Petition updateVerbesserung der Berufssituation in der Physiotherapie und den HeilberufenAchtung! Auch andere Therapieberufe sind betroffen. Wir wollen helfen!
#OhnemeinenPhysiotherapeuten
May 30, 2018
30. Mai 2018 — Seit Beginn der Petition erreichen uns viele Zuschriften anderer Therapeuten zum Beispiel aus der Ergotherapie und Logopädie. Auch deren Situation sieht ähnlich aus. Unser neues Teammitglied Marcel Littek wird sich daher zukünftig stärker um die Vernetzung kümmern und dafür sorgen, dass auch diese Stimmen in Berlin gehört werden. Für alle, die sich fragen, was die übrigen Therapeuten eigentlich so tun hier ein wie wir finden sehr gelungener Artikel von Marcel: "Sehr geehrter Leser, ich möchte Ihnen auf diesem Wege zeigen, was Therapeuten für Sie leisten. Zudem erfahren Sie etwas über die derzeitige Situation der sogenannten Heilmittelerbringer in Deutschland und was dies für Sie, Angehörige oder Freunde bedeuten könnte. Zur Gruppe der Heilmittelerbringer zählen der Physiotherapeut, Ergotherapeut, Logopäde (Sprachtherapeut), Podologe (Fußpfleger), Diätassistent und Ernährungswissenschaftler. In vielen Rehaeinrichtungen arbeiten außerdem Sportwissenschaftler, die zwar nicht explizit zum Kreis der Heilmittelerbringer gehören, aber unter den gleichen Bedingungen arbeiten müssen. Der Berufsstand ist in der Regel ein medizinischer Hilfsberuf und arbeitet so dem Arzt zu, indem er dessen Verordnungen mit dem Patienten durchführt. Somit ist der Stand derzeit weisungsgebunden, er darf im Falle von diagnostizierten Erkrankungen nur auf Rezept tätig werden. Dies gilt nicht für vorbeugende und/oder beratende Tätigkeiten, die sich auf die Vermeidung von Erkrankungen beziehen. Im Einzelnen sind die Berufe sehr unterschiedlich, insbesondere die Logopäden und Ergotherapeuten fallen durch ein wissenschaftlich fundiertes Befundungs- (Diagnose) und Behandlungssystem aus der Reihe. Die Physiotherapie hinkt hier in Deutschland noch deutlich hinterher. Was leisten die Berufe aber für Sie? Physiotherapeuten: Der Physiotherapeut (Krankengymnast/Masseur/medizinischer Bademeister) ist in Deutschland ein manuell geprägter Beruf, oftmals im Volksmund auch auf die Massage reduziert. Der aktive Anteil der Therapieleistungen (Gymnastik, Beratung) steigt allerdings kontinuierlich, auch aufgrund von zunehmender wissenschaftlicher Arbeit hierzulande. Neben Manueller Therapie, Massagen, Behandlungen von neurologischen Erkrankungen, Gerätetraining und klassischer Therapie rücken immer mehr präventive Leistungen wie Gesundheitsvorsorge in Betrieben u.ä. in den Vordergrund, was sicherlich auch dem wirtschaftlich lohnenderen Privatzahlerbereich zuzuschreiben ist. Ein Physiotherapeut verdient durchschnittlich laut aktueller Daten ca 2300€ Brutto (im Osten oft deutlich weniger) auf Vollzeit! Die Ausbildungssituation ist schlecht, teuer, unbezahlt, von 30 Auszubildenden erreichen oft weniger als 10 den deutschen Gesundheitsmarkt. Im ländlichen Bereich ist die Hausbesuchs- und Versorgung von chronisch Kranken teilweise bereits zusammengebrochen. Wartezeiten von 4-12 Wochen beim Physiotherapeuten sind leider inzwischen eher die Regel als die Ausnahme. Die durchschnittlich bezahlte Therapiedauer liegt bei 20 Minuten, inklusive Bürokratie, Befunderhebung, Bericht. Kaum Zeit für das Wesentliche – den Patienten. Ergotherapeuten: Häufig fälschlicher Weise als „Arbeitstherapeuten“ bezeichnet, sind Alltags-möglich-Macher, wie es so schön heißt. In dieser Therapie werden die Defizite des Patienten wissenschaftlich erhoben und durch gezielte Übungen behandelt. Während die Physiotherapeuten stärker auf eine funktionelle Wiederherstellung der Bewegung achten, konzentrieren sich die Ergotherapeuten vor allem auf die Zurückgewinnung praktischer Fähigkeiten für den Alltag der Patienten. Ergotherapeuten arbeiten sehr spezialisiert an bestimmten Bewegungsstörungen, sie behandeln häufig Kinder, Behinderte ebenso wie schwer Kranke z.B. nach einem Schlaganfall oder schweren Unfällen. Die Therapiezeit liegt dabei zwischen 30-45min. Logopäden: Der Sprachtherapeut ist neben Sprachproblemen bei Kindern auch für neurologische und Krebspatienten die erste Anlaufstelle. Schluckproblematiken sind nicht selten die Folge von Erkrankungen und können für Patienten ausgesprochen quälend sein. Entsprechend ist die Sprachtherapie neben der Therapie von Patienten nach Kieferoperationen, kieferorthopädischer Versorgung durch Spangen usw. auch für Menschen eine Hilfe, die Probleme mit der Nahrungsaufnahme haben. Der Logopäde hat dafür ebenfalls rund 30 Minuten Zeit pro Behandlung. Podologe: Die medizinische Fußpflege ist deutlich mehr, als einfach nur „Nagelpflege“, die natürlich auch mit ins Repertoire eines Podologen gehört. Doch neben der Hilfe für Menschen, die sich hier nicht selbst helfen können, bedürfen insbesondere Menschen mit Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes) der professionellen Hilfe der Fußpfleger. Entzündete Nagelbetten und Wunden an den Füßen sind potentielle Eintrittsstellen für Keime, die den häufig immungeschwächten Menschen große Schäden zufügen können. Fußpfleger unterstützen ebenfalls die Fußhygiene bei Patienten mit Ödemen (Schwellungen) z.B. nach Unterleibs-Operationen, Narben im Leistenkanal und/oder Krebspatienten. Diätassistent: Diätassistent: Recht neu in der Gruppe der Heilmittelerbringer ist der Diätassistent. Der Beruf unterstützt Menschen mit Stoffwechselerkrankungen krankhafter Fettsucht (Adipositas) ebenso wie mangelernährte Patienten bei einer gesünderen und dauerhaften Ernährungtherapie. Ebenfalls arbeiten Die Diätassistenten nach ärztlicher Diagnose (§43) und Prävention (§20) zum Beispiel bei onkologischen Erkrankungen, Zöliakie, Allergien/Unverträglichkeiten, Pankreasinsuffiziens, Diabetes etc. Oder präventiv im BGM/BGF Bereich. All diese Maßnahmen und Therapien erfolgen sowohl klinisch und ambulant. All diese Berufe stehen momentan einer recht schwierigen Situation gegenüber, die sich mit der der Pflegekräfte und auch ferner der Kindererzieher vergleichen lässt. Mangelnder Nachwuchs, schlechte Personalschlüssel (zu wenig Zeit für viel Arbeit/Patienten/Klienten), schlechte Bezahlung, teilweise Ausbildungskosten / keine Ausbildungsvergütung, zunehmender bürokratischer Aufwand, der weder vergütet noch zeitlich eingerechnet wird. Kurzum: All diesen Therapeuten geht langsam aber sicher die Luft aus. Wir produzieren vielleicht nichts Materielles doch wir sorgen für Lebensqualität, Freiheit und versorgen jene, die es selbst (noch) nicht (mehr) können. Ohne uns könnte niemand mit einem kranken Angehörigen einem normalen Alltag nachgehen! Was also bedeutet es, wenn diese Berufe sich wandeln? Pflege-/Therapiebedürftige werden nicht mehr versorgt. Operationen, so gut sie durchgeführt worden sind, werden nicht nachversorgt und sind somit weniger effektiv, wenn überhaupt. Rehakliniken werden nicht besetzt sein, sodass es dort kaum noch therapeutische Leistungen geben wird. Chronisch Kranke bekommen keine Hilfe, sind im Alltag aufgeschmissen und bedürfen der häuslichen Pflege durch Angehörige. In der ambulanten Praxis im Ort werden Patienten seltener Therapie verordnet bekommen, denn obwohl die Vergütungen aktuell steigen, so fürchten Ärzte zunehmend einen Regress wegen steigender Ausgaben. Akute Schmerzen werden zudem selbst mit Verordnung nur mit langen Wartezeiten oder gar nicht behandelt, oder nur noch gegen Barzahlung, denn wer gut zahlt wird weiterhin durch Heilpraktiker versorgt. Generell bewegt sich einiges in Richtung des Selbstzahlersegments, Pflege, Kinderbetreuung und Therapie wird es wohl immer gegen gutes Geld geben. Doch ist das wünschenswert und/oder fair in einem Krankenkassensystem in dem Therapie gerade mal 3-4% des gesamten Budgets umfasst (während Werbung deutlich mehr frisst, trotz Einheitsbetrag)? Es ist Zeit, dass sich etwas ändert, ansonsten sieht es schwarz aus!  Ihr Marcel Littek"
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