SeaWatch forderte bis vor kurzem noch ein Ende der Zusammenarbeit mit der libyschen Küstenwache, sitzt aber laut einem Bericht des "Spiegel" mittlerweile auf Einladung der "EU-Mission EUNAVFOR MED" am selben Tisch. Und wer offenbar wie üblich fehlt: Vertreter der Afrikanischen Union, die sichere und legale Migration und Fluchtwege als den Ausweg aus dem Massensterben (nicht nur im Mittelmeer) bezeichnet und sich daher um Umsetzung des Evakuierungsplan aus 2017 bemüht. Bei dem Treffen war Evakuierung entsprechend offenbar nur eine Randnotiz. Ohne Zusammenarbeit mit der Afrikanischen Union wird es keine Lösung geben:
"Wer rettet die Flüchtlinge, die auf dem Mittelmeer in Seenot geraten? Und wenn sie jemand rettet, wo bringt man sie hin? Um genau diese Fragen zu beantworten, trafen sich am Mittwoch und Donnerstag rund 200 Vertreter der wichtigsten Organisationen, die zurzeit auf dem Mittelmeer aktiv sind, darunter Vertreter der Nato, der Uno, der EU, der NGOs und der libyschen Küstenwache. Eingeladen hatte die EU-Mission EUNAVFOR MED (European Union Naval Force - Mediterranean) zum zweitägigen "Shared Awarness and De-confliction"-Forum nach Rom. (...) Ratlos wirkten die Konferenzteilnehmer in Rom daher, wenn es um konkrete Lösungsvorschläge ging. Ihre Forderungen klangen wie Hilfeschreie an die Politik, in der Hoffnung, erhört zu werden. "Wir haben vergangene Woche 98 Menschen nach Italien evakuiert. Das ist die direkte Lifeline von Libyen nach Europa", sagt Jean Paul Cavalieri. Insgesamt sind in diesem Jahr 764 Menschen aus Libyen nach Europa und Kanada umgesiedelt worden. Zu wenig, meint der UNHCR-Experte. Radikaler geben sich NGO-Vertreter wie Tamino Böhm von Sea-Watch: "Jetzt wo Salvini weg ist: Starten wir doch endlich eine staatliche Seenotrettungsmission mit humanitärem Mandat - eines, das ausschließt, dass Menschen auf der Flucht zurück nach Nordafrika gebracht werden."
Die Hilferufe der Retter 27.09.2019
https://m.spiegel.de/politik/ausland/fluechtlinge-in-seenot-die-hilferufe-der-retter-a-1288970.html
Rackete fordert Ende der Zusammenarbeit mit der libyschen Küstenwache 10.07.2019
Eurozentrismus: Keine Antwort für Afrika
Abschottung und Seenotrettung, zwei Seiten der gleichen Medaille
Neue Perspektiven erfordern (was sonst?) einen Perspektivwechsel!
https://www.freitag.de/autoren/guest/keine-antwort-fuer-afrika