

Trotz so vieler Worte und Briefe und einer guten Presseresonanz - es ist uns nicht gelungen, den 34. Abschiebeflug nach Kabul zu verhindern. Mitten im Katastrophenfall der Pandemie, mitten ins Bürgerkriegsgebiet, wo zu Corona noch tägliche Anschläge hinzukommen.
Und der nächste Flug ist in Planung, vermutlich Mitte Januar: https://thruttig.wordpress.com/2020/12/23/januar-sammelabschiebung-nach-afghanistan-bereits-in-arbeit-und-erich-kastner-zum-neuen-jahr/
Erich Kästners Worten kann ich eigentlich nichts hinzufügen... Ich stelle sie ans Ende dieses Updates.
Das Foto (Dank an Thomas Ruttig) zegt eine Ruine in Kabul, in der im letzten Winter Abgeschobene Zuflucht suchen - hoffen wir, dass in diesem Winter bessere Notunterkünfte zur Verfügung stehen.
Anfangs war mir nur einer der Passagiere von Flug 34 bekannt - die schlechten Nachrichten aus Berlin reißen nicht ab: Jemal, ein 21-jähriger Afghane, wurde direkt aus der KFZ-Werkstatt der Jugendarrestanstalt abgeschoben, „im Blaumann und ohne Mitnahme seines Eigentums.“ Das teilte seine Anwältin Barbara Dubick mit.
Mir fehlen die Worte, und ich möchte auf die hervorragende Berichterstattung über Flug 34 ebenfalls von Thomas Ruttig verweisen:
Auch zur dort nachlesbaren Aufzählung von Pro Asyl fehlen mir momentan die Worte. Ich möchte sie aber gern wiederfinden und eine "Neujahrsansprache an die Bundeskanzlerin" verfassen. Anregungen dazu nehme ich gern entgegen.
Trotz allem wünsche ich allen schöne Weihnachtstage und einen guten Rutsch in ein hoffentlich besseres Jahr 2021.
„Rundheraus: das alte Jahr war keine ausgesprochene Postkartenschönheit, beileibe nicht. Und das neue? Wir wollen’s abwarten. Wollen wir’s abwarten? Nein. Wir wollen es nicht abwarten! Wir wollen nicht auf gut Glück und auf gut Wetter warten, nicht auf den Zufall und den Himmel harren, nicht auf die politische Konstellation und die historische Entwicklung hoffen, nicht auf die Weisheit der Regierungen, die Intelligenz der Parteivorstände und die Unfehlbarkeit aller übrigen Büros. Wenn Millionen Menschen nicht nur neben-, sondern miteinander leben wollen, kommt es auf das Verhalten der Millionen, kommt es auf jeden und jede an, nicht auf die Instanzen.
Wenn Unrecht geschieht, wenn Not herrscht, wenn Dummheit waltet, wenn Hass gesät wird, wenn Muckertum sich breit macht, wenn Hilfe verweigert wird – stets ist jeder Einzelne zur Abhilfe mit aufgerufen, nicht nur die jeweils „zuständige“ Stelle. Jeder ist mitverantwortlich für das, was geschieht, und für das, was unterbleibt. Und jeder von uns und euch muss es spüren, wann die Mitverantwortung neben ihn tritt und schweigend wartet. Wartet, dass er handele, helfe, spreche, sich weigere oder empöre, je nachdem.“
Erich Kästner