Actualización de la peticiónKeine Abschiebungen nach Afghanistan!Ausgesetzt
Thomas Nowotny83071 Stephanskirchen, Alemania
13 ago 2021

Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer,

Ich glaube, mein Herz hat auch kurz ausgesetzt, als ich die Breaking News von der Aussetzung der Abschiebungen las. Dieses kurze Statement habe ich gestern für Change.org geschrieben:

"Über die Aussetzung der Abschiebungen nach Afghanistan sind wir sehr erleichtert. Leider ist der Grund dafür nicht die Einsicht der deutschen Behörden, dass  ihr Vorgehen völker- und menschenrechtswidrig ist, sondern allein der Terror der Taliban. Wir fordern einen dauerhaften Abschiebestopp, solange Afghanistan nicht sicher ist, und die Bereitstellung von Flugzeugen zur Evakuierung der bedrohten afghanischen Ortskräfte."

Die Bilanz dieser Petition zu ziehen, erscheint mir zu früh. Aber ich möchte allen herzlich danken, die sie unterstützen – bisher weit über 130.000 Menschen. Und einen Zwischenstand zum Thema "Politische und psychologische Auswirkungen von Abschiebungen auf die Zivilgesellschaft" ins Gedächtnis rufen, den ich vor einem Jahr in der IPPNW-Broschüre zu den gesundheitlichen Folgen von Abschiebungen veröffentlicht habe: https://ippnw.de/commonFiles/pdfs/Soziale_Verantwortung/Report_Gesundheitliche-Folgen-Abschiebung_FINAL_web.pdf

 

„Bisher gab es über 150 Updates meist im Abstand von 1-2 Wochen – und alle UnterstützerInnen haben die Möglichkeit, diese Updates zu kommentieren. Über die Jahre entstand dadurch gewissermaßen eine Längsschnittstudie zur Befindlichkeit engagierter Mitglieder der Zivilgesellschaft. Hier einige aussagekräftige Zitate zur psychischen Belastung der Unterstützenden (Hervorhebungen von mir):

„Ich habe diese Petition unterschrieben, weil…“

… „ich es nicht ertragen kann, das Menschen in diese unsicheren Länder unter menschenunwürdigen Bedingungen zurück gebracht werden! Unerträglich!!!“
D.B., Mai 2018

… „ich mich für meine Regierung schäme. Ich bin stolz auf die Errungenschaften unseres Rechtsstaates. Der "Rückführungs-Deal" zwischen D und Afghanistan aber empört mich zutiefst. Ich habe integrationswillige Afghanen kennengelernt. (Ehrenamt und aktuell Pflegefamilie für jungen Afghanen) Ich möchte ihnen in die Augen schauen können auf die Frage nach einer fairen Asyl-Chance. Momentan kann ich nicht einmal die Einhaltung der Menschenrechte versprechen. Das ist unerträglich beschämend für mich. Ich habe meinen Freund aus Afghanistan gefragt, ob man sich nicht gegen die korrupten Machenschaften von Ghani und Co wehren könne. Jetzt muss ich mir dieselbe Frage für meine eigene Regierung stellen. Ich protestiere also. Danke an euch Petitionsführer für die klar ausgerichtete, professionelle und engagierte Arbeit. Ich bin froh, meine Ohnmacht ein wenig mildern zu können.“
A.R., Mai 2019

… „auch ich es nicht ertragen kann, wie Menschen in solch eine Gefahr abgeschoben werden. Da ist alle Menschlichkeit verloren gegangen, keiner der Entscheidungsträger würde dort auch nur Urlaub machen wollen. Es gab berechtigte Gründe von dort zu fliehen und wir sollten unser Glück, hier in Sicherheit zu leben, teilen und Schutz gewähren. Auch Flüchtlinge aus unserem Land haben einmal diesen Schutz benötigt und wir wissen, wozu Abweisungen damaliger Flüchtlinge geführt haben.“
T.S., November 2019

… „weil ich meiner Empörung und Trauer darüber Ausdruck geben möchte, wie Menschen unverschuldet zum Opfer politischer Entscheidungen werden. Ich schäme mich, dass diese Art von inhumaner Behandlung in Deutschland möglich ist.“
S.L., Dezember 2019

… „Diese unmenschliche Haltung bei verschiedenen deutschen Politikern und die weitverbreitete Gleichgültigkeit unter der Bevölkerung in Bezug auf die Abschiebungen nach Afghanistan belastet mich psychisch sehr. Diese Haltung zeigen die Menschen auch gegenüber den Auffang-Lagern in Libyen und dem Ertrinkenlassen der Menschen im Mittelmeer. Ich frage mich, deshalb mit Sorge, wohin sich Europa entwickelt, zu einem Kontinent, auf dem die Menschenrechte nur für die ‚Weißen Europäer‘ gelten? Mir graut vor dieser Entwicklung.“
I.B., Dezember 2019

… „Ich bin fassungslos, was hier die deutsche Regierung an Schizophrenie an den Tag legt!! Wir haben gut spürbar demografischen Wandel in jeglichen Branchen... Haben unendlich viele best integrierte, Deutsch sprechende Menschen seit einigen Jahren hier... Und jetzt? Nicht nur vom unternehmerischen Gedanken.. Genauso aus humanitärer Sicht ein Desaster. Menschen, die hier enge Freundschaften geschlossen haben, sollen plötzlich abgeschoben werden? Unendlich viele Unternehmer sind völlig fassungslos und schockiert über unsere eigene Politik“
J.F., Januar 2020

… „Leider geht es in den Ämtern nicht um Menschen, sondern um Ware. Ich bin unendlich traurig und in meinem persönlichen Bemühen leider auch hilflos. Unsere Politiker wie Herr Seehofer lernen nicht dazu.“
M.S., Februar 2020

… „Herr S ist ein gutes Beispiel, wie gute Integration funktioniert, und von der Ausländerbehörde zerstört wird. Ich könnte Ihnen viele solche Fälle schildern, manche Kämpfe haben wir gewonnen und manche aber auch verloren. Doch eins ist sicher, ohne Unterstützung von uns Ehrenamtlichen würden nur wenige Flüchtlinge eine Ausbildung beginnen können. Inzwischen müssen wir Ehrenamtlichen viel Zeit und Energie für Rettungsaktionen gut integrierter Flüchtlinge aufwenden, so dass kaum noch Zeit bleibt für andere Unterstützungen zur Integration.“
Flüchtlingshelferin aus Kempten/Allgäu, Februar 2017

…„Ich bin aktiv beim Bündnis für Flüchtlinge…Bei einer der letzten Abschiebungen nach Afghanistan hat einer der beteiligten Polizisten geweint. Aus meiner Sicht sind diese Abschiebungen doch Menschenrechtsverletzungen. Vielen Polizisten fällt es schwer, dabei mitzuwirken. Ich würde die Polizei vor Ort gerne über die rechtlichen Möglichkeiten, wie man sich dagegen wehren kann informieren.“
Ärztlicher Kollege, November 2018

 

Als ich diesen Beitrag schrieb, habe ich nichts von meiner eigenen gesundheitlichen Beeinträchtigung durch die Abschiebepolitik mitgeteilt. Das möchte ich jetzt nachholen.

Ja, es ist schwer, mit der Trauer und der Fassungslosigkeit zu leben, die von immer neuen Horrornachrichten ausgelöst werden. Wir sind so ohnmächtig gegenüber der Arroganz der Macht. Auf die Dauer macht all das krank.

„Wir können nicht die Welt retten.“ Aber manchmal können wir es doch. Wie es im Talmud steht: Wer ein Leben rettet, der rettet die ganze Welt – das ist uns im gemeinsamen Kampf so manches Mal gelungen.

Zum Schluss gebe ich Stephan Reichel das Wort, der für Matteo diese Pressemitteilung formulierte:

ENDLICH ABSCHIEBESTOPP!
Die lebensbedrohlichen Abschiebungen nach Afghanistan sind
ausgesetzt, vermutlich dauerhaft gestoppt. Alle Afghanen können nun
sehr bald wieder arbeiten und ihre Ausbildung im Herbst beginnen. Viele
können auch über Folgeanträge Asyl bekommen. Der schwierige Weg
über das Visumverfahren ist wohl unnötig geworden. Große
Erleichterung im Land.
Wir würden uns alle noch mehr freuen, wenn der Preis dafür nicht die
Machtübernahme der Taliban und der drohende Untergang des schönen
Afghanistans wäre.
Die zynische Abschiebepolitik von Seehofer und seiner Regierung
hat jedenfalls ihr Ende gefunden.
Bis zuletzt hatten Seehofer, Laschet und andere an den Abschiebungen
festhalten wollen. Heute kam die Nachricht, dass der Amerikanische
Geheimdienst schon in wenigen Wochen mit einer Einnahme von Kabul
rechnet.
Wir danken allen Organisationen, verantwortungsvollen und
menschlichen Politikerinnen und Politikern, den Kirchen und ihren
Verbänden, der Diakonie und Caritas, unserem EKD-Ratsvorsitzenden
und Landesbischof Bedford-Strohm, vielen Journalisten und Medien für
ihren Einsatz und Ihr Engagement für die bedrohten Afghanen in
unserem Lande. Nicht zuletzt danken wir den vielen Menschen, die im
ganzen Land Afghanen betreut, beschützt und gerettet haben, auch in
unserem Verein matteo und den vielen Kirchengemeinden und Klöstern.
Liebe Afghanen, ihr habt viel erdulden müssen in den letzten Jahren in
Deutschland. Danke, dass ihr durchgehalten habt.
Unsere Gedanken sind aber auch bei denen, die es nicht geschafft
haben, den über Tausend Afghanen, die gegen alle Warnungen und
Appelle abgeschoben wurden und nun in Afghanistan um ihr Leben
bangen. Wir machen die Abschiebepolitiker persönlich für deren
Schicksal verantwortlich.
Wir fühlen mit dem afghanischen Volk, das vom Westen verraten und
den Terroristen ausgeliefert wurde.
Nun müssen wir mit einer neuen von Deutschland mit verursachten
Fluchtbewegung rechnen.
Wir fordern eine rasche Evakuierung von besonders bedrohten
Afghanen und eine großzügige Aufnahme von afghanischen
Flüchtlingen in Deutschland.
Und wir hoffen auf eine umfassende Asylwende im Herbst nach der
Wahl.
ASYLWENDE WÄHLEN!
Stephan Reichel

 

Mit herzlichen Grüßen
Tom Nowotny

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