Adelheid GruberKorb, Germany
Sep 4, 2020

Jetzt ist geschehen, was viele befürchtet und davor gewarnt haben: Die Corona-Pandemie hat das Camp Moria erreicht – Tausende sind in akuter Gefahr! Unser Kontaktmann von der Selbsthilfegruppe "OXI - Lesvos resists Corona" aus Inselbewohnern von Lesbos und Flüchtlingen des Camps Moria gibt in einem kurzen Telefonbericht Einblick in die Situation vor Ort:

„Alles ist in Aufregung. Wir haben selber Angst vor dem Virus, aber alle - die Regierung die Polizei und auch EU Vertreter - fuhren mit ihren Autos kurz vor das Camp,  stiegen aus und verteilten Befehle, und alle erzählen dasselbe: dass keiner das Lager verlassen darf und kein Neuer reindarf. Die Ausgangssperre wurde verschärft. Es war ein 40-Jähriger aus Somalia, der sich infiziert hat. Er war im Lager - ich weiß nicht wie lange - aber er hatte Asylrecht erhalten und konnte so das Lager verlassen und lebte auf den Straßen in Athen. Am 28.08. ist er wieder ins Camp zurückgekommen und lebte im eigenen Zelt allein auf dem Olivenhain. Er bewegte sich natürlich frei, er stand wie alle Tausende Flüchtlinge bei der Essensausgabe usw. - also ist es fast unmöglich, seinen Weg zu verfolgen. Er bekam Fieber und Atmungsprobleme und wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er positiv getestet wurde. Es ist nicht klar, wo er sich angesteckt hat. Es sind wie gesagt Ärzte und Experten aus Athen da und wollen alles untersuchen. Das wichtigste aber - nämlich alle Flüchtlinge auf dem Lager zu testen - haben sie nicht angeordnet! Es sind schreckliche Schicksale, was diese Menschen durchmachen. Sie schaffen es, aus Somalia nach Lesbos zu fliehen, bekommen hier Asyl und werden dann auf die Straße geworfen ohne jegliche Unterstützung. Solange sie im Camp sind bekommt jeder noch was zu essen. Draußen in den Straßen von Athen und Thessaloniki ist man hilflos allein gelassen. Es gibt keine Arbeit, keine Wohnung, keine Unterstützung vom Staat und man ist nur auf die solidarische Unterstützung der Bevölkerung angewiesen. 

Unsere Arbeit hat sich erschwert. Ich kann auch meine Helfer nur reinlassen wenn alles clean ist. Die selbstorganisierten Gruppen … leisten hervorragende Arbeit. Es zeigt sich, wie wichtig Selbstorganisationen sind. Dank eurer Nähmaschinen und eurer Stoffe werden rund um die Uhr Masken genäht. Danke nochmals an die Frauenorganisation Courage für ihre Spenden.

Unsere Hauptarbeit ist zur Zeit Aufklärung mit allem was uns zur Verfügung steht.“

Dringender denn je ist heute unsere Forderung: Evakuieren – alle und sofort!

Bitte helft mit, die Petition zu verbreiten - wir brauchen noch viel mehr Unterstützer!

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