Petition updateFlexibilisierung des Bundesbaurechts, um private Pferdehaltung im Außenbereich und Heugewinnung in die Landschaftspflege zu integrieren.Kuhfutter? Bitte nicht.

Helge BernotatHannover, Germany

Jan 27, 2017
Im Gegensatz zu Wiederkäuern, deren Verdauungssystem auf den Zelluloseaufschluß (Pansen, Netz-, Blätter- und Labmagen) optimal angepaßt ist, haben Pferde eine reduzierte Verwertungskapazität (siehe Zellwandproteine). Der Gesamtbedarf an Nährstoffen, Mineralien und Spurenelementen wird über Selektion bei Aufnahme der Pflanzen und deren Vielfalt sichergestellt nicht aus der maximalen Ausbeute. Hierzu legte das Wildpferd weite Wanderungen zurück und nahm dabei permanent Futter auf. Die Magengröße ist daraus im Gegensatz zu den folgenden Därmen sehr klein, Magensäure wird ohne Unterbrechung produziert, die Peristaltik der langen Darmpassagen durch hohe Rauhfasergehalte unterstützt. Als ursprünglicher Steppenbewohner ist das Pferd an Nahrung angepaßt, deren Energie- und Inhaltsdichte (Futterwert) gering sind und einer jahreszeitlich bedingten unterschiedlichen Verfügbarkeit unterliegen: Hohe Versorgung während der Vegetationsperioden und karge Zeit in den Wintermonaten. Der sich daraus ergebende Rhythmus ist Bildung von Reserven in Form von Fettpolstern und deren Abbau.
Übertragung:
Die Fresszeit Heu liegt bei ca. 40 min/kg im Vgl. zu Müsli o. Kraftfutter mit 10min. Die permanente Magensäureproduktion würde bei Fresspausen über 6 Stunden die Magenschleimhaut angreifen. Daraus folgt, dass Heu idealerweise ad libitum zur Verfügung stehen sollte, bei notwendiger Reduzierung wegen zu hoher Grundgehalte (Energie, Eiweiß etc. - Laborauswertung LUFA, AG FuKo) müssen angemessene Rationen* über den Tag verteilt angeboten werden. Hierbei ist auf entsprechenden Rauhfaseranteil zu achten, wodurch Pferdeheu i.d.R. aus dem ersten Schnitt gewonnen wird, der Mitte bis Ende der Blüte der Hauptbestandsbildner erfolgen sollte.
*Bei 1,5-2kg Tagesration Heu/dzLM wären das 7,5-10kg Heu für ein
Pferd mit 500kg. Fresszeit daraus 5-6,5h - wird eng!
Bei ganzjähriger energetischen Überversorgung, die Fettabbau im Winter verhindert, droht u.a. Adipositas mit uU folgender Insulinresistenz und Hufrehe.
Bei Verwendung von überwiegend Leistungs-(Hoch)zuckergräsern, die darauf ausgelegt sind, die Aufnahmemenge zu steigern und hohe Milchleistung bzw. schnelle Gewichtszunahme zu bewirken
(z.B. Deutsches Weidelgras: hohe Erträge, Eiweiß- und Energiebildung)
ist darüberhinaus von weiteren Faktoren auszugehen, die sich auf Pferde (geschätzt sind 50% des Pferdebestands in Deutschland übergewichtig!) negativ auswirken können:
-Proteinüberversorgung
-Kohlenhydratüberversorgung
-artenarme Grundfutterzusammensetzung
-Belastung mit endophytischen Pilzsymbionten nach Infektion
und zusätzlich einen artenarmen Grünlandbestand forcieren, der möglicher Biodiversität entgegensteht.
Im Einzelnen:
-Proteinüberversorgung:
Proteine enthalten eine Stickstoffgruppe, welche im Körper (Pferd) nur anteilig zur Verwendung kommt. Der Rest muß aus dem Körper durch Umwandlung in Harnsäu-re und schließlich in der Leber in Harnstoff, über die Nieren ausgeschieden werden.
Zu viel Eiweiß belastet folglich, denn dessen Abbau geht auf die Manganreserven und zwingt Leber und Nieren (erhöhter Ca- und P-Verlust) auf Hochtouren zu laufen. Bei zu hohen Anflutungen werden diese nicht mehr im Dünndarm resorbiert und über Leber und Nieren "entfernt", sondern in den Dickdarm weitergeleitet und dort mikrobiell umgesetzt zu Ammoniak*, Schwefelwasserstoff, Merkaptane (leicht flüchtige organische Verbindungen), sowie gefährliche biogene Amine wie Histamin, Cadaverin etc., die über die Leber abgebaut werden müssen. Histamine können allergische, katarrhartige Reaktionen hervorrufen wie Durchfall, Blähungen, Koliken, bis hin zu Herzkreislauferkrankungen. (nach Dr. S. Weyrauch-Wiegand).
* Beachte: Belastung des Stallklimas
-Kohlenhydratüberversorgung:
primär sind hier die sog. Fruct(os)ane als Hauptspeicherform der Assimilate der Photosynthese in Futtergräsern von Bedeutung: Diese werden nicht durch körper-eigene Enzyme verdaut, sie unterliegen einer raschen mikrobiellen Fermentation. Gelangen zu hohe Mengen unverdaut in den Dickdarm, kann es zu einer Schädigung der Darmbakterien kommen, deren Absterben Endotoxine bildet, welche letztendlich Hufrehe auslösen können. Der klinisch ermittelte Wert hierzu liegt bei 7,5gr/kgLM. Den man allerdings per Schlundsonde verabreichen mußte, da er sonst nicht ins Pferd zu bringen war. Daraus ist davon auszugehen, dass Fructane hoch bedeutsam für die Entstehung von Hufrehe sind, aber wohl ein weiterer Faktor der Dickdarmbelastung hinzukommen muß.
Die energetische Bedeutung von dünndarmverdaulichen Kohlenhydraten kenne wir ja von uns.
-Grundfutterzusammensetzung:
Gräser, Korbblütler, Doldenblütler, Baumteile, Früchte, Beeren etc. entsprechen unserem Brot, dem Fleisch, dem Salat und dem Gewürz. Vollwertige und gesunde Ernährung beinhaltet alles in einer vernünftigen Gewichtung. Daraus folgt, dass Heu, welches nur aus Gräsern besteht, das Gleiche wäre, als würden wir uns nur mit Brot ernähren wollen. Die anderen Bestandteile einer ausgewogenen Ernährung durch Supplemente ersetzen zu wollen, stellt die Frage nach deren Bioverfügbarkeit und birgt das Risiko, dass jedes Mineralfutter, ohne einen Verzicht predigen zu wollen, an einem Durchschnittswert im Heu orientiert ist, der erheblich schwanken kann (Jod in Küstenregionen!). Selen oder fettlösliche Vitamine überzusupplementieren ist unbedingt zu vermeiden.
-Endophyten:
Das Endophyte Service Laboratory in Corvallis, USA listet die drei gefährlichsten Weidegiftpflanzen in der Studie* auf: Jakobskreuzkraut und nach Infektion mit endophytischen Pilzsymbionten und deren Produktion von Lolitrem B bzw. Ergovalin auch Rohrschwingel und Deutsches Weidelgras nebst Verbastardierungen.
"Fate and metabolism of plant toxins in livestock"- J. M. Duringer, PhD OSU 2007
-Biodiversität:
Die Saatgutmischungen für Pferde aus Ackergräsern bestehen zu überwiegendem Anteil aus Deutschem Weidelgras (früh, mittel, spät), Wiesen- und Rotschwingel. Ergänzt werden diese durch Wiesenlieschgras, -rispe, Weissklee und uU Knaulgras auf sehr trockenen Standorten.
Alternativ können ca. 22 Gräser und mehr als 40 Kräuter ( inkl. Wiesenblumen) zur Anwendung kommen. Es ist offensichtlich, dass hier nur in der zweiten Bewirtschaftungsform Lebensraum für Insekten etc. geschaffen wird. Daraus:
Biodiversifizierung der Pferdegrünländer ist Naturschutz pur!
und eigentlich Grundvoraussetzung für eine gesunde uns ausgewogene Ernährung unserer Pferde.
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