Statement des Gesamtelternbeirats Kita zum Stand der Situation in Ebersbach
Sehr geehrte Eltern,
Sehr geehrte Damen und Herren,
als wir am 13.05. dieses Jahres die Ihnen allen bekannte öffentliche Petition gestartet haben, waren wir als Elternvertreter der Kitas nach Jahren an einem Punkt angelangt, an dem wir kaum noch den Willen und die Fähigkeiten Seitens der Stadtverwaltung wahrnehmen konnten, die Aufgaben als Träger von öffentlichen Kindertageseinrichtungen und Schulbetreuung zum Wohle aller Ebersbacher Kinder erfüllen zu können.
Wir hätten selbst nie gedacht, dass innerhalb so weniger Tage diese Petition von über 1000 Personen unterschrieben wird. Obwohl wir nur zu Beginn einmalig dafür aufgerufen haben, sind wir nun bei 1300 gesammelten Unterschriften für unsere Kinder.
Vielen Dank an dieser Stelle für JEDE einzelne Unterschrift!
Das Verlesen im öffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung einige Tage nach Petitionsstart, im Beisein der Zeitung, hat zudem dazu geführt, dass mehrfach über diese Situation in der NWZ und Stuttgarter Zeitung berichtet wurde. Das erste Mal seit langem gab es ausführliche, halbseitige Artikel zu einem Thema das Ebersbach betrifft in der NWZ und das sogar 2-mal hintereinander.
Uns war von Anfang an bewusst, dass sich diese negative Presse mitunter auch negativ auf die Kita- und Schulbetreuungssituation auswirken könnte, auch mit der Befürchtung, dass sich spätestens danach keine Erzieher*innen oder Betreuer*innen mehr in Ebersbach bewerben werden.
Diese Befürchtungen haben sich aber nicht erfüllt. Ganz im Gegenteil! Die Stadtverwaltung ist in kürzester Zeit auf vorherige Vorschläge und Forderungen unsererseits eingegangen, mitunter Dinge die bisher als nicht umsetzbar zurückgewiesen, ewig verschleppt oder auf die einfach gar nicht reagiert wurde. Potenzielles Personal hat sich bei uns direkt gemeldet und leider auch teilweise über irritierende Erfahrungen im Bewerbungsverfahren mit der Stadtverwaltung berichtet. Keine Frage, die Kommunikation findet nach wie vor nicht auf Augenhöhe statt, von Zusammenarbeit zum Wohle der Kinder kann bisher keine Rede sein und es gibt noch viele offene Probleme, die es zu beheben gilt. Aber, es war ein erfolgreicher, wohl längst überfälliger Schritt in die richtige Richtung.
Auch wurde in der Zeit nach der Petition, durch Informationen aus Gesprächen mit Eltern, den Fraktionen und auch aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern der Stadt, deutlich klarer sichtbar, dass die vom GEB Kita und GEB Schule beschriebenen Probleme wohl zu großen Teilen auf die Personalführungsebenen der Stadtverwaltung selbst zurückzuführen sind und eher selten ihren Ursprung direkt in den Kitas/Schulen haben.
Aus den Fraktionen wurde uns viel Verständnis entgegengebracht, auch Lob, dass wir diesen Schritt gegangen sind. Er helfe dem Gemeinderat den Standpunkt der Eltern zu vertreten und auch hier fließen jetzt deutlich mehr Informationen zwischen Elternschaft/GEB und den Fraktionen, oft Dinge, die vorher nicht oder nicht in diesem Ausmaß bekannt waren. Dabei bekamen wir auch oft zu hören, dass die Mitglieder des Gemeinderates unter ähnlichen teils den gleichen Problemen mit der Stadtverwaltung leiden, von denen wir vom GEB bzw. den einzelnen Elternbeiräten oft berichten. Selbst von ehemaligen und aktuellen Erzieher*innen und Kita Leitungen haben wir ähnliche Rückmeldungen erhalten, vor allem auch positive diesen Schritt gegangen zu sein.
Die hohe Fluktuation im Rathaus (nicht nur in den Kitas oder beim Betreuungspersonal selbst) hat gute Gründe. Die Zahl an mitunter langjährigen Mitarbeitern, die frustriert sind, es nur noch durch den Tag schaffen wollen oder letztendlich kündigen, wuchs über die letzten Jahre stetig. Dazu kommt, dass Stellen nicht ausgeschrieben werden, durch Personalmangel in der Personalabteilung nicht ausgeschrieben werden können oder niemand zeitnah dafür gefunden wird. Qualifiziertes Personal geht, ein Wissenstransfer findet durch den zeitlichen Versatz nicht statt, Auszubildende bleiben nicht und viele die aktuell noch da sind, werden durch die vielen Aufgaben, die auf wenigen Schultern verteilt werden müssen, erdrückt. Das Ergebnis ist weiterer Frust auf allen Seiten, noch mehr Abschottung und der Versuch so wenig, wie möglich ungefilterte Informationen nach außen dringen zu lassen seitens der Stadtverwaltung.
Dies sieht man nicht nur im Bereich der Kitas oder Schulen, sondern auch ganz aktuell z.B. in der Stadtbibliothek. Dort wurde kürzlich eine Petition von Ebersbachern gestartete, die ebenfalls auf eine langjährige und mittlerweile prekäre Personalsituation hinweist. Die Stadtbibliothek hat daher nur noch an Freitagen für einige Stunden geöffnet (Die Petition liegt in der Stadtbibliothek aus, ein Besuch lohnt sich also doppelt). Oder auch die Schließzeiten im Bürgerservice usw. …
Die Problematik ist also viel größer und betrifft vor allem viel mehr Bereiche als es uns von den GEBs bisher bewusst war. Eine einfache Lösung gibt es hierfür sicher nicht und wir allein werden das auch nicht lösen können. Was uns, dem Gemeinderat aber auch der Stadtverwaltung hilft, sind die Informationen, die wir von Ihnen bekommen. Auf der privaten Schiene, oder auch über unsere E-Mail-Adresse geb-ebersbach@gmx.de
Die extra aufgrund der Petition anberaumte Gemeinderatsitzung am Montag den 21.6. war für uns als Bürger dieser Stadt, als Wähler und vor allem auch als Eltern ernüchternd. Die Stadtverwaltung hat den Großteil der Sitzung dazu genutzt die Situation in Deutschland bis „hinunter“ nach Ebersbach anhand von Zahlen zum Erzieher*innenmangel zu erläutern. An diesem generellen Mangel könne man nichts ändern und auch an den stetig wachsenden Krankheitstagen lässt sich seitens der Stadt nichts tun (Langzeiterkrankungen eingeschlossen). Coronabedingt sind diese zusätzlich noch gestiegen und wohl auf einem aktuellen Allzeithoch.
Wir kennen diese Situation zu gut, haben nachlesbar oft genug darauf hingewiesen und sind uns sehr wohl im Klaren, dass die Stadtverwaltung nicht den deutschlandweiten Fachkräftemangel beheben kann. Wenn man als Arbeitgeber allerdings in so einem Marktumfeld, zudem noch so unattraktiv ist wie Ebersbach, potenziert sich die Problematik wie wir gerade sehen können und man findet weder kompetentes Personal für die Kitas noch zur Besetzung offener Stellen in der Stadtverwaltung, geschweigenden kann man dieses halten.
Direkt im Anschluss wurde dann aufgeführt was die Stadt bereits tut und wohl schon lange plante zu tun. Die Petition hätte daran nichts geändert, vielleicht den Vorgang nur etwas beschleunigt, erwähnte der Bürgermeister mehrfach. Die Vorschläge der Petition wurden der Reihe nach als nicht umsetzbar seitens der Stadtverwaltung abgelehnt oder als schon lange umgesetzt abgehakt. Von einer Einsicht, dass Probleme in der Stadtverwaltung bzw. direkt bei der Personalführung bestehen, war nichts zu hören, auch wurden keine eigenen Lösungsvorschläge vorgebracht welche hier Abhilfe schaffen könnten.
Um das Gesicht der Gemeinderatsmitglieder und der Stadtverwaltung wahren zu können, wurde die Sitzung nach knapp einer Stunde ohne eine Abstimmung über die Petition beendet. Stellung dazu wurde hierbei nicht bezogen. Meldungen und Fragen aus den Reihen der Gemeinderäte gab es nahezu keine, obwohl wir diese umfangreich zuvor informiert hatten. Dieses Vorgehen wurde wohl am Tag zu vor von Gemeinderäten und Stadtverwaltung abgesprochen.
Gerade die Kita Situation lässt sich auch mittel- und langfristig nur durch kreative, zeitnah umgesetzte Lösungen verbessern. Der Markt mit einem steigenden Mangel an Erzieher*innen bei gleichzeitig wachsender Nachfrage erlaubt kein Vorgehen wie bisher, auch nicht für eine Stadtverwaltung. Ein Verweis auf träge Mühlen einer Verwaltung hilft hier sicher nicht, auch nicht auf ein von der Politik herbeigeführtes Problem. Lösen müssen wir es trotzdem hier vor Ort. Das sind eigentlich die Aufgaben einer funktionierenden Stadtverwaltung, die als öffentlicher Dienst dazu da ist, den Bürgern Dienst zu leisten und nicht andersherum.
Wir, der GEB Kita haben dies nach wie vor im Blick und wollen die Kitasituation in Ebersbach für unsere Kinder verbessern. Daher haben wir in einer Sitzung mit Vertretern aus den Fraktionen der Grünen, CDU, FW, BIG und SPD am Montag den 20.06. den Vorschlag eingebracht einen gemeinsamen Arbeitskreis zu starten, zusammen mit der Stadtverwaltung. Um Probleme sichtbar zu machen, Lösungsvorschläge zu erarbeiten, die Umsetzung und auch die Wirksamkeit zu verfolgen und auch nach außen transparent machen zu können. Und hier kommen wir zum einzigen Lichtblick aus der Gemeinderatsitzung, denn dieser Vorschlag wurde von der Stadtverwaltung aufgegriffen und soll als „Forum Kinderbetreuung“ initiiert werden.
Wir danken allen Familien, die sich die Zeit genommen haben am vergangenen Dienstag vor Ort zu sein und sind gespannt auf ein Gespräch auf Augenhöhe mit der Stadtverwaltung, in der Hoffnung, dass bis dahin schon konkrete Ideen erarbeitet und umgesetzt wurden.
Der Gesamtelternbeirat Kita Ebersbach