäne. Da habe ich vom Unterricht fast gar nichts
mitbekommen. Manche Lehrkräfte haben mir nicht mal eine E-mail geschrieben oder
so. Von meinen Mitschüler*innen habe ich auch kaum Infos bekommen. Obwohl ich
immer wieder nachgefragt habe! Als ich dann wieder in der Schule war, musste ich
direkt alle Klausuren mitschreiben. In Mathe habe ich dann einfach mal eine 5
geschrieben, obwohl ich da normalerweise 2 stehe."
Des Weiteren wurden die Hygiene Maßnahmen von verschiedenen Lehrkräften sehr
unterschiedlich durchgesetzt. Unser Schutz unterlag also der Willkür von den
einzelnen Lehrkräften. Dabei haben öfters jüngere Schüler*innen ihre Pausen ohne
Maske in den fensterlosen Sportumkleiden verbracht, obwohl die jeweilige Lehrkraft
eigentlich kontrollieren muss, ob alle Umkleiden verlassen wurden. Wenn man also
direkt nach der Pause Sportunterricht hatte, musste man die "verschmutze Luft"
einatmen.
Dabei betonen wir, dass die Situation für die Lehrkräfte ebenfalls eine Belastung darstellt und vieles vom Ministerium nicht eindeutig geklärt wird. Wir möchten herausstellen, dass unsere Forderungen sich direkt an das Ministerium und nicht an individuelle Lehrkräfte und deren Fehler richten.
Außerdem verbrachten viele jüngere Schüler*innen ihre Pausen auch in den
Vorräumen der Toiletten, da sie nicht in der November-Kälte draußen ihr Pausenbrot
verzehren wollten.
Dazu muss man sagen, dass die Kälte nicht nur unangenehm ist, sondern auch
körperlich anstrengend und man sich so in den Pausen nicht wirklich erholen kann.
Darüber hinaus herrschte eine Unsicherheit und Verwirrung darüber, dass während
des sehr hohen Inzidenz-Wertes und Schulschließung in anderen Stadtteilen,
trotzdem Sportunterricht ohne Maske und in teilweise kleinen Räumen ohne Fenster
stattgefunden hat. Das erweckte bei manchen das Gefühl, die Pandemie sei nicht
weiter gefährlich. Dabei haben sich auch viele gefragt, warum Sportunterricht regulär stattfindet, aber Klassenfahrten ausfallen.

6. Unsere Forderungen:

1. Wir fordern also ein dezentralisiertes Abitur, da der Distanzunterricht eine
unzureichende Grundlage für das Zentralabitur ist.

2. Wir fordern, dass die Abiturklausuren der Pandemie angepasst werden. Die
neun Tage und die Wahl aus vier statt drei Klausuren reicht nicht aus.

3. Wir fordern, dass die Möglichkeit eines Durchschnittsabiturs in die politische Debatte aufgenommen wird.

4. Wir fordern, dass ein Dialog mit uns Schüler*innen des Landes NRW
aufgenommen wird.

Wir fühlen uns im Stich gelassen und sind mit der Situation überfordert. Wir
Schüler*innen müssen nachvollziehen können warum welche Entscheidungen
getroffen werden. Alle diese Entscheidungen betreffen uns direkt. Es wird über unsere unmittelbare Zukunft entschieden, ohne uns Schüler*innen teilhaben zu lassen. Wenn über unsere Köpfe hinweg entschieden wird, nimmt uns das ein grundlegendes Gefühl von Sicherheit und Vertrauen.

Wir wollen Diskurs, Transparenz und Veränderung!

Mit freundlichen Grüßen,
Die Jahrgangsstufe 2021 der
Gesamtschule Rodenkirchen,

unterstützt durch die Abiturjahrgänge:
Max-Ernst-Gesamtschule,
Willy-Brandt-Gesamtschule,
Friedrich-Wilhelm-Gymnasium,
Kaiserin-Augusta-Schule,
Rhein-Gymnasium,
Johann-Gottfried-Herder Gymnasium,
Maximilian-Kolbe-Gymnasium,
Gesamtschule Holweide,
Erzbischöfliches St.-Ursula-Gymnasium Brühl,
Gymnasium Kreuzgasse und
Pina-Bausch-Gesamtschule Wuppertal-Vohwinkel

Diese Petition hat 512 Unterschriften erreicht

Das Problem

Seit März letzten Jahres waren wir, die Schüler*innen des Abiturjahrgangs 2021
immer wieder im Distanzunterricht. Aus unserer Sicht ist ein Zentralabitur, wie es zur Zeit geplant ist nicht nur unfair, sondern faktisch nicht möglich. Wir fordern ein dezentralisiertes Abitur, da die fortschreitende Ausnahmesituation uns Schüler*innen sehr stark belastet und wir aufgrund unseres fehlenden Unterrichts nicht ausreichend vorbereitet sind, um die Abiturprüfungen zu schreiben. Wir wünschen uns, dass die Missstände in der Schule besonders bezüglich der Abschlussklassen anerkannt werden.
Wir möchten Ihnen nun einmal schildern, welche Erfahrungen wir in der jetzigen
Situation machen, wie wir damit umgehen und welche Forderungen daraus
resultieren. Dabei gehen wir auf die unfaire Benotung und Bewertung ein, das
Lernen und Lehren im Unterricht der Corona-Zeit, die sich von Haushalt zu
Haushalt unterscheidende technische Ausstattung, die psychosoziale Situation, die bisherigen Missstände im Präsenzunterricht und unsere Forderungen.

1. unfaire Benotung und Bewertung
Auch jetzt in der Pandemie bestimmt die Leistungsbewertung, wie bei jedem
anderen Abiturjahrgang unsere Zukunft. Sie bestimmt, welche Möglichkeiten wir
haben werden uns bilden zu können, welches Studium wir wählen können. Diese
Leistungsbewertung findet normalerweise auf der Grundlage von Unterrichtsstunden
statt. Diese fallen seit März 2020 vermehrt aus. Stattdessen befinden wir uns immer wieder im „Distanzunterricht“. Bei uns ist es nun aber so, dass wir uns seit Monaten die Unterrichtsinhalte selbst beibringen und uns die Themen autodidaktisch erarbeiten müssen. Darüber hinaus sind Online-Unterrichtsstunden bei uns nicht die
Regel. Dies wird scheinbar auch nicht zentral geregelt, sondern ist den Schulen
selbst überlassen. Das Distanzlernen ist in keinster Weise mit dem Präsenzunterricht gleichzusetzen.
Es sollte nicht der Willkür der Lehrkräfte unterliegen, wann und wie
Unterrichtsstunden stattfinden. Wenn wir auf ein Zentralabitur hinarbeiten kann es
nicht sein, dass der Online-Unterricht dezentral so unregelmäßig und von Schule zu Schule unterschiedlich stattfindet, dass in manchen Fächern keine richtige Grundlage zum Lernen existiert. Auch die Bewertungsgrundlage unterscheidet sich
bei uns in jedem Fach: Das Feedback ist sehr lückenhaft und wir wissen nicht, wie unsere erarbeiteten Ergebnisse bewertet werden, da jede Lehrkraft dies anders handhabt.
So heißt es nur: "Die beteiligten Lehrkräfte gewährleisten die Organisation des
Distanzunterrichts und die regelmäßige, dem Präsenzunterricht gleichwertige
pädagogisch-didaktische Begleitung ihrer Schülerinnen und Schüler." (Zweite
Verordnung zur befristeten Änderung der Ausbildungs- und Prüfungsordnungen
gemäß § 52 SchulG, Paragraph 5). Dies ist auch für die Lehrkräfte eine Zumutung.
Distanzlernen kann pädagogisch-didaktisch nicht mit dem Präsenzunterricht
gleichgesetzt werden.
Wir haben unsere Stufe befragt, wie sie mit dem Distanzlernen umgehen und welche Sorgen sie haben. Dabei hat unser Mitschüler Felix folgendes geschildert:
"Also bei mir verhält es sich wie beim ersten Lockdown, ich kann mich nicht an das Homeschooling gewöhnen und meine Noten verschlechtern sich dadurch drastisch. Ich flüchte mich automatisch in andere Dinge. Ich fühle mich diesbezüglich irgendwie handlungsunfähig, denn wenn ich mich mit Schule auseinandersetze werde ich extrem nervös und unkonzentriert. Als wieder Präsenzunterricht stattfand, kam ich wieder besser zurecht, trotz Pandemie. Ich verstehe, dass diese Art von Unterricht die einzige momentan mögliche ist, aber ich kann nicht verstehen, wie man das mit normaler Schule gleichsetzen und ebenso bewerten kann. Ich denke, das ist ein unfairer Nachteil gegenüber den Jahrgängen zuvor."
Bei manchen Schüler*innen haben sich die Noten drastisch verschlechtert. Es wird
davon ausgegangen, dass die Aufgaben im Distanzlernen genauso gut zu
bewältigen sind, wie im Präsenzunterricht. Die Menge der zu bearbeitenden
Materialien ist sehr unterschiedlich und es gibt keine Vorgaben, wie viel gemacht werden muss u.o. kann. Dabei bleibt uns nicht ausreichend Zeit, um für das anstehende (Vor-)Abitur zu lernen.
Ebenfalls ist nicht zentral geregelt, wie die Lehrkräfte uns hier unterstützen sollen.
Daher mangelt es bei einigen an notwendiger Hilfestellung.
Wir brauchen also ein anderes Bewertungssystem.

2. Lernen und Lehren im Unterricht der Corona-Zeit
Aufgrund des Distanzunterrichts und dem damit verbundenen autodidaktischen
Lernen können Unterrichtsinhalte nicht in dem Umfang erarbeitet werden, wie es im
Präsenzunterricht erwartet wird. Dabei bleibt kaum Zeit um für die
(Vor-)Abiturprüfungen zu lernen. Uns fehlt das Vergleichen und Austauschen von
Lösungswegen. Das Lernen findet im Regelunterricht durch direkte Kommunikation, Dialoge und spontanes Beantworten von Fragen statt. Im Distanzlernen kommt es nur indirekt zu einem solchen Austausch. Nur auf Wunsch kann ein mündlicher Austausch stattfinden. Wenn es dann zu einer Videokonferenz kommt, werden dort meistens nur Fragen beantwortet. Das setzt voraus sich auf diese Konferenz vorzubereiten und die Inhalte bereits bearbeitet zu haben. So wird eine Videokonferenz nicht zu einem Element des Lernprozesses, sondern vergrößert zusätzlich das Aufgabenpensum. Zudem belastet uns die Tatsache, dass wir eben nicht genau wissen, ob wir die Inhalte richtig verstanden haben, da Videokonferenzen und Feedback nicht in jedem Fach angeboten werden. Es fällt uns schwer diese Ungewissheit zu bewältigen, da wir keine Zeit finden diese Probleme zu lösen. In vielen Unterrichtsfächern werden die Themen überflogen, da wir schon hinterher hängen, was die Folge hat, dass viele Schüler*innen nicht mehr mitkommen. So heißt es "Distanzunterricht ist dem Präsenzunterricht im Hinblick auf die Zahl der wöchentlichen Unterrichtsstunden der Schülerinnen und Schüler wie die Unterrichtsverpflichtung der Lehrkräfte gleichwertig." (Zweite Verordnung zur befristeten Änderung der Ausbildungs- und Prüfungsordnungen gemäß § 52 SchulG Paragraph 2, Absatz 3)
In der gleichen Stundenzahl an Distanzunterrichtsstunden können jedoch lange nicht so viele Inhalte vermittelt werden wie im Präsenzunterricht. Gleichwertig sind sie in Hinsicht auf die Inhalte also nicht. Trotzdem wird von uns gefordert, die Inhalte so zu können, wie es in einem regulären Abiturjahr gefordert ist.
Zusätzlich fehlt uns an dieser Stelle die Übung für das mündliche Abiturfach. Im
Unterricht wird eigentlich geübt, an der Tafel zu stehen und dort die Fragestellung
durch Erläutern zu beantworten. Dieser Aspekt der mangelnden Vorbereitung lässt
ebenfalls nicht zu, die Prüfungen wie vorgesehen zu absolvieren.
Die vorgesehenen zusätzlichen neun Tage intensiver Unterricht stehen in keinem Verhältnis zu dem Unterrichtsausfall und dem irregulären Unterricht.

3. Technische Ausstattung
Obwohl Ihnen das Problem bewusst ist, dass in vielen Haushalten die technische
Ausstattung nicht ausreicht, wird nicht genügend Rücksicht darauf genommen.
Die technische Ausstattung entscheidet über den Zugang zu Unterrichtsinhalten.
Voraussetzung ist eine stabile Internetverbindung, die Geld kostet. Zusätzlich
benötigt jede*r Schüler*in ein eigenes Endgerät. Dabei herrscht eine
Chancenungleichheit, auf der ein Zentralabitur nicht aufbauen kann. Finanziell
schwache Familien sind hier definitiv vernachlässigt. Es wird auch hier den Schulen überlassen, sich um die technische Ausstattung der Schüler*innen zu kümmern. Das handhabt jede Schule anders. Das kann keine Voraussetzung für ein Zentralabitur sein.
Unsere Mitschülerin Mia schildert: "Ich habe über Moodle eine Datei nicht öffnen können, dann wurde mir gesagt, dass ich es einfach nochmal versuchen soll. Als ich mein Problem konkretisiert habe und beschrieben habe, dass mein Handy so reagiert als hätte es keine Internetverbindung mehr und mir eine Fehlermeldung anzeigt, wurde mir gesagt ich solle doch einfach auf meinen Laptop ausweichen. Ich wohne aber mit neun anderen Leuten zusammen und wir haben nur einen Laptop. Ich finde es ehrlich gesagt nicht ok und fast schon unfair, dass davon ausgegangen wird, dass wir alle technisch super ausgestattet sind, obwohl das viele gar nicht sind. Bei mir im Haushalt ist es so, dass fast alle von uns gleichzeitig um 8 Uhr am Montag in eine Konferenz müssen oder zumindest mit dem Internet arbeiten müssen. Dem hält unser Wlan meistens gar nicht stand."
An dieser Stelle ist anzumerken, dass die Lernplattform Moodle und die KIKS-Chat
App oft nicht zuverlässig funktionieren und wir so zu Stoßzeiten oft nicht auf unsere
Lernmaterialien zugreifen können.

4. Psychosoziale Situation
Auch die psychosoziale Situation der Abiturienten*innen bekommt nicht die benötigte Aufmerksamkeit. Eine zentrale Ursache für psychische Belastung ist, dass durch das Distanzlernen Schüler*innen gezwungen sind viel Zeit zu Hause zu verbringen. Daraus resultiert, dass Ausweichmöglichkeiten und die Schule als Zufluchtsort wegfallen. Diese Situation verstärkt Konflikte innerhalb des Haushaltes u.o. der Familie enorm. Der weggebrochene Kontakt zu Mitschüler*innen und Lehrer*innen führt zu Unsicherheit und erzeugt Angst, Panik und Verzweiflung. Durch den langanhaltenden Lockdown und den andauernden Winter, wird die Anzahl der möglichen Zufluchtsorte massiv geschmälert. Dies verschärft die psychische Belastung und raubt die Kraft zur selbstständigen Bearbeitung der Aufgaben. Seit Beginn des Distanzlernens kämpfen wir mit der Erwartung uns selber Strukturen zu schaffen, wobei wir diese Erwartung teilweise nicht umsetzen können. Wir befinden uns in einer außergewöhnlich belastenden Situation für alle Betroffenen und der Mangel an Verständnis und Unterstützung ist bedauerlich und hindert uns am Lernerfolg.
Der unstrukturierte Alltag führt dazu, dass sich manche Schüler*innen gedanklich ununterbrochen in der Schule befinden. Das vorgegebene Konzept beinhaltet die Bearbeitung der Aufgaben nach Stundenplan. Jedoch werden die Abgaben dabei bis tief in die Nacht gelegt, wobei sich die Schüler*innen selbstverständlich nach den Abgabezeiten richten und über die normale Unterrichtszeit arbeiten, um die Aufgaben vollständig abzugeben.
Es darf nicht der Anschein erweckt werden, wir würden das Distanzlernen mit Ferien verwechseln. Im Gegenteil, wir sind überlastet, blockiert und gelähmt, wenn das Aufgabenpensum nicht zu bewältigen ist. Die individuellen Fähigkeiten der Psyche und der Aufgabenbewältigung werden nicht berücksichtigt. Zu diesen individuellen Voraussetzungen gehören unter anderem die Fähigkeit zur selbstständigen Motivation und Art der Aufgabenbewältigung. Auch hier fehlt eine zentrale Regelung, wie psychisch überlastete Jugendliche unterstützt werden sollen.
Die verschiedenen Voraussetzungen (Familienkonflikte, Zugang zu eigenem
digitalen Endgerät, Unterstützung der Eltern etc.) der Schüler*innen, die im geregelten Schulalltag oft ausgeglichen werden können, sind nun außer acht
gelassen, trotz der andauernden Situation, die gerade diese unterschiedlichen
Voraussetzungen extrem verstärkt.
Nicht zu vergessen ist natürlich auch die emotionale Ebene der Psyche, die durch
Todesfälle oder Erkrankungen an Covid-19 zusätzlich drastisch belastet wird. Es sterben immerhin Menschen, teilweise unmittelbar in unserem Umfeld.

5. Bisherige Missstände im Präsenzunterricht
Unsere reguläre Schulzeit der Qualifikationsphase würde normalerweise ca. 288 Schultage umfassen, doch durch den Lockdown im März und November hatten wir nur ca. 211 Schultage. Das bedeutet wir hatten insgesamt ca. 77 Tage lang keinen Präsenzunterricht (Stand Februar 2021). Um das in eine besser vorstellbare Perspektive zu bringen: Das gesamte erste Halbjahr aus 2019 (Q1) hatte nur um die 73 Schultage. Das bedeutet die Schüler*innen haben praktisch ein gesamtes Halbjahr im Distanzlernen verbracht.
Nicht berücksichtigt sind hier die individuellen Quarantänezeiten der Schüler*innen.
Bis jetzt wurde davon ausgegangen, dass für die Abiturient*innen des
Abiturjahrgangs 2021 vom 18. Mai 2020 bis zum 26. Juni 2020, sowie vom 11.
August 2020 bis zum 11. Dezember 2020 regulärer Präsenzunterricht stattgefunden
hat. Dies ist eine falsche Annahme.
Zum einen bestand der kurze Abschnitt vom 18. Mai bis zum 26. Juni aus
irregulärem Präsenzunterricht, wobei die Schüler*innen der Oberstufe einen
Stundenplan hatten, der aus maximal 3 Stunden täglich bestand und teilweise freie Wochentage beinhaltete.
Zum anderen wurden sehr viele unserer Mitschüler*innen von den Sommerferien
2020 bis zu den Winterferien 2020 immer wieder teilweise mehrmals in Quarantäne geschickt, wobei die Organisation katastrophal war und nicht zentral geregelt wurde. Es hat bei uns immer wieder Unklarheiten und Missverständnisse gegeben, wie mit Schüler*innen in der Quarantäne umgegangen werden soll. Ob nun die Lehrkraft oder der*die Sitznachbar*in sich darum kümmern muss, dass der*die betroffene Schüler*in über im Unterricht besprochenes informiert wird. Mehrere Schüler*innen unseres Jahrgangs wurden vor lauter Verwirrung in der Organisation, trotz mehrfach versuchter Kontaktaufnahme mit Lehrkräften, wochenlang vernachlässigt bis komplett vergessen.
Die Benotung war ebenfalls sehr problematisch, da die Schüler*innen im
Präsenzunterricht einen Vorteil durch die mündliche Mitarbeit hatten und generell viel mehr mitbekommen haben. Dadurch entstand ein großer Nachteil. Trotzdem wurde in Klausuren der Unterrichtsstoff ohne Rücksicht erwartet. Dies gilt auch für die kommenden (Vor-)Abiturklausuren.
Unsere Mitschülerin Paula schildert:
"Ich war die zwei Wochen vor der Klausurenphase aus dem zweiten Quartal in der
13 in angeordneter Quarantäne. Da habe ich vom Unterricht fast gar nichts
mitbekommen. Manche Lehrkräfte haben mir nicht mal eine E-mail geschrieben oder
so. Von meinen Mitschüler*innen habe ich auch kaum Infos bekommen. Obwohl ich
immer wieder nachgefragt habe! Als ich dann wieder in der Schule war, musste ich
direkt alle Klausuren mitschreiben. In Mathe habe ich dann einfach mal eine 5
geschrieben, obwohl ich da normalerweise 2 stehe."
Des Weiteren wurden die Hygiene Maßnahmen von verschiedenen Lehrkräften sehr
unterschiedlich durchgesetzt. Unser Schutz unterlag also der Willkür von den
einzelnen Lehrkräften. Dabei haben öfters jüngere Schüler*innen ihre Pausen ohne
Maske in den fensterlosen Sportumkleiden verbracht, obwohl die jeweilige Lehrkraft
eigentlich kontrollieren muss, ob alle Umkleiden verlassen wurden. Wenn man also
direkt nach der Pause Sportunterricht hatte, musste man die "verschmutze Luft"
einatmen.
Dabei betonen wir, dass die Situation für die Lehrkräfte ebenfalls eine Belastung darstellt und vieles vom Ministerium nicht eindeutig geklärt wird. Wir möchten herausstellen, dass unsere Forderungen sich direkt an das Ministerium und nicht an individuelle Lehrkräfte und deren Fehler richten.
Außerdem verbrachten viele jüngere Schüler*innen ihre Pausen auch in den
Vorräumen der Toiletten, da sie nicht in der November-Kälte draußen ihr Pausenbrot
verzehren wollten.
Dazu muss man sagen, dass die Kälte nicht nur unangenehm ist, sondern auch
körperlich anstrengend und man sich so in den Pausen nicht wirklich erholen kann.
Darüber hinaus herrschte eine Unsicherheit und Verwirrung darüber, dass während
des sehr hohen Inzidenz-Wertes und Schulschließung in anderen Stadtteilen,
trotzdem Sportunterricht ohne Maske und in teilweise kleinen Räumen ohne Fenster
stattgefunden hat. Das erweckte bei manchen das Gefühl, die Pandemie sei nicht
weiter gefährlich. Dabei haben sich auch viele gefragt, warum Sportunterricht regulär stattfindet, aber Klassenfahrten ausfallen.

6. Unsere Forderungen:

1. Wir fordern also ein dezentralisiertes Abitur, da der Distanzunterricht eine
unzureichende Grundlage für das Zentralabitur ist.

2. Wir fordern, dass die Abiturklausuren der Pandemie angepasst werden. Die
neun Tage und die Wahl aus vier statt drei Klausuren reicht nicht aus.

3. Wir fordern, dass die Möglichkeit eines Durchschnittsabiturs in die politische Debatte aufgenommen wird.

4. Wir fordern, dass ein Dialog mit uns Schüler*innen des Landes NRW
aufgenommen wird.

Wir fühlen uns im Stich gelassen und sind mit der Situation überfordert. Wir
Schüler*innen müssen nachvollziehen können warum welche Entscheidungen
getroffen werden. Alle diese Entscheidungen betreffen uns direkt. Es wird über unsere unmittelbare Zukunft entschieden, ohne uns Schüler*innen teilhaben zu lassen. Wenn über unsere Köpfe hinweg entschieden wird, nimmt uns das ein grundlegendes Gefühl von Sicherheit und Vertrauen.

Wir wollen Diskurs, Transparenz und Veränderung!

Mit freundlichen Grüßen,
Die Jahrgangsstufe 2021 der
Gesamtschule Rodenkirchen,

unterstützt durch die Abiturjahrgänge:
Max-Ernst-Gesamtschule,
Willy-Brandt-Gesamtschule,
Friedrich-Wilhelm-Gymnasium,
Kaiserin-Augusta-Schule,
Rhein-Gymnasium,
Johann-Gottfried-Herder Gymnasium,
Maximilian-Kolbe-Gymnasium,
Gesamtschule Holweide,
Erzbischöfliches St.-Ursula-Gymnasium Brühl,
Gymnasium Kreuzgasse und
Pina-Bausch-Gesamtschule Wuppertal-Vohwinkel

Die Entscheidungsträger*innen

Armin Laschet
Kanzlerkandidat CDU zur Bundestagswahl 2021
Yvonne Gebauer
Ministerin für Schule und Bildung, Nordrhein-Westfalen
Franziska Müller-Rech
Abgeordnete des Landtags NRW und schulpolitische Sprecherin (FDP)
Sigrid Beer
Abgeordnete des Landtags NRW und bildungspolitische Sprecherin (Bündnis 90/Die Grünen)
Thomas Kutschaty
MdL und Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion NRW

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Petition am 27. Februar 2021 erstellt