
Artikel ÄND (Ärztenachrichtendienst)
Quelle: https://www.aend.de/article/209072
"Schon vor der Pandemie habe die Politik den Weg in Richtung einer stärkeren Digitalisierung des Gesundheitswesens eingeschlagen – beispielsweise mit der Übernahme der Mehrheitsanteile der Gematik. Auch seien im SGB V viele datenschutzrechtliche Fragen beantwortet worden. „Aber in der Pandemie haben in der Telemedizin dann enorme Zuwächse gesehen.“ Auch hätten sich die digitalen Meldewege im öffentlichen Gesundheitsdienst innerhalb von drei Monaten so schnell weiterentwickelt, wie in den ganzen zehn Jahren davor nicht. „Es gibt zwar noch die Labormeldung per Fax – aber auch das wird sich noch verbessern“, so Spahn.
Die Digitalisierung werde den Menschen helfen, mehr Informationen über den eigenen Gesundheitszustand zu erhalten, als es derzeit nach einem Arztbesuch der Fall sei. Auch könne sie Versorgung verbessern. „Was für einen Unterschied hätte es schon machen können, wenn wir zu Beginn der Pandemie die elektronische Patientenakte gehabt hätten?“, fragte Spahn. Die Künstliche Intelligenz hätte helfen können, das „Chamäleon Covid-19“ besser zu verstehen.
Die Entwicklungen der Zukunft könnten viele Türen zu Verbesserungen öffnen. „Dabei ist es wichtig, souverän zu sein“, so Spahn. „Was mich umtreibt ist der Fakt, dass die Menschen bereitwillig ihre Gesundheitsdaten in Google-Apps eingeben. Wenn wir sinnvolle Strategien zur wissenschaftlichen Nutzung der Daten anstoßen, wird aber aufgeschrien und auf den Datenschutz verwiesen.“ Es dürfe keine Abhängigkeit von den USA oder von Konzernen in Asien geben. Das Ziel, die Unabhängigkeit zu erhalten, müsse eine Triebfeder in Europa sein.
Wichtig sei der enge Austausch mit anderen Staaten in Europa, um die Entwicklung zu beschleunigen. Dass jedes Land eigene Regelungen und Datenschutzbeauftragte sowie Auslegungen der Datenschutzgrundverordnung habe, mache die Kooperation anspruchsvoll und sei ein Standortnachteil gegenüber den USA und China, die mit großer Geschwindigkeit vorgingen. Gut sei daher, dass die Abstimmung mit den Ministern anderer Länder über Online-Kanäle immer besser und rascher funktioniere. Auch das habe sich in der Pandemie zum Positiven entwickelt. „Ich konnte in meiner Quarantäne praktisch die Gesundheitsministerkonferenz von zu Hause leiten."
23.11.2020, 14:32, Autor: js
Sein liebstes Kind: Digitialisierung. Endlich hat unser BGM eine fadenscheinige Rechtfertigung für seine Hochgeschwindigkeitsdigitalisierung im Gesundheitswesen gefunden. Was für viele Menschen den Abgrund bedeutet, ja sie sogar in den Tod treibt, bedeutet für Spahn einen Gewinn. Die Pandemie als Chance für die Aufhebung des Datenschutzes zu sehen und der Bevölkerung die Risiken und Nebenwirkungen zu verschweigen ist unethisch, Herr Spahn.
Computer helfen bei der täglichen Dokumentation von Befunden und Therapien. Auch die Industrie und eben nicht nur die Wissenschaft gelangt an wertvolle Datensätze, ohne dass es der Patient so richtig merkt oder gar sein Einverständnis dazu gibt. Google, Amazon und Co reiben sich schon die Hände. Es ist eben doch ein Unterschied, ob man im Onlineshop unterwegs ist und freiwillig seine Daten abgibt oder stigmatisierende Diagnosen im Netz ausgetauscht werden.
Scheinbar ist die Pandemie doch nicht mehr so gefährlich, wie Sie immer behaupten, wenn man doch alle Patienten mit der Telemedizin therapieren kann. Nur - ein Rechner oder eine KI können keine Intubation vornehmen, Blut abnehmen, Spritzen setzen oder auch mal ein menschliches Wort an den Patienten richten. Wahrscheinlich ist Ihr behandelnder Hausarzt während Ihrer Quarantäne persönlich in die Villa gekommen und hat die Lunge abgehört und Ihnen gesagt, dass alles gut wird? Vielleicht hat genau das geholfen?
In der Unterscheidung zwischen 1 und 0 ist der Rechner unschlagbar. Was ist aber mit den unterschiedlichen Grautönen dazwischen? Der Mensch ist nicht logisch, sondern biologisch, kein System der Welt vermag diese Interaktionen vollständig zu erfassen. Intuition gepaart mit Sachverstand ist in der Medizin sehr hilfreich, wenn es um den Graubereich geht.
Ich verstehe gar nicht, was Sie gegen das Fax haben, das funktioniert wunderbar, auch wenn die Internetverbindung ausfällt! Scannen, Speichern, Hochladen, das dauert alles viel zu lange in der täglichen Praxis, faxen geht tausendmal schneller.
"..Die Digitalisierung werde den Menschen helfen, mehr Informationen über den eigenen Gesundheitszustand zu erhalten.."
Ach ja, es ist schon ein Witz, wenn ich meinen Computer fragen muss, wie es mir gerade geht! Dies nennt man digitale Demenz.
Die Telematik ist die Basis für die eAkte. Der Bundesdatenschützer hat bereits vor dem unberechtigen Zugriff auf die Daten gewarnt. Aus meiner Sicht muss die Telematik in der derzeitigen Struktur gestoppt werden, vieles ist unklar, die Bürger werden seitens der Bundesregierung nicht umfassend über die Risiken und Nebenwirkungen informiert. Wer glaubt eine Pandemie mit einer eAkte zu bekämpfen, ist ein Scharlatan!