Petition updateNOVELLIERUNG des BUNDESJAGDGESETZES: ENDET das TIERWOHL jetzt auch im WALD? Waldgipfel, Holzexporte, Brief eines langj. Berufsjägers – beschämender Umgang mit Wald und Wild
Dr. Jörg StürmerGermany
Jun 11, 2021

Ein Wald, der nicht mehr „funktioniert“, ist ein Indiz für jahrelange Zerstörung seines natürlichen Systems. 

Um die teilweise massiven Fehler im Waldbau nicht eingestehen zu müssen, wird die notwendige Korrektur als „klimafitter Zukunftswald“ bezeichnet. Die Schadflächen

sind unter anderem die Folge falscher Baumartenwahl und dem auf maximalen Holzertrag ausgerichteten rücksichtslosen forstwirtschaftlichen Handeln. Dürre, Stürme und weitere Einflüsse treffen auf einen malträtierten Forst, der als Holzacker diente und keine Widerstandsfähigkeit mehr besitzt. In ausgedörrten, verdichteten Böden können Pflanzung und Saat nicht richtig anwachsen, unerheblich ob es dabei wilde Pflanzenfresser gibt oder nicht. 

Staatsforsten werden aus Steuergeldern finanziert. Ein großer Anteil des Holzes aus Deutschland geht in den Export. Im letzten Jahr wurden von 25 Millionen Kubikmetern Nadelschnittholz 10 Mio. Kubikmeter exportiert. Hierzulande herrscht Mangel an Bauholz, während etwa Russland beschlossen hat, ab 2022 kein Rundholz mehr in andere Länder zu exportieren. Wo kaufen China und USA ihr Holz? In Deutschland, das vordergründig aktuell die Wälder als Kohlenstoff-Senke bewirbt. Es stellt sich die Frage, warum das gesägte Holz überwiegend ins Ausland verkauft wird und damit für Zimmereibetriebe und Schreinereien eine künstliche Rohstoffverknappung herbeigeführt wird: die im Inland verbleibende Restmenge wird damit natürlich erheblich teurer und bringt Zimmereibetriebe und Schreinereien in kalkulatorische Probleme und an den Rand oder jenseits der Konkurrenzfähigkeit. 

Die Beteuerungen für Waldumbau im Namen des Klimaschutzes werden gerne herangezogen, wenn es um die Jagdrechtsnovelle geht, und die darin geplante Waldverjüngung ohne Schutzmaßnahmen. Bisher waren Abschusspläne (sie sind ein wichtiges Mittel zur Kontrolle von Sozialstrukturen, Geschlechts - und Altersklassen in gesunden Wildbeständen) verbindlich zur Planung der Jagd, nun sollen Rehwild-Abschüsse erfolgen anhand von Vegetationsgutachten des Waldes. Die pauschalen Forderungen nach Mindestabschüssen und Schonzeitverkürzungen zugunsten einer bequemeren Holzproduktion sind völlig inakzeptabel. Auch Muttertierschutz gilt als störend beim Waldumbau. „Wird Wild über einen Zeitraum von 10 Monaten bejagt, bedeutet das Leiden für die Tiere. Wildbiologen reden heute von einer „Landschaft der Angst“, in der das bejagte Wild leben muss. Die nochmalige Verlängerung von Jagdzeiten ist wildbiologisch völlig unsinnig, da höhere Wildschäden provoziert werden, und zudem ist sie tierschutzwidrig.“ (Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel)

Der Klimawandel war lange vorherzusehen. Die Wissenschaft hat dazu zahlreiche Prognosen abgegeben und nichts davon ist heutzutage eine Überraschung. Der Wald kann nicht plötzlich gerettet werden durch eine wildtierfeindliche Jagdgesetz-Novelle, diese Forcierung schadet Wald und Wild vergrößert Konflikte eher. 

 Im forstlichen Jargon ist leider oft zu hören:

 „Nur ein totes Reh ist ein gutes Reh“ 

„Zahl statt Wahl“

„Beim Reh muss man nicht genau hinschauen, Hauptsache der Finger wird krumm gemacht“. 

„Wir wollen keine Rehe“. 

Was im Wald passiert, ist alarmierend. Die politischen Vorgaben für berüchtigte „Waldschutz-Drückjagden“ werden von ethisch-bewussten Jäger*innen genauso wie von Nicht-Jäger*innen abgelehnt. In den letzten Wochen haben sich erneut weitere Stimmen öffentlich an die Verantwortlichen gewandt, da sie mit großer Sorge die aktuellen Tendenzen beobachten, wie zur „Rettung“ des Waldes Schalenwild-Extrem-Bejagungs-Anordnungen als Gesetz durchgedrückt werden sollen. Auch manche Berufsjäger sehen die Situation mit Sorge oder quittieren sogar ihren Dienst. Wilden pflanzenfressenden Huftieren wird die Schuld gegeben an dahingerafften Forstplantagen und erschwerter Aufforstung in ausgelaugten Böden.

Der Wildhüter und langjährige Berufsjäger Dieter Bertram spricht in seinem offenen Brief von einer „Forstwirtschaft, die sich über den Tierschutz stellt“ und von einem „Jagdproblem, an dem der Gesetzgeber einen hohen Anteil hat“. 

Im Siebengebirge haben aktuell Mitglieder des BUND Rhein-Siegen protestiert gegen eine vom dortigen Regionalforstamt illegal errichtete Wild-Aufbrechanlage mitten im Flora-Fauna-Habitat neben einem Wanderweg. Die Kritik der Aktivist*innen aus Jagd und Tierschutz gilt den Bewegungsjagden des Regionalforstamts, mit aufgehängten Papp-Rehen demonstrierten sie gegen den „Rehgalgen“ im Naturschutzgebiet. 

Letzte Woche fand der Waldgipfel 2021 statt. Ministerin Klöckner darf 1,5 Milliarden Euro für den Wald verteilen. Das wäre immerhin eine Chance für neue Wege zu einer anderen Waldwirtschaft. Die Nutzung der langsam nachwachsenden Ressource Holz soll hier nicht infrage gestellt werden, der Ökonomie sind allerdings Grenzen gesetzt durch die Ökologie. 

Wir sind gespannt, ob die „Klimaprämie“ für Waldbesitzende dann tatsächlich auch an Bedingungen gekoppelt sein wird, die mehr als reine Flächenprämien sind. „Ökosystem Wald“ bedeutet nicht nur Bäume, sondern auch Wildtiere! Die Klimaprämie ermöglicht es, dringend notwendige Maßnahmen zur wildbiologischen Raumplanung umzusetzen, wie z.B. Blühwiesen mit Wildpflanzen für Insektenvielfalt und Äsung, das kann den Druck von Verjüngungsflächen nehmen. Für neugepflanzte Forstbäumchen gibt es eine große Auswahl an Einzelschutzmöglichkeiten, etwa biologisch abbaubare Clips oder mehrfach verwendbare Konstruktionen, die keiner Ökologie-Zertifizierung des Waldes im Weg stehen sollten. 

Warum ist Baum-Einzelschutz mit Clips etc. eine natürliche, nachhaltige Maßnahme?

Mechanischer Baumschutz ist wie eine Imitation von fehlendem Natur-Material als natürlichem Baumschutz, der in leergeräumten Wirtschaftswäldern z.B. in Form von herumliegendem Totholz kaum vorkommt. Die Natur kennt keine Monokulturen. Die komplexen Vorgänge des Waldumbaus mit Kulturpflanzen sind zunächst nicht „natürlich“. Werden also plötzlich andere, für Pflanzenfresser interessante Baumarten eingebracht, müssen diese selbstverständlich geschützt werden. Es gibt außerdem zahlreiche Baumarten, die von wildlebenden Herbivoren nicht beäst werden. Es wird also niemals passieren, dass Rehe den Wald „auffressen“.

Brief des Wildhüters Dieter Bertram:

https://www.natuerlich-jagd.de/blog/was-ist-aus-der-jagd-geworden.html


„Brandenburger Jagdwesen auf tierschutzwidrigem Holzweg“, Offener Brief:

https://www.wildes-bayern.de/wp-content/uploads/2021/02/Wildes_Bayern_Offener-Brief-Dr.-Woidke.pdf

 


https://wildundhund.de/siebengebirge-bund-protestiert-mit-papprehen-gegen-landesforst-nrw

 


https://www.zeit.de/2021/21/holz-preise-knappheit-bauen-export-saegewerke-usa

 


Seit kurzem sind wir mit unserer Organisation „Wald und Leben“ auch auf Instagram vertreten! Wir freuen uns sehr, wenn ihr uns auch hier folgt!

https://www.instagram.com/waldundleben/

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