Brief an die HOSI | A Letter to HOSI
Brief an die HOSI | A Letter to HOSI
Das Problem
[for english version see below]
Liebe HOSI, liebe Vienna Pride,
wir glauben, dass euer Ziel darin besteht, für die Rechte der Wiener queeren Community zu kämpfen. Ihr vertretet uns und versucht, im Rahmen eures Handlungsspielraums alle so gut wie möglich mitzunehmen. Danke für eure Arbeit!
Wir, ein Zusammenschluss queerer Organisationen, die queere Community Wiens, empfinden seit geraumer Zeit jedoch keine Verbundenheit mehr zu eurer Arbeit und sehen es daher als unsere Verantwortung, euch darauf aufmerksam zu machen. Wir treten vor allem deshalb an euch heran, da die HOSI eine zentrale Machtposition im queeren Aktivismus in Wien innehat:
Ressourcenmacht: Die jährliche Fördersumme, die euch zur Verfügung steht, ist beachtlich. Alle anderen queeren Gruppen Wiens zusammen verfügen nicht einmal über einen Bruchteil dieser Förderungen.
Deutungsmacht: Durch eure jahrzehntelange aktivistische Arbeit seid ihr besser vernetzt und habt einen leichten Zugang zu Medien und Politiker:innen. Andere queere Organisationen in Wien haben diesen Zugang nicht.
Privilegienmacht: Der Vorstand der HOSI ist größtenteils weiß und SPÖ-affin. Vorwürfe von Machtmissbrauch innerhalb des Vorstands ziehen keine erkennbaren Konsequenzen nach sich. Privilegien und Macht müssen jedoch stets reflektiert werden; sie bringen Verantwortung mit sich und dürfen nicht vor Konsequenzen schützen.
Mit diesem Brief möchten wir euch unsere Anliegen anvertrauen und diese erörtern, mit dem Ziel, unsere diversen Ressourcen, unser Wissen und unsere Lebensrealitäten zur Verfügung zu stellen. Unsere Anliegen betreffen einerseits die jährliche Pride Parade, andererseits die politische und aktivistische Haltung der HOSI generell.
Die Pride muss wieder zu einem politischen Protest werden!
Von den Ursprüngen der Regenbogenparade, angeführt von BIPoC trans Frauen und getragen vom Widerstand gegen staatliche Repression, ist bei der heutigen Vienna Pride kaum noch etwas zu erkennen. Während früher der Kampf für die Rechte marginalisierter queerer Menschen und die Auflehnung gegen staatliche Gewalt im Zentrum standen, dominieren heute Konzerne und ihre Profitinteressen das Bild. Das massenhafte Abspringen dieser Unternehmen im Zuge einer zunehmend rechten politischen Landschaft hat deutlich gemacht, dass diese vermeintliche Allyship nie auf einem ernsthaften Einsatz für queere Rechte beruhte, sondern auf wirtschaftlichem Kalkül.
Wir sind keine Konsument:innen. Wir sind queer. Queerness verstehen wir als eine progressive politische Identität, die auf die Befreiung aller unterdrückten Gruppen abzielt. Eine Assimilation in ein kaputtes System ist weder eine Option noch Aktivismus.
Aktivismus bedeutet Veränderung: das Hinterfragen, Reformieren und letztlich Abschaffen von Strukturen, die Marginalisierung reproduzieren. Aus unserer Perspektive scheint die Zusammenarbeit mit staatlichen Akteur:innen und Kapital als ein notwendiges Übel verstanden zu werden. Doch die Realität zeigt, dass eure Bemühungen, Staat und Wirtschaft gerecht zu werden, euch nicht davor schützen, dass Förderungen schrumpfen und Sponsor:innen reihenweise abspringen. In einem Artikel auf ggg.at bedauert ihr die Kürzung der Förderungen mit der Begründung, dass dadurch „bei der Menschenrechtsarbeit gespart“ werde, da anstelle der ehemaligen Pride-Village-Woche nur noch ein einziger Tag stattfinden könne. Genau hier zeigt sich eine grundlegende Distanz zwischen uns: Überteuerte Getränke und Pride-Merchandise von Unternehmen sind keine Menschenrechte. Zudem sind sie nur für bestimmte Teile der LGBTIA+-Community zugänglich– nämlich für Konsument:innen, die es sich leisten können.
Intersektionalität statt Kapitalinteressen
Wir können eure zunehmende Integration in eine immer rechter werdende politische Landschaft nicht nachvollziehen. Organisationen, die sich als queer-feministisch und aktivistisch verstehen, tragen aus unserer Sicht eine besondere Verantwortung, sich kritisch mit bestehenden Machtverhältnissen auseinanderzusetzen und sich gegen rechte, patriarchale und kapitalistische Strukturen zu positionieren.
Wir nehmen wahr, dass durch das Bestreben, wirtschaftlichen Interessen und kapitalnahen Akteur:innen gerecht zu werden, politische Inhalte zunehmend in den Hintergrund rücken. Dies führt dazu, dass sich insbesondere viele nicht-weiße Queers nicht repräsentiert fühlen. Rückmeldungen aus der Community sowie Umfragen zu den Eindrücken queerer Personen zeigen, dass die fortschreitende Kommerzialisierung und Entpolitisierung der Vienna Pride bei vielen Menschen Unbehagen auslöst. Zusätzlich werden ein mangelnder Umgang mit Rassismus und weißer Ignoranz, das Fehlen klarer Schutzkonzepte im Umgang mit übergriffigem Verhalten sowie erschwerte Zugänglichkeit kritisch benannt.
Wir halten es für grundlegend, Intersektionalität ins Zentrum queeren Aktivismus zu rücken!
LGBTIA+-Aktivismus kann nicht isoliert stattfinden, sondern muss in Solidarität mit den Befreiungskämpfen aller unterdrückten Gruppen auf der Welt stehen. Imperialismus, Kolonialismus und Rassismus stehen in enger Wechselwirkung mit Queerfeindlichkeit und sind Teil jener gesellschaftlichen und staatlichen Machtverhältnisse, die Ausgrenzung, Unterdrückung und Gewalt reproduzieren.
Es braucht besondere Achtsamkeit und ein aktives Bekenntnis dazu, tatsächlich für eine vielfältige und breite queere Community einzustehen. Diese Community artikuliert immer wieder seit langem, was ihr wichtig ist: Kritik an der fortschreitenden Kommerzialisierung der Pride, an der Stonewall GmbH, an der Neutralität angesichts des Genozids in Gaza sowie an der Ausstrahlung des Eurovision Song Contests (ESC).
Die Machtposition der HOSI wird wiederholt missbraucht, indem notwendige, aber unbequeme Diskurse aktiv ignoriert werden. Statt sich mit Kritik auseinanderzusetzen, wird in der Zeitschrift Lambda rassistischem und zionistischem Gedankengut eine Plattform geboten. Weiterhin wurde der von Israel mitfinanzierte ESC trotz massiver Kritik unkommentiert im Vereinslokal ausgestrahlt– ein Event, das als Propagandainstrument für ethnische Säuberung und einen anhaltenden, menschenrechtsverletzenden Völkermord an der palästinensischen Bevölkerung fungiert. Gleichzeitig wurde unter rassistischen Vorwänden Polizei auf demonstrierende Queers gehetzt, indem ihre Vermummung pauschal als Gefährdung dargestellt wurde. Für diese Gewaltübergriffe wurde weder Verantwortung übernommen noch eine klare Position bezogen.
Die ESC-Ausstrahlung, der mittlerweile von mehreren Ländern sowie queeren Sieger:innen boykottiert wird, ist dabei nur symptomatisch. Sie steht exemplarisch für ein tief verankertes neoliberales Selbstverständnis, in dem weiße queere Personen als Aushängeschild eines vermeintlich liberalen Paradieses fungieren. Dieses Narrativ dient nicht nur der Verschleierung realer Ausschlüsse, sondern auch der Legitimation kolonialer Gewalt. Queere Liberation wird zu einem zynischen Propagandainstrument, mit dem die Gewaltpolitik Israels gegenüber der palästinensischen Bevölkerung gerechtfertigt wird.
Wir halten diese Entwicklungen nicht für eure Intention, aber wir befürchten, dass dieses Hereinspielen in nationalistiche Narrative und die Zusammenarbeit mit der Staatsgewalt ein taktischer Fehler ist, besonders in Zeiten der rapiden Regression. Die Rechte der am stärksten attackiertesten Communitys unter uns werden vielleicht als erstes verschwinden, aber die aktuellen Entwicklungen in der USA zeigen, wie queeres Leben auch in seinen assimiliertesten Formen in kurzer Zeit unter Beschuss stehen kann. Und selbst wenn dem nicht so wäre, ist kein Tausch zwischen den Rechten priviligierter queerer Personen mit der Freiheit von regelmäßigen Opfern von Polizeigewalt, Abschiebungen und Genozid duldbar. Queere Liberation nicht nur in Repräsentation und Sichtbarkeit zu suchen, sondern uns gegenseitig zu schützen und dabei an keiner Ecke loszulassen, ist jetzt dringender denn je.
Wir fordern die HOSI deswegen an dieser Stelle nachdrücklich dazu auf, ihre institutionellen Muster, politischen Haltungen und Machtverhältnisse kritisch zu reflektieren. Dazu gehört insbesondere eine Auseinandersetzung mit strukturellem Rassismus, Whiteness und neoliberalen Ausschlussmechanismen innerhalb des Vereins. Eine queere Interessenvertretung, die Solidarität ernst nimmt, muss bereit sein, eigene Privilegien zu hinterfragen, marginalisierte Perspektiven einzubeziehen und Verantwortung für die Auswirkungen des eigenen Handelns zu übernehmen. Nur durch eine konsequente Selbstkritik und strukturelle Veränderung könnt ihr eurem Anspruch gerecht werden, ein solidarischer und emanzipatorischer Raum für alle Queers zu sein.
Die zuvor benannten Probleme zeigen deutlich: Kommerzialisierung, Entpolitisierung und fehlende intersektionale Sensibilität sind keine Randerscheinungen, sondern strukturelle Herausforderungen, die dringend angegangen werden müssen. Wir möchten daher nicht nur Missstände benennen, sondern auch konstruktive Wege aufzeigen, wie die Vienna Pride wieder zu einem Raum werden kann, der für alle Queers sicher, sichtbar und politisch wirksam ist. Im Folgenden formulieren wir unsere zentralen Vorschläge für eine solidarische, inklusive und intersektionale Praxis.
Mit den Ressourcen, die euch zur Verfügung stehen, können queere Geflüchtete und Migrant:innen aufgenommen, sex-arbeitende Queers unterstützt, queere BIPoC Housing Projekte erhalten, gegen Polizei- und Gefängnisgewalt gegen trans Personen vorgegangen, breitere Ausbauten im Sinne der Zugänglichkeit für behinderte Queers in unseren Spaces finanziert, Netzwerke zur selbstständigen trans Healthcare unterstützt, Rechtsberatungen für Queers unter besonderer staatlicher Repression oder Sprachbarriere aufgebaut, Unterstützung für queere Senior:innen gegeben, Mutual Aid Funds für Queers in akuten Notsituationen aufgestockt und endlose weitere Dinge getan werden.
Unsere Vorschläge für eine solidarische und intersektionale Pride
- Autonomie statt Institutionalisierung
Eine politische Demonstration darf nicht nach den Logiken von Kommerz und Profit organisiert werden. Anstatt mediale Aufmerksamkeit für Werbung und Sponsoring zu nutzen, muss sie für politische Bildung, Awareness-Arbeit und antirassistische Aufklärung eingesetzt werden. Dass eine profitorientierte “Stonewall GmbH” Verantwortung für eine Demonstration trägt, ist widersprüchlich: Eine GmbH dient wirtschaftlichen Interessen, eine Pride ist Ausdruck eines Grundrechts. Queerer Protest und queere Räume müssen autonom, solidarisch und der Community verpflichtet sein und nicht der Profitmaximierung. - Mehr Awareness statt Security
Die derzeit hohen Ausgaben für Security erwecken oft den Eindruck, vorrangig den Schutz von Sponsor:innen und Profitinteressen zu gewährleisten. Übergriffe treten trotz dieser Sicherheitsmaßnahmen weiterhin auf, während eigene Getränke oder kleine persönliche Gegenstände kontrolliert werden. Wir fordern ein professionelles Awareness-Konzept: Qualifizierte Awareness-Teams sollen im öffentlichen Raum und während der Pride für Sicherheit, Deeskalation und gewaltfreie Intervention bei diskriminierenden Vorfällen sorgen. - Raum für marginalisierte Queers statt Konzerne
Statt Werbewägen großer globaler Konzerne (wie etwa Coca-Cola oder Allianz), die aufgrund menschenfeindlicher und faschistischer Politik international kritisch betrachtet werden, sollten Flächen geschaffen werden, die marginalisierte queere Menschen sichtbar einbeziehen. Dazu zählen bspw. behinderte Queers, deren Präsenz und Teilnahme etwa durch barrierefreie Wagen für Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder chronischen Erkrankungen gestärkt werden kann. - Faire Teilnahme statt Gebühren
Queere Gruppen mit Fahrzeugen (angefangen beim Lastenrad) zahlen derzeit hohe Gebühren, um überhaupt an einer Demonstration für ihre eigenen Rechte teilnehmen zu dürfen. Gleichzeitig werden Fördermittel in Höhe von 651.000 € und Sponsor:innen-Einnahmen von 38 Unternehmen als nicht ausreichend dargestellt. Wir fordern Transparenz und Gerechtigkeit: Queere Organisationen dürfen nicht für die Wahrnehmung ihrer Rechte zahlen müssen. Menschenrechte sollten nicht an Teilnahmegebühren gekoppelt sein.
Eine solidarische und antikapitalistische Pride kann funktionieren!
Zahlreiche Pride-Demonstrationen weltweit zeigen, dass politisierte, inklusive und unkommerzialisierte Veranstaltungen auch mit minimalem Budget möglich sind, zuletzt die Budapest Pride im vergangenen Jahr. Sie hat verdeutlicht, dass weder staatliche Förderung noch behördliche Genehmigung Voraussetzung für eine erfolgreiche Pride sind. Gerade dieser Vergleich macht sichtbar, wie sehr die Pride in Wien entpolitisiert wurde. Auch hierzulande zeigen Initiativen wie Pride Reclaimed, Dyke March oder Trans Viel Demo, dass eine solidarische, kämpferische Pride ohne kommerzielle Anbiederung möglich ist. Der Feministische Kampftag oder der 1. Mai verdeutlichen: Aktivismus funktioniert ohne Werbung und ohne kapitalistische Interessen. Ohne Kommerz wird der politische Kern einer Bewegung nicht verwässert, und Protest kann mehr sein als bloße Repräsentation in Regenbogenfarben, er kann kämpferisch und transformativ sein.
Wir wissen, dass wir mit dieser Kritik klare Worte gefunden haben. Möge sie ein Startpunkt für eine bessere Zusammenarbeit sein. Wir stehen weiterhin mit unseren Ressourcen bereit. Organisieren wir gemeinsam eine echte queere Protestbewegung: Gegen Kommerzialisierung, Entpolitisierung, Kürzungen, die zunehmend rechte Politik und gegen Queerfeindlichkeit. Lasst uns kollektiv, solidarisch und intersektional für Veränderung eintreten.
Lasst uns gemeinsam kämpfen!
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Dear HOSI, dear Vienna Pride,
we do believe that your goal is to fight for the rights of Vienna’s queer community. You represent us and try, within the scope of your possibilities, to take everyone along as well as possible. Thank you for your work!
However, we, a coalition of queer organizations from Vienna’s queer community, have for some time no longer felt a sense of connection to your work and therefore see it as our responsibility to draw your attention to this. We are approaching you above all because HOSI holds a central position of power in queer activism in Vienna:
Resource power: The annual amount of funding available to you is considerable. All other queer groups in Vienna together do not even have access to a fraction of this funding.
Influential power: Through your decades of activist work, you are better connected and have easy access to media and politicians. Other queer organizations in Vienna do not have this access.
Privilege power: The HOSI board is largely white and affiliated with the SPÖ. Allegations of abuse of power within the board do not result in any visible consequences. Privilege and power must always be reflected upon; they entail responsibility and must not shield anyone from consequences.
With this letter, we would like to entrust you with our concerns and discuss them, with the aim of making our diverse resources, our knowledge and our lived realities available. Our concerns relate on the one hand to the annual Pride Parade and on the other hand to the political and activist stance of HOSI in general.
Pride must once again become a political protest!
Of the origins of the Rainbow Parade, led by BIPoC trans women and carried by resistance against state repression, hardly anything can be recognized in today’s Vienna Pride. Whereas the struggle for the rights of marginalized queer people and resistance to state violence used to be at the center, corporations and their profit interests now dominate the picture. The mass withdrawal of these companies in the context of an increasingly right-wing political landscape has made it clear that this supposed allyship was never based on a serious commitment to queer rights, but on economic calculation.
We are not consumers. We are queer. We understand queerness as a progressive political identity that aims at the liberation of all oppressed groups. Assimilation into a broken system is neither an option nor activism.
Activism means change: questioning, reforming and ultimately abolishing structures that reproduce marginalization. From our perspective, cooperation with state actors and capital appears to be understood as a necessary evil. Yet reality shows that your efforts to satisfy the state and the economy do not protect you from shrinking funding and sponsors dropping out in large numbers. In an article on ggg.at, you lament the reduction in funding on the grounds that this means that “human rights work is being cut,” since instead of the former Pride Village week only a single day can now take place. This is exactly where a fundamental distance between us becomes apparent: overpriced drinks and Pride merchandise from companies are not human rights. Moreover, they are only accessible to certain parts of the LGBTIA+ community, that is consumers who can afford them.
Intersectionality instead of capital interests
We cannot understand your increasing integration into an ever more right-wing political landscape. Organizations that understand themselves as queer-feminist and activist bear, in our view, a special responsibility to critically engage with existing power relations and to position themselves against right-wing, patriarchal and capitalist structures.
We perceive that, in striving to satisfy economic interests and actors close to capital, political content is increasingly pushed into the background. This leads to many non-white queers in particular not feeling represented. Feedback from the community as well as surveys on the perceptions of queer people show that the advancing commercialization and depoliticization of Vienna Pride cause discomfort for many people. In addition, inadequate handling of racism and white ignorance, the absence of clear protection concepts in dealing with abusive behavior, and limited accessibility are critically named.
We consider it fundamental to place intersectionality at the center of queer activism!
LGBTIA+ activism cannot take place in isolation, but must stand in solidarity with the liberation struggles of all oppressed groups around the world. Imperialism, colonialism and racism are closely intertwined with hostility toward queer people and are part of those social and state power relations that reproduce exclusion, oppression and violence.
It requires particular attentiveness and an active commitment to truly stand up for a diverse and broad queer community. This community has repeatedly articulated what is important to its members for a long time: criticism of the advancing commercialization of Pride, of Stonewall GmbH, of neutrality in the face of the genocide in Gaza, as well as of the broadcasting of the Eurovision Song Contest (ESC).
HOSI’s position of power is repeatedly abused by actively ignoring necessary but uncomfortable discourses. Instead of engaging with criticism, the magazine Lambda provides a platform for racist and zionist ideas. Furthermore, the ESC, co-financed by Israel, was broadcast without comment in the association’s premises despite massive criticism, an event that functions as a propaganda instrument for ethnic cleansing and an ongoing, human-rights-violating genocide against the Palestinian population. At the same time, under racist pretexts, police were incited against demonstrating queers by portraying their face coverings in a blanket manner as a threat. No responsibility was taken for these acts of violence, nor was a clear position adopted.
The ESC broadcast, which is now being boycotted by several countries as well as queer winners, is only symptomatic. It stands as an example of a deeply entrenched neoliberal self-understanding in which white queer people function as the showcase of a supposedly liberal paradise. This narrative serves not only to obscure real exclusions, but also to legitimize colonial violence. Queer liberation becomes a cynical propaganda instrument used to justify Israel’s violent policies toward the Palestinian population.
We do not consider these developments to be your intention, but we fear that this playing into nationalistic narratives and cooperation with state power is a tactical mistake, especially in times of rapid regression. The rights of the most heavily attacked communities among us may disappear first, but current developments in the United States show how queer life, even in its most assimilated forms, can come under attack in a short time. And even if that were not the case, no trade-off between the rights of privileged queer people and the freedom of those who are regular victims of police violence, deportations and genocide is tolerable. Seeking queer liberation not only in representation and visibility, but in protecting one another and not letting go at any point, is more urgent now than it has been in a long time.
We therefore urgently call on HOSI at this point to critically reflect on its institutional patterns, political positions and power relations. This includes in particular an engagement with structural racism, whiteness and neoliberal mechanisms of exclusion within the association. A queer advocacy organization that takes solidarity seriously must be willing to question its own privileges, include marginalized perspectives and take responsibility for the effects of its actions. Only through consistent self-criticism and structural change can you live up to your claim of being a solidaristic and emancipatory space for all queers.
The problems named above clearly show that commercialization, depoliticization and a lack of intersectional sensitivity are not marginal phenomena, but structural challenges that urgently need to be addressed. We therefore not only want to name grievances, but also point out constructive ways in which Vienna Pride can once again become a space that is safe, visible and politically effective for all queers. Below we draft our central proposals for a solidaristic, inclusive and intersectional practice.
With the resources available to you, you can take in queer refugees and migrants, support queer sex workers, maintain queer BIPoC housing projects, take action against police and prison violence against trans people, finance broader accessibility improvements for disabled queers in our spaces, support networks for independent trans healthcare, establish legal counseling for queer people facing particular state repression or language barriers, provide support for queer seniors, increase mutual aid funds for queer people in acute emergency situations, and do countless other things.
Our proposals for a solidaristic and intersectional Pride
- Autonomy instead of institutionalization
A political demonstration must not be organized according to the logics of commerce and profit. Instead of using media attention for advertising and sponsorship, it must be used for political education, awareness work and anti-racist education. That a profit-oriented “Stonewall GmbH” bears responsibility for a demonstration is contradictory: a limited liability company serves economic interests, a Pride is the expression of a fundamental right. Queer protest and queer spaces must be autonomous, solidaristic and committed to the community, not to profit maximization. - More awareness instead of security
The currently high expenses on security often give the impression that they primarily ensure the protection of sponsors and profit interests. Assaults continue to occur despite these security measures, while personal drinks or small personal items are checked. We call for a professional awareness concept: qualified awareness teams should ensure safety, de-escalation and non-violent intervention in cases of discriminatory incidents in public space and during Pride. - Space for marginalized queers instead of corporations
Instead of advertising floats from large global corporations (such as Coca-Cola or Allianz) which are viewed critically internationally due to inhumane and fascist policies, spaces should be created that visibly include marginalized queer people. This includes, for example, disabled queers whose presence and participation can be strengthened through accessible floats for people with limited mobility or chronic illnesses. - Fair participation instead of fees
Queer groups with vehicles (starting with cargo bikes) currently pay high fees just to be able to participate in a demonstration for their own rights. At the same time, funding of 651,000€ and sponsorship income from 38 companies are presented as insufficient. We demand transparency and fairness: queer organizations must not have to pay to exercise their rights. Human rights must not be tied to participation fees.
A solidaristic and anti-capitalist Pride is possible!
Numerous Pride demonstrations worldwide show that politicized, inclusive and non-commercial events are possible even with a minimal budget– most recently the Budapest Pride last year. It made clear that neither state funding nor official permits are prerequisites for a successful Pride. This comparison in particular makes visible how depoliticized Pride has become in Vienna. Initiatives such as Pride Reclaimed, Dyke March or Trans Viel Demo also show locally that a solidaristic, combative Pride without commercial appeasement is possible. The international Feminist Fight Day or May 1st make it clear: activism works without advertising and without capitalist interests. Without commerce, the political core of a movement is not diluted, and protest can be more than mere representation in rainbow colors; it can be militant and transformative.
We know that we have found clear words with this criticism. May it be a starting point for better cooperation. We continue to stand ready with our resources. Let us organize a real queer protest movement together: against commercialization, depoliticization, cuts, the increasingly right-wing politics and against hostility toward queer people. Let us stand up collectively, in solidarity and intersectionally, for change.
Let us fight together!
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Das Problem
[for english version see below]
Liebe HOSI, liebe Vienna Pride,
wir glauben, dass euer Ziel darin besteht, für die Rechte der Wiener queeren Community zu kämpfen. Ihr vertretet uns und versucht, im Rahmen eures Handlungsspielraums alle so gut wie möglich mitzunehmen. Danke für eure Arbeit!
Wir, ein Zusammenschluss queerer Organisationen, die queere Community Wiens, empfinden seit geraumer Zeit jedoch keine Verbundenheit mehr zu eurer Arbeit und sehen es daher als unsere Verantwortung, euch darauf aufmerksam zu machen. Wir treten vor allem deshalb an euch heran, da die HOSI eine zentrale Machtposition im queeren Aktivismus in Wien innehat:
Ressourcenmacht: Die jährliche Fördersumme, die euch zur Verfügung steht, ist beachtlich. Alle anderen queeren Gruppen Wiens zusammen verfügen nicht einmal über einen Bruchteil dieser Förderungen.
Deutungsmacht: Durch eure jahrzehntelange aktivistische Arbeit seid ihr besser vernetzt und habt einen leichten Zugang zu Medien und Politiker:innen. Andere queere Organisationen in Wien haben diesen Zugang nicht.
Privilegienmacht: Der Vorstand der HOSI ist größtenteils weiß und SPÖ-affin. Vorwürfe von Machtmissbrauch innerhalb des Vorstands ziehen keine erkennbaren Konsequenzen nach sich. Privilegien und Macht müssen jedoch stets reflektiert werden; sie bringen Verantwortung mit sich und dürfen nicht vor Konsequenzen schützen.
Mit diesem Brief möchten wir euch unsere Anliegen anvertrauen und diese erörtern, mit dem Ziel, unsere diversen Ressourcen, unser Wissen und unsere Lebensrealitäten zur Verfügung zu stellen. Unsere Anliegen betreffen einerseits die jährliche Pride Parade, andererseits die politische und aktivistische Haltung der HOSI generell.
Die Pride muss wieder zu einem politischen Protest werden!
Von den Ursprüngen der Regenbogenparade, angeführt von BIPoC trans Frauen und getragen vom Widerstand gegen staatliche Repression, ist bei der heutigen Vienna Pride kaum noch etwas zu erkennen. Während früher der Kampf für die Rechte marginalisierter queerer Menschen und die Auflehnung gegen staatliche Gewalt im Zentrum standen, dominieren heute Konzerne und ihre Profitinteressen das Bild. Das massenhafte Abspringen dieser Unternehmen im Zuge einer zunehmend rechten politischen Landschaft hat deutlich gemacht, dass diese vermeintliche Allyship nie auf einem ernsthaften Einsatz für queere Rechte beruhte, sondern auf wirtschaftlichem Kalkül.
Wir sind keine Konsument:innen. Wir sind queer. Queerness verstehen wir als eine progressive politische Identität, die auf die Befreiung aller unterdrückten Gruppen abzielt. Eine Assimilation in ein kaputtes System ist weder eine Option noch Aktivismus.
Aktivismus bedeutet Veränderung: das Hinterfragen, Reformieren und letztlich Abschaffen von Strukturen, die Marginalisierung reproduzieren. Aus unserer Perspektive scheint die Zusammenarbeit mit staatlichen Akteur:innen und Kapital als ein notwendiges Übel verstanden zu werden. Doch die Realität zeigt, dass eure Bemühungen, Staat und Wirtschaft gerecht zu werden, euch nicht davor schützen, dass Förderungen schrumpfen und Sponsor:innen reihenweise abspringen. In einem Artikel auf ggg.at bedauert ihr die Kürzung der Förderungen mit der Begründung, dass dadurch „bei der Menschenrechtsarbeit gespart“ werde, da anstelle der ehemaligen Pride-Village-Woche nur noch ein einziger Tag stattfinden könne. Genau hier zeigt sich eine grundlegende Distanz zwischen uns: Überteuerte Getränke und Pride-Merchandise von Unternehmen sind keine Menschenrechte. Zudem sind sie nur für bestimmte Teile der LGBTIA+-Community zugänglich– nämlich für Konsument:innen, die es sich leisten können.
Intersektionalität statt Kapitalinteressen
Wir können eure zunehmende Integration in eine immer rechter werdende politische Landschaft nicht nachvollziehen. Organisationen, die sich als queer-feministisch und aktivistisch verstehen, tragen aus unserer Sicht eine besondere Verantwortung, sich kritisch mit bestehenden Machtverhältnissen auseinanderzusetzen und sich gegen rechte, patriarchale und kapitalistische Strukturen zu positionieren.
Wir nehmen wahr, dass durch das Bestreben, wirtschaftlichen Interessen und kapitalnahen Akteur:innen gerecht zu werden, politische Inhalte zunehmend in den Hintergrund rücken. Dies führt dazu, dass sich insbesondere viele nicht-weiße Queers nicht repräsentiert fühlen. Rückmeldungen aus der Community sowie Umfragen zu den Eindrücken queerer Personen zeigen, dass die fortschreitende Kommerzialisierung und Entpolitisierung der Vienna Pride bei vielen Menschen Unbehagen auslöst. Zusätzlich werden ein mangelnder Umgang mit Rassismus und weißer Ignoranz, das Fehlen klarer Schutzkonzepte im Umgang mit übergriffigem Verhalten sowie erschwerte Zugänglichkeit kritisch benannt.
Wir halten es für grundlegend, Intersektionalität ins Zentrum queeren Aktivismus zu rücken!
LGBTIA+-Aktivismus kann nicht isoliert stattfinden, sondern muss in Solidarität mit den Befreiungskämpfen aller unterdrückten Gruppen auf der Welt stehen. Imperialismus, Kolonialismus und Rassismus stehen in enger Wechselwirkung mit Queerfeindlichkeit und sind Teil jener gesellschaftlichen und staatlichen Machtverhältnisse, die Ausgrenzung, Unterdrückung und Gewalt reproduzieren.
Es braucht besondere Achtsamkeit und ein aktives Bekenntnis dazu, tatsächlich für eine vielfältige und breite queere Community einzustehen. Diese Community artikuliert immer wieder seit langem, was ihr wichtig ist: Kritik an der fortschreitenden Kommerzialisierung der Pride, an der Stonewall GmbH, an der Neutralität angesichts des Genozids in Gaza sowie an der Ausstrahlung des Eurovision Song Contests (ESC).
Die Machtposition der HOSI wird wiederholt missbraucht, indem notwendige, aber unbequeme Diskurse aktiv ignoriert werden. Statt sich mit Kritik auseinanderzusetzen, wird in der Zeitschrift Lambda rassistischem und zionistischem Gedankengut eine Plattform geboten. Weiterhin wurde der von Israel mitfinanzierte ESC trotz massiver Kritik unkommentiert im Vereinslokal ausgestrahlt– ein Event, das als Propagandainstrument für ethnische Säuberung und einen anhaltenden, menschenrechtsverletzenden Völkermord an der palästinensischen Bevölkerung fungiert. Gleichzeitig wurde unter rassistischen Vorwänden Polizei auf demonstrierende Queers gehetzt, indem ihre Vermummung pauschal als Gefährdung dargestellt wurde. Für diese Gewaltübergriffe wurde weder Verantwortung übernommen noch eine klare Position bezogen.
Die ESC-Ausstrahlung, der mittlerweile von mehreren Ländern sowie queeren Sieger:innen boykottiert wird, ist dabei nur symptomatisch. Sie steht exemplarisch für ein tief verankertes neoliberales Selbstverständnis, in dem weiße queere Personen als Aushängeschild eines vermeintlich liberalen Paradieses fungieren. Dieses Narrativ dient nicht nur der Verschleierung realer Ausschlüsse, sondern auch der Legitimation kolonialer Gewalt. Queere Liberation wird zu einem zynischen Propagandainstrument, mit dem die Gewaltpolitik Israels gegenüber der palästinensischen Bevölkerung gerechtfertigt wird.
Wir halten diese Entwicklungen nicht für eure Intention, aber wir befürchten, dass dieses Hereinspielen in nationalistiche Narrative und die Zusammenarbeit mit der Staatsgewalt ein taktischer Fehler ist, besonders in Zeiten der rapiden Regression. Die Rechte der am stärksten attackiertesten Communitys unter uns werden vielleicht als erstes verschwinden, aber die aktuellen Entwicklungen in der USA zeigen, wie queeres Leben auch in seinen assimiliertesten Formen in kurzer Zeit unter Beschuss stehen kann. Und selbst wenn dem nicht so wäre, ist kein Tausch zwischen den Rechten priviligierter queerer Personen mit der Freiheit von regelmäßigen Opfern von Polizeigewalt, Abschiebungen und Genozid duldbar. Queere Liberation nicht nur in Repräsentation und Sichtbarkeit zu suchen, sondern uns gegenseitig zu schützen und dabei an keiner Ecke loszulassen, ist jetzt dringender denn je.
Wir fordern die HOSI deswegen an dieser Stelle nachdrücklich dazu auf, ihre institutionellen Muster, politischen Haltungen und Machtverhältnisse kritisch zu reflektieren. Dazu gehört insbesondere eine Auseinandersetzung mit strukturellem Rassismus, Whiteness und neoliberalen Ausschlussmechanismen innerhalb des Vereins. Eine queere Interessenvertretung, die Solidarität ernst nimmt, muss bereit sein, eigene Privilegien zu hinterfragen, marginalisierte Perspektiven einzubeziehen und Verantwortung für die Auswirkungen des eigenen Handelns zu übernehmen. Nur durch eine konsequente Selbstkritik und strukturelle Veränderung könnt ihr eurem Anspruch gerecht werden, ein solidarischer und emanzipatorischer Raum für alle Queers zu sein.
Die zuvor benannten Probleme zeigen deutlich: Kommerzialisierung, Entpolitisierung und fehlende intersektionale Sensibilität sind keine Randerscheinungen, sondern strukturelle Herausforderungen, die dringend angegangen werden müssen. Wir möchten daher nicht nur Missstände benennen, sondern auch konstruktive Wege aufzeigen, wie die Vienna Pride wieder zu einem Raum werden kann, der für alle Queers sicher, sichtbar und politisch wirksam ist. Im Folgenden formulieren wir unsere zentralen Vorschläge für eine solidarische, inklusive und intersektionale Praxis.
Mit den Ressourcen, die euch zur Verfügung stehen, können queere Geflüchtete und Migrant:innen aufgenommen, sex-arbeitende Queers unterstützt, queere BIPoC Housing Projekte erhalten, gegen Polizei- und Gefängnisgewalt gegen trans Personen vorgegangen, breitere Ausbauten im Sinne der Zugänglichkeit für behinderte Queers in unseren Spaces finanziert, Netzwerke zur selbstständigen trans Healthcare unterstützt, Rechtsberatungen für Queers unter besonderer staatlicher Repression oder Sprachbarriere aufgebaut, Unterstützung für queere Senior:innen gegeben, Mutual Aid Funds für Queers in akuten Notsituationen aufgestockt und endlose weitere Dinge getan werden.
Unsere Vorschläge für eine solidarische und intersektionale Pride
- Autonomie statt Institutionalisierung
Eine politische Demonstration darf nicht nach den Logiken von Kommerz und Profit organisiert werden. Anstatt mediale Aufmerksamkeit für Werbung und Sponsoring zu nutzen, muss sie für politische Bildung, Awareness-Arbeit und antirassistische Aufklärung eingesetzt werden. Dass eine profitorientierte “Stonewall GmbH” Verantwortung für eine Demonstration trägt, ist widersprüchlich: Eine GmbH dient wirtschaftlichen Interessen, eine Pride ist Ausdruck eines Grundrechts. Queerer Protest und queere Räume müssen autonom, solidarisch und der Community verpflichtet sein und nicht der Profitmaximierung. - Mehr Awareness statt Security
Die derzeit hohen Ausgaben für Security erwecken oft den Eindruck, vorrangig den Schutz von Sponsor:innen und Profitinteressen zu gewährleisten. Übergriffe treten trotz dieser Sicherheitsmaßnahmen weiterhin auf, während eigene Getränke oder kleine persönliche Gegenstände kontrolliert werden. Wir fordern ein professionelles Awareness-Konzept: Qualifizierte Awareness-Teams sollen im öffentlichen Raum und während der Pride für Sicherheit, Deeskalation und gewaltfreie Intervention bei diskriminierenden Vorfällen sorgen. - Raum für marginalisierte Queers statt Konzerne
Statt Werbewägen großer globaler Konzerne (wie etwa Coca-Cola oder Allianz), die aufgrund menschenfeindlicher und faschistischer Politik international kritisch betrachtet werden, sollten Flächen geschaffen werden, die marginalisierte queere Menschen sichtbar einbeziehen. Dazu zählen bspw. behinderte Queers, deren Präsenz und Teilnahme etwa durch barrierefreie Wagen für Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder chronischen Erkrankungen gestärkt werden kann. - Faire Teilnahme statt Gebühren
Queere Gruppen mit Fahrzeugen (angefangen beim Lastenrad) zahlen derzeit hohe Gebühren, um überhaupt an einer Demonstration für ihre eigenen Rechte teilnehmen zu dürfen. Gleichzeitig werden Fördermittel in Höhe von 651.000 € und Sponsor:innen-Einnahmen von 38 Unternehmen als nicht ausreichend dargestellt. Wir fordern Transparenz und Gerechtigkeit: Queere Organisationen dürfen nicht für die Wahrnehmung ihrer Rechte zahlen müssen. Menschenrechte sollten nicht an Teilnahmegebühren gekoppelt sein.
Eine solidarische und antikapitalistische Pride kann funktionieren!
Zahlreiche Pride-Demonstrationen weltweit zeigen, dass politisierte, inklusive und unkommerzialisierte Veranstaltungen auch mit minimalem Budget möglich sind, zuletzt die Budapest Pride im vergangenen Jahr. Sie hat verdeutlicht, dass weder staatliche Förderung noch behördliche Genehmigung Voraussetzung für eine erfolgreiche Pride sind. Gerade dieser Vergleich macht sichtbar, wie sehr die Pride in Wien entpolitisiert wurde. Auch hierzulande zeigen Initiativen wie Pride Reclaimed, Dyke March oder Trans Viel Demo, dass eine solidarische, kämpferische Pride ohne kommerzielle Anbiederung möglich ist. Der Feministische Kampftag oder der 1. Mai verdeutlichen: Aktivismus funktioniert ohne Werbung und ohne kapitalistische Interessen. Ohne Kommerz wird der politische Kern einer Bewegung nicht verwässert, und Protest kann mehr sein als bloße Repräsentation in Regenbogenfarben, er kann kämpferisch und transformativ sein.
Wir wissen, dass wir mit dieser Kritik klare Worte gefunden haben. Möge sie ein Startpunkt für eine bessere Zusammenarbeit sein. Wir stehen weiterhin mit unseren Ressourcen bereit. Organisieren wir gemeinsam eine echte queere Protestbewegung: Gegen Kommerzialisierung, Entpolitisierung, Kürzungen, die zunehmend rechte Politik und gegen Queerfeindlichkeit. Lasst uns kollektiv, solidarisch und intersektional für Veränderung eintreten.
Lasst uns gemeinsam kämpfen!
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Dear HOSI, dear Vienna Pride,
we do believe that your goal is to fight for the rights of Vienna’s queer community. You represent us and try, within the scope of your possibilities, to take everyone along as well as possible. Thank you for your work!
However, we, a coalition of queer organizations from Vienna’s queer community, have for some time no longer felt a sense of connection to your work and therefore see it as our responsibility to draw your attention to this. We are approaching you above all because HOSI holds a central position of power in queer activism in Vienna:
Resource power: The annual amount of funding available to you is considerable. All other queer groups in Vienna together do not even have access to a fraction of this funding.
Influential power: Through your decades of activist work, you are better connected and have easy access to media and politicians. Other queer organizations in Vienna do not have this access.
Privilege power: The HOSI board is largely white and affiliated with the SPÖ. Allegations of abuse of power within the board do not result in any visible consequences. Privilege and power must always be reflected upon; they entail responsibility and must not shield anyone from consequences.
With this letter, we would like to entrust you with our concerns and discuss them, with the aim of making our diverse resources, our knowledge and our lived realities available. Our concerns relate on the one hand to the annual Pride Parade and on the other hand to the political and activist stance of HOSI in general.
Pride must once again become a political protest!
Of the origins of the Rainbow Parade, led by BIPoC trans women and carried by resistance against state repression, hardly anything can be recognized in today’s Vienna Pride. Whereas the struggle for the rights of marginalized queer people and resistance to state violence used to be at the center, corporations and their profit interests now dominate the picture. The mass withdrawal of these companies in the context of an increasingly right-wing political landscape has made it clear that this supposed allyship was never based on a serious commitment to queer rights, but on economic calculation.
We are not consumers. We are queer. We understand queerness as a progressive political identity that aims at the liberation of all oppressed groups. Assimilation into a broken system is neither an option nor activism.
Activism means change: questioning, reforming and ultimately abolishing structures that reproduce marginalization. From our perspective, cooperation with state actors and capital appears to be understood as a necessary evil. Yet reality shows that your efforts to satisfy the state and the economy do not protect you from shrinking funding and sponsors dropping out in large numbers. In an article on ggg.at, you lament the reduction in funding on the grounds that this means that “human rights work is being cut,” since instead of the former Pride Village week only a single day can now take place. This is exactly where a fundamental distance between us becomes apparent: overpriced drinks and Pride merchandise from companies are not human rights. Moreover, they are only accessible to certain parts of the LGBTIA+ community, that is consumers who can afford them.
Intersectionality instead of capital interests
We cannot understand your increasing integration into an ever more right-wing political landscape. Organizations that understand themselves as queer-feminist and activist bear, in our view, a special responsibility to critically engage with existing power relations and to position themselves against right-wing, patriarchal and capitalist structures.
We perceive that, in striving to satisfy economic interests and actors close to capital, political content is increasingly pushed into the background. This leads to many non-white queers in particular not feeling represented. Feedback from the community as well as surveys on the perceptions of queer people show that the advancing commercialization and depoliticization of Vienna Pride cause discomfort for many people. In addition, inadequate handling of racism and white ignorance, the absence of clear protection concepts in dealing with abusive behavior, and limited accessibility are critically named.
We consider it fundamental to place intersectionality at the center of queer activism!
LGBTIA+ activism cannot take place in isolation, but must stand in solidarity with the liberation struggles of all oppressed groups around the world. Imperialism, colonialism and racism are closely intertwined with hostility toward queer people and are part of those social and state power relations that reproduce exclusion, oppression and violence.
It requires particular attentiveness and an active commitment to truly stand up for a diverse and broad queer community. This community has repeatedly articulated what is important to its members for a long time: criticism of the advancing commercialization of Pride, of Stonewall GmbH, of neutrality in the face of the genocide in Gaza, as well as of the broadcasting of the Eurovision Song Contest (ESC).
HOSI’s position of power is repeatedly abused by actively ignoring necessary but uncomfortable discourses. Instead of engaging with criticism, the magazine Lambda provides a platform for racist and zionist ideas. Furthermore, the ESC, co-financed by Israel, was broadcast without comment in the association’s premises despite massive criticism, an event that functions as a propaganda instrument for ethnic cleansing and an ongoing, human-rights-violating genocide against the Palestinian population. At the same time, under racist pretexts, police were incited against demonstrating queers by portraying their face coverings in a blanket manner as a threat. No responsibility was taken for these acts of violence, nor was a clear position adopted.
The ESC broadcast, which is now being boycotted by several countries as well as queer winners, is only symptomatic. It stands as an example of a deeply entrenched neoliberal self-understanding in which white queer people function as the showcase of a supposedly liberal paradise. This narrative serves not only to obscure real exclusions, but also to legitimize colonial violence. Queer liberation becomes a cynical propaganda instrument used to justify Israel’s violent policies toward the Palestinian population.
We do not consider these developments to be your intention, but we fear that this playing into nationalistic narratives and cooperation with state power is a tactical mistake, especially in times of rapid regression. The rights of the most heavily attacked communities among us may disappear first, but current developments in the United States show how queer life, even in its most assimilated forms, can come under attack in a short time. And even if that were not the case, no trade-off between the rights of privileged queer people and the freedom of those who are regular victims of police violence, deportations and genocide is tolerable. Seeking queer liberation not only in representation and visibility, but in protecting one another and not letting go at any point, is more urgent now than it has been in a long time.
We therefore urgently call on HOSI at this point to critically reflect on its institutional patterns, political positions and power relations. This includes in particular an engagement with structural racism, whiteness and neoliberal mechanisms of exclusion within the association. A queer advocacy organization that takes solidarity seriously must be willing to question its own privileges, include marginalized perspectives and take responsibility for the effects of its actions. Only through consistent self-criticism and structural change can you live up to your claim of being a solidaristic and emancipatory space for all queers.
The problems named above clearly show that commercialization, depoliticization and a lack of intersectional sensitivity are not marginal phenomena, but structural challenges that urgently need to be addressed. We therefore not only want to name grievances, but also point out constructive ways in which Vienna Pride can once again become a space that is safe, visible and politically effective for all queers. Below we draft our central proposals for a solidaristic, inclusive and intersectional practice.
With the resources available to you, you can take in queer refugees and migrants, support queer sex workers, maintain queer BIPoC housing projects, take action against police and prison violence against trans people, finance broader accessibility improvements for disabled queers in our spaces, support networks for independent trans healthcare, establish legal counseling for queer people facing particular state repression or language barriers, provide support for queer seniors, increase mutual aid funds for queer people in acute emergency situations, and do countless other things.
Our proposals for a solidaristic and intersectional Pride
- Autonomy instead of institutionalization
A political demonstration must not be organized according to the logics of commerce and profit. Instead of using media attention for advertising and sponsorship, it must be used for political education, awareness work and anti-racist education. That a profit-oriented “Stonewall GmbH” bears responsibility for a demonstration is contradictory: a limited liability company serves economic interests, a Pride is the expression of a fundamental right. Queer protest and queer spaces must be autonomous, solidaristic and committed to the community, not to profit maximization. - More awareness instead of security
The currently high expenses on security often give the impression that they primarily ensure the protection of sponsors and profit interests. Assaults continue to occur despite these security measures, while personal drinks or small personal items are checked. We call for a professional awareness concept: qualified awareness teams should ensure safety, de-escalation and non-violent intervention in cases of discriminatory incidents in public space and during Pride. - Space for marginalized queers instead of corporations
Instead of advertising floats from large global corporations (such as Coca-Cola or Allianz) which are viewed critically internationally due to inhumane and fascist policies, spaces should be created that visibly include marginalized queer people. This includes, for example, disabled queers whose presence and participation can be strengthened through accessible floats for people with limited mobility or chronic illnesses. - Fair participation instead of fees
Queer groups with vehicles (starting with cargo bikes) currently pay high fees just to be able to participate in a demonstration for their own rights. At the same time, funding of 651,000€ and sponsorship income from 38 companies are presented as insufficient. We demand transparency and fairness: queer organizations must not have to pay to exercise their rights. Human rights must not be tied to participation fees.
A solidaristic and anti-capitalist Pride is possible!
Numerous Pride demonstrations worldwide show that politicized, inclusive and non-commercial events are possible even with a minimal budget– most recently the Budapest Pride last year. It made clear that neither state funding nor official permits are prerequisites for a successful Pride. This comparison in particular makes visible how depoliticized Pride has become in Vienna. Initiatives such as Pride Reclaimed, Dyke March or Trans Viel Demo also show locally that a solidaristic, combative Pride without commercial appeasement is possible. The international Feminist Fight Day or May 1st make it clear: activism works without advertising and without capitalist interests. Without commerce, the political core of a movement is not diluted, and protest can be more than mere representation in rainbow colors; it can be militant and transformative.
We know that we have found clear words with this criticism. May it be a starting point for better cooperation. We continue to stand ready with our resources. Let us organize a real queer protest movement together: against commercialization, depoliticization, cuts, the increasingly right-wing politics and against hostility toward queer people. Let us stand up collectively, in solidarity and intersectionally, for change.
Let us fight together!
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Petition am 14. Februar 2026 erstellt