Telematik
Hausärzteverband moniert mangelnde Sicherheitsstruktur der TI
Der Hausärzteverband (HÄV) Nordrhein macht sich Sorgen um die Sicherheit der Telematikinfrastruktur (TI). Diese sei unausgereift und biete somit eine große Angriffsfläche für Hackerangriffe. Nötig seien umfassende Tests in realer Umgebung.
Funken: „Was den Arztpraxen als digitale Technologie angeboten wird, ist technologisch völlig unausgereift und ungenügend getestet.“©HÄV Nordrhein
Immer häufiger würden Kliniken das Arzt-Informationssystem mit den Niedergelassenen aufgrund massiver Sicherheitslücken offline schalten. Ein Notfallsystem sei daher dringend erforderlich, findet HÄV-Chef Dr. Oliver Funken.
Eigentlich solle die TI eine sichere Kommunikation zwischen Ärzten, Psychotherapeuten, Krankenhäusern und anderen Akteuren im Gesundheitswesen ermöglichen sowie medizinische Informationen schneller und einfacher verfügbar machen. Allerdings entspreche die sogenannte Datenautobahn des Gesundheitswesens eher dem maroden Zustand der deutschen Straßenautobahnen, moniert der Hausärzteverband. „Was den Arztpraxen als digitale Technologie angeboten wird, ist technologisch völlig unausgereift und ungenügend getestet“, kritisiert Funken. „Wir weisen seit Beginn der TI immer wieder auf die vielfachen Mängel hin. Eine Besserung ist nicht in Sicht.“ Die Hausärzte seien besorgt, dass auch mit der angekündigten neuen 2.0-Technologie der TI keine Sicherheit gegeben sei.
Vor diesem Hintergrund fordert der HÄV Nordrhein vor Einführung neuer TI-Hard- und Software umfassende Tests in realen Umgebungen und die Veröffentlichung von Protokollen zu den Ergebnissen der Tests. Zudem müssten nach großen Cyberangriffen die Sicherheitsstandards deutlich erhöht werden.
Der Verband weist darauf hin, dass neue TI-Anwendungen derzeit in acht Wochen eigenständig in Praxen geprüft werden sollten. Eine externe Evaluation sei nicht vorgesehen. So gebe die Kassenärztliche Vereinigung vor. „Das ist unverantwortlich“, findet Funken – und fordert: „Wir brauchen eine nationale Cyberabwehr mit kontinuierlich umfassenden Sicherheits- und Gefährdungsanalysen und ein Emergency-System. Nur so kann die sensible Infrastruktur des Gesundheitssystems geschützt werden.“
28.03.2022, 09:33, Autor: sk