Die S-Bahn will Rollstuhlfahrer ausgrenzen - stoppen wir das jetzt!

0 haben unterschrieben. Nächstes Ziel: 1.000.


Man könnte meinen, in unserer modernen und fortschrittlichen Gesellschaft sei vieles was unsere Vorgenerationen mühevoll erkämpft haben ein fester Bestandteil unserer Zivilisation.
Wir müssen jedoch erkennen, daß dies leider nicht der Realität entspricht – manche Fortschritte und Errungenschaften sind sogar im Begriff, sich zurückzuentwickeln.

So will die Berliner S-Bahn in Bälde neue Züge auf die Gleise bringen und bewirbt diese mit vollmundigen Versprechungen, zB daß die neue S-Bahn in den Mehrzweckbereichen viel Platz biete.
Tatsächlich ist aber das Gegenteil richtig!

Insbesondere Rollstuhlfahrer, die im ÖPNV ein besonderes Auge benötigen um mit ihrem Rollstuhl über Kanten, an anderen Menschen, an Hindernissen und an Ecken vorbeizukommen und die von sich selbst abverlangen niemanden anzufahren, selbst wenn der gerade mit seinem Smartphone beschäftigt ist, benötigen ein gewisses Maß an Platz und geschickt geplanter Raumaufteilung.

Am Prototyp der neuen S-Bahn sind gravierende Mängel erkennbar:

1. Der Eingangsbereich bei den Mehrzweckbereichen in den Waggons ist viel zu klein, z.B. haben Rollstuhlfahrer kaum eine Chance, hineinzurollen ohne andere Fahrgäste anzufahren und im Eingangsbereich in Türnähe stehen zu bleiben. Rollstühle sollten immer im Eingangsbereich stehen bleiben können, so wie sie es jetzt tun und sollten nicht durch Menschenansammlungen fahren müssen, zumal gerade im ÖPNV die Menschen eng stehen.
2. Der Mehrzweckbereich ist viel zu klein. Es gibt dort zwei Rollstuhlplätze, zwei Kinderwagen- und zwei Fahrradplätze (wobei nichts gleichzeitig hinpasst), jedoch den Rollstuhl zu wenden und quer durch die Kabine an Kinderwagen und Fahrrad oder an anderen Rollstühlen vorbei rückwärts an seinen Platz zu fahren, wird in der Alltagssituation nicht funktionieren (das funktionierte selbst im leeren Waggon bei der Besichtigung nur sehr schwer!), zumal viele Fahrgäste mit Gepäck, Rucksäcken auf Gesichtshöhe der Rollstuhlfahrer, Kinderwagen, Fahrrad, Kindern und Hunden unterwegs sind. Sollte der erste Waggon besetzt sein, was sehr schnell passieren kann, ist der Weg zum nächsten Mehrzweckbereich viel zu weit. Ein Mitfahren des Rollstuhlgastes wird verhindert.
3. Es gibt in den Eingangsbereichen zu den normalen Abteilen nun jeweils zwei senkrechte Haltestangen, auf jeder Seite eine.
Rollstuhlfahrern wird dadurch der freie Einstieg so wie er heute stattfindet, verwehrt und wird auf die nur 4 Mehrzweckbereiche eines Vollzuges beschränkt. Diese Beschränkung verhindert völlig unnötigerweise Selbstbestimmung und Inklusion. Auch Rollstuhlfahrer sollen wie heute an jeder Tür möglich, und nicht lediglich durch vier Türen einsteigen können.
4. Trotz der ständigen Berufung auf die sicherheitsrelevanten Normen wurden die Rollstuhlplätze in Fahrtrichtung montiert, d.h. bei einer Vollbremsung wird der Rollstuhlfahrer aus seinem Rollstuhl in die Fahrtrichtung katapultiert. Aus hinreichender praktischer Erfahrung mit Bussen wissen wir jedoch, dass Rollstuhlfahrer mit dem Rücken in Fahrtrichtung sitzen sollten, um für sich die maximale Sicherheit zu erhalten. Update 31.05.17: wie ich erfuhr ist es lt. EU-Recht erlaubt, Rollstuhlfahrer sowohl in Fahrtrichtung sitzend als auch mit Rücken in Fahrtrichtung zu transportieren.
5. Der Notruftaster zwischen den Klappsitzen ist für Rollstuhlfahrer nicht erreichbar. Es gibt unterschiedliche Aussagen darüber, wo die Notruftaste angebracht wird, Rollstuhlfahrer erhalten jedoch keine Chance mehr die Erreichbarkeit zu testen. Update 31.05.17: Der Notruftaster wird direkt bei den Rollstuhlplätzen montiert werden.
6. Die Innenanzeige der S-Bahn befindet sich für Rollstuhlfahrer unsichtbar hinter den Rollstuhlplätzen.
7. Der nur an der 1. Tür vorhandene Türöffnungstaster für Rollstuhlfahrer ist nicht von jedem erreichbar. Es wird vorgeschlagen, die ersten beiden Türen mit Rolli-Tastern auszustatten. Frage: warum ist es eigentlich nicht vorgesehen, alle Mehrzweckbereiche eines Vollzuges mit Rolli- und Notruf-Tastern auszustatten? Update 31.05.17: Türöffnungstaster für Rollstuhlfahrer wird es an allen vier Mehrzweckbereichen, die für Rollstuhlfahrer bestimmt sind, geben. Türöffner außen: Rollstuhlfahrer 830mm, normal 930mm, Türöffner innen: Rollstuhlfahrer 880mm normal 980mm (gemessen ab Fußboden).
8. Die neue Rampe ist mit nur 61 cm wesentlich kürzer als die jetzige. Sie bildet an Bahnhöfen mit Höhenunterschied einen zu steilen Winkel – dies bedeutet eine sehr große Kippgefahr. Update 31.05.17: Die S-Bahn möchte ein Augenmerk darauf richten, daß selbst bei größeren Höhenunterschieden keine Gefahr für Rollstuhlfahrer besteht.
9. Die automatisch herunterklappenden Überbrückungen für Rollstuhlfahrer, so wie sie die Ringbahn jetzt hat (gut zu erkennen am Ostkreuz), fallen ersatzlos weg, so dass Rollstuhlfahrer genötigt werden, nur am ersten Eingang einzusteigen, was zu den o.g. Problemen führt. Update 31.05.17: die Spaltminderungen (so heißen diese automatisch herunterklappenden Spaltüberbrückungen) wird es bei allen vier für Rollstuhlfahrer vorgesehenen Mehrzweckabteilungen geben.

Meine zweite Begehung am 04.03.2017 (die erste war im Oktober 2016) hat leider ergeben, dass die S-Bahn keinerlei Änderungen zugunsten der rollstuhlfahrenden Gäste vorgenommen hat. Mir und verschiedenen Behindertenverbänden wurde mitgeteilt, dass die neuen S-Bahnzüge so wie vorgesehen auf die Schiene gebracht werden sollen. Dabei sollten alle Gäste diese S-Bahnen bereits ab 2020 für die nächsten 30 Jahre nutzen können. Überdies befürchte ich, daß wenn dieses Modell erst gebaut wird es dann über kurz oder lang auch anderswo eingesetzt wird und das Problem bundesweit verbreitet wird.

Bereits Ende Juni endet die Frist für Änderungsvorschläge, dann wird die S-Bahn so gebaut.

Es wäre ein leichtes, alle diese Mängel zu beheben, jedoch scheint sich die S-Bahn nicht zuzutrauen daß sie das kann - könnte das der Grund für ihre Ignoranz sein?

Ich fordere für uns Rollstuhlfahrer nicht besonderes, sondern das Recht und die Möglichkeit, öffentliche Verkehrsmittel ganz selbstverständlich und einfach nutzen zu können, so wie ich sie nutzen konnte als ich noch auf eigenen gesunden Füßen unterwegs war. Jeder Mensch kann innerhalb nur eines Augenblicks auf einen Rollstuhl angewiesen sein, dann muss er sich neben seiner persönlichen Situation zusätzlich mit unnötigen, von gedankenlosen Menschen gemachten Barrieren jahrzentelang herumschlagen.

Ich bitte alle Leser dieser Petition eindringlich mitzuhelfen, diese unhaltbaren Zustände zu verhindern - bitte stimmen Sie für die Barrierefreiheit bei S-Bahnen!

Bitte verbreiten Sie diese Petition.

Update 31.05.17: Kleinere Dinge, die uns Rollstuhlfahrern das Leben etwas leichter machen, sind auch wichtig und werden berücksichtigt (Punkte 5, 6, 9), was mich freut.

Sehr wesentliche, etwas umständlicher umsetzbare Forderungen werden jedoch noch nicht angetastet: der Platzmangel, die dadurch entstehende Verkomplizierung der Alltagssituation und die Gefahr für andere Fahrgäste, aber auch die Beschränkung unserer Einstiegsmöglichkeiten.
Daher bleibe ich bei meinen Forderungen und bitte weiterhin alle Leser um Unterstützung.



Heute: Lisa verlässt sich auf Sie

Lisa Schmidek benötigt Ihre Hilfe zur Petition „Bettina Jeschek: Die S-Bahn will Rollstuhlfahrer ausgrenzen - stoppen wir das!”. Jetzt machen Sie Lisa und 597 Unterstützer/innen mit.