Umweltschutz: Tempolimit 130km/h auf Autobahnen für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor

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Moin,
mein Name ist Michael Fritsch, ich bin 34 Jahre, Wahlhamburger, nutze für die täglichen Wege hauptsächlich Rad und ÖPNV, bin jedoch seit meinem 18. Lebensjahr auch Autobesitzer.

Die Klimaschutzdebatte ist aus gutem Grund in vollem Gang und schlägt auch auf den Verkehrssektor durch, denn neben den bekannten Folgen von CO2 & Co auf die Umwelt haben sie weitreichende Folgen für die menschliche Gesundheit. Ein Blick auf die Zahlen verrät, dass Umweltschutz und Luftreinhaltemaßnahmen eine hohe Priorität haben sollten: 2019 gab es in Deutschland ca. 3.000 Verkehrstote [1], das Verkehrsministerium hat bei einer Anfrage letztes Jahr ein generelles Tempolimit mit Verweis auf die Unfallstatistik jedoch abgelehnt. Dem gegenüber stehen ca. 11.000 Tote pro Jahr allein in Deutschland wegen durch Straßenverkehr verursachter schlechter Luftqualität, also 3,5 mal mehr als durch Unfälle [2]. 

Daraus resultierende Forderungen um ein Tempolimit von 130km/h auf deutschen Autobahnen drehen sich jedoch im Kreis: Grüne und Linke wollen das Tempolimit unbedingt, Union und FDP lehnen es kategorisch ab, die SPD ist sich uneins [3]. Kompromisse landen leider keine auf dem Tisch - bei den Parteien gibt es diesbezüglich nur Schwarz oder Weiß. Klimaschutz ja, aber durchsetzbar nur solang des Deutschen liebstes Spielzeug und Deutschlands Alleinstellungsmerkmal von uneingebremsten Autobahnen nicht berührt werden.

Das trägt bisher eigenartige Blüten und Insellösungen wie beispielsweise das Fahrverbot für bestimmte Dieselfahrzeuge auf der Hamburger Stresemannstraße und Max-Brauer-Allee [4], da dort Messstationen stehen und Emissionsgrenzen regelmäßig überschritten wurden. Emissionen werden durch die räumlich stark begrenzten Verbote jedoch nicht eingespart, sondern nur an Orte verlagert, an denen keine Messstation stehen. Das Zeugnis der Bürger an das Verkehrsministerium dafür: Thema verfehlt, Sechs, setzen!

Dieses Manko möchte ich mit meiner Petition nun beheben und fordere Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hiermit auf ein bundesweites Tempolimit von 130km/h für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor für fossile Brennstoffe einzuführen. Dies betrifft Benziner, Diesel und ggf. auch Hybrid-Fahrzeuge, da diese auf langen Autobahnfahrten ebenfalls Schadstoffe emittieren können. Ausgenommen sind Fahrzeuge mit rein elektischem oder anderen emissionsfreien Antrieben wie z.B. Wasserstoff. Ziel des teilweisen Tempolimits ist eine Reduzierung von Emissionen durch den Straßenverkehr und die damit einhergehende Verbesserung der Luftqualität.

Ein solches Tempolimit würde zum einen die Freiheit zum Schnellfahren nicht generell einschränken, denn mit emissionsfreien Fahrzeugen kann weiterhin schneller gefahren werden. So würde auch ein höherer Anreiz für Autokäufer und Autovermieter bestehen auf emissionsfreie Fahrzeuge umzustellen, um von dem Tempolimit nicht betroffen zu sein. Autovermieter wie z.B. Sixt tauschen die Fahrzeuge ihrer Flotte regelmäßig aus, so dass kein Fahrzeug älter als 6 Monate ist [5], daher könnten sie innerhalb von 6 Monaten eine komplett emissionsfreie Flotte in Deutschland stellen. Der Ausbau der Infrastruktur für E-Mobilität ist bereits beschlossen [6], große Interessengruppen wie private und kommerzielle Fahrzeugnutzer und -vermieter können jedoch den Druck auf die Bundesregierung für einen schnellen und flächendeckenden Ausbau der Infrastruktur angemessen hoch halten.

Auch wäre das Tempolimit eine wesentlich geringere Einschränkung als die bereits genannten Fahrverbote. Jeder darf überall fahren, einige aber halt nicht so schnell.

Für Menschen, die dank eines sehr hohen Einkommens nicht von einer Förderung für E-Autos zum Umstieg motiviert würden, würden von einem Tempolimit eher motiviert zu einem E-Auto statt zu einem fossilen Sportflitzer zu greifen.

Und der beste Nebeneffekt dabei: Menschen, die getrieben durch das Tempolimit ein E-Auto besitzen und nutzen, verursachen dann auch abseits von Autobahnen mit dem Auto keine Emissionen. Ein generelles Tempolimit würde diesen Effekt nicht erzielen.

Und: sobald fossile Kraftstoffe von deutschen Straßen verschwunden sind wäre das Tempolimit de-facto nicht mehr existent, da kein Fahrzeug mehr von der Beschränkung betroffen wäre - Deutschland bliebe die Autofahrernation, die sie war und ist.

Aus diesen Gründen scheint ein Tempolimit für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ein guter Kompromiss zwischen schnellem Fahren und Umweltschutz.

[1] https://www.adac.de/news/bilanz-verkehrstote/
[2] https://pubs.rsc.org/en/content/articlelanding/2017/FD/C7FD90032E#!divAbstract
[3] https://www.abgeordnetenwatch.de/blog/tempolimit
[4] https://www.hamburg.de/durchfahrtsbeschraenkungen/11067546/dieseldurchfahrtsbeschraenkungen-faq/
[5] Vortrag "How To Unlock a Car" von Werber Huber (e-Sixt) auf der Code.Talks Konferenz 2019 - https://www.codetalks.de/program#talk-963?event=5
[6] https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-11/elektromobilitaet-angela-merkel-ausbau-ladestationen-autogipfel