Adelheid GruberKorb, Germany
Apr 10, 2020

Liebe Unterstützer*innen,

das gestrige update hat einige Reaktionen ausgelöst – unter anderem diesen Brief als direkte Antwort auf den Beitrag:

Lieber Thomas, ich habe deinen Beitrag unter change.org unter der Petition „Corona, Flüchtlinge aus Hotspotts retten- Abschiebungen stoppen – Sofort“ gefunden, vielen Dank, dafür. Du bist ja direkt vor Ort und unterstützt dort die Flüchtlingsarbeit, super. Mein Name ist Gabi Beisenkamp, ich bin Mitglied in Solidarität International (SI) und ich unterstützte den Solidaritätspakt der zwischen SI und OXI Lesbos geschlossen wurde. So werden wir in der einen oder anderen Weise miteinander zu tun haben.

Du wirfst hier wichtige und berechtige Fragen auf. Warum macht die EU so einen medialen Aufstand, um für die ganze EU gerade mal 1600 Kinder aufzunehmen? Und bis heute ist noch kein einziges Kind ausgeflogen. Du hast recht, es darf nicht einseitig um „unbegleitete“ Kinder gehen, zumal die sicherlich längst von anderen Familien integriert wurden. Anscheinend sind Kinder medienwirksamer, oder billiger als die Betreuung der Ältern und Kranken.

Ich kann mir richtig vorstellen, wie unmenschlich und schwierig es für Helfer und die Flüchtlinge wäre, wenn jetzt einzelne bestimmt werden sollen, die ausgeflogen werden. Die Forderung nach sofortiger und vollständiger Evakuierung ist gerade durch die Coronapandemie noch dringlicher geworden. Bei der reichen EU ist das auch möglich!!!! Sie machen Milliarden für die „Rettung der Wirtschaft“ locker, aber wollen 42.000 Menschen dieser lebensbedrohlichen Gefahr aussetzen.

Wie kann so eine, wenn auch zu Beginn vereinzelte Evakuierung vorbereitet und gut durchdacht ablaufen -die Frage wirfst du berechtigt auf. Welche Ideen hast du dazu? Meiner Meinung nach sollte das gemeinsam mit den Flüchtlingen beraten und überlegt werden, für wen die Evakuierung am dringendsten ist und nicht über ihre Köpfe hinweg. Hältst du das für möglich? Klar, das bleibt natürlich ungemein schwierig, solange sie nicht die Perspektive haben, dass allen geholfen wird.  Das hatte ich mir vorher gar nicht so überlegt, dass das möglicherweise zu krassen Konflikten führen könnte. Auch das ist mit ein Grund, warum wir für die vollständige Evakuierung gemeinsam mit den Flüchtlingen kämpfen müssen. Wenn ich dich recht verstehe hältst du das für unmöglich? Warum eigentlich?

Es ist längst eine breite Bewegung entstanden für die Forderung nach der sofortigen und vollständigen Evakuierung von Moria und den anderen Lagern. So hat Seebrücke bundesweit Aktionen zu Evakuierung der Lager am Sonntag dem 5.4. durchführen, (wenn auch polizeilich verboten und zum Teil aufgelöst) Amnesty international fordert die Evakuierung sofort, mit einer online Unterschriften Liste an die Bundeskanzlerin. Ärzte ohne Grenzen steht hinter dieser Forderung. Selbst unter den Grünen wird dies gefordert, so z.B. vom Grünen Europaabgeordneten Erik Marquardt, um nur einige Initiativen zu nennen. Die Stadt Berlin hat sich bereit erklärt 1500 Leute aufzunehmen und damit steht sie nicht alleine. Da geht es nicht nur um Kinder, sondern um alle! Und genau das ist und muss unsere Forderung sein.

Dass Herr Seehofer, Frau Merkel oder Frau von der Leyen nicht einfach ja schreien, das wollten wir doch schon immer machen, ist auch klar. Hier muss schnell und umfassend politischer Druck gemacht werden und genau daran arbeiten wir. Man weiß nie, ob man Erfolg haben wird - aber auf jeden Fall wird diese Bewegung in ihren unterschiedlichsten Facetten uns näher zusammenbringen und uns stärkere Kraft geben. Das ist auch dringend nötig. Denn auch wenn wir mit der Evakuierung Erfolg haben – es stehen noch viele Kämpfe vor uns. Die Flüchtlingsbewegung wird früher oder später wieder massiv anschwellen.

Deshalb freue ich mich, wenn wir zusammenarbeiten und gleichzeitig über Differenzen weiter diskutieren.

Herzliche Grüße

Gabriele Beisenkamp

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