Jan VahlenkampHamburg, Germany
Jan 7, 2021

Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer,

am heutigen Tag hat die Behörde für Kultur und Medien eine Pressemitteilung veröffentlicht, in welcher darauf hingewiesen wird, dass die Senatskommission für die Benennung von Verkehrsflächen am 17. Dezember 2020 den Beschluss gefasst hat, eine Straße in Rissen nach Katharina Hanen zu benennen. Dem vorausgegangen war ein Beschluss der Bezirksversammlung Altona (die Bezirke haben in Hamburg das Vorschlagsrecht für Straßennamen), der eine Folge der Petition war, die ich im Jahr 2016 initiiert hatte. Im Amtlichen Anzeiger vom 30. Dezember 2020 ist der Beschluss bereits vermerkt.

Die Straße wird Katherina-Hanen-Weg heißen. Das „e“ statt dem „a“ im Namen ist der Tatsache geschuldet, dass in der Kämmereirechnung von 1444 von einer Katherina die Rede ist. Der Name Katharina ist wohl eine modernere Adaption. Die Straße befindet sich in einem Neubaugebiet in Rissen, dem westlichsten Stadtteil auf dem Hamburger Festland. Sie geht von der Straße Iserbarg ab. In Rissen befindet sich übrigens auch die Straße Hexentwiete, die ihren Namen daher hat, dass im dortigen Wald einst Hexen vermutet wurden. Es ist deshalb eine wunderbare Ergänzung, dass nun daran erinnert wird, dass „die Hexe“ nicht bloß eine Figur aus Sagen und Märchen ist, sondern dass auch ganz real Männer und vor allem Frauen unter dem Stigma, eine Hexe zu sein, leiden mussten.

Als ich 2016 die Petition aufsetzte, war es mir ein Anliegen - damals unter dem Eindruck der sog. Flüchtlingswelle und (wieder-)aufkommendem Rassismus - auf die fatale Wirkung „des Gerüchts“ aufmerksam zu machen. (Nicht erst) in der jetzigen Corona-Krise erleben wir wieder ein vermehrtes Aufkommen von Verschwörungsmythen, die denen der frühneuzeitlichen Hexenverfolgung erschreckend ähneln. Insbesondere gilt dies für die Anhänger des Kultes um QAnon. (Das sind die Leute, die den gestrigen Capitolsturm in Washington zu verantworten haben.) Wieder ist von angeblichen Teufelsanbetern die Rede, wieder geht es um angeblich entführte Kinder und wieder spielt ein (erfundenes) magisches Elixier eine Rolle. Auch in Europa betätigen sich Hobby-Exorzisten im Zusammenhang mit den Protesten der Corona-Leugner und Wissenschafts-Feinde. Es gäbe also wohl keinen geeigneteren Zeitpunkt als jetzt, um an das erste Hamburger Opfer des mörderischen Wahns der Hexenverfolgung zu erinnern.

Ich danke nochmals allen Unterstützerinnen und Unterstützern und vielleicht sieht man sich ja bald mal bei einem Stadtrundgang auf den Spuren der Hexenverfolgung, die ich auch in Zukunft in Kooperation mit der Kaffeeverkostung Hamburg durchführen werde.

Copy link
WhatsApp
Facebook
Nextdoor
Email
X